6. Doktor Sommer
Songs, die zum Vibe des Chapters passen:
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Drake - Teenage Fever
"This shit feels like teenage fever
I'm not scared of it, she ain't either"
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Du fängst ein T-Shirt aus der Luft, das Jacob dir aus seinem offenen Koffer zuwirft.
Sein graues Shirt hast du gestern extra gewaschen, um es ihm heute zurück zu geben.
Natürlich nicht, ohne dir dann für die nächste long distance phase neue Klamotten von ihm zu klauen, die nach ihm riechen.
Also ziehst du gerne das dir ebenfalls schon bekannte Shirt über deine nackten Brüste und kuschelst dich darin ein.
Es ist das Cypress Hill Bandshirt, das du in der Mansion auch eine Zeit lang an hattest und du bekommst ein kleines Deja Vu.
Inzwischen hat Jacob endlich seinen Koffer in dein Schlafzimmer befördert, auch, wenn er für die paar Tage bei dir nicht vor hat, groß auszupacken.
Du hast ihm eine Schublade in deiner Kommode frei geräumt, ähnlich wie er für dich damals in der Mansion, aber er wird bis auf ein paar Klamotten auch viel von seinem Zeug zu seinem Elternhaus bringen.
Er zieht sich die Jogginghose, die er zum Fahren an hatte, wieder über die Boxershorts und tapst dann Barfuß und ohne Shirt ein wenig auf Entdeckungstour durch dein Zimmer, während du ihn schmunzelnd von deinem Bett aus dabei beobachtest.
Immerhin habt ihr die Schlafzimmer Roomtour in deiner Wohnung gekonnt ausgelassen.
Immer mehr realisierst du, dass er wirklich hier ist, in deiner ganz persönlichen Komfortzone, und seine Welt sich gerade mit deiner vermischt.
Seine Mundwinkel wandern nach oben, als er die Fotocollage an deiner Wand begutachtet, wo du sämtliche Erinnerungen aus deiner Camera Roll ausgedruckt und aufgehängt hast.
Du beobachtest ihn mit einem verstohlenen Lächeln dabei, als dich gemischte Gefühle überkommen, aber auch ein bisschen Nostalgie.
Celina hängt dort.
Deine Eltern hängen dort.
Deine ehemaligen Freunde hängen dort auch, auf Bildern mit dir, wo du noch um einiges jünger warst.
Bilder mit Alex hingen dort eine ganze Weile, doch seit der Trennung hast du alle abgehängt und stattdessen neue aufgehängt.
Als hättest du die alten, teilweise schmerzhaften Erinnerungen durch neue, fröhlichere ersetzt;
Bilder mit Jacob und den Jungs aus dem Kroatien-Urlaub.
Das Selfie von Jacob und dir in seinem Auto, mit Bene und Tim pennend auf dem Rücksitz, das du damals schon als richtig süßes Familienfoto bezeichnet hast.
Der Schnappschuss von Jacob, wie er dich beim Workout im Park auf den Schultern hatte und ihr damals schon ausgesehen habt wie ein couple mit euren Caps und gleichem Klamottenstil.
Das Sonnenuntergangs-Selfie von Tim, Bene, Jacob und dir mitten auf dem Meer mit euren SUP Boards, wo dir langsam bewusst wurde, dass ihre Anwesenheit sich anfühlt, als wärst du angekommen.
Dann auch noch aktuellere Bilder aus der Zeit in Berlin.
Das betrunkene Selfie von Bene und dir auf der Party in der Elevator Mansion, wo ihr beide mit geschlossenen Augen so breit grinst, dass es den Rahmen sprengt.
Eins der professionellen Fotos von Anfro, Aleandra und dir auf der Fashion Week, das von der dortigen Fotografin geschossen wurde.
Das Mädelsklo-Selfie mit Anfro und Kayla auf der Aftershowparty.
Das eine intime Selfie von dir und Jacob in seinem Bett in der Mansion, wo ihr beide halb nackt eine Grimasse schneidet und du an Luis den Mittelfinger zeigst, nachdem er den Jacob Counter ins Leben gerufen hatte.
