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F I T Z

Rachel wieder zu sehen, sie dich an mir zu spüren und zu riechen ist nach diesen katastrophalen Feiertagen ein regelrechter Segen. Ruhe kehrt in meinen Körper zurück und Erleichterung nistet sich ein als ich meine Nase in ihrer Halsbeuge vergrabe.

Meine Tasche habe ich in den Schnee fallen lassen müssen, da sich Rachel wie aufgeregter Welpe auf mich gestürzt hat. Ihre Arme umklammern mich, ihre Beine sind fest um mich geschlungen und sie weint an meinem Hals. Leise und schwach schluchzend.

„Das sind wohl hoffentlich Freudentränen?", lache ich leise und gebe ihr einen Kuss in ihre Halsbeuge. Sei riecht wie immer. Nach Lavendel, vermischt mit dieser süßlichen Note. Ein Duft, der in mir Zufriedenheit auslöst.

Lachend löst sie sich von mir und funkelt mich an. Ihre Augen sind nass, ihre Wangen herrlich rot und die Priese an Sommersprossen, die sogar im Winter hervortreten, zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. „Natürlich. Ich kann einfach nicht glauben, dass du hier bist."

Wir küssen uns. Ein langer ersehnter Kuss. „Ich hatte dich vermisst und da dachte ich mir, ich steige einfach in das Flugzeug und überrasche mein Mädchen."

Bei diesen Worten strahlt sie noch heftiger und sie beginnt mein Gesicht zu küssen. Doch mit einem Mal zieht sie ihren Kopf zurück und mustert mich prüfend. „Moment Mal. Wie hast du herausgefunden, wo ich wohne? Ich meine ...."

„Das geht auf Parkers Kappe.", erkläre ich und lasse sie runter. Sie rutscht an meinen Körper hinab und sieht wartend zu mir hoch. Ich packe meine Tasche. „Er hat sich bloß in das Unisystem gehakt und bisschen recherchiert. War überraschend einfach." Ich runzle die Stirn und frage mich, ob so eine Uni mit tausenden von Studenten nicht besser aufgestellt sein sollte was Sicherheit betrifft?

„Hm, ich weiß nicht ob ich beruhigt oder begeistert sein soll.", murmelt Rachel grübelnd neben mir. Doch dann reißt sie den Kopf herum. „Warum hast du denn nichts gesagt?"

Ich lächle. „Was an dem Wort Überraschung hast du nicht verstanden?", necke ich sie und ergreife ihre Hand. Kalt und weich.

Sie boxt mir schwach in die Seite. „Und gleich frech werden.", flüstert sie lächelnd. „Und jetzt komm schon rein, es ist irre kalt."

Sie zieht mich schwach an der Hand und erst jetzt nehme wahr, wo ich gelandet bin. Im ersten Moment hatte ich nur Augen für Rachel, aber jetzt lasse in den Blick um mich schweifen, während mich Rachel zum großen Farmhaus führt. Die Sonne verabschiedet sich gerade hinter uns und taucht das gesamte Anwesen ist ein oranges Licht. Es ist alles weitläufig, die umzäunten Weiden, die wirken als würden sie kein Ende nehmen. In dieser Weite wirkt sogar das Landhaus verloren, aber es ist alles mit Liebe dekoriert und gepflegt. In den Fenstern brennt Licht.

„Warte." Rachels aufgebrachte Stimme dringt zu mir hindurch und sie hält so abrupt inne, dass ich stocke. Stirnrunzelnd sehe ich sie an.

„Was ist?"

Sie fängt meinen Blick auf. Ein Anflug von Panik zeichnet ihr hübsches zartes Gesicht. „Dir ist klar, dass du meine Eltern triffst? Das hatten wir nicht geplant, ich meine ist das nicht etwas früh?" Sie spricht so leise, als würde uns jemand belauschen. Aber den Pferden da drüben ist es glaub ich schnuppe, was wir hier besprechen.

