9. A Wonderful Woman
Ich wachte am nächsten Morgen mit einem guten Gefühl auf. Erinnerungen des letzten Abends spielten sich in meinem Kopf ab und ich musste unkontrolliert grinsen. Zu gern würde ich wissen, wie es nun zwischen mir und Tyrek aussieht. Was sind wir jetzt?
Ich beschloss, diesen Gedanken mit einer Tasse Tee runterzuschlucken. Es gab wichtigere Dinge, die ich nun in Augenschein nehmen muss. Zum Beispiel, wie ich heute den Tag mit Jane aushalten soll; falls die Frau sich dazu entscheidet, sich in der Schule blicken zu lassen. Und dann war da noch eine ganz wichtige Sache mit meinem eigentlich besten Freund. Ich hatte das Bedürfnis, mich bei ihm zu entschuldigen. Er wollte nur das Beste für mich und seinen Kumpel und Bandkameraden beschützen. Es war verständlich. Nur leider wusste ich nicht, wo er sich im Moment aufhält. Ich wusste nicht einmal, ob er überhaupt in London wohnt. Praktisch wusste ich rein gar nichts von seinem jetzigen Lebenszustand.
Im Treppenhaus begegnete ich keiner Jane und das war auch für den restlichen Weg zur Schule nicht der Fall. Wie immer, wenn ich alleine war, ging ich um die dunkle Gasse herum. Ich wusste nicht wieso, aber dieses kleine, schwache Licht bedeutete nichts Gutes in meinen Augen und wer würde freiwillig in eine dunkle Gasse reinspazieren. Einige Leute begrüßten mich freundlich auf meinen Schulweg und kurz machte ich Halt bei einem Bäcker, um mir ein belegtes Brötchen zu gönnen. Ich überlegte sogar, ob ich Tyrek eins mitbringen sollte. Aber ich habe oft beobachtet, wie er eigene Brötchen aus seiner Tasche holte. Zumindest konnte ich somit sparen.
Auf dem Schulplatz gab es eine große Massenversammlung. Die ganze Schule stand vor einem kleinen Podest, wo unser Schulleiter sich eingefunden hat. Da ich nicht die größte Person bin, drängelte ich mich etwas nach vorne.
" Hey, Dani ".
" Oh, hi Tyrek ".
Ich wurde etwas rot um die Nasenspitze, da ich Tyrek erst gar nicht bemerkt habe. Er zwinkerte mir kurz zu, bevor seine Aufmerksamkeit wieder zum Schulleiter wanderte, der anfing in das Mikro zu sprechen.
" Liebe Schülerrinnen und Schüler. Vielen Dank, dass ihr euch alle hier auf dem Schulplatz eingefunden habt. Ich möchte euch kurz daran erinnern, dass in wenigen Tagen der Schultanz auf unserer Schauspielschule stattfindet. Also sucht euch schnell ein Tanzdate für den kommenden Abend ".
Damit war die Versammlung auch schon vorbei und es wurde zwischen den Schülern wild durcheinandergeredet. Ich spürte, wie Tyrek mich bei der Hand nahm und mich aus dem Gedrängel ans Schultor zog. Die Wärme, die dabei meine Hand umschlang, ließ meine Wangen in ein wunderschönes dunkelrot tauchen. Als Tyrek die Situation bemerkte, räusperte er sich verlegen und ließ dann meine Hand los. Er ließ seine Hände in die Hosentasche gleiten und schaute mich mit gesenktem Kopf an.
" Du .. hättest du nicht vielleicht Lust mit mir dahin zu gehen ... also zum Tanz?".
" Liebend gerne ".
Ein Klingeln riss uns aus der Zweisamkeit und wir liefen schleunigst zur nächsten Schulstunde, die mal wieder etwas mit Theater zutun hatte. Jane war auch heute nicht aufzufinden. Bestimmt hang sie mit ihrem Paulie in irgendeinem schicken Restaurant rum oder noch besser; einem Schlafzimmer.
In der großen Pause wurde Tyrek immer und immer wieder von Mädchen gefragt, die sein hüpfendes Date sein wollten. Doch jedes Mal lehnte er mit einem unschuldigen Lächeln ab und erklärte den jungen Ladys, dass er bereits ein Date hat. Oft hatten die Weiber Tränen in den Augen oder starrten mich giftig an. Ich wollte gar nicht wissen, was in deren Köpfen vorgeht. Bestimmt waren sie dazu geneigt, mich zu zerfleischen und als Date für Tyrek zu ersetzten. Ich bekam erst Bammel, als Kate und Anna auftauchten. Mit dabei waren natürlich auch Ryan und David, die kein glücklichen Gesichtsausdruck aufgesetzt haben. Ihr eifersüchtiger Blick glitt zu Tyrek, dem das nicht wirklich viel ausmachte. Er schien eher angenervt über den Anblick der beiden Weiber. Kate beugte sich mit ihrem tiefen Auschnitt zu dem sitzenden Tyrek hinab und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Seine Augen rollten spielerisch genervt zu mir, weswegen ich ein Kichern unterdrücken musste. Bevor Tyrek antwortete, seufzte er.
