𝐾𝑎𝑝𝑖𝑡𝑒𝑙: 𝟒𝟖
𝐾𝑎𝑝𝑖𝑡𝑒𝑙: 𝟒𝟖
ℑ𝔫𝔫𝔢𝔯𝔥𝔞𝔩𝔟 𝔡𝔢𝔯 𝔉𝔢𝔰𝔱𝔲𝔫𝔤𝔢𝔫 𝔳𝔬𝔫 𝔄𝔰𝔨𝔞𝔟𝔞𝔫
ℳ𝒶𝓇𝓎𝒶𝓃𝒶
,,Unter der Halluzination verstehen wir eine Wahrnehmung, ohne dass eine nachweisbare externe Reizgrundlage vorliegt. Es handelt sich hierbei um eine Sinnestäuschung, die auf Schlafentzug, Wahnsinn oder einer degenerativen Veränderung des menschlichen Gehirns beruhen kann. Bei einer Illusion dagegen-" Ich fuhr auf. ,,Severus, bitte! Ich weiß es, okay? Ich weiß, dass ich halluziniere!" Aufgewühlt vergrub ich meine Finger in meinen strähnigen Haaren. Drei Monate. Ich war mir nicht sicher, weshalb ich es wusste... Doch mir war klar, wie lange ich schon hier war. Dabei wusste ich nicht einmal, was für ein Tag heute war. Oder war es Nacht? Man ließ mich in meiner Zelle verrotten, man holte mich nicht einmal mehr zum Arbeiten. ,,Bei einer Illusion dagegen, wird ein real vorhandener Sachverhalt verändert wahrgenommen. Zudem ist von beidem die Wahnwahrnehmung zu unterscheiden. Sie-" Seine Stimme klang näselnd. Und erniedrigend. Ich hatte meinen Kopf so oft gegen die Zellenwand gedonnert, das Blut war in meinem Nacken getrocknet und grelle Lichtpunkte tanzten vor meinen Augen. Doch Severus verschwand nicht. Die ganze Zeit saß er neben mir auf dem kalten Zellenboden und belehrte mich. Es machte mich wahnsinnig. Was ich eigentlich ja schon lange war. ,,Severus, bitte...", flüsterte ich und schloss die Augen, hatte ihn erneut unterbrochen. ,,Was willst du dagegen tun?" Seine dunklen Augen musterten mich. Ich rieb mir die verkrusteten, brennenden Wangen. ,,Gegen dich? Gar nichts... Ich will nicht wieder einsam sein", flüsterte ich verzweifelt. Severus legte den Kopf schief, seine schwarzen Strähnen fielen ihm ins Gesicht. Andere hatten es immer als fettig bezeichnet, dabei war es seidig weich. ,,Man halluziniert nicht aus Einsamkeit", gab er zurück und ich schluckte. ,,Dann schieb es doch auf den Schlafentzug, ist mir gleich...", hauchte ich und wandte ihm den Rücken zu, legte meinen Kopf auf meine Knie, weil er sich plötzlich unfassbar schwer anfühlte.