Dennoch hat sie recht. Als ich zuhause wie von der Tarantel gestochen aufgebrochen bin, habe ich soweit nicht gedacht, dass ich ebenso ihre Eltern kennen lerne. Aber jetzt wo ich schon mal hier bin ..."Ist für mich okay.", sage ich bloß und zucke mit den Schultern.

Prüfend mustert sie mich nochmal kurz, schüttelt aber dann den Kopf. „Okay, aber ich sollte dich vorwarnen." Sie beißt sich auf die Unterlippe.

„Weil?"

„Ich weiß nicht. Ich fühle mich besser, wenn ich dich vorgewarnt habe. Meine Familie ist ... auf ihre eigene liebevolle Art speziell. Man gewöhnt sich aber nach der Zeit daran.", erklärt sie und hebt ihre Schultern. „Oh, ach ja. Sie wissen nichts von dir." Breit lächelt sie mich an.

Wie ich ihr Lächeln am Morgen vermisst habe. „Na gut, okay.", sage ich zögerlich. „Dann überraschen wir sie mal."

Wir betreten das Haus und ein herrlicher Geruch nach Essen empfängt mich. Der Dielenboden knarzt unter meinen Schuhen, Fernsehgeräusche und erhellte Stimmen füllen das riesige Haus mit Leben. Rachel schält sich aus ihrer dicken Jacke, und ich tue es ihr gleich, denn hier drin ist es verdammt warm. Sie ergreift wieder meine Hand, drückt sie fest und führt mich sanft nach rechts in eine große offene Küche mit einem langen Tisch davor. In der Küche hantiert eine schlanke große Frau, Geschirr klimpert und ein Kerl in unserem Alter richtet seinen neugierigen Blick auf uns. Auch die Frau hat uns entdeckt und ihre volle Aufmerksamkeit liegt nun auf uns, besser gesagt mir.

Jetzt wieder umzudrehen ist wohl keine Option mehr.

„Mom, Aaron. Ich möchte euch jemanden vorstellen.", höre ich Rachel.

Die Frau beginnt augenblicklich schwach zu lächeln und kommt auf uns zu. Sofort fällt mir die Ähnlichkeit auf, das braune dichte Haar, das lebensfrohe Lächeln und die braunen runden Rehaugen. Rachels Mom muss noch relativ jung sein, anders kann ich es mir nicht erklären.

„Freut mich, Sie kennen zu lernen. Ich bin Dean Fitzgerald. Aber bitte sagen sie einfach Fitz zu mir.", begrüße ich sie und ringe mich zu einem Lächeln durch. Rachel hat nichts erwähnt, wie ihre Eltern grundsätzlich drauf sind. Schließlich lugen an meinen Kragen die Tattoos hervor, ebenso liegen meine Arme frei, ich trage bloß ein Shirt. Und wenn ich mich so umsehe, habe ich das Gefühl ich passe hier so gar nicht rein.

„Du bist also der junge Mann, der es schafft meiner Tochter dieses umwerfende Lächeln ins Gesicht zu zaubern.", begrüßt sie mich und ergreift meine Hand.

„Mom.", zischt Rachel neben mir. „Woher ...?"

Ich verkneife mir ein Lachen und räuspere mich stattdessen. Mrs. Adams richtet ihren Blick auf Rachel und zuckt mit den Schultern, als wäre keine weitere Erklärung nötig. „Schatz, vergiss nicht, ich habe dich auf die Welt gebracht. Was wäre ich für eine Mutter, wenn ich das nicht merken würde.", murmelt sie. „Und was dich betrifft, junger Mann." Sie sieht mich an, lächelt aber augenblicklich. „Nenn mich Marry. So alt bin ich nun auch wieder nicht."

„Ich hoffe ich platze hier nicht rein, ich ...", beginne ich und will mich dafür entschuldigen, dass ich bei ihnen einfach so auf der Matte stehe.

„Bei uns ist jeder willkommen.", unterbricht sie mich hastig. „Und es freut mich sehr zu wissen, wen meine Tochter so glücklich macht. Also komm schon rein, wir beißen nicht."

Rachel wirft einen Blick zu mir hoch.

