XXIV; [time_sleep_until();]
Wie aus dem Nichts begann ein Smartphone zu klingeln. Die sanfte Melodie eines Songs, den Mona nicht kannte, war in der Küche und dem angrenzenden Esszimmer zu vernehmen, als Simon auf sein Gericht einen Deckel setzte.
Aus seiner Hosentasche zog er ein Smartphone hervor und hob nach dem Bruchteil einer Sekunde ab. Das Gespräch war für Mona nur zum Teil mitzuhören, da ihr die Kenntnisse schwiizerdüt'scher Sprache fehlten.
Jedoch bemerkte sie, dass Ammann auf dem Ceranfeld herumtippte und die Platten abschaltete.
Als sein Telefonat beendet war, trat er hinter der Kochinsel hervor und lächelte leicht. Er deutete Mona, mitzukommen und erklärte ihr auf dem Weg zum Hauseingang, dass sie die Kinder holen werden.
Sein Vater war leidenschaftlicher Sportschütze und hat auf sein Training vergessen. Deswegen musste Simon die zwei bei den Großeltern abholen.
Mona zog sich die Schuhe an und auch Simon schlüpfte in seine, worauf er mit seiner Entschuldigungsrede begann. Es hat ihn während des ganzen Kochens beschäftigt, wie er es Mona sagen sollte.
Er öffnete die Tür, hatte den Schlüsselbund von vorhin schneller in der Hand als Mona bemerkt haben könnte und ließ sie als erste aus der Wohnung schreiten.
Als die Tür verschlossen und sie über die Treppen in das Erdgeschoss folgte, begann er ihr die Lage zu erklären.
"Es tut mir leid, dass ich dich vergessen habe, abzuholen."
Mona schüttelte nur den Kopf. Für sie war es weniger schlimm gewesen, hat sie doch den Spaziergang genossen, der sie durch Schindellegi geführt hatte.
"Nicht so tragisch", hauchte sie, als würde ihre Stimme zerbrechen. Sie war selbst überrascht von der Art ihrer Erscheinung. Normalerweise war sie selbstsicher und manchmal auch leicht frech, aber seit einiger Zeit versteckte sich dies tief in ihr.
"Charlotte und Theodore waren heute für zwei Minuten alleine zuhause und ich würde dir empfehlen, es mir nicht nachzumachen sie alleine zu lassen", lachte er kurz und grüßte die gerade aus der Tür im ersten Stock kommende Frau, die auch die beiden grüßte.
Die nächste Treppe ratterten sie im kalten Stiegenhaus hinunter und gingen dem Haupteingang entgegen, bogen aber davor um die Ecke.
"Sie bauen sich aus ihren Polstern und Bettdecken vor der Leiter des Stockbettes einen kleinen Hügel und hüpfen von der obersten Sprosse herunter", sah er kurz über die Schulter, da Mona nichts von sich gab und ihre Schritte ziemlich leise waren. Simon hätte fast geglaubt, sie verloren zu haben.
"Damit sie wie Papa sind?", fragte Mona mit einem Schmunzeln und konnte sich wage noch daran erinnern, dass Linus so etwas auch als Kind gemacht hat.
Sie bekam zustimmendes Nicken von Simon und er fuhr fort.
"Charlotte, zweieinhalb, kann noch nicht so gut wie Theodore mit seinen viereinhalb Jahren abschätzen, dass sie nur in der Mitte sicher aufkommen wird."
Durch eine dunkelblaue Brandschutztür kamen sie in einen langen Gang, der nun durch zwei Neonröhren und einem Bewegungsmelder erleuchtet wurde. Links und rechts befanden sich Kellerabteile, die ziemlich klein waren, dennoch ihren Zweck erfüllen müssten.
"Sie hat sich den Fuß verdreht und als ich nach Hause gekommen bin, bin ich mit ihr zum Arzt gefahren."
Durch eine weitere blaue Brandschutztür verließen sie diesen Flur wieder und standen in einer Tiefgarage. Simon steuerte auf einen schwarzen Audi zu, den er mit einem Drücken aufsperrte und Lichter aufleuchten ließ.
"Deswegen bin ich zu spät zum Training gekommen und habe die zwei Stunden am Ende dran gehängt."
