Zwölf
Seit gestern habe ich nicht mehr aufgehört zu grinsen. Swan hat mich geküsst... Gut, von ihrer Warte aus war das vermutlich schon bei dem Speed-Dating absehbar, doch ich hätte nie gedacht, dass eine andere Frau als Maya mich tatsächlich von sich überzeugen kann.
Abends habe ich sogar noch mit ihr gechattet, und zwar ganz ohne nebenbei mit Adrian zu lästern.
Beim Aufwachen an diesem Morgen habe ich ungewohnt gute Laune. Voller Elan hüpfe ich aus dem Bett, gehe direkt ins Bad und springe unter die kalte Dusche. Fröhlich pfeifend mache ich mir dann Frühstück und schicke Swan eine Nachricht, bevor ich beginne zu essen. Wow, sie nimmt tatsächlich einen ziemlichen Einfluss auf mein tristes Leben.
Hi :) Wie geht's dir?
Grinsend starre ich auf die Nachricht. Sie schreibt mir immer noch ständig Smileys, auch wenn ich meinen Hass jenen gegenüber ziemlich deutlich erklärt habe. Ich antworte ihr und erkundige mich, wie es ihr geht. Beinahe sofort schreibt sie wieder, und zwar, dass sie bereits auf dem Weg zur Arbeit ist. Seufzend sehe ich zur Uhr hinüber und stelle fest, dass ich mich auch langsam beeilen sollte.
Mein Handy meldet sich erneut. Ich sehe wieder aufs Display, eine SMS von einer unbekannten Nummer. Stirnrunzelnd öffne ich sie.
Halt dich von Swan fern.
Zuerst bin ich verwirrt. Ich habe doch gar nichts gemacht... Gut, sie hat mich geküsst. Und es war auch nicht so, dass wir danach händchenhaltend durch die Gegend gelaufen sind. Wieso sollte mir überhaupt jemand befehlen, Swan in Ruhe zu lassen?
Sie ist zu dem Speed-Dating gegangen, also gehe ich nicht davon aus, dass sie in einer Beziehung ist. Vielleicht ist ihre Familie nicht damit einverstanden, dass sie auf Frauen steht. Dass sowas passiert, habe ich bereits am eigenen Leib erfahren. Aber würde eine Familie so weit gehen, die potenzielle Freundin via SMS zu bedrohen? Woher haben die überhaupt meine Nummer?
Ich beschließe, die Sache erst einmal ruhen zu lassen. Wahrscheinlich hat das überhaupt nichts zu bedeuten. Vielleicht hat Swan ja kleine Geschwister, die mich veräppeln wollen. Ich nehme mir vor, sie mal zu fragen.
Apropos Swan, mein Handy vibriert schon wieder, eine neue Nachricht von ihr.
Du hast nicht zufällig heute Zeit, oder?
Ich grinse wieder breit, die seltsame SMS der unbekannten Nummer rückt bereits in den Hintergrund. Alleine eine Nachricht von Swan macht mich glücklich. Eher gesagt ist es die Tatsache, dass sie mich ebenfalls zumindest mag. Ich verbessere mich innerlich. Sie hat wirkliches romantisches Interesse an mir, bei dem Speed-Dating hat sie bei meiner Nummer schließlich Date ausgewählt. Sofern sie ihre Meinung nicht geändert hat, jetzt, wo sie mich einigermaßen kennt.
Wir verabreden uns für den späten Nachmittag im Stadtpark. Alleine die Vorfreude auf das Treffen mit ihr lässt mich die seltsame SMS komplett vergessen.
Mit immer noch ungewohnt fröhlicher Laune mache ich mich auf den Weg zur Arbeit. Normalerweise sehe ich diese als ein notwendiges Übel an, doch heute habe ich tatsächlich gute Laune, und das obwohl meine Kollegin beinahe die ganze Arbeit auf mich abwälzt. Ich freue mich einfach darauf, Swan wiedersehen zu können.
Alles erinnert mich an die Zeit, in der ich Maya kennengelernt habe. Damals war ich vor unseren Dates ebenfalls total aufgeregt und nervös und im Nachhinein konnte ich an nichts anderes mehr denken als an Maya und die Zeit, die wir miteinander verbracht haben.
Jetzt bin ich Clara beinahe dankbar dafür, dass sie mich bei dem Speed-Dating angemeldet hat. Sie und Adrian hatten recht, es tut gut, wieder jemanden zu lieben. Ob ihre Methode, mir wieder ein Date zu verschaffen, jetzt so genial war, wie sie erwartet hatte, bezweifle ich trotzdem noch. Sie hätte mich wenigstens fragen können, ob ich damit einverstanden bin, bevor sie mich bei so etwas anmeldet.
Aber ich freue mich viel zu sehr, Swan zu sehen, als dass ich mich über meine Schwester aufrege.
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