„Hey, Mann." Wie ich vermute begrüßt mich Rachels Bruder. Er grinst breit und hält mir ebenso die Hand hin. „Cool, endlich mal ein bisschen männliche Unterstützung zu bekommen. Dieser Haushalt wird von Frauen nur so dominiert." Kurz zögere ich, ergreife sie aber schlussendlich, weil er einen ziemlich ordentlichen Eindruck macht. „Ich bin Aaron, Rachels Bruder." Er ist fast so groß wie ich, dafür seine Brust und Oberarme um das doppelte breiter. Freundlich und relativ gelassen mustert er mich.

„Hey." Ich schlage ein, und ein fester Händedruck erwartet mich. „Ich bin Fitz."

„Nice Tattoos, Fitz.", kommentiert er knapp und deutet mit einem Kopfnicken auf meine Arme.

Plötzlich schießt hinter Aaron ein braunhaariger Wirbelsturm in Form eines jungen Mädchens vorbei. „Mom! Hast du meine neue Skinny Jenas gesehen? Ich brauche die heute Abend dringend, ich treffe mich mit Trevor. Er führt mich zu einer Party aus, und du weißt doch wie in diesem Kaff alle sind. Ein äußerlicher Fehltritt und schon reden alle über dich.", sie hält in ihrem aufgebrachten Monolog kurz inne. „Shit, da fällt mir ein, ich muss meinen Push up noch suchen.", fügt sie grübelnd hinzu, jedoch nicht weniger leiser.

Aaron beginnt breit zu lächeln. „Darf ich vorstellen, unser Sonnenschein der Familie. Wenn sie dir zu viel wird, versuch sie einfach zu ignorieren.", meint er.

„Klappt aber nicht immer.", murmelt Rachel neben mir und sieht zur Küche.

Rachels Mutter schluckt das aufkeimende genervte Gefühl gekonnt hinab und ich frage mich wie oft sie das am Tag wohl machen muss. „Junge Dame, wir essen gleich. Und ich denke du bist alt genug um dich selbst um deine Sachen zu kümmern.", weißt sie sie überraschend ruhig in die Schranken. Diese Frau hat eine gute Selbstbeherrschung. „Und über diese Party reden wir noch."

Grace stampft genervt in den Boden und wendet sich schwungvoll von ihrer Mom ab. Ihr Blick landet in der nächsten Sekunde auf mir und die Farbe rinnt ihr langsam aus dem Gesicht. Mit einem Mal ist es ruhig.

„Grace, fahr runter.", murmelt ihr Bruder ihr zu.

Sie wechselt einen hastigen Blick zwischen Rachel und mir. „Ihr hättet mir ja sagen können, dass mir ein gutaussehender junger Kerl bei meinen Teenagerproblemen zuhört.", murrt sie. „Geschwister, sie lassen dich ohne Vorwarnung und voller Liebe ins offene Messer laufen."

Rachel schnaubt leise neben mir und ich halte mir die Faust vor den Mund. Jetzt verstehe ich Rachels Vorwarnung.

„Sorry, ich bin Grace.", sagt sie zu mir, dann sieht sie ihre Schwester an. „Rachel, verdammt, warum machst du aus dem ein Geheimnis. Ich würde damit auf die Straße prallen gehen."

„Grace, willst du nicht deine Jeans suchen gehen oder so?", meint Rachel.

Aaron macht kehrt, nimmt Grace in den Schwitzkasten und verschwindet mit ihr in die Küche.

„Es tut mir so leid.", lacht Rachel leise neben mir. „Ehrlich."

Später am Abend sitze ich zwischen Rachels Familie am Tisch, da mich Rachels Mutter regelrecht dazu gezwungen hat. Ich kann nicht fassen, wo ich gelandet bin. Der Tisch ist mit Essen beladen und ich werde mit liebevoller Freundlichkeit und Zuvorkommen überhäuft. Auf keinen Fall kann ich leugnen, dass ich mich wohl fühle.

