
chapter 3
chapter 3: the sound of... what?!
Chan
Die Nacht hatte keiner von uns beiden wirklich durch geschlafen. Meinen Vater hatte ich immer wieder drüben beim Packen gehört und ich konnte wegen diesem blöden Horrorfilm nicht wirklich schlafen. Er war nicht mal sonderlich gruselig gewesen, sondern einfach irgendwie eklig und für jeden, der mit Wachs arbeitete, ein Albtraum.
Gerade war es 13 Uhr und wir hatten gerade gefrühstückt. Ja, bei uns war am Wochenende Mittagessen und Frühstück eine Mahlzeit. War einfacher und vielleicht sogar gesünder.
Die Stimmung war etwas gedrückt und mein Vater wuselte immer irgendwo in diesem riesigen Haus herum, um weitere Sachen einzupacken und sicher zu gehen nichts zu vergessen. Bei vier Wochen in London konnte man sich ein vergessenes Ladekabel nicht mal so erlauben.
Ich wiederum saß wieder auf dem Sofa und lass mein Buch weiter. Zwar lenkte mich mein Dad mit seinem durchgehendem hin und her laufen etwas ab, aber ich war irgendwann so in den Zeilen versunken, dass ich alles um mich herum komplett ausblendete.
Die Zeit verging ebenso schnell und als mein Vater auf einmal mit zwei Koffern und mehreren Reisetaschen neben mir stand, zuckte ich vor Schreck richtig zusammen. War es schon Zeit, dass er gehen musste?
Etwas verwirrt griff ich nach dem Handy neben mir und drückte auf den Home Button, um die Uhrzeit zu prüfen. 14:45 Uhr. Tatsächlich schon so spät?
Sofort sprang ich auf und fiel meinem Vater um den Hals.
Er kippte fast nach hinten weg, da ich größer und somit auch schwerer als er war. Kurz schwankten wir noch hin und her und hatten die Arme um den jeweils anderen geschlungen. Ich konnte echt froh sein, so ein gutes Verhältnis mit meinem Vater zu haben.
Als wir uns lösten, klopfte er mir auf die Schulter und nickte mir zu.
„Bau keinen Mist, solange ich weg bin", mahnte er, doch lachte gegen Ende.
„Ich gebe mir Mühe", meinte ich darauf nur kichernd und ließ schlussendlich komplett von ihm ab.
Wir gingen zur Haustür und ich sah bereits ein Taxi vor unserer Auffahrt stehen. Jetzt hieß es wohl erst mal Abschied nehmen und das für etwas längere Zeit.
Ich hielt ihm die Tür offen und half ihm die Taschen zu dem Taxi zu tragen.
„Also... Geld ist oben in meinem Schreibtisch und wenn etwas ist, ruf mich an. Wir telefonieren immer abends bzw. morgens bei dir, damit ich auf dem neusten Stand bleibe.", erklärte er alles Wichtige fix. Dieses Vorgehen war mir bereits bekannt. Er rief abends an, wenn es bei mir morgens war.
Danach setzte er sich nach hinten in das Auto und die Fensterscheibe wurde ein weiteres Mal herunter gelassen, damit wir uns zuwinken konnten. Kurz darauf sprang der Motor des Autos an und ich sah wie mein Vater aus meinem Blickfeld verschwand.
Ich sah dem Auto nach und dann kurz in den blauen Himmel hinauf. Es fühlte sich jetzt schon komisch an. So alleine.
Mit schweren Schritten ging ich wieder hinauf zu unserer Haustür, die ich hinter mir ins Schloss fielen ließ. Tja, jetzt hatte ich dieses 220 Quadratmeter große Haus für mich. Es klingt zwar so, als könnte ich alles schön für mich nutzen, aber in so einer großen Villa zu wohnen hatte auch seine Nachteile. Ich hörte Geräusche von oben und konnte nie wirklich ausmachen, aus welchem Raum sie kamen oder meine etwas in den Augenwinkeln gesehen zu haben. Diese typischen Tricks, die uns unser Gehirn manchmal spielte. Auch wenn ich fast erwachsen war und eigentlich nicht so schreckhaft, war mir die Nacht alleine Zuhause immer etwas unwohl.
Doch anstatt weiter über die negativen Aspekte zu reden, sollte ich mir Musik anmachen und lesen. Das war mit Abstand das Beste, was man machen konnte, weshalb ich mein Handy per Bluetooth mit unserer Anlage verband, meinen Lieblingssong auf Endlosschleife spielen ließ und mich wieder hinsetzte, um zu lesen.
.
