Kapitel 5
Als Lucy weit genug vom Lager entfernt war ließ sie ihrem Chakra wieder freien Lauf. Konzentriert schloss sie ihre Augen und formte Fingerzeichen. Lösen. Erleichtert spürte sie wie sich das Siegel löste, mit dem sie einen Großteil ihres eigentlichen Chakras versiegelt hielt. Eine so große Chakramenge, wie sie normalerweise nur Shinobis hatten, wäre bei einem Mädchen vor allem in ihrem Alter mehr als auffällig. Als nächstes versuchte sie das Chakra ihrer Geschwister ausfindig zu machen. Beide Chakrasignaturen gefunden sprintete sie los. Immer weiter entfernte sie sich vom Lager und aus ihrem bekannten Umfeld.
Nach ungefähr dreiviertel der Strecke flogen plötzlich Kunais auf sie zu. Elegant wich sie aus und landete auf dem Waldboden. Alarmiert sah sie sich um. Sie hatte nähmlich keine Chakrasignatur spüren können. Zeig dich! Rief sie in die Dunkelheit. Ein leichtes Lachen ertönte hinter ihr. Sofort wirbelte sie herum. Ein frustriertes Knurren entwich ihrer Kehle. Es war mitten in der Nacht und das Licht des Halbmondes wurde von den Bäumes des Waldes fast vollständig verschluckt. Sie konnte ihren Gegner also weder spüren noch sehen. Was macht ein kleines Mädchen wie du Nachts alleine im Wald? Spottete ihr Gegner weiter. Ich habe keine Zeit für sowas. Murmelte Lucy frustriert und drehte sich zum weiterlaufen um, doch augenblicklich sprang sie zurück und musste dabei einen überraschten Aufschrei unterdrücken. Genauso schnell wie er da war, war er auch wieder weg. Tief atmete Lucy ein und wieder aus um sich zu beruhigen. Dann formte sie blitzschnell Fingerzeichen. Feuerversteck: Jutsu der flammenden Feuerkugel. Sie benutzte nur wenig von ihrem Chakra, daher war die Feuerkugel auch kleiner als normal. Das wiederholte sie weitere vier Mal in unterschiedliche Richtungen. So triffst du mich aber nicht. Spottete die Stimme weiter. Das war auch nicht der Plan. Kam es ruhig von Lucy. Sie hatte nicht auf ihn gezielt. Dazu müsste sie erstmal seine Position kennen. Stattdessen hatte sie auf die Bäume um sich herum gezielt, die nun hell aufloderten. Wenn sie ihn nicht spüren konnte, musste sie ihn eben sehen können. Aufmerksam sah sie sich um. Als sie im Augenwinkel einen Schatten wahrnahm war sie blitzschnell an der Stelle und ließ ihren Dolch auf den Gegner zusausen. Überrascht drehte er sich um und schaffte es geradeso Lucys Angriff mit einem seiner Kunais zu blocken. Bevor er sich von dem kleinem Schock erholen konnte, stieß Lucy sich schnell mit Chakra vom Boden ab und landete einen Tritt auf den Rücken ihres Gegners. Dieser flog ein paar Meter, schaffte es aber mit einem Backflip auf den Füßen zu landen. Lucy wollte erneut auf ihn zulaufen, doch ihr Gegner formte Fingerzeichen. Wasserversteck: Tobender Sturm. Ein Tornado aus Wasser begann sich vor dem Typen zu formen. Wenn er es schafft die Flammen zu löschen wars das. Ihre eigenen Fingerzeichen formend lief sie auf ihren Gegner zu. Erdbarriere: Erdgefängnis des Nichts. Eine Kuppel aus Felsen sperrte den Wassertornado ein. Doch es würde ihn nicht lange aufhalten können. Mit dem Wissen und etwas Windchakra befand sie sich innerhalb eines Wimpernschlages hinter dem feindlichen Shinobi und zielte mit einem Chakraverstärkten Tritt auf seinen Kopf. Im letzten Augenblick schaffte der Shinobi aber noch seinen Kopf zur Seite zu bewegen. Stattdessen traf Lucys Tritt mit voller Wucht die Schulter ihres Gegners. Ein lautes knacken war zu hören und ihrem Gegner entfloh ein schmerzvolles Zischen. Durch die Verletzung war er gezwungen das Jutsu zu