Auch Rachels Dad klopfte mir locker auf die Schulter und erklärte mir, dass ich ihn auf keinen Fall Sir nennen soll, wir sind schließlich nicht in der Army. Er ist ein ruhiger Typ, redet nur, wenn er gefragt wird. Manchmal brummt er einfach tief und nach einer Weile wird mir klar, dass Aaron recht hatte. Die Frauen haben das meiste zu sagen. James, Rachels Vater, strahlt eine enorme Ruhe und Gelassenheit aus, dass er mir sofort sympathisch ist. Ich schätze, den Mann macht nichts so schnell nervös.

Dafür sind ihre Geschwister umso lauter und impulsiver. Vor allem Grace, aber das wusste ich bereits.

„Erzähl doch Mal, Fitz. Was studierst du?", fragt mich Marry und fügt ein warmes Lächeln hinzu. Dann runzelt sie die Stirn. „Du bist doch auf dem College oder?"

Ich nicke. „Ja, ich studiere seit mehr als einem Jahr Film und Grafik Design."

Kurz ist es still am Tisch. „Das hört sich spannend an. Sehr kreativ, nicht wahr?", schaltet sich James ein und richtet seinen Blick auf mich.

Ich spüre, dass er mir ehrliche Bewunderung entgegenbringt, auch die anderen nickend anerkennend. Ein völlig neues Gefühl macht sich in mir breit und plötzlich wird mir klar, dass es sich gut anfühlt, wenn dir nicht ständig gesagt wird, dass dieses Studium mein Leben ruiniert und ich mich doch besser ins Büro einer Scheißfirma setzten soll.

„Ja, das ist es. Für mich war immer klar, dass ich mein Hobby zum Beruf machen will.", antworte ich.

„Respekt, schaffen nicht alle.", sagt er und nickt schwach.

„Und bist du aus Boston?", fragt Rachels Mom weiter und nippt an ihrem Weinglas.

Wieder ein Nicken. „Ja. Boston kenne ich wie meine eigene Westentasche. Ich bin dort aufgewachsen."

„Rachel hat so sehr von Boston und dem Campus geschwärmt. Schatz, wir sollten mal Urlaub machen und hinfliegen.", wirft Marry schwärmend ein und sieht flehend ihren Mann an.

„Frag mal unsere Tiere da draußen, die machen keinen Urlaub.", murrt er.

„Komm mich doch mal alleine besuchen, Mom. Ein paar Tage wegzukommen tut dir bestimmt gut.", sagt Rachel neben mir. Meine Hand liegt seit einer Weile auf ihrem Oberschenkel und gerade legt sie ihre auf meine. Unsere Finger verschränken sich. Es fühlt sich verdammt gut an, hier mit ihr und ihrer Familie zu sitzen.

„Wie lange dauert so ein Tattoo? Die sehen irre gut aus.", fragt mich Grace, die mir gegenübersitzt und mustert staunend meine Arme.

„Könntet ihr mit den Fragen aufhören? Ihr vergrault ihn ja noch.", wirft Rachel ein.

„Was? Ich bin doch nur neugierig. Schließlich hast du kein Wort über deinen Freund verloren. Da habe ich halt ein paar Fragen.", kontert Grace sofort und zuckt gleichgültig mit den Schultern.

Ich lache leise. „Schon okay, Baby.", flüstere ich ihr zu und wende mich Grace zu. „Kommt drauf an, aber das längste dauerte fünf Stunden."

„Wow, könnte ich nie.", murmelt sie anerkennend.

„Wir sind beruhigt, mein Schatz.", murmelt Rachels Mom erleichtert und tätschelt Grace' Arm.

Aaron verwickelt mich in ein Gespräch, über die Fotografie nachdem ich all den Basic-Fragen Rede und Antwort stand. Er erzählt mir, dass er sich schon immer dafür faszinieren konnte, aber sich mit Kameras null auskennt. Ich bin über seine Fragen froh, da ich Aaron als einen lässigen Typen wahrnehme. Sich mit ihm zu unterhalten lockert meine Anspannung etwas, schließlich trifft man nicht jeden Tag die gesamte Familie der Freundin.

