
18. Kapitel
Mila: Ich komme noch immer nicht darauf klar, dass er einfach nicht aufgetaucht ist.
Mila: Hat er inzwischen geantwortet?
Mila spricht mir aus der Seele. Auch ich komme noch immer nicht darauf klar. Es will einfach nicht in meinen Kopf hinein. Und dass Misteralpha sich bis heute noch immer nicht gemeldet hat, lässt das letzte bisschen Hoffnung in mir, im Keim ersticken. Gestern, nachdem ich Mila alles erzählt habe und wieder zu Hause war, habe ich nachgesehen. Keine neue Nachricht. Kurz bevor ich schlafen gegangen bin. Keine neue Nachricht. Heute Morgen. Keine neue Nachricht.
Wenn ich auf der Arbeit bin, werde ich das allerletzte Mal nachschauen. Das ist seine letzte Chance. Denn so langsam kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass es noch eine plausible Erklärung für sein nicht auftauchen geben kann.
Vivian: Nein, hat er nicht.
Tippe ich in mein Handy ein und biege in die Straße der U-Bahnstation ein. Wie immer zu dieser Uhrzeit, befindet sich eine riesige Menschenmasse vor mir, die sich die Treppe hinunter quetscht. Ich reihe mich ein und bete, dass ich keinen Ellenbogen abbekomme, während ich auf eine Antwort von Mila warte.
Mila: Unfassbar. Du solltest ihm eine letzte Nachricht schicken, die es in sich hat und dann alles löschen. Lass dir das nicht gefallen.
Mila hat recht. Ich sollte mir das wirklich nicht gefallen lassen. Misteralpha spielt mit meinen Gefühlen und das, obwohl er genau weiß, wie sensibel dieses Thema für mich ist. Eine letzte Nachricht, in der ich ihm meine Meinung sage, wäre sicher gut für mich.
Mila: Am besten jetzt gleich, nicht erst, wenn du heute Abend zu Hause bist und es dir nochmal anders überlegen konntest.
Über ihre letzte Nachricht muss ich schmunzeln. Sie kennt mich einfach zu gut. Ich würde heute an nichts anderes denken, bis ich weich werde und ihm einen weiteren Tag Zeit geben. Und dann noch einen und noch einen. Nein. Ich sollte es wirklich zeitnah tun.
Vivian: Du hast vollkommen recht.
Bis ich es mit der Menschenmasse nach unten geschafft habe, habe ich mich erfolgreich über mein Smartphone auf Chaospisser eingeloggt und meine Nachrichten geöffnet. Aber nach wie vor keine neuen Nachrichten. Nicht zu glauben. Was kann so wichtig gewesen sein? Mit angekratztem Ego schüttele ich meinen Kopf und fange an zu tippen.
Rolexa: Das ist meine letzte Nachricht an dich. Ich denke, es war ein klares Zeichen von dir und bevor ich mir noch länger deinetwegen den Kopf zerbreche, werde ich es hier und jetzt beenden. Du hattest genügend Zeit, dich zu melden. Ich hoffe, ich werde dir niemals über den Weg laufen.
Die Nachricht ist schnell getippt. Er soll ruhig spüren, dass ich sehr enttäuscht bin, falls er es in meiner letzten Nachricht nicht bereits gelesen hat. Aber abgeschickt ist sie nicht so einfach. Denn wenn ich sie jetzt abschicke, wird es definitiv vorbei sein. Warum ist er nicht einfach aufgetaucht?
„Um diese Uhrzeit ist deutlich mehr los", spricht mich eine männliche Stimme von der Seite an. Nicht sofort erkenne ich sie und sehe nicht auf, zu sehr bin ich in meine Nachricht vertieft. Doch als zwei Paar Schuhe direkt vor mir erscheinen, hebe ich meinen Kopf. Mein Herz macht einen Satz, als ich unerwartet Aiden vor mir steht. Was macht er hier? Abrupt schalte ich mein Smartphone aus und lasse es in meiner Tasche verschwinden.
„Was machst du denn hier?", frage ich ihn verwundert. Verfolgt er mich? Nach unserer ersten Begegnung ist Aiden nicht einmal mehr mit der U-Bahn gefahren. Für gewöhnlich bevorzugt er es, mit seinem Auto zu fahren. „Ist dein Auto etwa wieder in der Werkstatt oder vermisst du den verführerischen Duft der U-Bahnstation?" Den Duft nach verbrauchter Luft und Körpergerüchen, die ich besser nicht ausführe.
Aiden lacht. „Weder noch", schüttelt er seinen Kopf. „Mein Auto steht seit Freitag in der Tiefgarage der Kanzlei und da es um diese Uhrzeit beinah unmöglich ist ein Taxi zu ergattern, blieb mir nicht viel anderes übrig."