Es war bereits abends und nachdem ich etwas Sport gemacht und danach eine frische Dusche genommen hatte, wurde es Zeit fürs Essen. Doch wie man es halt so kennt, war die Frage nun:
„Was sollte ich eigentlich essen?", murmelte ich mir selbst zu und stand wie ein Sim Charakter in der Küche herum. Zwar gab es vieles, was mir ins Auge fiel, doch auf nichts hatte ich sonderlich Lust.
„Ich könnte mal wieder etwas bestellen...", sagte ich halblaut und suchte meinen Laptop heraus. Ja, ich war der Typ, der begann mit sich selbst zu reden, sobald es zu ruhig wurde. So fühlte man sich nicht so alleine.
Ich pflanzte mich aufs Sofa und zog den Laptop auf meinen Schoß, ehe ich die Seite des Bestelldienstes meines Vertrauen öffnete. Dort wählte ich mein übliches Menü aus und gab alle Informationen an. Ich war kein Mensch, der viel Neues ausprobierte. Eher jemand, der Sachen tat oder wählte, die er schon immer mochte.
Danach streckte ich mich kurz und ließ meinen Nacken etwas knacken. Jetzt hieß es wohl warten.
Vielleicht sollte ich irgendeine Serie gucken, aber gab es momentan irgendwas Interessantes? Gefühlt hatte ich schon alles durchgeschaut, was es zu schauen gab und nach gestern werde ich mir keinen Horrorfilm reinziehen, besonders nicht, wenn ich alleine war.
Seufzend entschloss ich mich dazu etwas durch Instagram zu scrollen. Vielleicht war ja irgendwas interessantes passiert.
Leider gab es auch dort irgendwie nicht viel zu sehen. Diese vier Wochen werden verdammt langweilig. Wie sollte ich diese vier Wochen bitte überleben? Außer für irgendwelche Arbeiten zu lernen, hatte ich nichts zu tun.
Auf einmal hörte ich ich ein Geräusch von oben und zuckte heftig zusammen. Was war das gewesen?! Ein kalter Schauer fuhr mir über den Rücken und ich hielt die Luft an. Alles war ruhig. Nichts war mehr zu hören. War irgendetwas umgefallen, oder so? Aber wie?
So sehr mich das Ganze gruselte, musste ich nachsehen, immerhin hatte ich alleine die Verantwortung für die Villa. Wenn jetzt etwas oben kaputt war und ich nicht hoch gehe, würde mein Vater mich umbringen. Außerdem müsste ich früher oder später sowieso nach oben. Immerhin war mein Zimmer oben.
Ich kratzte jedes bisschen Mut in mir zusammen und erhob mich von der Couch. Mein Handy behielt ich dabei fest in der Hand. Falls etwas oder jemand dort oben wäre, könnte ich wenigstens schnell irgendwen anrufen.
Mit schleichenden Schritten ging ich den Flur entlang und sah die Treppe hinauf. Oben war alles dunkel und wirkte wie ein ewiges schwarzes Loch.
Ich betätigte schnell den Lichtschalter neben mir, der das Licht oben anmachte. Auf den ersten Blick war nichts Abnormales zu erkennen, weshalb ich vorsichtig Stufe für Stufe die Treppe hinaufging. Noch im Laufen drehte ich mich etwas um meine Achse. Im Flur des ersten Geschosses wirkte alles unberührt und ich scannte den Boden ab. Irgendwas musste um- oder heruntergefallen sein, doch nichts war zu erkennen. Der Boden war blitzblank.
Desto mehr Räume ich absuchte, desto sicherer fühlte ich mich, doch egal wohin ich sah, kein Gegenstand hatte seinen Platz verlassen. Hatte mir mein Gehör einfach ein Streich gespielt und das alles war nur eine Einbildung gewesen?
Etwas kopfschüttelnd stand ich nun dort und zuckte mit den Schultern.
Meine Pizza würde bald ankommen, ich sollte wieder-
Auf einmal hörte ich eine Art Schleifen über den Boden, als hätte man einen schweren Schrank über den Boden gezogen. Mein ganzer Körper reagierte sofort auf dieses plötzliche Geräusch und meine Beine sackten etwas weg.
Das Geräusch kam nicht von diesem Stockwerk. Es kam aus dem Atelier meines Vaters, also vom Dachboden.
Was sollte ich jetzt tun? Das war doch garantiert kein Geräusch, dass einfach so entstand...?!
Aber nur die Polizei oder meinen Vater anzurufen, weil ich etwas gehört hatte, war nicht sonderlich zielführend. Ich sollte einfach mal nachsehen, oder? Was sollte schon passieren? Am Besten nehme ich einen schweren Gegenstand mit und im Notfall zieh ich diesem jemanden einen über. Das war mal eine Idee.