Kurz nachdem wir gegessen haben, öffnet sich ohne Vorwarnung die Haustüre. Ein Kerl in meinem Alter schiebt sich durch die Tür und sein wachsamer Blick sucht nach jemanden ganz bestimmten.

„Hey James, hier sind die Schlüssel wieder. Ich habe dir den Anhänger zurück an den Platz gestellt.", meint er.

Alle am Tisch sehen auf und er starrt zurück. Zuerst fliegt sein Blick auf Rachel, dann gleitet er alarmierend zu mir. Unsere Blicke treffen sich und in mir bahnt sich eine dunkle Vorahnung an, wer mich gerade mit Blicken killt.

„Danke, Colin. Habt ihr alles geschafft?", fragt ihn James über den Tisch hinweg.

Bingo. Die tausend Dollar Frage ich wohl richtig beantwortet.

Er nickt knapp. „Ja, alles erledigt."

„Dann komm rein, nimm dir was zu trinken und setz dich. Essen ist noch genug da.", bittet ihn James mit einem halbherzigen Wink.

Kurz bevor ich den Blick senke, bemerke ich, wie dieser Colin zu Rachel sieht. Sie verkrampft sich neben mir, aber kein Wort kommt ihr über die Lippen. Das einzige was mich beruhigt, ist die Tatsache, dass sie meine Hand nicht loslöst. Im Gegenteil, sie klammert sich daran und lehnt sich ein Stück weiter zu mir. Ich würde sie zu gern fragen. Fragen, was diese Blicke zu bedeuten haben. Aber ich schlucke dieses bedrängende Bedürfnis hinab und rede mir ein, dass ich mir das meiste bloß einbilde.

Eine unangenehme Stimmung breitet sich am Tisch aus, aber davon sind bloß Rachel, ich und dieser Kerl eingenommen. Alle anderen bleiben verschont und wenden sich wieder ihren unterbrochenen Gesprächen zu. Colin setzt sich ans Ende des Tisches, neben Grace. Allerdings nippt er bloß an einem Bier und rührt das Essen nicht an.

Während der Zeit lehnt sich Rachel zu mir und sucht meinen Blick. Sie fragt mich ob alles okay ist und ich nicke knapp. Ich weiß, dass sie mir nicht glaubt, aber sie bleibt still.

Grace verschwindet schlussendlich doch zu der Party, Aaron verzieht sich in den oberen Stock, Rachel hilft ihrer Mom in der Küche und ich schlage den Weg nach draußen ein. Die kalte Winterluft der Nacht empfängt mich wohltuend und ich atme tief durch.

Rachels Familie ist wunderbar und irgendwie bin ich neidisch dieses liebevolle Familienleben nur in seltenen Momenten erleben zu dürfen. Aber ich freue mich für sie. Ich sehe, wie sehr sie ihre Eltern liebt, wie sehr sie ihren großen Bruder anhimmelt und wie sehr sie für Grace eine vorbildliche große Schwester sein will. Sie braucht ihre Familie und ich bin froh, dass sie dieses Gefühl erleben kann aus einer geschützten harmonischen Familie zu kommen.

Meine Gedanken werden unterbrochen, als sich neben mir die Haustür schwungvoll öffnet. Ich reiße den Kopf herum und ein grimmiger Blick erreicht mich. Nicht zum ersten Mal an diesem Abend. Kurz sehen wir uns an.

Colin unterdrückt ein Seufzen und schließt leise hinter sich. Er tritt einen Schritt vor und vergräbt die Hände in seinen vorderen Hosentaschen. Eine Falte bildet sich auf seiner Stirn, wird aber halb von seinem dunklen Haar bedeckt.

„Du bist also der berühmte Dean.", stellt er nüchtern fest und nickt resigniert.

„Ja ... sag einfach Fitz zu mir.", meine ich knapp.

„Ich bin Colin. Rachels bester Freund, ich gehe bei den Adams schon lange aus und ein.", stellt er klar. „Sorry, dass ich mich vorhin nicht ordentlich vorgestellt habe. Ich hatte nicht erwartet, dass ..."