Trotz all der Menschen, dich sich mit Aiden und mir gemeinsam in den, wie immer, einzigen Wagon eingestiegen sind, scheint Aiden viel gelassener zu sein. Bei seiner ersten Fahrt und unserer ersten Begegnung konnte man die Anspannung, die er ausstrahlte, förmlich spüren. Heute scheinen ihn die unzähligen Menschen, die eng an uns hängen, nicht zu stören. Man könnte meinen, so wie er vor mir steht, würde er sich sogar wohlfühlen. Ganz entspannt, hält er sich mit einer Hand an der Stange zwischen uns fest, während die andere locker in seiner Hosentasche ruht.
„Du hast dein Auto das ganze Wochenende nicht aus der Kanzlei geholt?", frage ich neugierig durch die ganzen Gespräche um uns herum. Ich habe Aiden einige Male mit seinem sündhaft teurem Auto davon fahren sehen. Dass er es dort einfach stehen lässt, wundert mich sehr.
Er zuckt mit den Achseln. „Ich habe es nicht gebraucht."
Unglaubwürdig und hochgezogener Augenbraue mustere ich ihn.
„Was ist?", fragt er, nachdem er bemerkt hat, dass ich ihn stutzig anstarre.
„Ich hätte damit gerechnet, dass du dein Auto bereits Samstag Morgen holst", bemerke ich und zucke wie Aiden mit den Schultern.
„Nun", grinst Aiden. „Samstagmorgen war ich nicht imstande zu fahren und gestern, habe ich meine Schwester mich fahren lassen, weil sie unsere Verabredung vergessen hat."
„Richtig", erinnere ich mich. Nicht nur ich wurde Samstag versetzt. Jedoch nicht von seinem Date, sondern von seiner Schwester. „Ich hoffe, du hast das richtig ausgenutzt?", schmunzele ich.
„Aber sicher! Sie musste mich abholen und hat für mein Patenkind und mich Pancakes gemacht", versichert er, nickt mir wohlhabend zu und steigt in mein Schmunzeln mit ein.
"Das hört sich nach einem tollen Sonntagmorgen an", erwidere ich. Der Gedanke, dass Aiden ein Patenkind hat und Zeit mit ihr verbringt, erwärmt mir das Herz und lässt es schneller in meiner Brust schlagen. Genau das wünsche ich mir für meine Zukunft. Einen Mann, der es zu schätzen weiß, mit seiner Familie an einem Sonntag zusammen zu frühstücken.
"Willst du ein Foto von ihr sehen?", fragt Aiden und greift in seine Hosentasche, um sein Handy zu holen. Noch bevor ich zu einer Antwort ansetzen kann, ist er schon am Suchen und hält es mir vor. Es ist ein Bild von Aiden und ihr. Vermutlich von gestern, denn die beiden füttern einander mit Pancakes. Aiden versucht ihr ein Stück mit einer Gabel in den Mund zu stecken. Die Kleine hingegen drückt Aiden eine Handvoll Pancakes in den Mund. Beide Lachen auf dem Bild und mein Herz schmilzt dahin. Sie sehen sich so unglaublich ähnlich, die gleichen blaugrünen Augen und dasselbe Lächeln. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, sie ist seine Tochter.
"Sie ist wunderschön", bringe ich hervor und kann nicht aufhören, das Bild anzustarren. "Wie heißt sie?"
"Ja, das ist sie", murmelt Aiden hingebungsvoll und richtet sein Telefon wieder zu sich. "Ihr Name ist Katie."
"Sie sieht dir unglaublich ähnlich", ergänze ich und mustere wieder Aidens wunderschönes Gesicht. Seine Kinder werden vermutlich noch schöner werden, falls das überhaupt möglich ist.
"Ja, die Gene von unserem Vater haben sich stark durchgesetzt", erklärt er und lässt traurigerweise sein Handy wieder verschwinden.
"Die von deiner Mutter etwa nicht?", frage ich gedankenverloren.
"Wir haben nicht die gleiche Mutter", antwortet Aiden und augenblicklich verdunkelt sich seine Miene und er sieht an mir vorbei. Mist. Anscheinend ist dies kein Thema, über das er gerne spricht. Warum konnte ich nicht einfach still sein?
"Tut mir leid, ich wollte nicht unhöflich sein", versuche ich mich herauszureden. Wenn einer weiß, wie unangebracht es ist, solche Themen anzusprechen, dann wohl ich. "Ich war bloß neugierig."
"Es muss dir nicht leidtun", winkt er ab und hält plötzlich inne. Mit einer Falte auf der Stirn sieht er sich um. "Sollten wir nicht schon längst da sein?"
Ich folge seinem Blick und erkenne, was seine Aufmerksamkeit erregt. Die Bahn, in der wir bis zur Arbeit fahren wollten, ist komplett leer gefegt. Völlig unangebracht pruste ich laut los. "Wir sind zu weit gefahren", nuschele ich unter Lachen.
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Hallo Leute :)
Irgendwie ist gerade der Wurm drin. Ich schaffe es leider nur einmal die Woche zu updaten. der Freizeitstress hat mich voll gepackt.. In ein paar Wochen, sieht es hoffentlich anders aus.
Aber soweit so gut.
Ich wünsche euch einen schönen Dienstagabend :)
Eure Liarie :)
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