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Kapitel 8: Wiedersehen

Thalina starrte den jungen Lord an, welcher sich nach anderen Menschen umsah, die ihm bei der Festnahme der Brünette helfen sollten, doch die Gasse war wie leer gefegt. Die Bewohner Artreias besaßen die Gabe, androhende Gefahren zu erahnen und diesen aus dem Weg zu gehen.

Thalina versteifte sich und fluchte innerlich. Warum hatte sie sich noch keine neuen Dolche zugelegt! Schnell musterte sie ihre Umgebung. Hinter ihr befand sich die ungefähr fünf Mann hohe Stadtmauer. Links und rechts hochgebaute Häuser, so dicht aneinander gereiht, dass es keine Gänge dazwischen gab. Im Augenwinkel konnte sie erkennen, wie eine Frau eilig die Fensterläden schloss.

»Du elendes Bauerngesindel!«, rief der Lord so aufgebracht, dass es von den Steinwänden zurückhallte. Thalina fragte sich, ob er aus der Sache wieder rauskäme, würde er sie hier und jetzt mit seinem Schwert niederstrecken. Sicher, es würden Fragen gestellt werden. Aber bestimmt wusste Kristoph genug gute Erklärungen für seine Tat.

Das Bild des erhangenen Jungen blitzte vor ihrem Auge auf. Solange man aus dem Bauernstand war, würde sich kaum einer drum scheren. Doch so leicht würde sie es ihm nicht machen. Sie besaß genug Kampferfahrung, um es wenigstens zu versuchen. Dennoch, bei ihrem ersten Treffen hatte Thalina gemerkt, dass auch der Lord mit Schwertern umzugehen wusste. Und sie hatte jahrelang keine Waffe mehr gegen jemand anderen erhoben, geschweige denn auch nur daran gedacht. Sie hatte sich nicht einmal das Gefühl vorgestellt, das sie bekam wenn sie eine solche Waffe in der Hand hielt. Das kalte Metall, welches sich wie gewohnt in ihre Hand schmiegte. Die aufgeladene Luft vor einem Kampf. Das Adrenalin, das Gefühl der grenzenlosen Macht, der Kontrolle über sich selbst. Alles andere auszublenden und sich nur auf den Gegner zu konzentrieren. Sehr lange hatte sie diese Gedanken verdrängt.

Der Lord dessen Name Kristoph war, kam langsam und mit erhobenem Schwerte näher und holte Thalina wieder zurück in die Gegenwart. »Erst beleidigst du mich, dann belügst du mich und zum Schluss hintergehst du mich. Nenne mir einen verdammten Grund, warum ich dich nicht sofort niederstechen sollte, Bauersweib.« Er nahm einen letzten Schritt und Thalina konnte seine Schwertspitze an ihrem Brustkorb spüren. Warum hatte sie nicht einmal versucht, auszuweichen?

»Ich kann das erklären.« Sie sträubte sich innerlich dagegen, sich einem so arroganten und blinden Mann zu beugen. Ihrer Meinung nach war sie ihm nicht eine Antwort schuldig, nicht eine Erklärung. Doch sie musste, wenn sie nicht sterbend auf diesem Kopfsteinpflaster enden wollte.

Kristophs wutverzerrtes Gesicht erinnerte Thalina an eine zerplatzte Kartoffel. Eine große Ader pulsierte an der Stirn. Sie konnte nicht anders, als auf diesen Punkt zu starren.

»Ach, und wie?!«, knurrte er ihr entgegen.

Beschwichtigend hob sie die Hände. »Ich habe einen Zettel in meiner Tasche, ich will ihn nur herausholen.« Doch der Lord verstärkte den Druck auf das Schwert und Thalina verharrte. »Das war ein schlechter Versuch. Starte noch einen und ich schneide dir deine verräterische Zunge heraus.«

Dann musste sie wohl auf den Brief des Alchemisten verzichten. »Ich wollte von Anfang an nach Artreia, aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muss jemanden finden und-« Fast schon dachte sie, er würde ihr jetzt das Herz durchbohren, doch stattdessen zischte er: »Warum sollte eine Bauernhure wie du irgendwelche Aufträge ausführen?!«

Das wars. Es reichte. Trotzig reckte Thalina ihm das Kinn entgegen, ihre braunen Augen funkelten streitlustig. »Schon mal daran gedacht, dass ich vielleicht keine Bauernhure bin? Kleidung sagt nicht alles über die Menschen aus.« Sie wusste, sie könnte sich damit ihren Tod einhandeln, doch sie war zu sturköpfig um nach dieser Beleidigung klein beizugeben. Stolz war ebenfalls ein gefährlicher Charakterzug.

