
2
Ihr Kopf brummte nach der Ohrfeige, die er ihr gegeben hatte. Sie wollte aufstehen, aber der Boden unter ihr wankte und ihre Füße wollten einfach keinen Halt darauf finden.
Eine Hand krallte sich in ihren Hinterkopf, Amber keuchte entsetzt auf.
Er zog sie an den Haaren in die Hocke hoch, dann schleuderte er sie gegen die Wand.
Sie spürte etwas Warmes ihre Stirn hinabrinnen und als sie die Augen öffnete, brannte ihr etwas in den Augen. Als sie die Flüssigkeit aus dem Augenwinkel wischte, war Blut auf ihren Fingerspitzen.
"Bitte", stieß sie hervor und versuchte, von ihm weg zu krabbeln. Sie wusste, dass es auswegslos war in der kleinen Zelle.
Er hielt inne. "Bitte?" Er klang amüsiert.
"Bitte." Tränen liefen ihre Wangen hinab. "Lass es. Ich mache ab jetzt auch immer das, was du willst."
"Sag, dass du mich liebst."
Wie seltsam. Wie kann jemand nur so eine sanfte Stimme haben und derart grausam sein?, dachte sie. Dann drehte sie sich um. Er machte seinen Gürtel zu, aber seine Augen fixierten Amber ohne Unterbrechung.
"Ich liebe dich!", schrie sie verzweifelt. Ihr Hals brannte, sie hatte ihn sich wundgeschrien. Ich hasse dich!
Er lächelte. Schade, dass sie mein Lächeln nicht sehen kann, überlegte er. Ihre hellen Haare standen verknotet von ihrem Kopf ab.
Er dachte daran, wie sie sich zwischen seinen Fingern angefühlt hatten.
An ihrer Schläfe rann Blut herab, auch ihr weißer Rock war blutverschmiert. Sein Blick blieb an ihren Beinen hängen.
Sollte ich vielleicht nochmal...? Er schüttelte den Kopf.
Was hat das zu bedeuten?, dachte sie. Warum schüttelt er den Kopf?
Er packte ihren Oberarm und zog sie auf die Beine. Sie schwankte und stolperte gegen ihn. So schnell sie konnte, löste sie sich von ihm. Sie war diesem Mann schon viel zu nahe gekommen.
"Komm."
Er lotste sie in den Gang hinaus, sie gingen an den Dutzenden von Türen vorbei. Als sie durch eine breite Tür ins Freie traten, musste Amber die Augen zusammenkneifen.
Die Sonne blendete sie, sie hatte sie seit Tagen nicht gesehen.
Sie blieb kurz stehen und sog die kalte Luft ein. Ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. Aber viel zu bald riss er sie weiter und das Lächeln verschwand genauso schnell, wie es gekommen war.
Kiesel und Laub knacksten unter ihren Schuhen. Leichter Wind zerrte an Ambers Haar, sie fröstelte.
Sie trug nur einen Chiffonrock und eine kurzärmelige Bluse, und beides hatte er zuvor stark beschädigt.
Der Mann leckte sich über die Lippen. Bald würde seine Wut gestillt werden. Sein Magen rumorte aufgeregt.
Sein Rucksack hüpfte auf der rechten Schulter auf und ab, Ambers Arm fühlte sich warm in seiner linken Hand an. Mit der anderen Hand spielte er an seinem Gürtel herum.
Sie atmete schwer. Seit viel zu langer Zeit hatte sie sich nicht mehr ausgeruht und die letzten Stunden hatten ihr den Rest gegeben.
Ihr Peiniger ging viel zu schnell und zwischen ihren Beinen begann es langsam zu brennen wie Feuer. Sie biss sich auf die Lippen, um nicht aufzuschluchzen. Sie wollte ihn nicht verärgern.
Eine ganze Weile später blieben die Beiden stehen. Ihr Blick huschte über die menschenleere Landschaft.
Er fesselte ihre Hände. In ihr stieg Angst hoch. "Was tust du? Nein, lasa das, bitte! Ich liebe dich, ich liebe dich! Bitte nimm mich wieder mit zurück."
"Manchmal ist das einfach nicht genug", murmelte er ihr ins Ohr.
"Bitte verzeih mir. Es tut mir so leid! Ich werde ab jetzt immer tun, was du verlangst!"
Sein Zeigefinger strich über ihre Wange. "Süße Amber..."
Er fuhr fort, fesselte sie an das Holz, bis sie nur noch den Kopf drehen konnte. Ihre Haare flogen in alle Richtungen, während sie an ihren Fesseln zerrte. Jetzt hob er das Messer. Aufgeregt trat er auf sie zu, prägte sich ihre aufgerissenen blauen Augen und ihre flehende Stimme ganz genau ein.
Sie sah nur noch verschwommen, Tränen rannen ihr Gesicht hinab wie Wasserfälle. Sie sträubte sich noch mehr, als er nähertrat. Durch den Tränenschleier sah sie, wie er die Maske abnahm. Sie keuchte auf.
"Vater unser, der du bist im Himmel...", fing sie an. Ihre Stimme war hoch und krächzend.
Der kalte Stahl berührte ihren Hals. "...dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden..."
"Das wird dir nicht helfen", hauchte er ihr ins Ohr. Sein Herzschlag beschleunigte sich und sein Grinsen reichte von Ohr zu Ohr.
"...vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..."
"Und führe uns nicht in Versuchung", setzte er fort, während er sie mit dem Finger auf dem Mund zu schweigen brachte.
"Sondern erlöse uns von dem Bösen."
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