Und das Polaroidfoto von ihm und dir vor eurem ersten Date hängt dort inzwischen auch, nachdem du Julias Buch ausgelesen hast und es nicht mehr als Lesezeichen missbrauchst.
Ein Bild von euch beiden gibt es da noch, das du leider nicht ausdrucken und aufhängen konntest, weil es viel zu intim und persönlich ist.
"Is das deine Mam?", hörst du ihn neugierig fragen und du siehst wie er sich amüsiert zu dir umdreht und auf das Foto von dir mit deinen Eltern zeigt.
Du nickst nur, worauf er noch breiter grinst und sich wieder dem Bild zudreht. "Krass. Die kann dich echt nich' leugnen."
Und du kicherst ein wenig über die Aussage, weil er recht hat.
Deine Mom und du habt die selben Gesichtszüge.
Danke, Mama.
Nachdenklich verzieht Jacob das Gesicht, noch immer vor der Fotocollage stehend.
Ob du deine offene, liebevolle Art wohl eher von deiner Mutter hast? Oder von deinem Dad?
Deinen dummen Humor, den er fast komplett mit dir teilt.
Der muss doch auch irgendwoher kommen, oder?
Er ist zugegeben neugierig, es herauszufinden, auch, wenn es ihm gleichzeitig Angst macht.
Er weiß schließlich gut, dass Familiengeschichten alles andere als einfach sein können.
Und er will beim besten Willen keinen schlechten Eindruck bei deinen Eltern machen, wenn es mal zu einem Kennenlernen kommen würde.
Trotzdem fällt ihm auf, dass du auf dem Foto gemeinsam mit beiden Elternteilen zu sehen bist, und ihr wirkt glücklich.
Es wirkt auch noch nicht besonders alt, vielleicht maximal zwei Jahre her.
"Sind deine Eltern noch zusammen?", erlaubt er sich die nächste, vorsichtige, aber neugierige Frage und du nickst mit einem leichten Lächeln. "Ja. Bald zwanzig Jahre verheiratet."
Jacobs Augenbrauen heben sich erkennend.
"Boah...", entgegnet er ein wenig ehrfürchtig und bewundernd, "Respekt."
Er versinkt kurz in Gedanken, bevor er die Fotocollage hinter sich lässt und wieder weiter schlendert.
Er begutachtet auch die ganzen Kleinigkeiten auf deinem Schreibtisch, wo du normalerweise arbeitest und während dem Studium viel mit dem Macbook und Tablet herum gesessen bist.
Seine Augenbrauen wandern nach oben, als er die Zeichnungen sieht, teilweise mit dem Bleistift, und manche auch digital gezeichnet, ausgedruckt und dort an die Wand geklebt.
Im Gang hing auch so ein Bild, aber etwas schöner eingerahmt.
Es war ein Artwork von Mac Miller, während auf deinem Schreibtisch ein paar andere Musiker zu erkennen sind, sowie Umrisse weiblicher und männlicher Körper, als hättest du dich auch in Aktzeichnen geübt.
„Die sind von dir?", fragt er dich überrascht und dreht sich kurz zu dir um.
Du nickst mit einem schiefen Lächeln und spielst mit dem Saum von seinem Shirt, das du trägst, worauf Jacob wieder fasziniert auf die Bleistiftzeichnungen blickt und die Finger über die grauen Graphit-Striche auf dem herausgerissenen Notizblatt gleiten lässt.
Tatsächlich, er spürt die Konturen des gezeichneten deutlich, obwohl es so professionell wirkt, als wäre es ausgedruckt.
„Die sind krass schön..."
Er wusste, dass du Mediendesign machst und eine kreative Ader hast, aber er hatte keine Ahnung, dass du so ein talent hast.
Und du hast ihm bisher auch nie so wirklich etwas davon gezeigt.
Du lächelst verlegen über seine aufrichtige Bewunderung. „Danke."
„Grünen Daumen haste dafür nich' so, hm?", fragt er dich kurz darauf humorvoll, als er das traurig verkümmerte Gewächs ansieht, das auf deiner Kommode herum steht, auf die er als nächstes zu schlendert.
Du lachst über dich selbst.
„Nee. Die nächste wird ne Plastikpflanze, ich sag's dir."
