18. Surprise, Surprise
Nachdem wir uns von John und den anderen verabschiedet hatten, gingen Celina und ich zu mir nach Hause, um uns etwas auszuruhen und zu quatschen. Auf dem Weg war ich völlig in Gedanken versunken. Paul hatte sich auf die Freundesbeziehung eingelassen. Sein Grund war, dass er mich nicht komplett verlieren wollte. Aber wenn ich ehrlich sein sollte, wollte ich es am Liebsten wieder ungeschehen machen. Diese Schnapsidee wird doch nie klappen. Es hat früher schon nicht mit der Freundschaftsbasis geklappt, warum also jetzt, wo die Situation noch schlimmer ist. Hoffentlich reißt Paul sich zusammen. Und kommt mir nicht allzu sehr in die Quere.
In der Wohnung verstaute ich erstmal meine Einkäufe, während Celina Tee machte. Beim Reinstopfen der Kleider fiel etwas aus dem Schrank. Etwas graues, weiches ist auf meinen Fuß gefallen. Als ich meinen Blick darauf warf, kam wieder die Erinnerung hoch, warum der Elefant im Schrank versteckt gewesen ist. Ich hob ihn vorsichtig auf und strich über seine Ohren entlang. Ich weiß noch genau, wann Paul ihn mir geschenkt hatte. Meine Freude war wirklich groß gewesen. Ein Lächeln stahl sich auf meine Lippen an die doch schöne Hamburgzeit. Doch gleichzeitig wurde mir bewusst, über wen ich gerade dachte und schüttelte den Gedanken sofort ab. Den Elefanten schmiss ich trotzdem zurück auf mein Bett und packte die restlichen Sachen in den Schrank.
Celina hatte den Tee inzwischen angerichtet und ein paar Biscuits aus dem Schrank genommen. Alles war ordentlich vor dem Fernseher platziert worden. Mit einem Lächeln setzte ich mich neben ihr und wir guckten zusammen die Ed Sullivan Show. Dabei fingen wir ein Gespräch an.
" Glaubst du, dass Paul deine Bedingung einhalten wird?".
" Ganz ehrlich, nein. Das hat er früher schon nicht hinbekommen, als ich noch mit John zusammen war. Aber was hätte ich machen sollen? Schließlich wollte ich ihn nicht einfach so versauern lassen ".
" Ich gebe dir ja recht. Du kannst im Moment auch nichts anderes tun. Lass uns erstmal schauen, wie sich das entwickelt ".
" Hmm ".
" Was ist eigentlich mit Tyrek? ".
Bevor ich antworten konnte, klingelte das Telefon. Celina warf mir einen verschwörerischen Blick zu, bevor sie abnahm. Die Person sagte kurz etwas auf der anderen Leitung, als Celina zu mir rüberschaute und anfing zu grinsen. Automatisch stand ich auf und stellte mich neben ihr.
" Ja sie ist da. Warte kurz ".
" Hallo?".
" Hey, Babe. Ich bin's ".
" Oh, hey Tyrek ".
" Das ist vielleicht etwas kurzfristig, aber könntest du schnell vorbeikommen. Es ist etwas wichtiges ".
" Bin schon unterwegs. Bis gleich ".
Ich legte auf und schnappte mir meine Jacke. Celina drehte sich in ihrer Sitzposition um und schenkte mir ein freches Grinsen. Genervt verdrehte ich die Augen und machte mich ohne einem Tschüß aus dem Staub. Unglücklicherweise fing es an zu regnen, also nahm ich den nächsten Bus, der in der Nähe von Tyreks Wohnung anhielt.
Kaum hatte ich an seiner Tür geklingelt, wurde sie auch schon geöffnet. Mit einem warmherzigen Lächeln ließ Tyrek mich eintreten und hielt mich sogleich an meinen Hüften fest. Er gab mir einen innigen Kuss, der noch länger hätte anhalten können. Im nächsten Moment verdeckte Tyrek mir die Augen mit seinen Händen und drückte mich Richtung Wohnzimmer.
" Was ist denn so wichtig, Tyrek?".
" Deine Überraschung ist wichtig, Süße ".
" Überraschung? Was für eine?".
Er setzte mich auf die Couch und öffnete eine Schublade. Kurz hörte ich das Blättern von Papieren, bis Tyrek wohl fand was er suchte. Dann setzte er sich neben mich und sagte mir, dass ich meine Hände ausstrecken sollte. Mir wurden zwei, sich gleichanfühlende Sachen in die Hände gelegt. Als ich meine Augen wieder öffnen durfte, traute ich ihnen in diesem Moment nicht wirklich.
" Wir gehen auf ein Beatleskonzert! Und rate mal, wer mit dir mitgeht?".
" Ehm .. also .. ".
" Na ich, du kleine Stottermaus ".
Entgeistert starrte ich auf die beiden Konzertkarten. Es stand tatsächlich The Beatles auf beiden Karten. Ich wusste gerade nicht, wie ich mich fühlen sollte. Gut oder schlecht?
" Freust du dich denn gar nicht, Baby? ".
" Was? Doch, natürlich. Ich bin nur gerade etwas geschockt, dass ist alles ".
" Und du gehst mit deinem Freund ist. Ist das nichts?".
Er drückte mich fest an sich, sodass mein Gesicht an seine Brust gepresst wurde. Ich legte die Karten beiseite und erwiderte seine Umarmung. Also das war jetzt wirklich eine Überraschung gewesen. Nur ich wusste nicht, ob ich erfreut darüber war. Tyrek wusste schließlich von gar nichts. Und es gab außerdem noch ein großes Problem. Was passiert, wenn Paul uns entdeckt?