Severus seufzte. ,,Ich bin nicht hier, um es dir noch schwerer zu machen. Ich helfe dir", meinte er leise und ich biss mir auf die Unterlippe. ,,Ich will einfach nur hier weg. Mir ist mittlerweile egal, ob das passiert, in dem ich fliehen kann- oder indem ich einfach sterbe", flüsterte ich und zuckte zusammen, hatte den Zauberer mit der Augenklappe nicht bemerkt, der mir gerade Essen in die Zelle schob. Blech schabte über den Boden, er betrachtete mich und als ich seinen Blick erwiderte glaubte ich beinahe, sowas wie Mitleid in seinen Augen zu sehen. ,,Frühstück", murmelte er und schob mir die Blechschale zu. Ich musterte ihn. ,,Was für ein Tag... Was für ein Tag ist heute?", flüsterte ich heiser und er musterte mich ernst. ,,Wir haben den neunundzwanzigsten März, es ist Dienstag, 1983", gab er zurück und ich schluckte. ,,Dienstag...", hauchte ich. In anderthalb Monaten wurde Asterion ein Jahr alt. Und ich wäre immer noch nicht bei ihm... Ich würde nie wieder bei ihm sein. ,,Mein Sohn, er... Er hat bald seinen ersten Geburtstag..." Ich vergrub das Gesicht tiefer in meinen mageren, aufgerissenen Händen. Der Zauberer schluckte hörbar. ,,Meine Tochter ist letzte Woche elf geworden. Sie kommt nach den Sommerferien nach Hogwarts", entgegnete er und nickte mir zu. ,,Iss. Das brauchst du!" Ich musterte ihn. ,,Arschloch hat eine Tochter?", flüsterte ich und er grinste schwach, doch etwas gequältes lag in seinen Augen. ,,Wir alle haben Menschen, die wir lieben. Wir alle haben auch eine andere Seite... Denkst du nicht?" Langsam zog ich die Blechschale zu mir ran, nickte schwach. ,,Fast alle... Fast...", hauchte ich müde, musterte ihn durch die Gitterstäbe. Er erwiderte meinen Blick. ,,Sag mir deinen Namen", meinte er dann und ich biss mir auf die Unterlippe. ,,Du weißt ihn doch noch, oder?" Ich nickte schwach. ,,Maryana... Mein Name ist Maryana. Maryana Black", hauchte ich und wünschte schmerzlich, es wäre wirklich schon so. Doch es spendete mir auf seltsamerweise Trost mir einzureden, dass es so war.
,,Altair Thorne." Er nickte mir zu. ,,Und jetzt iss. Wenn du es nicht für dich tust, dann tu es für deinen Sohn." Damit erhob er sich wieder. Ich sah ihm nach, als er wieder in die Dunkelheit des Korridors verschwand, dann senkte ich den Kopf. ,,Die einzige Person, die du jemals geliebt hast, durftest du niemals lieben... Das ist nicht fair, Severus", flüsterte ich, als ich nach dem Brot griff. Es kam mir beinahe weniger hart und trocken vor, seit Arschloch Altair Thorne es mir brachte. ,,Das Leben ist nicht fair", entgegnete der ehemalige Slytherin bloß, der noch immer im Schatten meiner Zelle saß und einfach nicht verschwinden wollte. ,,Ja... Das Leben ist nicht fair...", hauchte ich, während ich meine zerschlissene Gefängnishose betrachtete. Es sollte es aber sein... Das Leben sollte fair sein. Für alles, was man verlor, aufgab oder für jeden Preis, den man zahlen musste...
Das Duschwasser war viel zu heiß. Es brannte auf meiner Haut. Es brannte in meinen Wunden, auf meinen Blessuren. Das Licht flackerte immer noch. Es ging an - und wieder aus. Das ließ meinen Atem schnell und keuchend gehen. Der Zauberer, der mich dieses Mal hergebracht hatte, war gar nicht erst mit reingekommen... Er wartete draußen, hatte er gesagt - doch leistete ich mir auch nur den kleinsten Fehltritt, bekäme er das sofort mit. Ich zitterte, obwohl der Wasserdampf meine Haut so verschmähte. Ich starrte in den beschlagenen Spiegel gegenüber, mit den dunklen Ecken und den blutigen Spuren. Ein mageres Etwas erwiderte meinen Blick. ,,Das ist aus dir geworden, Maryana?" Ich fuhr zusammen. Da stand er. In seinem schwarzen Pelzmantel mit seidenweichen Locken. Sein Gesicht nicht länger eingefallen, er war wunderschön. Meine Knie wurden weich. ,,Tatze... Merlin... Tatze...", stieß ich wimmernd hervor, war nicht fähig mich zu rühren. Sein Blick war ernst, seine Augen wirkten seltsam kalt. ,,So kannst du nicht zu uns zurückkehren... Asterion würde dich kaum wiedererkennen..." Seine Worte trafen mich wie ein Schlag in den Magen. ,,Aber... Sirius...", hauchte ich und er wandte den Blick ab. ,,Er ist ohne dich besser dran. Du bist ein Wrack, Maryana, du könntest ihm doch niemals mehr eine richtige Mutter sein... Du würdest unsere Familie mehr zerstören, als zusammenführen... Asterion und ich, es geht uns gut. Es geht uns gut, ohne dich." Meine Knie gaben nach. Mit einem erstickten Laut brach ich auf den Fliesen zusammen. Schmerz durchfuhr meine spitzen Kniescheiben. ,,Habe ich es dir nicht gesagt? Ich habe dir gesagt, sie werden ihn dir wegnehmen. Aber nie wie..." Ein hämisches Lachen. Mein Blick schnellte zur Seite. Kalte Augen musterten mich abfällig und das malfoysche Grinsen auf Lucius' Lippen trieb das Gefühl Abschaum zu sein tief in meine Seele. ,,All das hättest du verhindern können." James... Stimmen. Zu viele Stimmen, die immer lauter wurden.
