
Kapitel 24
„Zayn, ich ..."
„Bitte, Niall, hör auf. Wir können das nicht tun. Ich bringe dich nur in Gefahr. Oh Gott, wenn Josh davon erfährt!" Er raufte sich die Haare und sog so scharf die Luft ein, dass ich zusammenzuckte. „Zayn! Hör DU auf mit dem Scheiß! Wieso sollte sich das bitte wiederholen? Josh wird rein gar nichts erfahren. Wenn es daran liegt, dass du bereust, mich geküsst zu haben, dann ..."
„Daran liegt es nicht", fuhr Zayn mich an.
Erschrocken trat ich einen Schritt zurück, bis ich das Sofa hinter mir spürte. „Aber ..."
„Verdammt." Er vergrub das Gesicht in den Händen. „Niall, wenn Josh weiß, dass ich mich verliebt habe, dann wird er dir etwas antun, nur um mir zu schaden."
Er hat sich in mich verliebt?
Mit offenem Mund starrte ich ihn an; den zweiten Teil seines Satzes hatte ich gar nicht mehr mitbekommen.
„Ich fahre dich jetzt schnell bei dir zu Hause vorbei, dann können wir gleich zur Schule", verkündete er mit belegter Stimme, bevor er das Wohnzimmer verließ und ich sprachlos darin zurückblieb.
Meine Mum staunte nicht schlecht, als ich anstatt aus meinem Zimmer zu kommen durch die Wohnungstür den Flur betrat. „Niall?" Verdutzt schaute sie zu, wie ich Zeug in meine Schultasche stopfte. „Wo warst du denn?" Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen und sah entsetzlich müde aus – ein Zeichen dafür, dass ihr die Nachtschicht nicht unbedingt gut bekommen war.
„Ich war bei einem Freund", antwortete ich und hoffte nebenbei, dass dies auch der Wahrheit entsprach.
„Wieso hast du nichts gesagt?" Seit dem Vorfall am Wochenende war sie ziemlich misstrauisch gegenüber allem, was ich tat.
Ich zuckte die Schultern und lief wieder auf die Wohnungstür zu. „Wir sind versehentlich eingeschlafen."
Sie runzelte die Stirn und warf einen Blick auf die Uhr. „Wo willst du denn jetzt schon hin? Es ist erst halb sieben."
„Er fährt mich hin." Spätestens als ich das breite Grinsen auf ihrem Gesicht sah, wusste ich, woran sie dachte. Na toll. Ich machte mir nicht die Mühe, langatmige Argumentationen zu starten, sondern winkte ihr noch mal zum Abschied, bevor ich mich zur Tür hinausdrückte.
Die Fahrt verlief ziemlich schweigsam. Ich warf ihm immer wieder verstohlen Blicke von der Seite her zu und konnte nur daran denken, wie wunderschön sich diesesr Kuss angefühlt hatte. Am liebsten würde ich mich zu ihm hinüberbeugen und nochmal ... Stopp. Seit wann dachte ich so von Zayn? Bis vor ein paar Tagen hatten wir uns noch gehasst, und jetzt das?!
Am Schulparkplatz angekommen wollte ich mit einem simplen „Danke fürs Fahren" einfach aussteigen und ihn nie wieder ansehen, aber er hielt mich zurück, indem er die Zentralverriegelung betätigte. „Niall, bitte denk daran, was ich dir über Josh gesagt habe."
Ich warf ihm einen bitteren Blick zu. „Das ist nicht das Einzige, woran ich denke."
Zayn presste die Lippen aufeinander und fast erwartete ich, dass er sich mit Kriegsgebrüll auf mich stürzte, aber stattdessen sprach er nur die nächste Warnung aus: „Mach keine Dummheiten. Bis jetzt hat er seinen Ärger immer an mir ausgelassen, aber glaub mir, sobald er mitbekommt, was du alles weißt, wirst du noch mehr zu seiner Zielscheibe. Was die Leute seiner Gang angeht, versteht er keinen Spaß. Kennst du die Gesichter von einigen, bist du erledigt."
„Du weißt, wie verrückt das klingt? Das klingt wie in einem verdammten Krimi." Ich rüttelte an der Tür. „Und jetzt lass mich raus."
Er warf mir einen verletzten Blick zu. „Du glaubst mir also nicht." Ohne meine Antwort abzuwarten drückte er einen Knopf, sodass sich mit einem Klacken alle Schlösser entriegelten. Instinktiv riss ich sofort die Tür auf und sprang hinaus, hielt jedoch noch einmal kurz inne. „Seltsamerweise glaube ich dir. Ich komme mir nur langsam von der Welt verarscht vor."
An diesem Vormittag lief mir Josh seltsamerweise kein einziges Mal über den Weg, offenbar schwänzte er oder er mied mich einfach, beides war möglich. Ich hatte seit unserem unschönen Zusammenstoß gestern nicht mehr mit ihm gesprochen. Wie auch immer, mir konnte es recht sein, wenn er sich endlich mal ein wenig zurückhielt und mir nicht ständig auf die Pelle rückte.