„Schon okay."

Ich habe keine Ahnung was das hier wird. Das einzige, was ich weiß, dass der Kerl mich seit dem ersten Moment hasst, als er mich neben Rachel entdeckt hat. Vermutlich hat er etwas gegen mein Äußeres. Wäre nicht zum ersten Mal, dass mich Wildfremde sofort in eine Schublade stecken. Dass das Rachels Familie nicht getan hat, wird mir gerade deutlich bewusst. Sie haben mich aufgrund meiner Tätowierungen kein bisschen verurteilt, im Gegenteil.

Aber dieser Colin hier scheint allergisch darauf zu sein. Das merke ich an seiner Körperhaltung und an dem Blick, den er mir immer wieder zuschiebt. Wahrscheinlich studiert er mehrere Möglichkeiten durch, wie er mir zeigen kann, dass er Rachel schon viel länger kennt und ich keine Chance habe mich hier groß aufzuspielen. Wie Kerle nun mal sind.

Er tritt an die paar Stufen heran, bleibt jedoch auf meine Höhe stehen und richtet seinen Blick auf den schneebedeckten Boden, der nach ein paar Metern in der Dunkelheit verschwindet. Schweigen, nichts als Schweigen. Kann mir einer die Kugel geben?

Nach einer Weile dreht er den Kopf zu mir und mustert mein Profil. „Rachel hatte ein richtiges Leuchten in ihren Augen, als sie mir von dir erzählte.", sagt er und unterbricht die unangenehme Stille zwischen uns. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob es dadurch besser wird.

Langsam neige ich den Kopf zu ihm und mustere ihn. Die Falte hat sich ein Stück weit geglättet und die stummen Morddrohungen verwandelten sich in stille Abneigung. Ist das ein Fortschritt? Ich denke ja.

Ich nicke. „Sie ist etwas Besonderes. Und sie ist mir wichtig." Vielleicht beruhigt ihn das etwas, schließlich ist es die Wahrheit.

„Das stimmt, Rachel verzaubert jeden.", sagt er, halb lächelnd. „Aber nicht jeder verzaubert sie."

Ich bleibe still.

„Okay hör zu, ich kenne dich zwar nicht und du mich nicht aber, ich kenne Rachel. Wenn sie jemanden vertraut, dann tut sie es mit vollen Herzen. Sie versucht zwar alles mit ihrem Verstand zu regeln, aber in manchen Dingen ist der Verstand machtlos."

Unsere Blicke treffen sich und mit einem Mal liegt keine pure Abneigung in seinen Augen. Also nicke ich deutlich. „Ich weiß."

Wieder fällt Schweigen über uns, aber dieses Mal fühlt es sich nur mehr halb so befremdlich an. Plötzlich rührt er sich, holt aus seiner hinteren Hosentasche ein Feuerzeug und eine Schachtel Zigaretten hervor. Er fummelt daran herum, dann sieht er mich an. „Willst du auch eine?", bietet er mir an und hält mir wartend eine hin. Warum habe ich diesen Colin für jemanden gehalten, der nicht raucht?

Kurz starre ich überrascht darauf. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal eine geraucht habe, aber die Verlockung ist zu groß. Knapp nicke ich. „Danke." Er gibt mir das Feuerzeug, ich zünde sie mir an und mache einen tiefen Zug.

Wir stehen hier also im Halbdunkeln, schaukeln uns die Eier und rauchen schweigend eine.

„Okay, eine Frage.", beginnt er nach einer Weile und bläst den Qualm aus. „Du bist doch aus Boston. Wie oft warst du schon bei einem Spiel der Boston Bruins?"

Ich lache und der rauchige Schwall verteilt sich vor meinem Gesicht mit der eisigen Nachtluft. Bevor ich antworte, ziehe ich nochmal daran. „Ein paar Mal."

„Cool. Das ist cool.", kommentiert er trocken. „Die Jungs haben es halt drauf, was."