Mona fühlte sich etwas schlecht, von ihrem Arbeitgeber eine Entschuldigung zu erhalten, wo doch das Wohl der Kinder im Vordergrund stand.
"Wie geht es Charlotte?", fragte Mona erneut nur kurz und erkannte ein leichtes Lächeln des Fahrers.
"Nur etwas die Bänder überdehnt", startete er den Motor und parkte aus der Lücke aus. Das Auto roch noch wie neu und auf dem Rücksitz befanden sich Kindersitze. Aus dem Radio drang Musik, der beim Verlassen der Tiefgarage auch der rauschenden Unterton verließ. Sie wurden von einer sanften Wärme durch die Windschutzscheibe empfangen, welche die untergehende Sonne ausstrahlte.
"Wir fahren jetzt fast eine Stunde", machte er sie auf die lange Fahrt aufmerksam und Mona hielt die Luft an. Langsam begannen in ihrem Kopf die Zahnräder zu arbeiten, weswegen die Ammanns ein Kindermädchen angestellt haben.
So kramte Mona ihr Smartphone hervor und steckte sich einen Kopfhörer in ihr Ohr, um mit dem anderen noch aufnahmefähig zu sein, sollte Simon sie etwas fragen. Den Ellbogen auf der schwarzen Armatur der Tür abgestützt und den Kopf in ihre Hand gelegt, betrachtete sie die vorbeirauschende Umgebung.
Mona fühlte sich hier wohl. Es war Telfs ähnlicher, als sie geglaubt hatte. Nur der Dialekt hier war für sie ungewöhnlich, aber wahrscheinlich leicht zu erlernen. Theodore und Charlotte würden ihr wohl dabei helfen.
Musik dröhnte in ihrem Ohr, die Sonne prickelte angenehm auf ihrer Nasenspitze. Sie schloss ihre Augen um dies für einen Moment zu genießen, doch langsam aber sicher verfiel sie in einen Schlaf, nach dem ihr Körper schon seit ihrer Ankunft gefragt hatte.
Es war wunderschön. Es herrschte Spätsommer, mit seinen leicht gefärbten Blättern und reifen Früchten.
Kindergelächter hallte durch die Luft.
Füße rannten durch rauschende Blätter. Sonnenstrahlen kitzelten auf der Haut.
Sie öffnete ihre Augen und versuchte im gleisend hellen Licht sich orientieren zu können. Unter ihren Fingerspitzen spürte sie etwas Sanftes. Auch unter ihrem Körper.
Langsam richtete sie sich auf und eine Decke rutschte von ihrem Körper. Vor ihren Augen stand eine Tasse mit grünem Tee, der vor sich hin dampfte und frisch zubereitet worden sein müsste. Auch ein kleiner Teller mit Kekse stand daneben, von dem sie einen nahm.
Auch wenn ein kleines Übelkeitsgefühl nach dem Mittagsschlaf sich in ihrem Bauch ausgebreitet hatte, aß sie einen Keks und bemerkte die zarte Ingwernote. Nach dem kleinen Schluck vom Tee nahm sie den Zettel, der unter den fünf Keksen absichtlich begraben gewesen war.
Zeitgleich hielt sie die Decke fest, die schier gänzlich auf den Boden gefallen war und erstarrte. Es fühlte sich weniger nach einer Decke an und bei genauerem Betrachten, bestätigte sich dies auch. Es war eine schwarze Jacke.
"Mama!"
Wie von einem Schlag getroffen, erwachte Mona. Wie sie bemerkte, befand sie sich immer noch im Auto; im schwarzen Audi. Anscheinend war ihr Zielort noch nicht erreicht und dennoch fühlte es sich für Mona an, als hätte sie eine Ewigkeit geschlafen. Doch sie war noch müder und kraftloser als vorhin.
Sie atmete tief durch und vernahm etwas Warmes an ihren Wangen. Sie griff sich an die Haut und spürte nasse zurückgebliebene Schlieren von einmal gewesen Tränen. Diese müssten während des Traums gefallen sein.
Möglichst unauffällig, wie sie glaubte es nicht auffallend zu machen, strich sie sich die Tränen mit dem Handrücken weg.