,,Wir sind nicht mehr länger deine Familie, Maryana."
,,Warum hast du nichts getan?!"
,,Es ist gekommen, wie es kommen musste. Du stehst ganz alleine da, so wie ich es dir gesagt habe. Hast du geglaubt, ich würde es nicht ernst meinen, Stone?" ,
,,Du hättest alles verhindern können und trotzdem hast du nichts getan..."
,,Seit still! Bitte seit einfach still!" Ich wurde verrückt. Und ich war mir dem auch noch vollkommen bewusst. Wie konnte ich mir meines eigenen Wahnsinns bewusst sein? Ich wünschte, ich wäre es nicht. Das war noch schlimmer, als darin zu ertrinken. Es war, als zerrten Realität und Surrealismus zu beiden Seiten an mir. Als wollten sie mich in Stücke reißen. Schluchzend schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen, ich wollte wieder paralysiert sein, weg von alldem. Meine Ängste nahmen überhand, begannen Kontrolle über meinen Verstand zu übernehmen. ,,Bitte...", flehte ich, begann gegen die Stimmen anzuschreien und konnte sie trotzdem nicht übertönen. Lange getrocknetes Blut rann in den Abfluss. Das Licht ging an- und wieder aus. Es flackerte. An- und wieder aus. Ich schrie mir die Kehle heiser, die Tür wurde aufgerissen, Schritte näherten sich plätschernd. Die Stimmen wurden leiser, als ich grob an den Schultern geschüttelt wurde. Das verwaschene, grüne Auge von Altair Thorne musterte mich mit ernstem Blick. ,,Es wird Zeit, zurück in deine Zelle zu gehen", meinte er und ich schüttelte den Kopf. ,,Nein... Bitte bring mich um... Töte mich", flehte ich gebrochen und sein Kiefer spannte sich an, als er den Blick abwandte. ,,Nein", gab er entschieden zurück. ,,Maryana, du musst dich zusammenreißen. Sie werden dich sonst von den Dementoren küssen lassen!" Er fixierte mich wieder mit seinen Blicken und ich erwiderte sie verloren.
,,Es ist mir egal, solange es mir endlich Frieden bringt", flüsterte ich und er seufzte. ,,Ich verstehe nicht, warum du in diesem beschissenen Gefängnis sitzt! Was willst du schon getan haben?!", fuhr er mich an und ich lachte heiser auf. ,,Nichts", gab ich zurück. ,,Das schlimmste was ich jemals getan habe, war dir dein Auge zu nehmen. Ich habe gar nichts getan. Ich bin hier, damit der Vater meines Sohnes fliehen konnte." Er musterte mich. ,,Und jetzt bist du gebrochen. Nach gerade einmal drei Monaten... Wie kann der Vater deines Sohnes mit dieser Schuld leben?", gab er zurück und ich schüttelte sofort den Kopf. ,,Er trägt keine Schuld... Es war meine Entscheidung..." Altair seufzte tief. ,,Los, zieh dich an", meinte er schließlich, half mir auf die Beine. ,,Ich bringe dich zurück in deine Zelle." Schwach zerrte ich mir die zerschlissenen Lumpen über meinen nassen Körper. ,,Also tötest du mich nicht...", brachte ich hervor und er schüttelte den Kopf. ,,Ich lasse mich nicht länger zwingen, ein Monster zu sein." Er stützte mich, als er mich wieder aus den Waschräumen von Askaban führte, meine Fußfessel unheilvoll über den Boden schlitterte. Ein Monster... Wann war man ein Monster? Leise flüsternd kamen die Stimmen in meinem Kopf zurück. ,,Mal darüber nachgedacht, dass du selbst vielleicht eines bist? Ein Monster?" Ich wusste nicht, wessen Stimme es war, ich schaffte es nicht länger, sie zuzuordnen. Aber sie fuhr mir bis ins Mark und ließ mich beinahe zusammensinken, hätte der Zauberer an meiner Seite nicht fester zugegriffen.
