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Kapitel 6

Ich habe das Gefühl, dass meine Verwirrung mit jeder Sekunde, die ich an diesem Ort verweilen muss, ins Unermessliche aufsteigt, als wäre sie ein verdammter Heißluftballon mit Aufwind. So starre ich die beiden Kinder fassungslos an, die weiterhin munter auf und ab wippen.

»Wie soll das möglich sein? Ihr seid doch nur Kinder! Wie sollt ihr Leben und Tod sein, wenn ihr kaum alt genug seid, um in die Schule zu gehen?«

Meine Bestürzung löst nur einen weiteren Kicheranfall auf der einen, und ein erneutes Brummen auf der anderen Seite aus. Schließlich beruhigen sich die beiden und wippen einige Zeit schweigend weiter. Wieder treibt mich die Stille regelrecht in den Wahnsinn. Was für ein Spiel ist das nur, was sie hier mit mir veranstalten? Warum können sie nicht so auf meine Fragen antworten, dass ich sie verstehe?

Ohne mich anzusehen, antwortet das Leben mir schließlich mit weiterhin leiser, heller Stimme: »Wir sehen so aus, weil wir für dich geboren worden sind. So wie du dir das Leben und den Tod als Personen vorstellst, so werden wir erschaffen. Du hast das alles somit deinem Unterbewusstsein zu verdanken.«

Unwillkürlich beginne ich die Kinder zu mustern. Wie hat mir ihr Aussehen nur bisher so komplett entgehen können? Der Gegensatz zwischen ihnen ist beinahe schon zwanghaft und drängt sich selbst einem Außenstehenden wie mir förmlich auf.

Das Mädchen, das das Leben darstellen soll, ist blond, hat Locken, die ihm sanft über die schmalen Schultern fallen und blickt mich aus nun kaum noch leeren und freundlichen Augen an, die blauer als der Himmel über uns sind. Ihre blasse Haut macht dem weißen Kleid, das sie am Leib trägt, Konkurrenz. Allgemein erinnert sie mich sehr an den Winter. Doch sie wirkt alles andere als kalt. Eher eine kleine Träumerin, die durch die Welt tanzt, ohne einen Gedanken an gestern oder morgen zu vergeuden. Diese Annahme wird von ihrem so offenen und schönen Lächeln untermalt, welches sie wie ein kostbares Diadem trägt, während sie sich immer wieder vom Boden abstößt. Dabei bewegt sich der Saum ihres Kleides im Takt ihrer Bewegung und wirkt, als wolle er sie in fremde Welten aufsteigen lassen, so sehr ähnelt er den blütenweißen Flügeln eines Schwans.

Der Tod hingegen ist zwar ebenso blass wie seine Schwester, jedoch sind seine welligen Haare schwarz wie die Nacht. Einige längere Strähnen fallen ihm in die Stirn und wippen ebenso wie das Kleid seiner Schwester auf und ab. Farblich passen sie perfekt zu der dunklen Kleidung, die er trägt. Auch die Kapuze seines Pullovers bewegt sich im Takt der Wippe. Die Augen des Jungen sind so dunkel, dass sie wie leblose Kieselsteine wirken und doch strahlen sie solch ein Leben aus, dass allein ein Blick von ihm verrät, wie viel er schon von der Welt gesehen hat.

Dieser Junge wirkt wie ein unerfahrenes Kind und ein uralter Greis zugleich, der bereits alles erlebt hat, was es zu erleben gibt. Sein Blick ist wie ein schwarzes Loch, das einen in seiner ganz eigenen Unendlichkeit verschlingt und nie wieder gehen lässt.

Der Tod ist nahezu das Klischee eines untoten Kindes. Es fehlen nur noch die schneeweißen Fänge, die vor fremdem Blut triefen.. Er wirkt finster. Wie der Tod eben auszusehen hat, wenn man meinem ominösen Unterbewusstsein Glauben schenken möchte.

Beide Kinder bilden so offensichtliche Gegensätze, dass ich beinahe schon schmunzeln muss. »Klischeehafter hättet ich mir euch nicht vorstellen können, oder?«, frage ich leise, da es gerade so still ist, dass ich mich kaum traue, lauter als im Flüsterton zu sprechen.

Der Tod fesselt mich wieder mit seinem so allwissend wirkenden Blick. »Das macht dir keiner zum Vorwurf. Das Leben und ich haben schon ganz anders ausgesehen. Diese kleinen Aufeinandertreffen sind der Grund, warum ihr Menschen mich als finsteren Sensenmann darstellt und das Leben meist ohne Gestalt bleibt. Ihr könnt unsere Komplexität nicht erfassen und glaubt doch, uns in einfache, für euch begreifbare Formen zwängen zu können, die nicht zu uns passen.«