Sie bogen nun in eine kleine Straße ein, wo sie sich schon auf einer einspurigen Bergstraße befunden haben. Simon hielt vor einem Haus, welches die Straße dadurch enden ließ und er stellte den Motor ab.
Sofort stürmten zwei Kinder aus der Haustür, in der eine ältere Frau stand. Simon sprang aus dem Auto und ging in die Knie, um seine beiden Kleinen in die Arme schließen zu können.
Mona stieg nun ebenfalls aus und betrachtete die Lage. Das Haus besaß noch einen großen Garten mit einer Rasenfläche und drei Obstbäumen.
Kindergelächter drang in die Luft. Doch es entsprach nicht dem Traum von Mona.
Sie schüttelte den Kopf und spürte etwas an ihrer Hand. Als sie nach unten sah stand ein Junge, der ihr fast bis zur Hüfte reichte, vor ihr und hatte ihr seine kleine Hand entgegen gestreckt. Mona schüttelte die Hand und lächelte ihm entgegen, bevor sie auf seine Augenhöhe in die Hocke ging.
"Ich bin Mona", stellte sie sich vor und er stemmte die Hände in seine Hüfte. Er trug ein blaues Shirt auf dem ein Pirat abgebildet war und passende Shorts in Grau dazu. Die Sandalen hoben sich mit ihrem Orange etwas vom restlichen ab. Die blonden Haare standen leicht verstreut von seinem Kopf ab.
"Theodore", lächelte er und hinter ihm lugte nun eine noch kleinere Person hervor. Auch wenn Mona es nicht bemerkte und konzentriert auf die Kinder war, beobachtete Simon alles ganz genau. Würde die Chemie nicht stimmen, haben die Kinder nur einmal mit Mona gespielt.
Die dunklen Knopfaugen starrten Mona an und zogen sie fast in ihren Bann. Das Mädchen hatte dünklere Haare, als der Junge und diese zu zwei kleinen Schwänzen links und rechts über den Ohren mit roten Haargummis zusammengebunden.
Sie trug ein niedliches Sommerkleid in grün mit bunten Blumenaufnähern. Sie trat nun hinter Theodore hervor und zeigte die roten Crocs an ihren Füßen.
Etwas schüchtern streckte sie Mona eine Hand entgegen, die sie schüttelte. Mit einer von ihr gezeigten Vorsicht, die neue Person zu beobachten, ging Mona auch mit der benötigten Sorgfalt auf das Mädchen zu. Anders würde sie wahrscheinlich mit ihr keinen Krieg gewinnen.
"Schöne Zöpfe hast du da", zeigte Mona mit dem rechten Zeigefinger auf einen Teil gebündelter Strähnen und ein leichtes Lächeln kam auf die Lippen der Kleinen. "Meinst du, du kannst mir auch so welche machen?"
Zufällig hat Mona die Armbänder am Handgelenk von Charlotte gesehen, welches der Kleinen möglich machte, Mona diesen Wunsch zu erfüllen.
Als hätte man in ihr einen Schalter umgelegt, wirkte sie gelassener und schnappte nach der Hand von Mona. Mit einem kräftigen Zug, den sie Charlotte nicht zugetraut hätte, wären sie fast über ihre eigenen Füße gefallen und konnte sich noch knapp halten.
Theodores Begeisterung in Mona hielt sich noch begrenzt, da er nun wusste, dass diese wahrscheinlich nur für seine kleine Schwester da sein wird. Er fragte Papa wann Mama heute nachhause kommen würde und wie sein Training gelaufen war. Manchmal glaubte man, dass die Seele von dem Jungen doppelt so schnell alterte, als sein Körper.
Mona hingegen wurde von Charlotte um eine Ecke des Hauses gefühlt, wo sich ein großer, stämmiger Baum befand, an dessen dicksten Ast eine Schaukel befestigt war.
Charlotte zeigte Mona, dass sie sich unter der Baumkrone niederlassen sollte. Die Kleine tänzelte nur so um Mona herum, als hätte sie die größte Freude, eine neue Freundin zum Spielen gefunden zu haben. In gewisser Hinsicht war es auch an Mona, die Kinder zu unterhalten, aber würde sie sich auch mit Theodore abgeben.
Denn sie war dir Nanny für zwei Kinder und nicht nur Charlotte.
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