Der vermeintliche Lord sog die Luft scharf ein. Thalina nutzte seine Überraschung, ergriff seinen Schwertarm und drehte sein Handgelenk in die unnatürlichste Richtung die ihr einfiel. Der Blonde schrie, das Schwert fiel mit einem Klirren auf den gepflasterten Boden. Schnell kickte sie es außer Reichweite und trat einen Schritt zurück. Verwirrung mischte sich in seine Wut. Er starrte Thalina verwirrt an, eine Hand an seinem Handgelenk. »Wer zur Hölle bist du?«

Die Verwirrung ihres Gegenübers fühlte sich an wie eine von Gerthas Leckereien: Zuckersüß. Thalina lächelte und holte nun den Brief des Alchemisten aus ihrer Tasche. Das Siegel war klar und deutlich zu sehen, doch in den Augen des Blondschopfes spiegelte sich keine Erkenntnis. Stirnrunzelnd sah er auf die schwarze Krähe. »Was soll das bedeuten?« Sein Blick zuckte zu dem Schwert.

»Oh ... Ich dachte, du kennst das. Es heißt, dass ich von jemandem beauftragt wurde, und dass es sich um etwas sehr Wichtiges handelt.« Sie merkte selbst, wie bescheuert das klang.

Seine Miene verfinsterte sich wieder. »Du hältst mich zum Narren.«

Thalina schüttelte den Kopf. »Begleite mich und ich zeige es dir. Dann kannst du immer noch entscheiden, ob du mich verurteilen willst oder nicht.« Sie konnte einen männlichen Gefährten auf dem Weg ins Armenviertel gebrauchen, man wusste nie, in welche Situationen man geriet.

Thalina konnte den arroganten Lord nicht leiden, doch sie erkannte, dass ihm wenigstens etwas an Menschenverstand geblieben sein musste, sonst hätte er sie einfach erstochen und hier auf dem Boden verbluten lassen.

Kristoph kämpfte lange mit sich. Sein Blick flog zu Thalina, zum Schwert, er riss die Hände in die Höhe und raufte sich die Haare. Dann sah er zu Boden. Schließlich nickte er und Thalina atmete auf. Heute würde sie nicht sterben. Aber sie würde ihn im Blick behalten.

Das Armenviertel von Artreia bestand aus winzigen, aneinandergereihten Lagern und notdürftig errichteten Hütten. Menschen hielten sich an offenen Feuern auf, wärmten ihre Hände, trockneten nasskalte Kleidung.

Kaum ein Kind war zu sehen. Sie liefen nicht umher, meist saßen sie einfach nur da und starrten apathisch vor sich hin. Oder sie spielten Kartenspiele, aber dann nicht in einer fröhlichen, hibbeligen Art wie die Kinder in den Handwerksvierteln, sondern mit müden Bewegungen und trüben Augen.

Thalina sah einen blutig getretenen Hund am Wegesrand liegen. Dies war kein Ort für Kinder. Sie sollten in Tempel gebracht werden, auch wenn die Erinnerung an den Priester ihr immer noch eine Gänsehaut verpasste. Es gab bestimmt auch weniger gruselige Priester. Meist im Winter waren die Göttertempel überfüllt, da es ohne Unterkunft im Norden unmöglich war, draußen zu überleben; die schlauen Bettler wanderten um diese Jahreszeit gen Süden.

»Nach wem suchen wir überhaupt? Und wann werde ich dieses ... Ding endlich los«, zischte Kristoph in Thalinas Ohr.

»Dieses Ding sorgt dafür, dass Ihr nicht wie ein Ritter hier rumlauft, mylord. So wird uns sonst niemand helfen.«

»Wie konnten du und deine törichte Zunge nur so lange überleben? Ich werde sie dir eigenhändig herausschneiden«, drohte er. Thalina zuckte kurz zusammen und ging dann weiter. Seit ihrem Aufbruch hatte er nur giftige Worte und Drohungen von sich gegeben, jedoch nichts in die Tat umgesetzt.

Der Brünette war schleierhaft, warum sie überhaupt noch lebte. Hatte ein Lord nichts Besseres zu tun, als den Angelegenheiten einer Bauerin nachzustellen? Er offensichtlich nicht. Vielleicht war er auch einer dieser gelangweilten Adeligen, die nach einem Kick suchten.

