XXI: Unerarteter Besuch und Streit zwischen Brüdern
POV Angus:
Als wir wieder heim gehen wollten, brach Mal zusammen. Ich nahm ihn hoch und er hielt sich an mir fest. Sein Kopf lag gegen mein Schlüsselbein.
„Ang...ich weiß, was der Wolf will." Murmelte er.
„Was denn?"
„Mich."
„Wie meinst du das?" Fragte ich verdattert und sah ihn an.
„Er will mich. Jedoch komischerweise nicht fressen, sondern quälen. Hätte er mich umbringen wollen, hätte er es schon getan. Der Mann, der dich injiziert hat, muss uns beiden schaden wollen. Er muss etwas gegen uns beide gehabt haben. Er will, dass du mich quälst, bis du mich umbringst und dir die Schuld gibst." Ich sah Mal traurig an.
„Ich habe Angst, dass genau das passiert."
„Wird es nicht, kleiner Bruder." Er streichelte meine Wange.
„Und wenn schon?"
„Wird es nicht." Wiederholte er. Ich sah mir die Wunde an seinem Hals an.
*
Malcolm lag schwach und oberkörperfrei im Bett. Die Decke reichte nur zu seiner Hüfte. Schweiß lief über seinen Körper und er sah mich schwach an. Ich saß wimmernd neben ihm. Die Wunden leuchteten rot. Ich hielt seine Hand.
„Angus." Hauchte Malcolm.
„Ja?" Fragte ich sofort.
„Wie viel Uhr ist es?" Ich sah auf die Uhr über der Tür.
„1 Uhr nachmittags." Malcolm nickte. „Wieso fragst du?"
„Ich wollte nur wissen, wie lange wir noch Zeit haben." Ich seufzte.
„Hast du Hunger?" Er schüttelte den Kopf und holte zittrig Luft. „Du solltest von hier verschwinden, Mal." Er sah mich an. „Du solltest nachhause gehen, da wo ich dich nicht verletzen kann."
„Nein." Entschloss er ohne nachzudenken. „Ich lasse dich nicht hier." Ich atmete tief durch und lehnte mich zurück.
„Hörst du das?"
„Was?"
„Hörst du das nicht?" Ich ließ seine Hand los und stand auf. Draußen raschelte etwas.
„Ich höre nichts." Meinte er.
„Das Serum hat meine Sinne verstärkt." Murmelte ich.
„Was ist los?" Fragte er besorgt.
„Da ist jemand draußen." Flüsterte ich. Malcolm setzte sich langsam auf. Ich half ihm aufzustehen. Wir schlichen langsam zur Tür, die er wieder repariert hatte. Ich öffnete die Tür und sah hinaus. Malcolm folgte mir. Ich hielt Malcolm am Arm fest, damit er nicht weiterlaufen konnte. „Da hinten ist etwas." Murmelte ich. Malcolm sah auch in den Busch. Kurz darauf kamen zwei Männer und ein Hund heraus. Einer hatte ein Gewehr umhängen. Ich spürte, wie sich meine Ohren hoch zogen und ich knurrte. Malcolm legte mir eine Hand auf die Schulter um mich zu beruhigen.
„Guten Tag." Grüßte der größere Mann.
„Guten Tag. Was wollen Sie hier?" Fragte Malcolm.
„Wir möchten mit Ihnen sprechen. Können wir rein kommen?" Fragte der zweite unbekannte.
„Da Sie wahrscheinlich wissen, wer wir sind, würde ich gerne wissen, wer Sie sind." Sagte Malcolm und verschränkte die Arme. Ich musste ein wenig kichern. Malcolm konnte irgendwie schon immer mit Fremden sprechen. Ich nicht.
„Oh. Wie unfreundlich von uns. Ich bin Nick Koller und das ist mein Bruder Conner Koller. Und das hier ist unser Jagdhund Brix." Malcolm nickte.
„Malcolm und Angus Young." Sagte er und zeigte erst auf sich, dann auf mich. Ich hielt mich immer noch unsicher an seinem Hosenbund fest. Bei Malcolm fühlte ich mich schon immer sicher. „Worüber möchten Sie sprechen Gentlemen?"
„Wir sind hier, weil ein Schafzüchter aus dem Dorf sagte, hier wäre ein Wolf unterwegs." Ich fing an zu zittern. Malcolm nahm meine Hand fest in seine.
„Kommen Sie rein." Wir gingen hinein. Malcolm flüsterte mir zu: „Sag nichts, Ang. Ich werde versuchen das zu regeln." Ich nickte. „Tee? Kaffee?"
„Kaffee währe nett. Wir warten auf der Terrasse." Sagte Conner.
„Geh raus, Ang." Murmelte Malcolm, während er Tassen aufstellte. „Willst du auch etwas, Brüderchen?"
„Tee, bitte." Malcolm nickte. Ich ging hinaus. Die beiden saßen auf dem Tisch auf der Terrasse. „Malcolm kommt gleich." Meinte ich und setzte mich hin. Die beiden nickten. Malcolm stellte die Tassen hin und setzte sich neben mich.
„So. Worüber möchten Sie sprechen?"