beenden und die gebildeten Wassermassen fielen in sich zusammen und flossen aus ein paar Stellen an denen Lucys Erdjutsu Schaden genommen hatte heraus. Doch das kümmerte Lucy im Moment eher weniger. Verdammt. Erdjutsus kosten einfach zu viel Chakra. Ich muss das hier schnell beenden. Frustriert biss sie ihre Zähne aufeinander und setzte erneut zum Schlag an. Erschrocken weiteten sich ihre Augen als ihr Gegner sie trotz der Verletzung am Fuß packte und wegschleuderte. Ein Schmerzerfüllter Schrei hallte durch die Nacht als Lucys Rücken Kontakt mit der Felskuppel machte. Mit einem dumpfen Aufschlag landete sie auf dem mit Wasser überzogenen Boden. Durch den Aufprall fiel es ihr schwer zu atmen und ihr Rücken brannte wie die Hölle. Dennoch richtete sie sich Stück für Stück auf. Ich habe dich unterschätzt du kleine Göre. Aber das war's für dich. Blitzversteck: Blitznadeln. Bevor Lucy reagieren konnte wurde das Wasser von Blitzen durchzogen und letztendlich auch ihr Körper. Erneut schrie sie auf. Es fühlte sich an als würde sie immer und immer wieder von tausenden von Nadeln gestochen werden. Als das Jutsu endete fiel sie erneut auf den Boden. Sie konnte keine ihrer Gliedmaßen spüren, geschweige denn bewegen. Ihr Atem ging unregelmäßig. Sie spürte kaum wie sie an ihrem Kimono hochgehoben wurde. Ihr Kopf hing schlaff nach unten und es fiel ihr schwer ihre Augen offen zu halten. Der feindliche Shinobi lachte leicht auf. Ich hätte nie erwartet, dass ein kleines Mädchen wie du mir mal die Schulter brechen würde. Du hast großes Potenzial. Schade drum. Damit hob er sein Kunai und ließ es auf das Mädchen in seinen Händen zusausen. Blut spritzte und färbte den Boden rot. U-Uchiha. Waren seine letzten Worten bevor seine Augen zurückrollten und er mit einem gurgelnden Laut seine letzten Atemzüge tat. Doch Lucy achtete gar nicht darauf. Auch nicht auf das Kunai das in ihrer Schulter steckte. Ohne dem Leichnam auch nur einen Blick zu würdigen riss sie ihren Dolch aus der Kehle des Shinobis und lief los. Ihr Sharingan hatte sie unbewusst aktiviert als Yuutos Chakra verschwunden war und ihr Körper bewegte sich wie von selbst in die Richtung in der sie Harukis Chakra spürte und weitere sechsundzwanzig Chakrasignaturen. Noch hundert Meter. Fünfzig Meter. Dreißig Meter. Zwanzig Meter. Sag uns was wir wissen wollen und wir verschonen dich. Nein! Sag es ihnen! Stirb nicht! Niemals. Neein!! Knack. Man hörte Knochen und Zweige brechen, als Yuutos Rippen der Schwertklinge nachgaben und Lucy durch das Dickicht aus dem Wald herausbrach. Neeeeein!!! Lucys Augen fingen wieder an zu brennen, doch es kümmerte sie nicht. Der seelische Schmerz den sie empfand war um vieles größer. Die Zeit schien sich zu verlangsamen. Wie in Zeitlupe drehten sich die Köpfe der feindlichen Shinobi in ihre Richtung und Harukis Kopf hob sich ein letztes Mal schwach. Lu-cy. Seine durch den Blutverlust raue Stimme war kaum mehr als ein Hauch und das gab Lucy den Rest. Sie würde nie wieder die Stimme ihrer älteren Geschwister hören. Nie wieder ihren Erzählungen und ihren kleinen Streitereien lauschen. Nie wieder würde Haruki ihr beruhigende Worte zusprechen und Yuuto ihr aufmunternd durch die Haare wuscheln. Mit diesen Gedanken blieb die Zeit entgültig stehen. Nur nicht für Lucy. Die Trauer in ihrem Herzen verbreitete sich wie ein Lauffeuer und verwandelte sich bald in blanken Hass. Wie konnten diese Leute es wagen ihr zwei Mitglieder ihrer Familie zu nehmen. Erst ihre Mutter und jetzt Yuuto und Haruki und mit einem Mal färbte sich alles Rot.