Du hörst ihn leise lachen, als er sich gegen die Kommode lehnt und mit der Hand an die Blätter fasst, als wolle er die Pflanze trösten.
Gut, dass er dir nur einen Strauß Blumen mitgebracht hat und nicht lebende Blumen, die du pflegen müsstest.
„Ich sollte die eh schon wieder gießen eigentlich...", denkst du hinter seinem Rücken laut.
Und dann weicht Jacobs Hand ertappt zurück, als zwei Blätter von der Pflanze fallen und mit einem leisen Geräusch auf dem Holz der Kommode aufschlagen.
„Jacob!", gibst du leicht bestürzt von dir, als du dich gezwungen siehst, dich vom Bett aufzurichten.
Er lacht und hebt die Hände hinter deinen Kopf, als wäre die amerikanische Polizei hinter ihm her und er müsste sich ergeben.
„Ich hab's kaum angefasst, echt nich'!"
„Ohh neiiin die fällt komplett auseinander", stellst du ernsthaft betroffen fest und kommst neben ihn an die Kommode, um die Blätter aufzusammeln.
Dabei fällt noch ein drittes Blatt runter und Jacob beobachtet die Situation schadenfroh lachend, als praktisch kein gesundes Blatt mehr übrig ist.
Du versuchst dein bestes, um die Pflanze zu trauern und dich nicht von seinem Gelächter anstecken zu lassen, also gehst du kopfschüttelnd von ihm weg und wirfst die Blätter in den kleinen Papierkorb unter dem Schreibtisch.
Rest in peace, kleiner Zamioculas.
„Warte... Du hast dir die gekauft?", fällt Jacob da schon die nächste Sache in deinem Zimmer auf, da hast du kaum das Chaos seiner vorherigen Entdeckung beseitigt.
Verdammt, er nimmt dein Schlafzimmer echt auseinander.
Du lachst, als er mit einem fragwürdigen Grinsen die zwei Magazine aus deinem Regal hervor zieht, wegen denen du vor ein paar Tagen beim Einkaufscenter warst.
"Ja, klar.", zuckst du selbstverständlich mit den Schultern, „Ich muss euch doch supporten."
Jacob fängt an, herzlich zu lachen.
"Der Verkäufer hat mich richtig komisch angeguckt", erzählst du ihm amüsiert, während Jacob mit der Bravo im Schlepptau zu deinem Bett schlurft und noch sarkastisch erwidert; "Versteh ich gar nich"
Du kicherst nur und folgst ihm, als der Elevator Boy sich auf dein Bett fallen lässt und anfängt, in der Teenie-Zeitschrift zu blättern, in der er zu sehen ist.
Er kennt ja den Artikel schon und sonderlich spannend ist er nicht.
Sie wurden nicht mal groß über ihr Liebesleben ausgefragt, obwohl er das damals vor dem Besuch der Reporter eigentlich befürchtet hatte.
Also schaut er eher scherzhaft den Rest der Zeitschrift an.
„Und, was spricht Doktor Sommer?", erkundigt er sich halb bei dir und halb bei den Seiten, über die er blättert.
Du grinst sofort, als er dich auf die Idee bringt und du dich ihm neugierig gegenüber in den Schneidersitz setzt.
„Oh mein Gott, ich hab gar nich' geschaut."
Du hast dich nur für den Artikel von ihm und den Jungs interessiert.
"Dabei war das ja immer das Highlight.", erinnerst du dich ein wenig nostalgisch an deine eigene Teenie-Zeit zurück.
„Ja, gibt's die Seite mit den Nackten noch?", blättert Jacob gespielt neugierig, was dich noch mehr zum Lachen bringt, „Glaub nich."
„Das hätt ich gemerkt, glaub ich", antwortest du ihm humorvoll, worauf er direkt verspielt kritisch vom Heft zu dir auf sieht. „Ach so?"
Du fängst an, verstohlen zu gackern, als er dich dadurch in eine Lage bringt, als müsstest du dich ertappt fühlen.
Natürlich hatten die Jungs in der Mansion auch eine Ausgabe von der Bravo, weil Julia sie ihnen organisiert hat.
Er hat die Zeitschrift in der Mansion aber abgesehen von ihrer Doppelseite nicht wirklich genauer angeschaut.
