
Damian
Sie sah wunderschön aus.
Der Rock umschmeichelte ihre langen Beine und das grüne Shirt lag eng an ihrem perfekten Körper. Ihre Haare waren offen und vielen sanft ihren Rücken hinunter.
Wir waren mit dem Boot etwas rausgefahren und standen jetzt an einer Stelle und genossen die Zeit und die Aussicht. Dabei redeten wir über alles Mögliche, unterhielten uns über eine Serie, diskutierten welche Buchcharaktere die Besten seien, schwärmten von Urlaubsorten und quatschen einfach über Alles, was uns in den Sinn kam. Es war unglaublich schön.
»Schau Mal die Sonne. Das sieht so traumhaft aus.«
»Ja, stimmt. Warte kurz.« Sie stand auf und etwas aus der Kiste zu holen.
»Was ist denn?«
»Nicht bewegen. Ich hole mein Handy. Will ein Foto machen und diese himmlische Atmosphäre auffangen.« Sie war so süß.
»Soll ich dann wegrücken, damit du den Himmel ganz drauf kriegst?« Ich wollte auf keinen Fall ihr Foto versauen.
»Nichts da. Du gehörst dazu. Ohne dich wäre es doch gerade auch nur halb so märchenhaft.« Und jetzt war es offiziell. Ich bin ihr komplett verfallen. Mit allem was zu mir gehört. Sie brachte mein Herz zum Schmelzen.
»Dann musst du aber auch noch mit drauf. Kannst du mit Selbstauslöser machen?« Wenn schon, dann aber richtig.
»Klar.« Sie lächelte mich an. Mein Herz schlug schneller und ich musste automatisch auch lächeln. Eine Wärme breitete sich bei ihrem Lächeln in mir aus.
Sie stellte ihr Handy auf und setzte sich wieder neben mich und kurz vor dem auslösenden Tom küsste sie mich auf die Wange.
Ich glaube auf dem Bild sieht man dann einen liebeskranken Teenager, der stocksteif da sitzt, weil er so geplättet von seinen Gefühlen ist und eine wunderschöne Elfe, die ihm Leben einhaucht.
Das sollten wir nochmal versuchen. »Warte, das machen wir nochmal richtig.« Beim nächsten Foto legte ich einen Arm um ihre Taille und lehnte meine Stirn an ihre.
Und irgendwie machte es dann auf einmal total viel Spaß solche Fotos zu machen. Ich konnte sie Küssen, Umarmen und ihr nah sein ohne, dass es komisch wirkte. Blöd war nur, dass ich sie nach jeden Foto wieder loslassen musste, aber sie kam ja jedes Mal zurück.
Oh man, ich wollte so unbedingt einen Abzug der Fotos. Nein, ich brauchte einen.
Ich küsste sie nocheinmal zart auf den Mund. »Ich glaube wir haben ein gutes Foto dabei.«
»Ja definitiv.«, raunte sie leise.
Wir saßen noch eine Weile einfach da, manchmal redeten wir, aber es gab auch Momente in denen wir einfach die Stille genossen.
Irgendwie hasste ich mich für meinen folgenden Gedanken, aber ich konnte ihn auch nicht verdrängen.
Wir saßen hier zusammen und ich erlebte eine wunderschöne Zeit, aber mein Kopf stellte mir natürlich Fragen, die ich nicht vergessen konnte.
Ich musste an ihre Worte über diesen Nico denken.
Es war so unpassend und doch konnte ich es nicht vergessen. Sie drängten sich einfach in den Vordergrund und sorgten dafür, dass ich die Zeit hier nicht mehr genießen konnte.
Ich musste es einfach ansprechen, trotz des Risikos unser bisher so perfektes Date zu zerstören.
»Du? Willst du mir sagen, wer Nico war?«
Sie drehte sich zu mir und schaute mich mit großen Augen an.