Im Endeffekt tat es nichts zur Sache. Sie hoffte, sie würde ihn davon überzeugen können, dass sie lebend mehr wert war als tot. Doch zuerst mussten sie Jorngar finden. Tjorgs Beschreibung zufolge handelte es sich um einen eher dünnen aber mittelgroßen Mann mit weißem Bart und einem rabenschwarzen Haarschopf. Das alleine war schon eine herausstechende Kombination, die musste leicht zu finden sein.

Vielleicht arbeitete dieser Jorngar auch nur noch in der Bibliothek, doch da würde Thalina nicht so leicht reinkommen. Die Stadtbibliothek war nur für Gelehrte zugänglich. Bei den Göttern, ihre Schreib- und Lesefähigkeiten ließen zu wünschen übrig, Ibraim hatte ihr nur das Nötigste beigebracht. Ihre einzige Hoffnung bestand darin, hier zu suchen. Doch wo sollte sie anfangen?

Ziellos begaben sie sich auf eine kleine Weggabelung abseits von der Straße. Hier stand Hütte an Hütte, Löcher in den Wänden waren spärlich mit Stofffetzen abgehängt. Überall pfiff der Wind um die Ecken und trieb den Regen durch die Ritzen.

Thalina bemerkte den Jungen erst, als er fast in Kristoph hineingerannt war und dieser bereits seine Hand am Knauf seines Schwertes hatte. Der Junge sah die Waffe mit weit aufgerissenen Augen und zog panisch die Hände in die Luft. »Ich schwöre, ich habe es nicht geklaut, bitte, bitte töten Sie mich nicht, ich war es nicht!« Tränen bildeten sich in seinen Augen und seine Brust hebte und senkte sich hektisch. Er war nicht älter als zehn. Verwirrt versuchte Thalina, ihn zu beruhigen: »Hey, alles in Ordnung, wir wollen dir nichts-«

Weiter kam sie nicht, denn in diesem Augenblick stürmten zwei grimmig dreinschauende Männer aus derselben Richtung, aus welcher der Junge gekommen war. Sie erblickten den Jungen und erhöhten ihr Tempo. »Ähm, Kristoph ...«

»Ich seh's. Komm.« Schlagartig und mit Reflexen, die Thalina ihm nicht zugetraut hätte, schnappte er sich den Jungen, griff nach ihrem Arm und sie rannten in die entgegengesetzte Richtung davon.

Thalina wusste nicht, wie lange sie durch die Straßen hetzten, doch als sie die Männer endlich abgehängt hatten, tat ihr die Lunge weh. Sie hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Kristoph, in einer wesentlich besseren Verfassung, setzte den unbeholfenen Jungen wieder auf den Boden und sah ihn eindringlich an.

Doch bevor Kristoph etwas sagen konnte, fühlte er die kleinen Arme des Jungen um ihn. »Danke danke danke danke!«, murmelte dieser und schniefte. Die Gesichtszüge des Lords wurden weich, und Thalina erahnte zum ersten Mal seit ihrer Begegnung, dass er nicht so ein unausstehlicher Mensch sein konnte, wie sie am Anfang befürchtet hatte.

Er tätschelte dem Jungen den Kopf und lächelte aufmunternd. »Es ist in Ordnung, du bist jetzt sicher.«

Doch der kleine Braunschopf schüttelte den Kopf. »Vor denen werden wir nie sicher sein. Nicht solange wir noch etwas zu essen, etwas zum anziehen haben.«

»Wer waren diese Männer?«, schaltete sich nun Thalina - immer noch schwer atmend - ein.

»Ihre Namen kenne ich nicht. Sie ärgern die Leute hier, ihnen fallen immer wieder Gründe ein, Geld von uns zu fordern. Sie sagen, sie arbeiten für den Sheriff. Aber den haben wir hier noch nie gesehen.«

Kristoph sah mit grimmiger Miene zu Thalina hinüber. »Wir sollten hier weg.«

»Kommt!«, sagte der Junge und führte sie mit geducktem Kopf an einigen Lagern vorbei, während der kalte Regen immer noch unnachgiebig auf sie herunterprasselte. Mittlerweile fror Thalina ordentlich und ihren durchnässten Umhang enger zu ziehen brachte natürlich auch nichts.

Der kleine Junge führte sie ans Ende der Gasse und blieb vor einer der Holzhütten stehen. Sie maß nicht einmal die Hälfte der Hütte des Alchemisten. Der Junge klopfte und als sich die Tür öffnete, wurde eine Frau jungen Alters sichtbar. Eine lange Narbe zog sich von ihrem linken Auge die Wange hinunter, fast bis zum Kinn. Sie hatte braune, unordentliche Haare doch ihre ozeanblauen Augen waren wach und zuckten unruhig hin und her.