Dabei war die Bravo damals bei ihm mit 13, 14 auf dem Schulhof auch immer Thema.
Die Schlagzeilen über Justin Bieber und Selena, aber vor allem die Doppelseite mit den Body Checks und der Teil mit den Tipps über Sex und Liebe.
„Also Doktor Sommer gibt's noch.", stellt er grinsend fest.
Die Welt ist also irgendwie noch in Ordnung.
„Oh mein Gott.", entgegnest du, plötzlich von Begeisterung gepackt, "Was schreiben die? Lies vor."
Er blickt von der Seite amüsiert und herausfordernd zu dir hoch.
„Ich soll dir vorlesen?"
„Ja!", bestätigst du ihm gespannt.
„Okay.", entgegnet er und räuspert sich, als er sich verspielt um Ernsthaftigkeit bemüht, "Ich muss mich in die Rolle begeben. Warte."
Und während Jacob sich kurz einen Moment dafür nimmt, rückst du kichernd näher an ihn heran, bis du deinen Kopf auf seinen Schoß legen kannst, also hält er das Heft etwas seitlich auf Abstand von euch beiden, damit es nicht zwischen euch ist.
„Ich bekomme beim Küssen einen Steifen", liest er das ganze unschuldig vor und fällt dann aber aus seiner Rolle und muss die Faust vor den Mund halten, weil er albern lachen muss. Seine Stimme klingt amüsiert etwas höher, als er noch hinten anhängt; „Julian, vierzehn."
Seine alberne Lache, seine Stimmlage und der peinlich berührte Gesichtsausdruck steckt dich an, als du gackernd zu ihm hoch schaust und lauschst, was Jacob vorliest, als wäre es irgendeine gute Nacht Geschichte.
Mann, wie alt seid ihr?
Zwölf?
„Jedes Mal, wenn ich meine Freundin küsse, bekomme ich einen Ständer.", Jacob verzieht gespielt besorgt das Gesicht, „Das ist so peinlich, hoffentlich bemerkt sie es nicht!"
Er sieht kurz zu dir runter und sein Blick trifft verstohlen deinen, bevor er das Heft wieder neben euch hält und weiter liest.
„Ich habe das nicht unter Kontrolle, selbst in der Öffentlichkeit nicht.", spricht er das geschriebene aus und verzieht kurz irgendwie anerkennend das Gesicht, während du lachst und dir einen kleinen Kommentar erlaubst; „Ach echt?"
Worauf Jacob den Blick wieder unschuldig fragend zu dir senkt;
„Was kann ich dagegen tun?"
Okay.
Du bist dran.
Du reißt ihm amüsiert die Zeitung aus den Fingern und richtest dich von seinem Schoß auf, um die Antwort zu lesen.
„Doktor Sommer Team;", betonst du die fett gedruckte, in Großbuchstaben stehende Antwort auf der Seite, bevor du ihn kurz tröstend ansiehst, „Völlig normal!", und gespielt bestärkend die Hand auf seinen mit der Jogginghose bekleideten Oberschenkel legst, „Jetzt mach dir mal keinen Kopf!"
Jacob muss sich das grinsen verkneifen, als du ihn ansiehst, als würdet ihr hier über seine eigenen Probleme reden.
„Deine Erektion beim Küssen ist ein Zeichen, dass es dir gefällt, deine Freundin zu küssen.", liest du den nächsten Satz vor und liebst die Doppeldeutigkeit der ganzen Situation, als du Jacob noch mal bewusst ansiehst, als würdest du ihn persönlich ansprechen.
„Deshalb findet sie es eher sexy als peinlich, wenn du einen Steifen bekommst."
Sein Grinsen passt sich deinem eigenen an.
„Ach ja?"
Du beißt dir auf die Unterlippe, als du nickst und wieder auf das bunt bedruckte Papier schaust.
„Vielleicht wird auch sie beim Knutschen erregt, das ist nur nicht so leicht sichtbar wie bei Jungs.", du zuckst verstohlen mit den Schultern, „Vermutlich hat dein Schatz längst bemerkt, dass sich bei dir in der Hose etwas tut, sie macht nur keine große Sache daraus."