Das Konzert war nächste Woche Freitag. Also hatte ich noch ein wenig Zeit, mich seelisch darauf vorzubereiten. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich mit Tyrek. Die meiste Zeit lagen wir auf der Couch und redeten. Gedankenverloren strich ich durch sein gestyltes Haar, während er mir von seinem Bruder Jake erzählte. Er würde am Montag zu Besuch kommen und bis Donnerstag bei ihm bleiben. Eine gewisse Neugier hatte ich schon. Gerne würde ich wissen, wie sein Bruder aussieht. Ob Tyrek eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm hat.
" Wenn du willst, kannst du nach der Schule direkt mit mir kommen und ihn vom Flughafen abholen. Er wohnt nämlich in Amerika ".
" Ich würde deinen Bruder gerne kennenlernen. Aber du siehst ihn selten, oder?".
" Leider, da er in Los Angeles viel zutun hat. Er ist ein angesehener Fotograf dort und hatte schon die Ehre, Elvis Presley treffen zu dürfen und Brigitte Bardot. Er hat mir oft angeboten, bei ihm einzusteigen. Aber Fotos liegen mir nicht so, dafür bin ich lieber im Schauspielgeschäft. Und ich bereue es keine Sekunde ".
Mit einem süßen Lächeln schaute er auf mich herab und streichelte meine Wange. Tyrek konnte so charmant sein. Er war einfach der Richtige. Er würde mir niemals wehtun und mich nie verlassen. Schüchtern drückte ich ihm einen Kuss auf und vergrub mein Gesicht in seine Halsbeuge. Es war einer dieser Momente, die nicht so schnell enden sollten. Es fehlte nur noch ein schöner Ofen mit einem prasselnden Feuer darin. Passte vielleicht nicht gerade zum Spätsommer, aber im Winter wäre es angenehm warm.
" Baby?".
" Ja?".
" Es dauert zwar noch, aber hast du Lust, mit mir Weihnachten zu verbringen? In Schottland gibt es einen großen Weihnachtsmarkt mit Karussells und einem großen Weihnachtsbaum, wo sich jeder eine eigene Kugel ranhängen darf mit seinem Namen darauf. Wir könnten uns ein Ferienhaus mieten mit einem schönen Ofen ".
" Du willst mit mir nach Schottland und dort Weihnachten verbringen?".
" Ja. Du bist mir wichtig, und wir sind zusammen. Also, was sagst du?".
Da hatte ich meinen schönen Ofen. Ich hätte nie damit gerechnet, dass Tyrek auf so eine wunderschöne Idee kommen würde. Weihnachten mit meinem Freund verbringen. Wie romantisch!
" Liebend gerne. Oh Tyrek, ich freue mich so, dass du mich gefragt hast ".
Ich umarmte ihn stürmisch und vergrub mein Gesicht in seine Schulter. Tyrek lachte in sich hinein und strich meinen Rücken entlang. Langsam löste er sich und hielt mein Gesicht in seinen Händen. Verträumt starrte ich in seine Augen. Er überbrückte die letzten Zentimeter und ich schloss meine Augen. Unsere Lippen kollidierten und fanden einen Rhythmus. Er bat um Einlass, den ich ihm gewährte und unsere Zungen spielten miteinander, bis ich schließlich aufgab und mich etwas von Tyrek löste.
" Es wird langsam Zeit, dass ich wieder nach Hause gehe. Es wird dunkel und ich weiß nicht, ob Celina noch bei mir ist ".
" Ich habe mich schon gewundert, warum sie an dein Telefon gegangen ist. Erst habe ich gedacht, dass ich mich verwählt habe ".
" Ach, sie ist manchmal komisch. Würdest du mich nach Hause fahren?".
" Nichts lieber als das ".
Wir verließen Tyreks Wohnung und fuhren mit dem Auto zu mir nach Hause. Tyrek brachte mich noch zur Tür und küsste mich zum Abschied. Mit einem roten Schleier um die Wangen betrat ich die gute Stube und fand keine Celina. Dafür aber einen Zettel auf dem Couchtisch.
Nächstes Mal lässt du mich nicht so einfach sitzen. Als Entschädigung habe ich deine Biscuits mitgenommen. Die sind nämlich verdammt lecker. Muss ich mir auch besorgen. Übrigens hat Paul hier angerufen. Er hat irgendwas gefaselt, dass er dich mal zu den Studioaufnahmen mitnehmen möchte. An deiner Stelle würde ich mir die Chance nicht entgehen lassen, den Beatles bei der Arbeit zuzuschauen xoxo
Ich lächelte in mich hinein. Wäre eigentlich keine schlechte Idee. Rasch wählte ich die Nummer von der Lennon/McCartney WG. Es dauerte ziemlich lange, bis jemand ranging. Am Ende war es Paul, der abnahm.
" Hallo?".
" Hey, Paul ".
" Oh, Dani ... Was ist denn? Ist alles in Ordnung bei dir?".
" Ja, mir geht's gut. Ich wollte nur sagen, dass ich gerne mit ins Studio komme ".
" Das freut mich. Morgen nehmen wir etwas für unser neues Album auf. Soll John dich um 10 Uhr abholen?".
" Klar, wäre kein Problem. Aber ... ".
" Dann bis morgen. Schlaf gut ".
Aufgelegt. Verwirrt starrte ich auf den Hörer, legte dann ebenfalls auf. Ich stand für einige Zeit stumm da. Warum soll John mich abholen, wenn Paul mich eingeladen hat?
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