Es war totenstill. Lucy stand auf der Lichtung. Alles sah so aus wie noch vor ein paar Minuten. Keiner der Shinobi hatte sich bewegt. Sie starrten immer noch auf die Stelle aus der Lucy zuvor aus dem Wald gesprungen war. Nur das frische Blut an Lucys Dolch verriet was ab da passiert war. Wie in Trance bewegte sie sich in die Richtung in der Haruki an den Felsen lehnte. Das Schwert immernoch in seiner Brust. Vorsichtig zog sie es heraus. Nichts passierte. Nichts bewegte sich und auch keine weiteres Blut floss aus der Wunde. Doch darauf achtete Lucy gar nicht. Auch nicht darauf, dass sie langsam transparent wurde. Stattdessen legte sie ihre Hände auf die Verletzung und sammelte heilendes Chakra. Aber ihre Kapazitäten waren bald darauf fast volkommen erschöpft. Sie war nicht geübt in medizinischen Jutsus, daher konnte sie das unvermeidliche nur hinausgezögern. Kraftlos fielen ihre Arme neben ihren Körper und sie starrte vor sich hin. Plötzlich verschwamm ihre Sicht etwas. Hatte sie ihr Sharingan etwa immernoch aktiviert? Kurz schloss sie die Augen und sie spürte das bekannte Gefühl wenn sie ihr Sharingan deaktivierte. Kaum war das Gefühl verschwunden hörte sie mehrere Aufschläge und gurgelnde Laute. L-Lucy. Bei der leisen Stimme ihres Bruders stiegen ihr wieder Tränen in die Augen. Sie schaute nicht auf. Sie wollte ihren Bruder nicht so sehen. Zitternd stand sie auf und drehte sich um. Ich hole hilfe. Brachte sie heraus. Weit kam sie nicht, denn eine Hand hielt sie am Kimono fest. Dafür ist es zu spät. Das weißt du. Frustriert ballte sie ihre Hände zu Fäusten. Du hast das Mangekyou Sharingan erweckt. Jetzt musste sie ihren Bruder doch anschauen. W-Was? Ihr Bruder brachte ein leichtes Lächeln zustande. Ich bin stolz auf dich. Yuuto wäre es auch. Aber wenn du es zu oft benutzt wirst du blind. Es folgte eine kurze Pause. Nimm meine Augen. Ungläubig starrte sie Haruki an. Sie wollte schon wiedersprechen aber Haruki schüttelte leicht seinen Kopf. Ich möchte es so. Dann kann ich immer bei dir sein und dich beschützen. Zum Ende hin wurde seine Stimme immer kratziger und er fing an zu husten. Blut quoll aus seinem Mund, aber er sprach weiter. Es ist mein letzter Wunsch. Flehend sah er seine kleine Schwester an, die schlussendlich zitternd nickte.
Rote Tränen liefen Lucys Wangen herunter als Haruki seinen letzten Atemzug tat. Eine lange Zeit saß sie noch da. Irgendwann stand sie auf und sah sich endlich um. Die ganze Lichtung war in Rot getaucht. Keiner der feindlichen Shinobi lebte noch. Langsam stand sie auf und machte sich auf den Weg zum nächstgelegenen und nahm ihm die Tasche ab. In der Tasche herumwühlend ging sie zu Harukis Körper zurück. Als sie gefunden hatte was sie suchte zog sie den Verband heraus und verband damit die Stelle an der einmal Harukis Augen waren. Nach weiteren Verbänden für ihre blutende Schulter suchend, durchwühlte sie die Tasche erneut. Statt an einem Verband blieben ihre Finger jedoch an einem anderen Objekt hängen. Zögerlich holte sie es heraus und drehte es in ihrer Hand. Es war eine Art Talisman aus Holz. Auf der einen Seite war das Kanji für Glück und auf der anderen Seite das Kanji für Schutz mehr oder weniger leserlich eingraviert. Ihr Blick wurde traurig als eine Erinnerung durch ihren Kopf zog. Vor ein paar Jahren hatte sie mit der Hilfe ihrer Mutter auch mal einen ähnlichen Talisman geschnitzt. Damals hatte Lucy es stolz ihrem Vater präsentiert bevor dieser zu einer wichtigen Schlacht musste. Die Worte ,,Damit du ganz sicher wieder nach Hause kommst" hallten in ihrem Gedächtnis. Trotz ihres beinahe misratenen Versuchs die Kanjis einigermaßen vernünftig einzugravieren, hatte ihr Vater es lächelnd angenommen und trug es immernoch bei jedem Kampf um den Hals. Heute hatte nicht nur sie Familie verloren.
Lucy!? Geschockt sah das Oberhaupt des Uchiha clans auf seine Tochter, die mitten auf der blutüberströmten Lichtung saß. Den Kopf gesenkt. Haruki saß vor ihr an einen Felsen gelehnt und einen Verband um seine Augen. Kein Lebenszeichen von ihm. Otou-san? Seine Aufmerksamkeit wanderte wieder zu Lucy, die ihren Kopf in seine Richtung gedreht hatte. Blut quoll aus ihren Augen und lief ihre Wangen herunter. Was war hier passiert? Warum müsst ihr kämpfen? Verwirrt über diese Frage starrte er seine Tochter eine Zeit lang einfach nur stumm an. Wir kämpfen um unsere Familien zu beschützen. Das haben unsere Vorfahren auch schon gemacht.
Erneut senkte Lucy ihren Kopf. Für die meisten klang die Antwort ihres Vaters plausibel. Aber Lucy war alles andere als dumm. Ihr Vater wusste selbst nicht warum dieser Krieg eigentlich ausgebrochen war. Das war schon zu lange her. Das einzige was die Clans daran hinderte Frieden zu schließen war der Gedanke daran ihre Liebsten die für diesen sinnlosen Krieg gestorben sind zu verraten. Dem Feind die Hände reichen? Diesen Mördern? Niemals. Dieser Krieg war nur noch im Gange, weil keiner sich traute den ersten Schritt zu machen.
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen247.Pro