Dein Blick fällt kurz automatisch auf seine Leistengegend, bevor er sich verstohlen zu seinem Gesicht hebt und du musst schon wieder ein Kichern unterdrücken, als sich seine Augenbrauen aufmerksam und herausfordernd heben.
„Klar, in der Öffentlichkeit ist so ein Ständer doof.", liest du weiter, "Da hilft nur: Erstmal mit dem Knutschen aufhören, kurz an was anderes denken und schon gibt... dein Bester wieder Ruhe."
Du kannst nicht anders, als die Wortwahl zu betonen und währenddessen noch mal auf seinen Oberschenkel zu fassen, wo du die Finger auf der Jogginghose bewusst in Richtung der Innenseite wandern lässt.
„Ey, Finger weg.", weist Jacob dich direkt zurecht und schiebt verspielt deine Hand von seinem besten Stück weg, "Sonst regt sich der echt wieder."
Du gackerst schadenfroh, als du das Heft beiseite legst und Jacob ansiehst.
„Wie war des mit Tims Füßen?", erinnerst du ihn daran, was du ihm sonst immer als abturnenden Gedanken vorgeschlagen hast.
„Tims Füße brauch ich gar nich mehr!", lacht Jacob mit dir und packt dich an der Hüfte, um dich umzuwerfen und unter sich zum Schweigen zu bringen.
„Die Oma, die unter dir wohnt und uns beim Sex belauscht...", betont er und sieht dich durchdringend und überfordert an, während du durch den Kommentar erstrecht nicht aufhören kannst, zu lachen, "turnt mich eh schon genug ab."
Du rangelst ein bisschen mit ihm, als du versuchst, euch wieder umzudrehen, sodass du die Überhand hast.
"Werden wir ja seh'n, Jacob.", deine Stimme ist angestrengt, aber verspielt, als du deine Kräfte mit seinen misst, bis er dich endlich gewinnen lässt und sich seufzend unter dir auf den Rücken wirft.
Du grinst noch triumphierend auf ihm sitzend zu ihm herunter, weil du ihn durch die Jogginghose spürst und insgeheim schon weißt, dass das trotzdem nicht das letzte Mal sein wird, dass ihr in deinem Bett Sex hattet.
"Werden wir ja seh'n."
. . .
„Warte... nein is jetz nich dein Ernst."
„Doch", lachst du, als du neben Jacob in der Küche vor deinem geöffneten Kühlschrank stehst.
Inzwischen hat er sich sein Shirt auch wieder angezogen und du dir deine Leggins, weil es gar nicht mal so warm in deiner Wohnung ist.
Der Herbst lässt grüßen.
„Als ob du extra Harzer Roller mit Senf gekauft hast.", stellt er ungläubig, aber irgendwie begeistert fest, "Nur wegen mir?"
„Ja also für mich is der nich'.", betonst du amüsiert, während du dich auf die Tischplatte des kleinen Esstisches schwingst, direkt neben die Blumen, die er dir mitgebracht hat, "So sehr du auch versucht hast, mir des schmackhaft zu machen."
Der Dunkelhaarige lacht nur, als er sämtliche Lebensmittel hervorzieht, die ihn gerade anlachen.
Und du lässt die Füße baumeln und beobachtest, wie er sich mehr oder weniger in deiner Küche zurecht findet.
Noch immer spürst du das leicht schmerzhafte ziehen zwischen deinen Beinen, das es nur noch realer macht, dass Jacob wieder zurück ist.
Es ist, als müsste dein Körper sich erst wieder an ihn gewöhnen und daran, so beansprucht zu werden.
Aber anders würdest du es auch nicht wollen.
Er sucht nach einem Teller und öffnet ein paar der oberen Schränke, worauf du ihm verunsichert hilfst. "Teller sind ganz links. Aber pass auf, die Schranktür is bisschen kaputt."
Und Jacob hält ebenfalls besorgt inne, als er die Schranktür geöffnet hat und merkt, was du meinst. Prüfend öffnet und schließt er das Regal noch mal und beobachtet, wie die Tür beim auf und zu machen wackelt.
Da sind wohl die Scharniere kaputt oder falsch eingestellt.
Er macht sich eine mentale Notiz und nimmt sich schließlich einen Teller, um weiter etwas zu Essen zu richten.
