16. It's Over Now
Nachdem ich meine Rede beendet hatte, vergrub ich verzweifelt mein Gesicht in den Händen. Ich konnte es nicht mehr zurückhalten. All die Verletzungen und Niederschläge überkamen mich regelrecht. Niemanden konnte ich in die Augen schauen. Tränen liefen über meine Finger, ich fing an zu schluchzen. Jeder schwieg. Ich wusste nicht, wie lange wir so da saßen. Irgendwann schien sich Celina gefasst zu haben.
" Nun .. ehm was habt ihr dazu zu sagen?".
Ihr Blick wanderte von Paul, über John, zu George. Zusammengekauert saß ich da und weinte leise. Ich setzte alles daran, sitzen zu bleiben. Wäre meine Freundin nicht dabei gewesen, wäre ich schon längst geflüchtet. Ringo wurde es an der Seite ziemlich ungemütlich. Ihm wurde es langsam zu schweigsam.
" Ich kann es einfach nicht fassen! Wie könnt ihr so ein hübsches Mädchen alleine lassen? Warum habt ihr sie nicht mitgenommen? Ihr wusstet ganz genau, dass ihr sie nicht so schnell wiedersehen werdet. Ihr wusstet, dass der Kontakt abbricht. Und ihr lügt sie auch noch an. Paul, sie ist deine Freundin. Du liebst sie. Wie konntest du nur denken, dass du sie verloren hättest? Eine Liebe verliert man nicht einfach so. Stattdessen holst du dir einen ... einen Ersatz und belügst diese. Und jetzt wunderst du dich, warum sie nicht so einfach zu dir zurückkommt. Du bist so leichtsinnig, McCartney. Denkt alle drüber nach, was ihr getan habt. Ich brauche frische Luft und gebe mir nicht länger diese Lügenbande!".
Die Tür wurde zugedonnert. Es war Totenstill. Ich konnte nicht zusehen, wie Ringo sich den Kopf über seine Bandkameraden zerbrach. Wenn seine eigenen Freunde ihn nicht aufklärten, musste ich es tun. Ich lief ihm hinterher, ignorierte die Rufe der anderen. Lange musste ich nicht nach Ringo suchen. Er hatte sich draußen gegen die Hausmauer gelehnt. Ich beobachtete ihn. Sein Blick war nach oben, zu den Sternen gerichtet. Er schien nachzudenken. Sein Blick wanderte überraschend zu mir. Mit langsamen Schritten näherte ich mich ihm.
" Jetzt weiß ich, warum du nicht gut auf Paul zu sprechen warst. Ich hätte an deiner Stelle nicht anders reagiert. Aber das er dir so etwas antut, hätte ich ihm auch nicht zugetraut. Ich wusste nicht einmal, dass ihr zusammen gewesen seit. Niemand hat mir etwas erzählt. Aber warum sollten sie auch .... Ich bin doch nur der Drummer ".
" Sag nicht so etwas, Ringo. Du bist der beste Mann. Sie sollten sich ein Beispiel an dir nehmen. Und das mit den Jungs ... Es war nicht richtig von ihnen gewesen, das stimmt. Und ich kann dir sagen, zwischen mir und Paul wird es keine Hoffnung mehr geben ... dafür hat er mich zu sehr verletzt. Aber man kann immer noch miteinander reden, oder. Und man kann auch verzeihen. Aber mehr wird nicht kommen. Vielleicht werden wir eines Tages wieder enge Freunde ... aber bis dahin wird ein langer Weg sein ".
Ringo hatte sich zu mir gedreht. Er schaute mich mit überraschenden Augen an. Ich musste selbst drüber nachdenken, was ich gerade gesagt habe. ' Ja, verzeihen kann man. Aber mehr wird in erste Linie nicht sein, vorallen nicht zwischen mir und Paul. Vielleicht liebe ich ihn noch, aber das muss endlich aufhören '.
" Ich bin kein nachtragender Mensch. Das, was zwischen dir und den Jungs abgelaufen ist, ist deine Sache, nicht meine. Ich kann dir nur sagen, dass Paul von niemand anderem als von dir gesprochen hat. Ich hatte immer geglaubt, dass er so ist, weil ihr eng befreundet seit. Und jetzt erfahre ich, dass ihr zusammen seit ... wart. Hast du ihm schon gesagt, dass es entgültig vorbei zwischen euch ist?".
" Naja ... nicht wirklich ".