»Tyor! Da bist du ja, den Göttern sei dank!«, stieß sie aus und legte ihre Arme um den Jungen. Er klammerte sich einen Augenblick an der Frau fest und zeigte dann auf Thalina und Kristoph. »Mutter! Sie haben mich gerettet!«

»Die Männer waren wieder da?«, fragte sie. Tyor nickte betrübt und sah zu Boden. Der Blick der Frau richtete sich nun auf die Beiden. Nach einem kurzen Augenblick nickte sie schließlich. »Kommt herein.«

Das Innere der Hütte war genau so, wie Thalina es sich von Außen vorgestellt hatte. Sie bestand aus einem einzigen Raum, in dem gekocht und geschlafen wurde. Stroh lag in der hinteren Ecke, während rechts an der Wand eine dürftige Feuerstelle angebracht war. Die Frau setzte sich zum Feuer und deutete Thalina und Kristoph an, Platz zu nehmen.

»Danke, dass Ihr uns geholfen habt. Wir haben selbst nicht viel, jedoch würde ich mich trotzdem gerne erkenntlich zeigen. Tyor ist alles, was ich noch von meinem Mann habe.« Tiefe Trauer klang in ihrem Ton und Thalina biss sich auf die Lippe. Sie wusste nur zu gut wie es war, Familie zu verlieren. Als würde ein Stück des eigenen Herzen rausgerissen, auf ewig verstreut in der Welt.

Thalina lächelte halb und schüttelte den Kopf, doch dann kam ihr noch ein anderer Gedanke. Sie runzelte die Stirn und wandte sich dann an die Frau. »Vielleicht könnt Ihr uns mit etwas anderem helfen. Habt Ihr jemals etwas von einem Mann namens Jorngar gehört? Ich glaube, er wurde auch manchmal nur 'Alter Mann' genannt.« Gespannt lehnte sich Thalina nach vorn. Vielleicht würden sie heute doch ein wenig weiter kommen.

Tyors Mutter versteifte sich unwillkürlich. Stille - nur das Knistern des Feuers und das Prasseln des Regens auf dem Strohdach waren zu hören.

Zuerst schien es, als würde sie sofort aufspringen, doch dann besann sie sich eines besseren. Sie ließ jedoch trotzdem einen Blick umherschweifen. »Wer will das wissen?«

Wer? Eine ehemalige Farmerin, die von einem zwielichtigen Alchemisten angeheuert wurde... Vermutlich keine besonders gute Antwort. Stattdessen griff Thalina in ihre Tasche und zeigte der Frau das Siegel des Alchemisten. Kristophs Augen verengten sich, während die Frau scharf die Luft einsog. »Bei den Göttern.«

»Könnt Ihr uns etwas zu ihm sagen?«

Tyors Mutter wog den Kopf hin- und her. Schließlich ging ein Ruck durch sie. Sie lehnte sich vor und begann in gedämpften Ton zu sprechen: »Er war hier nicht mehr sicher. Ich weiß nicht, wie sie über ihn herausgefunden haben, doch eines Tages waren sie da. Er ist nach Osten aufgebrochen. Ich glaube, er hatte etwas von einer Gilde gesagt. Schlaue Entscheidung, Gilden beschützen ja ihresgleichen, egal vor wem. Dort ist er sicher.«

»Moment, wer sind 'sie'?«, fragte Kristoph.

Thalina warf einen Blick auf ihn. Der vermeintliche Lord hatte etwas von seiner griesgrämigen Art verloren, er starrte nicht wie sonst auf einen Punkt - stirnrunzelnd und grummelnd - sondern er betrachtete die Frau nachdenklich, weniger verurteilend. Fast, als würde ihn wirklich interessieren, was sie zu sagen hatte.

Die Frau schüttelte den Kopf und entgegnete: »Das hat er mir nie erzählt. Er hat nie viel von sich gesprochen, er hat immer Nahrung und Wolle zu uns gebracht. Ein wahrer Held, war er. Er hat mich vorgewarnt, dass wir in Zukunft alleine zurechtkommen müssten, er würde aufbrechen.«

»Wann war das ungefähr?«, fragte Thalina.

Tyors Mutter legte den Kopf in den Nacken und beäugte einen Regentropfen, der durch das Dach durchgesickert war und nun mit einem leisen Zischen ins Feuer tropfte. »Hmm... Vor ungefähr einer Woche.« Thalina nickte. Sie wollte endlich den dubiosen Alten Mann kennenlernen. Es gab so viele Fragen. All diese Fragen machten keinen Sinn und je länger sie sich den Kopf darüber zermarterte, desto schlimmer wurde es.

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