Ich wurde wahnsinnig.
Und dessen war ich mir vollkommen bewusst...
Was mich nur noch wahnsinniger machte.
Du bist ein Wrack, Maryana, du könntest ihm doch niemals mehr eine richtige Mutter sein... Du würdest unsere Familie mehr zerstören, als zusammenführen... Asterion und ich, es geht uns gut. Es geht uns gut, ohne dich. Sirius' Worte verließen mich nicht mehr. Lag mein verrückt spielender Verstand richtig? Ich war ein Wrack... Ich konnte Asterion vermutlich tatsächlich niemals wieder eine richtige Mutter sein, ich würde mehr zerstören, als besser machen. War es im Endeffekt das beste für meinen Sohn, wenn ich einfach blieb wo ich war?
Hier, in Askaban? In Askaban, wo ich niemandem mit meinem geschundenen Verstand schaden konnte, außer mir selbst?
Altair Thorne hatte geglaubt, an Askaban gewöhnt zu sein. Abgehärtet zu sein. Er tat, was er tun musste - und er beschützte damit seine eigene Familie. Er hatte es immer für das Richtige gehalten. Meist waren die Seelen hier unrein verseucht, bereits wahnsinnig und verdienten kein anderes Schicksal, als das schrecklichste Gefängnis der ganzen Zauberer-Welt. Doch Maryana, die sich in die Tiefen ihrer Zelle zurückzog, kaum hatte er sie wieder eingeschlossen, war anders. Und er sah ihr dabei zu, wie der Wahnsinn sie befiel. Altair hatte gehofft, ihn könnte das kalt lassen. Er war kalt geblieben, als er sie in ihrer ersten Nacht zusammengeschlagen hatte - doch da war er auch noch in dem Glauben gewesen, sie sei eine wahnsinnige Mörderin, die nur Schaden über ihre Welt brachte. Er hatte nicht gewusst, dass Askaban in Wahrheit eine unschuldige Seele zerstörte. Eine reine und zarte Seele. Er konnte ihr nicht einmal vorwerfen, dass sie ihn auf einem Auge hatte erblinden lassen. An ihrer Stelle... Er hätte dasselbe getan. Er hätte sie damals entkommen lassen sollen, anstatt sie zurück in ihre Zelle zu schleifen. Er hätte sie einfach nicht sehen sollen. Schluckend drehte er den massiven Schlüssel im Schloss. Er konnte ihr nicht mehr helfen. Er konnte sie nicht entkommen lassen. Zu viel stand für ihn selbst auf dem Spiel - und vermutlich würde die junge Hexe es nicht einmal mehr schaffen, zu fliehen.
,,Los, mitkommen. Da oben ist einer ganz scharf auf 'ne Abreibung", fuhr ihn ein Hauself an und aus den Gedanken gerissen sah Altair auf, nickte knapp. ,,Ich komme." Er sah ein letztes Mal zu Maryana. Sie unterhielt sich leise mit dem Nichts, sie flehte noch immer um den Tod - und vermutlich würde er es auch tun, wenn er beginnen würde, sich in einer Welt aus Halluzinationen zu verlieren. Er seufzte tief, ehe er sich abwandte. Er konnte nichts mehr für sie tun... Er hätte sowieso nicht viel für sie tun können. Er war dazu verdammt, ein Wächter in Askaban zu sein und er würde nur seine Familie in Lebensgefahr bringen, wenn er sich etwas teuer zu stehen kommen ließ. Er konnte ihr den Weg in den Tod nur erträglicher machen...
_________________________________________
Willkommen in Maryanas verdrehter Gedankenwelt... Sie verliert sich selbst immer mehr - kann ihr überhaupt noch geholfen werden? Will sie das überhaupt noch?
Ein wenig Feedback wäre mal wieder toll!
Liebe Grüße,
Eure wingsofeden
Altair Thorne
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen247.Pro