Schnell blickte ich um mich herum und erkannte eine aus Ton bestehende Vase, die mein Vater irgendwann aus Spaß gemacht hatte und meinte, dass sie gut in unsere Inneneinrichtung passen würde.
Schnell griff ich nach dieser und hielt sie schützend vor meine Brust.
Einmal atmete ich aus und lief vorsichtig die schmale Treppe hinauf. Oben war es dunkel, da wir hier unten keinen Lichtschalter hatten und ich lief quasi ins Nichts.
Die Dunkelheit umhüllte langsam meinen Körper und als ich oben angekommen war, knipste ich schnell das Licht an, da der Schalter sich links von mir an der Wand befand. Es kostete mich etwas Überwindung, ehe ich mich umdrehte, um den Raum ab zu scannen, doch sofort bekam ich den Schock meines Lebens, als einer der Skulpturen direkt neben der Treppe stand und auch noch direkt in meine Richtung sah. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte ich echt gedacht, dass jemand dort gestanden hatte, aber zum Glück war es kein echter Mensch.
Mein Blick wanderte durch den Raum, welcher sonst wie immer erschien, bis er wieder auf der Statue landete. Das war die Figur, die Vater und ich gestern fertig bekommen hatten. Die Skulptur ohne Namen.
Auch wenn es mich etwas erleichterte, dass es nur die Figur war, überkam mich direkt der nächste dunkle Gedanke. Was suchte sie hier? Gestern stand sie noch auf der anderen Seite des Raumes und alleine hätte mein Vater sie nie soweit bewegen können. Außerdem,... warum sollte mein Dad sie neben die Treppe stellen, wo sie herunter krachen könnte? Und was war dieses Schleifen gewesen, was ich gehört hatte? Es hatte so geklungen, als hätte man eine Figur verschoben, aber hier oben war keiner. Wie konnte das dann sein?
Ein ungutes Gefühl machte sich in meinem Magenbereich breit und ich schluckte. Das alles war irgendwie echt gruselig, doch ich könnte wetten, dass es dafür eine ganz logische Erklärung gab. Ich sollte meinen Vater einfach morgen früh fragen.
Um alles nochmal abzuchecken, ging ich durch den Raum. Alles war wie immer.
Schulterzuckend drehte ich mich erneut um und wollte zur Treppe gehen, als ich auf etwas trat. Mein Blick wanderte nach unten und ich erkannte den Edding, den mir mein Vater gestern in die Hand gedrückt hatte. Dieser lag genau vor der Skulptur des Jungen. Das muss des Geräusch gewesen sein. Der Marker musste wohl vom Tisch gerollt sein.
Etwas lachend beugte ich mich nach unten, um nach dem Edding zu greifen und diesen dahin zu legen, wo er ursprünglich gelegen hatte.
Irgendwie komisch. Es war so, als würde man mir versuchen durch diesen Vorfall etwas zu sagen. Als wollte die Skulptur, dass ich ihr einen Namen gebe.
Ach, Quatsch. Sie bestand aus Wachs und denken konnte sie erst Recht nicht.
Ich stellte mich neben sie und betrachtete sie kurz. Der Junge hatte helle Haut, sowie ein paar wunderschön rötliche Lippen. Seine Augen hatten eine hellbraune Farbe, die vereinzelt etwas gelblich erschien. Außerdem hatte er rote Haare und vereinzelte Sommersprossen zierten seine Nase und Augen. Wäre er ein echter Mensch, wäre er die schönste Person auf diesem Planeten. Daran gab es keinen Zweifel. Diese scharfen Gesichtszüge und das schmale Gesicht. Zweifelhaft wunderschön. Jedes Model wäre sicher neidisch, wenn sie diesen Wachsjungen sehen würden.
Etwas verträumt stand ich einfach da und streckte meine Hand nach dessen Gesicht aus. Es wirkte so, als wäre dieser Junge, den ich in meinem Traum gesehen hatte, genau neben mir. Doch er blinzelte nicht und zeigte keine Reaktionen, was mich wieder zurück auf den Boden brachte.
Fast berührte mein Zeigefinger dessen Wange, als auf einmal ein schrilles Klingeln durch das Haus zu hören war. Sofort zuckte ich zurück und sah verwirrt um mich.
Warte, was?
Kurz schüttelte ich den Kopf, um wieder wach zu werden. Diese Figur verdrehte mir den Kopf.
Schnell löschte ich das Licht und rannte herunter. Mein Essen sollte jetzt erst einmal Priorität haben.
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Hey :D
Ich freue mich echt, mehr von dieser Story zu veröffentlichen;-; aber alles mit der Zeit, nicht wahr? :')
Ich hoffe, dass es gemundet hat und ich wünsche allen einen entspannten 3. Advent morgen ^^
bye bye <3
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