" Hört zu. Ich habe ein Date mit dieser wundervollen Frau hier. Warum sucht ihr euch nicht jemanden, der etwas für euch empfindet? Bestimmt habt ihr dann mehr Glück ".
Kate und Anna schauten den Mann entgeistert an. Ich glaube, in ihrem ganzen Leben sind sie noch nie so abserviert worden. Peinlich berührt über die Aussage von Tyrek gegenüber mir schaute ich auf die Tischplatte und spielte nervös mit den Händen. Ich merkte nur, wie ich eifersüchtige Blicke von Kate und Anna bekam, bevor sie ohne Worte mit Ryan und David abhauten.
" Meintest du das Ernst?".
" Was denn?".
" Naja ... das mit der wundervollen Frau. Oder hast du das nur gesagt, um die Mädchen zu vertreiben?".
" Natürlich meinte ich das Ernst. In meinen Augen bist du die einzige, hübsche Frau hier an dieser Schule ".
" Danke ".
Ich wusste nicht wirklich, ob er es gehört hatte. Wieder unterbrach uns das Klingeln und es wurde Zeit für die letzten zwei Stunden, bevor es hinaus in die Freiheit ging.
[Auf der Arbeit]
Tyrek hatte mich direkt nach der Schule zur Arbeit gebracht. Da ich am gestrigen Tag früher gehen durfte, musste ich dementsprechend heute früher anfangen. Celina war schon vor Ort und hatte unser peinliches Ankommen mitgekriegt. Frech grinsend beobachtete sie uns, wie Tyrek mir verstohlen einen Kuss auf die Lippen drückte, bevor er ging. Wie versteinert stand ich da, bis ich durch ein Räuspern wieder bei Sinnen war.
" Das war ja mal ein Volltreffer, würde ich sagen ".
" Ach, was ".
" Er mag dich ".
" Ja ".
" Und du magst ihn ".
" Jaa, irgendwie schon ".
Wie immer nahm ich meine Schürze und stürzte mich auf die Arbeit. Wenn ich kurz fünf Minuten Zeit hatte, musste ich immer auf den Tisch starren, an dem George gestern gesessen hatte. Dabei machten sich immer wieder Gewissensbisse in mir breit. Ich sollte mich wirklich bei ihm entschuldigen, auch wenn er selber Mist gebaut hatte. Vielleicht konnten wir uns gegenseitig alles erklären. Ein Gefühl sagte mir, dass Celina mir dabei helfen könnte. Als wir unsere Pause einlegten, sprach ich sie darauf an.
" Du, Celina?".
" Jap?".
" Ich ... habe ein schlechtes Gewissen.. wegen George. Und du bist doch noch am Samstag Abend etwas bei ihm geblieben. Hat er dir dabei zufällig seine Wohnadresse verraten?".
" Aha, das kleine Fräulein Sturheit hat also ein schlechtes Gewissen, sieh mal einer an ".
" Man, Celina. Was ich aber gesagt habe, stimmt wirklich. Sie haben den Kontakt damals wirklich abgebrochen. Und ich will unbedingt wissen, warum ".
" Also seine Adresse weiß ich nicht, aber... er hat mir erzählt, dass er den Hyde Park sehr schön findet. Wenn du Glück hast, findest du ihn vielleicht dort ".
" Okay, danke ".
[Schichtende]
Es war zwar schon später Nachmittag, trotzdem wollte ich den Hyde Park aufsuchen. Hoffentlich hielt sich George gerade dort auf. Celina konnte mich leider nicht begleiten, aber sie hatte mir den genauen Weg vom Cafe aus beschrieben. Als ich über einen Zebrastreifen ging, konnte ich den Park erkennen. Er sah aus wie leergefegt. Jedoch konnte ich eine Person erkennen, mit einem schwarzen Mantel und einem dunklen Hut. Das war der Gleiche, den George am gestrigen Tag aufgehabt hatte. Schnell lief ich den großen Sandweg entlang und näherte mich dem Mann, der mir den Rücken zugedreht hat. Ich wusste nicht wirklich, was ich zu George sagen sollte. Natürlich wollte ich mich entschuldigen, aber ich wollte auch Informationen aus ihm herauslocken.
Als ich nah genug an dem Mann dran war, hielt ich ihn an der Schulter fest.
" Hey, George ".
Der Mann drehte sich um, aber es war nicht George, dem ich gefolgt bin. Der Mann hatte einen anderen Schnauzbart und große, grün-braune Augen mit langen Wimpern, die mich überrascht musterten.
" Paul .. ".
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