„Hast du dann nich' mal was zu Abend gegessen?", fragst du ihn neugierig.
Der Duft der frischen Blumen steigt dir schon wieder in die Nase, weshalb du dich automatisch noch mal zu dem Strauß neben dir runter beugst, um den Geruch zu genießen und glücklich zu lächeln.
Inzwischen sehen sie auch wieder etwas frischer aus, jetzt, wo sie im Wasser stehen.
„Nö. Ich hab allgemein nich' wirklich viel gegessen heut.", erklärt er dir nuschelnd, während er sich auch schon hungrig eine Scheibe Kochschinken in den Mund schiebt, "Nur so nen Wrap von'na Tanke beim heimfahr'n."
Du hebst erkennend die Augenbrauen. "Okay, na dann wird's eh Zeit. Lass' dir schmecken."
Wenn du das ein wenig früher gewusst hättest, hättest du ihm was gekocht für seine Ankunft.
Aber im Moment und in deinem erschöpften Zustand bist du froh, dass er sich selbstständig etwas richtet und es nicht von dir voraussetzt, dass du ihn bewirtest.
"Danke", lacht er etwas ertappt und wirft dir einen prüfenden Blick zu, "Willst'e auch irgendwas? Bevor ich dir hier alles weg fresse?"
Du schmunzelst.
"Die kleine Schüssel mit Erdbeeren könntest du mir rüber reichen. Die sind eh schon gewaschen."
Du hast schon am frühen Abend etwas gegessen, bevor er gekommen ist, aber wenn er sich jetzt um neun Uhr Abends noch was gönnt, isst du eben solidarisch mit ihm mit.
„Okay perfekt.", raunt er und setzt sich mit seinem Teller, Harzer Käse und Senf zu dir an den Esstisch, wo du noch immer auf der Tischplatte chillst, "Ich schlag mir jetz noch den Bauch voll. Und dann ruf ich Mama noch kurz an. Weil die hab ich heut noch nich' erwischt und mit der müssen wir eh noch wegen morgen quatschen."
Deine Augenbrauen heben sich erkennend, während du die Erdbeeren aus der Schüssel isst, die du auf deinem Schoß hast.
"Stimmt"
Heute ist ja auch Sonntag, mal ganz abgesehen davon.
„Habt ihr noch nix ausgemacht?"
„Nich konkret.", entgegnet er und bevor er in sein belegtes Brot beißt, sieht er noch mal prüfend zu dir hoch, "Aber fühlst' dich ready, da morgen mitzukommen?"
Du spürst das leicht flaue Gefühl von Nervosität in deinem Bauch, zuckst aber optimistisch mit den Schultern.
„So ready, wie man halt sein kann.", gibst du zu und greifst mit einem Lächeln nach der nächsten Erdbeere, "Immerhin kenn ich sie jetz. Also fühl ich mich nich' mehr so aufgeregt."
Die gute Astrid und du habt euch ja beim letzten Facetime Telefonat recht gut verstanden, also machst du dir nicht wirklich große Sorgen.
Sie hätte dir da ja sogar angeboten, sie mal zu besuchen, sobald du in Frankfurt bist, mit oder ohne Jacob.
Aber so ganz für passend hast du es nicht empfunden, sie alleine das erste Mal zu treffen.
Jacob nickt, während er schon sein Brot verschlingt.
"Gut", nuschelt er, ehe er runter schluckt und dir ein aufmunterndes Lächeln erwidert, "Des wird schon."
Er nimmt das angebissene Brot in eine Hand und macht die andere frei, um deinen Unterschenkel zu nehmen, der neben ihm baumelt, wo er mit dem Daumen über den Stoff deiner Leggins streichelt, "Wir essen ja nur kurz bei ihr zu Mittag, ich räum mein Zeug aus und so gegen Nachmittag hau'n wir wieder ab, um des Mietauto abzugeben."
Du nickst nachdenklich, während er weiter isst und seine andere Hand dich festhält.
Irgendwie hast du fast ein schlechtes Gewissen dabei, dass er seine Mutter nur so kurz besucht und den Rest der Zeit in Frankfurt bei dir verbringt.
Sie freut sich ja bestimmt sehr, ihn zu sehen.