„Ein reicher Schafzüchter aus dem Dorf hat uns angerufen. Hier soll ein Wolf herum wandern und er macht sich Sorgen um seine Schafe. Wir sollen uns um ihn kümmern." Ich trank meinen Tee und versuchte ruhig zu wirken.
„Und wieso kommen Sie da zu uns? Sehe ich aus wie ein Wolf?" Fragte Malcolm und lehnte sich vor. Conner fing an zu lachen. Nick sah ihn finster an.
„Natürlich nicht Mr Young. Aber Sie und ihr Bruder sind die einzigen, die hier oben leben. Oder zumindest jetzt hier sind. Deswegen wollte ich Ihnen ein paar Fragen stellen." Malcolm lehnte sich zurück.
„Nur zu."
„Also. Haben Sie hier einen Wolf gesehen?"
„Einen Wolf? Nein." Sagte Malcolm selbstbewusst. Conner schrieb es auf.
„Spuren oder so etwas?"
„Nein. Ich suche ja keinen Wolf. Sie suchen ihn. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie ihn nicht finden. Wölfe sollen sehr aggressiv sein, hörte ich."
„Ja. Das lassen Sie aber uns überlassen, Mr Young." Sie hatten ihren Kaffee schnell ausgetrunken.
„Gibt es hier oben eine Übernachtungsmöglichkeit? Bei Ihnen oder so?"
„Bei uns?" Fragte Malcolm und sah mich an.
„Ja."
„Leider nicht Gentlemen. Es ist nur ein Bett hier. Und darin schlafen wir beide."
„Ein Sofa?"
„Nein."
„Oh. Schade. Haben Sie einen Schuppen?"
„Ja. Aber darin sind Vorräte. Ich würde sagen, Sie gehen zur Kneipe. Da kann man schlafen. Haben Sie noch andere Fragen?"
„Nein. Danke für den Kaffee und die Antworten Mr Young." Die beiden standen auf und gaben Malcolm die Hand. Mir auch.
„Hat mich gefreut, euch weiter helfen zu können." Malcolm lächelte ein wenig. Es war nicht sein echtes Lächeln. Sein echtes Lächeln war wunderschön. Dieses Lächeln war nur für Kameras und sah ein wenig gruselig aus. Damit gingen sie. Dann drehten sie sich aber noch um.
„Und Mr Young?"
„Ja?" Fragten wir gleichzeitig.
„Woher kommen die Verletzungen auf ihrer Haut, wenn ich fragen darf." Er sah Malcolm an.
„Das?" Malcolm sah an sich herunter. „Ein Känguru. Nichts besonderes."
„Oh. Okay. Schönen Tag noch." Als ich die beiden nicht mehr sehen konnte, gingen wir wieder rein. Malcolm legte sich zurück auf das Bett. Er war nun noch schwächer als vorhin, weil er zu lange gestanden war. Ich wischte den Schweiß von seinem Körper.
„Sie werden dich jagen, Angus." Sagte Malcolm und sah mich besorgt an.
„Ich weiß." Murmelte ich.
„Wir müssen die beiden aus dem Weg räumen."
„Was!? Du willst die zwei umbringen!?" Rief ich geschockt. Malcolm kicherte.
„Nein, Ang. Wir müssen Sie nachts nur irgendwie wegsperren oder so." Ich nickte nachdenklich.
„Was machen wir heute Abend? Bist du mit dem Serum weiter gekommen?" Malcolm schüttelte den Kopf. Ich muss weiter machen. Er wollte aufstehen, doch ich ließ ihn nicht. „Du bist verletzt."
„Und du wirst es sein, wenn ich nicht arbeite." Konterte Malcolm.
„Sei doch einmal in deinem Leben nicht sturr!" Rief ich zornig. Malcolm sah mich wütend an.
„Ich bin überhaupt nicht sturr!"
„Doch bist du! Du bist der sturste Mensch auf dem ganzen Planeten!" Ich war ziemlich wütend.
„Ich will dass es dir gut geht! Ich will nicht, dass dich jemand verletzt!"
„Das stimmt überhaupt gar nicht! Du willst nur, dass es dir gut geht!" Schrie ich. Malcolm sah mich mit offenem Mund an. „Du willst nur nicht, dass ich dich heute Nacht verletzte! Und weißt du was!? Ich glaube es gefällt mir! Dich jeden Tag zu verletzten! Dann sehe ich nämlich, dass ich viel stärker bin als du! Ich bin viel mehr wert als du! Und immer warst du, der große Bruder, im Vordergrund! Nur weil du älter bist, heißt es nicht, dass du mehr wert bist! Du bist weniger wert!" Schrie ich zornig. Meine Augen weiteten sich, als ich merkte, was ich gesagt hatte.
„So ist es also." Flüsterte Malcolm.
„Malcolm, ich..."
„Nein. Ist schon gut, Angus. Wenn du willst dass ich...dass ich sterbe...vielleicht wird dein Wunsch bald in Erfüllung gehen." Malcolm stand zitternd auf und ging in den Wald. Ich viel zurück und fing an zu weinen. Was war los mit mir? Wieso hatte ich das gesagt? Hasste er mich jetzt?
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