»Also wenn du dich unwohl damit fühlst musst du natürlich nicht, aber ich würde mich sehr freuen, wenn du dich mir anvertraust. Ich will dir helfen und mich lassen die Gedanken nicht mehr los, dass da irgendwas ist, das dir Kummer bereitet.« Ich nahm sie in meine Arme. Ich wollte sie umarmen und ich wusste, dass es manchen ohne Augenkontakt leichter fiel zu sprechen.
Sie schlung ihre Arme um mich und vergrub ihr Gesicht an meinem Hals.
»Ja, wahrscheinlich ist es nicht schlecht, wenn ich es dir erzähle. Es hat mich ja schließlich geprägt und ähm...ja, erklärt vielleicht mein Verhalten manchmal.«
Es dauerte eine Weile und ich genoss ihre Nähe, ehe sie den Kopf hob.
»Er ist der Ex-Freund einer guten Freundin. Sie heißt Elena. Und er hat ... ein paar Sachen getan, die nicht angenehm waren. Ich bin manchmal sehr emotional und wenn meinen Freunden etwas passiert nimmt es mich ähnlich mit wie sie selbst. Vielleicht ja wegen meiner Kindheit. Ich weiß es nicht.«
Ich atmete erleichtert aus. Ja, die Nachrichten waren nicht positiv, aber immerhin hatte er augenscheinlich nicht ihr irgendwas angetan. Diese Erleichterung war eigentlich nicht angepasst und schnell schämte ich noch dafür.
Ich streichelte ihr über den Rücken. »Was waren das für Sachen?«
Sie richtete sich auf und ließ ihren Blick über das Wasser schweifen.
»Er kam neu auf die Schule und zeigte ziemlich schnell Interesse an Elena. Die beiden gingen ein paar Mal miteinander aus und die ersten Wochen lief es perfekt. Die beiden waren ein Traumpaar. Sie war glücklich und wir freuten uns für sie.«
Anouk schluckte bevor sie weitersprach. Es war als würden mit ihren Worten auch die Erinnerungen und der Schmerz zurückkommen.
»Irgendwann fing er an sich zu verändern. Von einer Nacht auf die andere war er einfach nicht mehr der charmante Gentleman, sondern das Arschloch schlechthin. Er fing grundlos Streit an und gab ihr die Schuld für alles was es gab. Er betrog sie vor ihren Augen und als sie sich traute ihn darauf anzusprechen tat er so als wäre sie Schuld. Sie ging an der Beziehung kaputt. Er machte sie runter und ließ sie schlecht fühlen. Er versetzte sie oft und nahm sich keine Zeit, aber von ihr verlangte er, dass sie für ihn alles stehen und liegen ließ. Er ging nicht auf ihre Bedürfnisse ein. Sie wollte manche Sachen noch nicht, weil sie sich nicht bereit fühlte, aber das ignorierte er einfach. Genauso wie ihr "nein". Es war eine verdammt schlimme Zeit. Sie schaffte es nicht sich zu befreien und wir konnten ihr nicht aus dieser toxischen Beziehung helfen.«
Fuck! Was war das denn bitte für ein ignorantes, egoistischen, scheiß Arschloch.
Allein durch ihre Erklärung hasste ich Nico schon, obwohl ich wusste, dass sie mir nur einen Teil dessen, was er ihrer Freundin angetan hatte, erzählte.
Sie sprach es nicht aus und doch verstand ich sie. Über die anderen Sachen, die er getan hatte, wollte sie nicht reden. Sie wollte sie verdrängen. Und ich vermutete, dass es auch besser so wäre.
Wieso gab es bitte so beschissene Menschen auf dieser Welt.
Wenn jemand nicht will, will die Person nicht. Dass muss man aktzeptieren.
Ich war lange Zeit mit der Clique gewesen und die war ähnlich toxisch und sexistisch und asozial gewesen was Freundschaften und Beziehungen anging, aber das was er getan hatte war ja wohl die Höhe.
Ich könnte jedes Mal wieder ausrasten, wenn ich von solchen Menschen hörte. Am liebsten würde ich ihn suchen und ihm so richtig eine pfeffern.
Aber ich wusste, dass das keine Lösung war. In der Clique hatte es auch nicht geholfen.
Eher im Gegenteil.
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