Zu Hause hatte meine Mum ohnehin andere Sorgen, denn offenbar hatte sie Yaser wieder eingeladen, der nun in einer halben Stunde vorbeikommen würde. Hektisch raste sie hin und her, rückte die Tischdecke zurecht, putzte Staub vom Fensterbrett und zerlegte ein Glas in Scherben, als sie versuchte, es so schnell wie möglich vom Abtropfblech verschwinden zu lassen.
„Mist", murmelte sie in einem fort vor sich hin und hüpfte beinahe an die Decke, als es läutete. „Das ist er, das ist er! Niall, machst du bitte auf? Ich muss ganz schnell diese Sauerei hier entfernen!"
Grinsend machte ich mich auf dem Weg zur Wohnungstür. So durch den Wind hatte ich meine Mum schon lange nicht mehr gesehen. Yaser empfing mich mit einem warmen Lächeln, als ich die Tür öffnete und ihn eintreten ließ. „Hallo, Niall! Schön, dich mal wieder zu sehen!" Bevor ich etwas erwidern konnte, zog er einen Strauß Blumen hinter dem Rücken hervor und spähte durch den Flur in die Küche. „Deine Mutter ist schon da, oder?"
Ich lächelte. „Klar. Gehen Sie ruhig rein."
Er klopfte mir auf die Schulter. „Hatte ich dir das Du noch nicht angeboten?"
„Keine Ahnung", antwortete ich wahrheitsgemäß und musste lachen. Dieser Typ war genauso zerstreut wie meine Mum, wenn sie aufgeregt war.
Yaser hängte seine Jacke an den Ständer im Flur, zwinkerte mir ein letztes Mal verschwörerisch zu und schlich sich dann in die Küche, um Mum mit den Blumen zu überraschen.
Himmel, ich hatte gar nicht gewusst, dass Erwachsene so süß sein konnten. Kopfschüttelnd wollte ich mich wieder in mein Zimmer verziehen und die beiden alleine lassen, als mir etwas Helles am Boden ins Auge stach. Stirnrunzelnd bückte ich mich danach – eine Visitenkarte. Fast hätte ich sie achtlos auf eines der Regale gelegt, doch einer Eingebung folgend, überflog ich sie schnell – und beinahe hätte ich sie in hohem Bogen aus dem Fenster geworfen.
Yaser Malik, zweiter Vorsitzender des Stadtrates waren die einzigen Worte, die ich sehen musste, und das reichte vollkommen.
Malik.
Yaser Malik. Zayn Malik.
Zayn hatte davon gesprochen, dass sein Vater ein hohes Tier war, und Vorsitzender des Stadtrates erschien mir ziemlich zutreffend.
Sein Ernst? Wie war das nur möglich? So einen Zufall konnte es doch gar nicht geben! Der Boden unter mier schien zu schwanken. Fassungslos lehnte ich mich an die Wand, bevor meine Knie womöglich unter mir nachgeben konnten.
In diesem Moment betrat Yaser wieder den Gang, sah die Visitenkarte in meinen Händen und lächelte. „Ah, du hast sie gefunden. Ich habe gerade festgestellt, dass ich sie verloren habe."
Wortlos hielt ich sie ihm hin. „Sie ... Du sagtest doch, dass du einen Sohn hast?", platzte es aus mir heraus, womit ich veranlasste, dass seine Augenbrauen nach oben schossen.
„Das ist richtig. Er müsste ungefähr dein Alter haben."
„Wie heißt er?" Diese Frage kam mir nur mühsam über die Lippen, aber ich musste es wissen.
„Zayn, wieso?"
Obwohl ich es mir schon gedacht hatte, wirkte diese Antwort wie ein Schlag in die Magengrube. Wieso zum Henker traf mich das so? Vor ein paar Tagen hatte ich ihn noch gehasst! Vor ein paar Tagen hatte ich auch noch nicht seine weiche Seite gekannt.
Und vor ein paar Tagen hatte ich ihn noch nicht geküsst, gefolgt von dem dringlichen Wunsch, es unbedingt wieder zu tun.
„Äh, nichts", würgte ich hevor, während ich mehr schlecht als recht auf die Tür zu taumelte.
„Niall? Ist alles in Ordnung?" Mit einem besorgten Ausdruck im Gesicht kam er ein paar Schritte näher, doch ich war schon ins Treppenhaus verschwunden und rannte, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, zur Straße hinunter.
Ich würde diesem Mann heute auf keinen Fall nochmal unter die Augen treten.
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Ein Kaaapitel. Yay. (Ich bin komisch)
Ich freu mich über jedes Feeeeeeeedback! *HERZCHENAUGEN* Vooooootes und Koooooooomis sind <3-lich willkommeeeeeeen! :))
(Naja, eher hyperaktiv)
Ach was auch immer, bis zum nächsten Kapitel xD :*
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