Noahs Weihnachtsferien waren viel zu schnell vorbei. Seinetwegen hätte er jetzt weiter den ganzen Tag mit Carly schreiben und telefonieren, und dazwischen mit Amy zu unnötigen Filmen ins Kino gehen können. Er hatte das Gefühl, dass Amy und er alle Filme, die das kleine Kino der Kleinstadt zu bieten hatte, angeschaut hatten, da sie beide eine Menge Langeweile hatten. Sein Lieblingsfilm war ein Horrorfilm gewesen - eigentlich nicht sein Genre, aber einmal war Amy so erschrocken, dass sie gequietscht hatte und auf dem Sitz hochgehüpft war. Noah hatte so gelacht und zog sie nun die ganze Zeit damit auf.
Der Gemeinschaftsraum der Zwölften war absolut nicht Noahs Ding, aber da Amy ihre Sofalehne liebte, blieb Noah auch. Er hatte keine Lust, allein irgendwo rum zu laufen. Und wenn er die Musik laut genug machte, überhörte er auch das Gezänke von Zoe und Vicky, das Gespötte von Tasso und alle anderen Gespräche. Er vermisste Carly in solchen Fällen - so gerne er Amy mittlerweile auch mochte, er liebte Carlys ruhige, introvertierte, schüchterne Art. Wie sie niemanden an dieser Schule leiden konnte, außer ihn. Zwar war dies bei Amy genau der selbe Fall, aber sie legte sich mit allen anderen an und fauchte ihnen beleidigende Dinge zu. Carly ging allen anderen eher aus dem Weg. Es war so verdammt mies, dass Carly so weit weg wohnte. Aber dass sie Freunde gefunden hatte, war Noahs einziger Trost - er hatte nur eine neue Freundin gefunden und Carly auf einen Schlag vier. Zwar kannte sie Constantia und Catherine schon davor, aber Aurelie und Louis waren neu. Und nett. Und extrovertiert. In Noahs Stufe waren alle entweder extrovertiert und scheiße, oder introvertiert und unfreundlich. Und dann gab es eben noch Amy, die zwar unfreundlich war, aber ihn leiden konnte. Das war wenigstens etwas. Und was ihn noch mehr wunderte, war die Tatsache, dass sie guten Musikgeschmack hatte. Vor vier Jahren in der achten hatte sie noch schrecklichen Geschmack. Jetzt hörte sie fast durchgehend 80er und 90er Rock plus irgendeine Sängerin, die sie ihm ums verrecken nicht zeigen wollte. Das fand Noah irgendwie mies, ließ es aber, da er wusste, dass er Amy nicht umstimmen konnte.
Genau diese tippte ihn jetzt an und Noah öffnete die Augen. "Hm?", fragte er.
"Wer war nochmal Constantia?"
"Eine von Carlys Freundinnen. Wieso?"
"Sie hat mich auf Snap geaddet." Amy runzelte die Stirn. "Moment mal - MOMENT. Sie hat n Pride-Shirt an." Amy grinste. "Is sie auch-"
"Sie is bi, ja", murmelte Noah, bevor er verstand. "Warte - auch?"
"Ach man, ich dacht' schon." Amy schürzte die Lippen. "Aber wenigstens etwas. Is sie hübsch?"
"AMY!", fauchte Noah, "Sag mir jetzt nicht, du bist auch-"
"Doch", sagte Amy, "Problem damit?"
"Nope", meinte Noah, "Absolut nicht. Aber Constantia hat fast ne Freundin. Also tut mir Leid. Aber du kannst sie ja trotzdem mal anschreiben. Teilt gay Erfahrungen aus oder so."
"Ach man. Wenigstens hat sie mehr Glück als ich." Amy seufzte. "Sie kommt auch im Februar?"
"Vermutlich", meinte Noah. Amy grinste. "Yes! Sehr cool." Dann fing sie an zu tippen und löschte alles wieder. "Fuck", murmelte sie, "Ich muss ja auf Französisch schreiben."
"Du bist zwölfte", lachte Noah, "Du machst Abschluss dieses Jahr. Du wirst es wohl schaffen, einem französischen Mädchen bloß Hallo zu schreiben. Du hast Franz seit sechs Jahren!"
"Für irgendwas muss der Unterricht ja gut sein", brummte Amy - und fing erneut an, zu tippen.
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