„Du bist ein Eishockeyfan?", frage ich ihn und sehe zu ihm. Seine Schultern haben sich gelockert und sein Ausdruck wurde weicher.

„Im Herzen ja. Sag das aber hier niemanden, hier regiert Football das Land, die bringen mich sonst noch um.", meint er und schüttelt den Kopf, während er an der Zigarette zieht. „Bei Eishockey ist die Action größer. Ich mag das Spiel irgendwie. Es hat was."

Ich nicke zustimmend. „Mein bester Kumpel spielt an der Kingston Eishockey, sein Ziel ist es in die NHL aufzusteigen.", erzähle ich ihm und spiele mit der Zigarette, die zwischen meinen Fingern klemmt.

„Ohne Scheiß Mann?" Begeisterung und Bewunderung erreichen mich.

Ich muss lachen. „Ohne Scheiß Mann, ja."

„Auf welcher Position spielt er?", fragt Colin unbeirrt weiter und dreht seinen stämmigen Körper mehr zu mir. Interesse fackelt über sein Gesicht.

„Verteidiger.", sage ich.

„Wie stehen seine Chance für die NHL?"

„Gut, sehr gut. Kingston hatte schon lange nicht mehr so ein gutes Hockeyteam und Blake ist ein verdammt guter Verteidiger. Er lebt für diesen Sport." Ich versuche nicht allzu viel Stolz über Blake mitschwingen zu lassen. Aber es ist die Wahrheit, Blake ist sau gut.

„Respekt Mann. Diese Sportart ist echt brutal und dann auch noch herauszustechen braucht viele Eier.", murmelt er.

„Wenn du willst, kann ich dir mal Karten der Bruins besorgen.", biete ich ihm an.

Nur der liebe Herr weiß, warum ich das tue. Gerade wollte er mich noch an den Zaunpfahl da drüben aufhängen, da bin ich mir sicher. Und jetzt biete ich ihm an, Karten für ein Spiel zu besorgen. Vermutlich fühle ich mich gedrängt, mit dem Kerl irgendwie auszukommen. Schließlich ist er Rachels bester Freund, auch wenn mir das immer noch ein Dorn im Auge ist. Ich muss es wohl hinnehmen und akzeptieren, dass der Idiot noch dazu ganz gut aussieht. Soweit ich das beurteilen kann. Ich hatte gehofft, dass Colin eher wie ein bärtiger Hobbit aus dem Auenland aussieht, aber man kann nicht alles haben.

Er strahlt mich an. „Wenn das möglich ist, wäre das richtig cool von dir."

„Klar, mache ich."

Er zieht an dem Stummel zwischen seinen Fingern. „Ich denke, du bist ganz okay, Fitzgerald.", murmelt er. Er wendet sich kurz ab und beugt sich über eine Bierkiste, die neben der langen Hollywoodschaukel auf dem Boden steht. Er nimmt zwei Flaschen und hält mir eine hin. „Nimm sie, Rachels Vater trinkt die sonst alleine aus. Manchmal trinkt er eh etwas zu viel."

Mit Bierflasche, Zigarette und einer angeregten Unterhaltung über Eishockey und andere Sportarten sitzen wir nun auf der kitschigen Hollywoodschaukel als hätten wir uns zufälliger in einer Bar getroffen und festgestellt, dass wir eine gleiche Leidenschaft teilen. Ich werde das Gefühl nicht los, aber der Kerl ist eigentlich ganz in Ordnung.

Die Flaschen sind nur mehr halb leer, oder halb voll, als sich ein weiteres Mal die Haustür öffnet. Wir sehen beide auf und Rachel steckt ihren Kopf heraus. Ihr Ausdruck verwandelt sich von überrascht über verwirrt zu misstrauisch. Irgendwo kann ich es verstehen, dass dieser Anblick verwirrt.

„Was ist hier los?"


Wie immer freue ich mich über eure Meinungen. Was dachtet ihr, wie es verlaufen wäre, als sich die zwei Jungs trafen? Bald gehts weiter, 

Eure SummerOF_Love

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