" Und dann wunderst du dich, warum er immer noch hinter dir her ist? Setzte es zu einem Ende, wenn du es wirklich willst. Dann wird er dich schon in Ruhe lassen ".
Ich nickte nervös, kaute auf der Unterlippe. Ringo hatte recht. Schließlich hatte ich es heute auch vor. Mit einem aufmunternden Lächeln nahm ich seine Hand und führte ihn wieder in Celinas Wohnung. Die anderen hatten sich nicht von der Stelle bewegt. Ich löste mich von Ringo, als unsere Blicke aufeinandertrafen. Der Drummer setzte sich wieder an den Rand des Sofas und sagte kein Wort. Ich stand offen im Raum, die Blicke der anderen durchbohrten mich. Ich konnte es tun, hier und jetzt.
Setzte es zu einem Ende, wenn du es wirklich willst.
" Paul!".
Die Augen des Bassist weiteten sich, als ich seinen Namen erwähnte. Ich atmete tief ein und aus, überlegte krampfhaft, was ich sagen sollte. Aber warum das lange Denken? Es ging doch eigentlich ganz einfach. Und dann auch noch vor gaffendem Publikum.
" Ich bin mit jemand anderem zusammen und liebe diesen Mann ".
" Was ..?".
" Zwischen uns ist es vorbei, endgültig!".
Ringo hob beide Augenbrauen, war anscheinend überrascht über meine Entscheidung. Celina starrte mich mit offenem Mundwerk an. John und George saßen starr wie eine Statur da und Pauls Augen kullerten förmlich heraus vor Überraschung. Ich im Gegenzug stand selbstbewusst da, auch wenn meine Knie schlotterten. ' Es war die richtige Entscheidung gewesen '.
" Dani, wieso machst du dir selber etwas vor? Du liebst ihn und er liebt dich. Ihr gehört zusammen. Außerdem haben wir noch nicht alles aufgeklärt. Du musst immer noch wissen, wieso der Briefkontakt aufgehört hat ".
" Das kann man sich schon selbst zusammenreimen. Die Jungs waren kurz vorm Durchbruch und hatten einen Plattenvertrag schon so gut wie in der Tasche. Dabei kommt Stress und Zeitaufwand auf. Es gab keine Zeit mehr, um alberne Briefe zu schreiben. Sie mussten Taten vollbringen und ihre Finger zur Gitarre schwingen, um es weiterzubringen in ihrer Karriere. Vergessen haben sie mich vielleicht nicht, aber es kam so rüber. Sicherlich war alles nur ein Missverständnis. Und ich sag euch was. Verzeihen kann ich euch, aber mehr wird da erstmal nicht laufen. Unsere Freundschaft wird nicht so wie am Anfang sein. Dazu fehlt mir das nötige Vertrauen. Ich hab mein Leben und ihr euers ".
Celina blieb still. Ich hatte sie wohl jetzt alle in der Hand. Paul hatte seinen Kopf gesenkt, John und George schienen nachzudenken oder in ihrer eigenen Welt zu sein. Ringo musterte jeden und braute sich seine eigene Meinung über das ganze Spektakel. Ich sah es Paul an, dass er nichts zu sagen hatte. Jetzt konnten wir endlich normal gegenüber stehen, zumindest konnte ich es jetzt. Ein Blick zu John und George und beide nickten zustimmend. Sie waren einverstanden mit meinem Ultimatum. Vielleicht werden wir einmal wieder dicke Freunde wie damals. Ich, jedenfalls, schloss es nicht aus.
" Dani? ".
Alle schauten zu Paul, der seinen Blick langsam hob und seine Augen auf mich weilen ließ. Ich stand stramm da und blickte ihn kühl an. Er soll wissen, dass ich nicht flunker.
" Meintest du das ernst? Du hast einen anderen?".
" Ja, das habe ich. Und ich meinte es auch ernst, als ich sagte, dass es vorbei ist. Such dir eine andere, die du lieben willst. Vielleicht Jane .. ".
" Aber ich liebe nur eine und das bist du ".
" Dann tut es mir leid, Paul ".
Für mich war dieses Gespräch eigentlich beendet. Ich blieb nur wegen den anderen hier. Celina schaute verwirrt hin und her. Paul hatte seinen Blick wieder gesenkt und schien ebenfalls verwirrt zu sein. Mir tat es auf eine Art leid, aber ich hatte keine andere Wahl. Es gab keinen anderen Weg, es ihm vernünftig beizubringen. Jetzt würde er mich zumindest aufgeben, hoffe ich jedenfalls.
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen247.Pro