
15. Kapitel
„Wusste ich es doch, dass du es bist", entgegnet mir Aiden beschwingt, dabei ruht seine Hand noch immer auf meiner Schulter.
Dass ich es bin? Ist Aiden... Meine Verabredung? Oh Gott. Bitte nicht. Schweißperlen bilden sich in meinem Nacken und meine Haare kleben an meiner Haut fest. Das ist doch ein schlechter Scherz. Wenn es sich bei Aiden um Misteralpha handelt, muss ich im Boden versinken. Das darf einfach nicht sein. Misteralpha weiß über so gut wie all meine misslungenen Dates Bescheid, wenn Aiden nun er ist, kann ich ihm nie wieder als meinem Chef unter die Augen treten. Nie wieder.
„Bist du..", meine Stimme zittert und ich sehe zwischen seinen blaugrünen Augen hin und her.
„Verabredet? Ja, mit meiner Schwester. Sie sollte eigentlich schon hier sein, aber ich kann sie noch nirgends entdecken", erklärt er, kommt um den Tisch herumgelaufen und lässt den Blick durch den Raum schweifen. Nur wenige Tische sind besetzt und die wenigen die besetzt sind, sind bereits zu zweit oder mehr. Allem Anschein, ist seine Schwester wirklich noch nicht hier.
„Sie scheint noch nicht hier zu sein", gibt er gelassen von sich und wendet sich mir wieder zu, sodass ich ihn mustern kann. Zum ersten Mal, seitdem ich Aiden kenne, trägt er keine Krawatte. Der oberste Knopf seines weißen Hemdes ist geöffnet, es lässt ihn viel lockerer als üblich wirken. Es steht ihm hervorragend und lässt ihn jünger wirken. Genauso seine Haare, sie sind nicht wie üblich perfekt gestylt. Einzelne Strähnen stehen von seinem Kopf ab. Auch seine offene und aufgekratzte Art an diesem Abend. Sie ist sehr erfrischend und das gefällt mir. Sehr gut sogar.
„Vivian?", holt mich Aiden aus meinen Starren heraus. Für eine Sekunde schließe ich meine Augen, um mich zu sammeln. „Was hast du gesagt? Ich war.. Abgelenkt." Von deinem guten Aussehen..
„Ich habe dich gefragt, ob du alleine hier bist oder ob du noch jemanden erwartest", wiederholt er seine Frage und diesmal habe ich sie mitbekommen.
„Ja ich warte auf jemanden, aber.." mein Blick fällt auf die große Uhr über der großen Schwingtür. Misteralpha sollte bereits seit 20 Minuten hier sein. Pünktlichkeit scheint nicht seine Stärke zu sein. Bei jedem anderen Verabredung wäre ich bei solch einer Verspätung und keiner Nachricht schon längst aufgestanden und gegangen. „Meine Verabredung scheint sich zu verspäten", gebe ich unsicher von mir.
Hätten wir doch nur unsere Nummern ausgetauscht, dann... hätte er mir dann geschrieben, dass er sich verspätet? Oder ist seine Abwesenheit, dass er mich versetzt? Nein, das glaube ich nicht. Das würde er nicht tun.
„Hättest du was dagegen, wenn wir zusammen warten?", schlägt Aiden vor und greift schon nach dem Stuhl, der mir gegenüber steht. Gerade als ich verneinen möchte, halte ich inne. Will ich wirklich, dass Misteralpha Aiden bei mir sitzen sieht? Aiden könnte ihn verschrecken, durch seine bloße Anwesenheit. Doch eine weitere Minute verstreift und kein weiterer Besuch scheint durch die Flügeltür zu kommen. „Nein, setz dich bitte."
Kaum haben die Worte meine Lippen verlassen, rückt Aiden leise den Stuhl vor und lässt sich auf den Sitz gleiten.
„Du hälst dich heute an einem Wasser fest?", nickt er zu meinem Wasserglas und ein kleines Zucken seiner Mundwinkel ist zu erkennen.