Auf meinen eher überforderten Blick hin, lächelt der Junge leer und fährt fort: »Ich meine damit, dass das alles deiner Erziehung geschuldet ist. Beispielsweise würden Asiaten mich wohl weitestgehend als hell schimmernde, abstrakte Lebensform darstellen, westliche Menschen hingegen halten mich eher dunkel und nahezu menschlich. Oft bin ich auch als Greis oder Knochenmann vertreten. Aber eben meist männlich, obwohl ich doch kein Geschlecht habe. Dass du mich nicht als der für euch typische Gevatter Tod im Sinn hast, legt nur nahe, dass du zwar viel vom Denken deiner Vorfahren übernommen hast, aber nicht gänzlich von den gesellschaftlichen Dogmen um dich herum manipuliert worden bist.«

Erst als er endet, nehme ich das leise Schluchzen wahr, das immer wieder seine Worte durchschnitten hat. Das Leben hat zu weinen begonnen. Wie kleine Diamanten rinnen die Tränen über die blassen Wangen des Mädchens und zerschellen, als wären sie doch nur aus Glas, auf dem Boden. Jedoch wippt sie während des Weinens weiter, als würde ihre ganze Existenz davon abhängen. Andernfalls würde ihr Körper vermutlich auch nachgeben, so stark wie sie zittert und schluchzt. Ein Wunder, dass sie sich überhaupt noch vom Boden abstoßen und oben halten kann.

Reflexartig strecke ich die Hand aus, um sie an der Schulter zu berühren und vielleicht sogar in eine Umarmung ziehen zu können. Ein tief in meinem Inneren vergrabener Instinkt dringt zur Oberfläche vor. Ein Kind weint aus unerfindlichen Gründen und es ist meine Aufgabe, es zu trösten. Jedoch muss ich zurückzucken, da es sich plötzlich anfühlt, als hätte mir das Mädchen einen Stromschlag verpasst. Ich kann zumindest keine andere Quelle für diesen widerlich knisternden Schmerz ausmachen, der sich da durch meinen Körper frisst.

»Was sollte das denn?«, frage ich aus diesem Grund aufgebracht und fixiere das Leben so zornig ich nur kann, während mich mich von diesem kleinen Schock für zwischendurch erhole.

Das Mädchen indes fängt sich langsam wieder und erwidert meinen Blick beinahe verurteilend. »Warum nur müsst ihr Menschen mich und meinen Bruder immer so unterschiedlich aussehen lassen? Es ist, als wolltet ihr uns mit allen Mitteln trennen, dabei gehören wir doch zusammen! Ohne mich, ist der Tod nichts und umgekehrt. Wir können nur zusammen existieren. Warum versteht ihr das einfach nicht?«

Mit einem kleinen Taschentuch, das sich aus der Luft heraus in ihrer Hand zu materialisieren scheint, trocknet das blonde Kind seine Tränen und wendet den Blick dem Boden zu.

Nun ergreift ihr Bruder, der wieder so gefasst wirkt, das Wort. »Ihr versteht einfach nicht, welches Geschenk wir euch eigentlich machen. Ihr verabscheut den Tod, weil er euch dieser Welt entreißt, in der ihr euch immer mehr unmögliche Aufgaben stellt, die einfach nur dafür sorgen, dass ein riesiger Abgrund sich unter euren Füßen auftut. Und ihr hasst das Leben, das so einfach sein könnte, würdet ihr euch selbst nicht gegenseitig Steine in den Weg legen. Aber ihr gebt uns die Schuld. Als könnten wir etwas für eure Fehler. Wir machen nur unsere Arbeit. So wie ihr eure tut. Wir könnten so friedlich nebeneinander her existieren, aber ihr müsst immer so feindlich allem gegenüber sein, was ihr nicht versteht.«

Ihre Worte schmerzen und brennen scheinbar ganze Löcher in meine Brust. »Warum werft ihr nur mir das vor? Sagt das allen Menschen dort draußen! Ich habe euch nie gehasst, wieso sollte ich auch? Tod und Leben gehören zu mir. Nur alle anderen werden eurer müde, obwohl sie eigentlich keinen Grund dazu haben. Ich bin nicht alleine dafür verantwortlich, dass ihr euch ungerecht behandelt fühlt. Ich bin nicht die gesamte verdammten Menschheit!«

Daraufhin ernte ich jedoch nur einen beinahe mitleidigen Blick des Lebens. »Es sind immer die anderen schuld, nicht wahr Calin?«, flüstert das Mädchen brüchig und neue Tränen rinnen über seine bereits geröteten Wangen.

»Aber ich ...« Doch mir fällt nichts mehr ein, womit ich mich verteidigen könnte. Sie haben doch recht. Es sind immer die anderen schuld, wenn etwas nicht richtig läuft. Anstatt dass man selbst die Verantwortung für sich und andere übernimmt, sitzt man lieber da und verteilt Schuldpäckchen an Personen, die sie zwar verdient hätten, aber von denen man sich sicher ist, dass sie nichts verändern werden. Sie erfassen das Problem nicht. Doch man selbst fühlt sich einfach zu schwach, um die gesamte Welt bewegen zu können.

Schweigend betrachte ich die Kinder, die nun wieder halbwegs friedlich vor sich hin wippen. Sie haben recht, ich darf sie nicht einfach trennen. Sie gehören zusammen. Wie habe ich nur so blind sein können?

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