XI: Tag 2
POV Angus:
Als ich wieder aufwachte, war es hell. Ich war nackt und lag in einem Nadelhaufen. Ich streckte mich ein wenig. War ich heute nicht vor dem Haus? Die Sonne blendete mich und ich schloss kurz die Augen, bis ich sie wieder öffnete und mich kreischend zurück fallen ließ. Verflucht! Ich bin verletzt! Meine Schulter blutete stark. Ich war angeschossen! Verdammt! Was war passiert? Ich legte meine Hand auf die Wunde und drückte um die Blutung zu stoppen.
„Wo ist dieser verfluchte Wolf?!" Hörte ich jemanden rufen. Ich hörte außerdem das Bellen von Hunden. Verdammt! Jemand verfolgte mich! Ich stand schnell auf, wobei ich fast zusammen brach. Ich war verdammt schwach. Ich fing an zu gehen und lief in die Richtung, der Hütte. Zum Glück kannte ich mich hier aus. Wenn ich aber nicht am Baum fest gebunden war, dann hieß das entweder, dass Mal die Fesseln geöffnet hatte, oder dass ich mich befreit hatte. Beides war nicht gut. Mist! Malcolm! Was hatte ich ihm heute angetan!? Ich lief schneller und schneller. Der Gedanke an meinen Bruder trieb mich an. Der Waldboden und der Tau auf dem Gras waren kalt an meinen Füßen und ich zitterte vor Kälte. Die Schreie hinter mir wurden leiser. Hatte ich sie abgehängt? Bald kam ich an der Blockhütte an. Wie sah es denn hier aus!? Die Ketten, mit denen mich Mal fest gebunden hatte, lagen zerrissen auf dem Boden. Ich hatte mich also selbst losgemacht. Die Haustür lag zersplittert auf dem Boden. Das Dach hatte ein Loch.
„Mal?" Fragte ich ängstlich und ging in die Hütte. Die kaputten Ziegel lagen auf dem Fußboden. War das ich gewesen? „Mal? Bist du hier?" Fragte ich erneut. Es gab ein Rascheln und ich drehte mich schnell um. Unter dem Sofa bewegte sich etwas. Ich bückte mich und sah darunter. Malcolm lag dort. Er hielt ein Kissen an sich und wimmerte leise. Ich streckte die Hand nach ihm aus. Er sah so verdammt ängstlich aus. „Ich bin's Mal. Keine Angst. Komm raus. Ich bin's. Angus." Malcolm sah mich zitternd an und kroch dann langsam unter dem Sofa hervor. Er lehnte sich gegen das Sofa, hielt das Kissen immer noch wie eine Rettungsleine an sich und sah mich mit roten Augen an. Er hatte die ganze Nacht geweint. Ich zog ihn an mich und streichelte seine Haare. Er war voller Staub. Ich wiegte ihn in meinen Armen. Er umklammerte immer noch das Kissen, wie ein Kind einen Teddybären. „Sh. Ich hab dich." Flüsterte ich.
„Angus?" Fragte er leise und mit rauer Stimme.
„Ja. Ich bin's. Ich hab dich, großer Bruder." Ich küsste ihn auf den Kopf.
„Du bist verletzt." Flüsterte er, als er die Wunde sah.
„Halb so schlimm." Winkte ich ab. In Wirklichkeit tat es weh wie Hölle.
„Was ist passiert?" Fragte er.
„Ich weiß es nicht. Ich bin im Wald aufgewacht. Ich war angeschossen und jemand hat mich mit Hunden verfolgt. Was ist hier passiert?"
„Du hast die Ketten abgerissen und bist dann durch das Dach ins Haus gekommen. Ich war unter dem Sofa. Du hast mich an geschnuppert und bist dann aus der Tür gestürmt." Murmelte er. Ich konnte erkennen, dass er immer noch unter Schock stand. Nach so vielen Stunden!? „Ich...Angus, ich muss dich verarzten." Er stand wackelig auf.
„Bist du verletzt?" Fragte ich und fing ihn auf, weil er vor Schwäche fast umgefallen war.
„N...Nein." Er ging zum Medizinschrank und holte Verband heraus. Dann kam er zu mir. „Leg dich hin." Murmelte er und deutete auf das Sofa. Ich tat es. Er nahm meine Schulter in die Hand. „Du hast Glück gehabt. Es ist ein Durchschuss. Die Kugel ist weg." Hörte ich ihn flüstern. Er desinfizierte meine Schulter, trug eine Salbe auf und bandagierte sie dann.
„Wie sehen deine Verletzungen aus?" Fragte ich ihn dann. Sein Gesicht war rot vor Entzündung. Die fünf Schlitze, die quer über seinem Gesicht waren, leuchteten rot. „Zieh dein Shirt aus." Er tat es. Ich sah mir die Verletzung an seiner Brust an. „Das heilt besser als das im Gesicht." Murmelte ich vor mich hin. „Und dein Arm?" Sein Oberarm sah ebenfalls nicht gut aus. „Wieso starrst du mich so an?" Fragte ich.
„Es ist nur...du bist nackt, Angus." Ich sah ihn fragend an. „Du hast nichts an." Ich sah an mich herab. Verdammt! Ich hatte nichts an! Ich nahm das Kissen vom Boden und legte es in meinen Schoß. Malcolm kicherte ein wenig.
„Wie viel Uhr ist es?" Fragte ich.
„7 Uhr. Zieh dich an, Ang. Wir fahren in die Stadt." Er ging ins Wohnzimmer, brach jedoch wieder zusammen. Ich fing ihn schnell auf.
„Verdammt, Mal. Deine Wunden sind entzündet." Fluchte ich. Er sah mich halbwach an. Er hatte lauter Staubpartikel in den frischen Verletzungen. Die Idee unter das Sofa zu kriechen war wohl doch nicht so toll gewesen. Ich ging zum Schrank, zog mich an und kämmte meine Haare. Sie waren voll mit Tannennadeln. Dann nahm ich den Kamm und kämmte ebenfalls Malcolms Haare. Ich nahm ihn an der Hand und wir gingen zum Auto. „Ich fahre." Entschied ich und setzte ihn auf den Beifahrersitzt. Er stöhnte schwach. Ich startete den Motor. Malcolm sah mich seitlich an. „Was ist?"
„Du bist verletzt." Murmelt er und strich über meine rechte Schulter. Unter dem lang-Arm-Hemd, das ich trug, war genau an dieser Stelle der Verband.
„Ist gut." Ich streichelte seine Wange und lächelte ihn aufmunternd an. Wir fuhren los. Den Weg, den wir gekommen waren. Da es keine Tür gab, war nichts da, was ich zusperren könnte. Das Auto holperte über Baumwurzeln.
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