„Tja, für einen Kaffee ist es ein wenig spät", entgegne ich. „Und ich hatte gestern einen kleinen Alkoholunfall", lache ich und muss an heute Mittag denken, als ich aufgewacht bin. Nie wieder trinke ich so viel Tequila oder irgendeinen anderen hochprozentigen Alkohol. Fürs erste jedenfalls.
Jetzt kann sich auch Aiden kein Lachen mehr verkneifen. „Ging es dir heute Morgen etwa gut?", bohre ich nach und beäuge ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue. Wenn er mir weiß machen will, dass ihn das gar nicht weiter gestört hat, glaube ich ihm kein Wort. Ich weiß zwar nicht mehr allzu viel von der letzten Nacht, aber so viel, dass es seine Idee war, auf Tequila umzusteigen.
„Nein, ganz im Gegenteil."
„Was anderes hätte ich dir auch nicht geglaubt", schüttele ich den Kopf und trinke von meinem Wasser.
♡
Zwischen den Witzen der letzten Nacht muss ich immer wieder zu der großen Flügeltür schauen und der Uhr darüber. 19:45 Uhr. Mit jedem Mal, wenn die Tür aufschwingt und einer der Kellner oder einer der mir bereits bekannten Gäste hereinschlendern, wird meine Enttäuschung größer.
Und nach 45 Minuten ist es keine Verspätung mehr. Er hat mich eindeutig versetzt. Warum habe ich mich überhaupt darauf eingelassen?
„Also ich glaube, meine Schwester hat mich versetzt", gibt Aiden plötzlich von sich. Ich sehe von der Tür zu ihm und sehe, wie er mich eingehend mustert. Dabei nippt er an seinem Wasser, dass der Kellner ihm vor einer Viertelstunde gebracht hat. Zwar spricht Aiden von sich, dennoch trifft es mich hart, weil seine Befürchtung voll und ganz auf mich zutrifft. Es fühlt sich an, wie ein Schlag in die Magengrube.
„Das Gefühl habe ich auch", flüsterte ich mehr zu mir selbst, als zu Aiden. Ich komme mir so dämlich vor. All die Vorfreude und die Aufregung dafür, dass der Typ nicht auftaucht. Ein letztes Mal geht mein Blick zur Tür. Nichts. Nichts und wieder nichts. Für gewöhnlich hätte ich niemals so lange auf einen Typen gewartet. Jetzt reicht es. „Ich sollte jetzt gehen", verkünde ich Aiden. Trinke den letzten Rest meines Wassers, krame ein paar zerknüllte Dollar heraus und knalle sie schwungvoll auf den Tisch. Ein paar Leute von einem der Nachbartisch drehen sich zu uns um.
„Nein, bitte geh nicht", hält mich Aiden auf und sein Stuhl knarzt über den Boden, als er zeitgleich mit mir aufsteht. Überrascht von seinem Handeln, sehe ich zu ihm auf. Seine Augen liegen auf meinen. „Wenn deine Verabredung deine Gesellschaft nicht zu schätzen weiß, dann hat er dich nicht verdient. Lass uns was zusammen Essen, dann ist der Abend nicht ganz umsonst gewesen."
Aidens Worte schmeicheln mir, doch sie ändern nichts an der Tatsache. Es ist nicht das erste Mal, dass ich versetzt werde, aber das erste Mal, dass er mir so nahe geht. „Das ist lieb von dir, aber ..."
„Nichts aber", kontert er. „Setz dich. Du bist traurig. Ich werde dich aufmuntern und zum Essen einladen", sagt er in seiner freundlichen Art und doch spüre ich einen Hauch von Bestimmung, die er mir bereits an unserem ersten Treffen an den Tag gebracht hat. Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden.
„Na schön, aber dann brauche ich einen Drink", gebe ich mich geschlagen und setze mich wieder auf meinen Stuhl zurück. Die Dollar auf dem Tisch sammle ich ein und stopfe sie in meine Tasche zurück. Mit einem zufriedenen Grinsen lässt sich auch Aiden wieder nieder.
„Was ist dir lieber, Chardonnay oder doch lieber Tequila?"
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Hallo Leute :)
Oh Gott. Ich sehe schon die Kommentare, bitte hasst mich nicht.
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