Du würdest ihm auch absolut Zeit für seine Familie geben und dich dabei mehr zurückhalten, weil du Familie schon als etwas wichtiges empfindest.
Aber es ist Jacobs Entscheidung, wie er seine relativ begrenzte Freizeit einteilt und du willst ihm da nicht drein reden.
Irgendwann, als er das Brot verschlungen hat, lässt er dich los, reibt sich die Krümel von den Händen und zieht sein Handy aus der Jogginghose hervor, das er die ganze Zeit über in der Hosentasche hatte.
Eins musst du ihm lassen.
Wenn er mit dir Zeit verbringt, schaut er selten auf sein Handy.
Und das ist wirklich eine Sache, die du an ihm unfassbar schätzt, besonders, wenn man seinen Lebensstil bedenkt.
Doch als er diesmal seine Benachrichtigungen überfliegt, runzelt sich seine Stirn überfordert, während seine Augen sich etwas weiten.
"Shit"
"Was is?", fragst du ihn leicht besorgt, als er sich über den Bildschirm und die Tischplatte beugt und hektisch etwas herum tippt.
"Boah... Die hätten wegen dem Haus in LA meine Meinung gebraucht, weil Julia morgen buchen will", erklärt er dir kurz abwesend, während er nebenbei schon tippt, "Hab ich voll vercheckt."
Deine Augenbrauen wandern besorgt und leicht schuldbewusst nach oben. "Oh, shit."
Immerhin bist du irgendwie mit dran schuld, dass Jacob sein Handy vernachlässigt hat.
"Wadde, ich geb da kurz meinen Senf zu.", nuschelt er und tippt mit beiden Händen herum, während du ihm mit einem Lächeln einfach kurz seine Ruhe lässt, damit er sich konzentrieren kann.
"Ja, klar, kein Stress.", redest du ihm entspannt zu und isst stattdessen deine Erdbeeren weiter.
Als er endlich fertig ist und erleichtert wirkt, weil er eine Antwort in die Whatsappgruppe abgeschickt hat, sieht er wieder zu dir auf und sperrt sein iPhone.
"Wo kann ich'n mein Handy bei dir laden, eigentlich?", fragt er dich beiläufig, während er wieder weiter isst, "Ich glaub ich steck's lieber nachher zum telefonier'n an, hab nur noch fünfzehn Prozent Akku."
"Hier unten is ne Steckdose.", zeigst du kauend mit einer angebissenen Erdbeere in der Hand unter den Esstisch an die Wand, "Beim Schreibtisch und beim Bett is auch eine.", und du denkst hilfsbereit schon einen Schritt weiter, "Brauchst du n Kabel?"
"Nö alles gut, ich hab selber eins", beruhigt er dich amüsiert und öffnet den Harzer Käse, um sich noch ein paar Proteine zu gönnen.
"Wie war eigentlich die Paris fashion week noch?", fragst du ihn schließlich interessiert, weil ihr darüber noch gar nicht mehr konkret geredet habt und dein Fuß nähert sich wieder seinem Körper, wo du ihn an der Außenseite seines Oberschenkels entlang streichen lässt, „ihr habt ja diesen einen vom Hype House getroffen oder?"
Immerhin haben Tim und Jacob ein Tiktok mit dem bekannten Tiktoker hochgeladen.
Jacob grinst kurz über deine Ahnungslosigkeit.
„Nich' vom Hype House.", korrigiert er dich geduldig und lehnt sich etwas auf seinem Stuhl zurück, während seine Hand wieder an deinen Unterschenkel wandert und mit den Fingernägeln an ihm aufwärts streichelt, "Blake Gray. Von den Sway Boys."
Du schmunzelst peinlich berührt. "Oh. Okay, ja... Trotzdem, schon ne Hausnummer, oder? Wie war der drauf?"
Du kennst Noah Beck, weil Jacob ihn so ziemlich als Vorbild sieht, was seinen Erfolg auf Tiktok betrifft, aber bei den anderen amerikanischen Tiktok Boys kennst du höchstens die Gesichter, nicht die Namen.
Und du weißt beim besten Willen nie auswendig, welchem Haus sie nun eigentlich angehören.
Das ist dir alles echt zu kompliziert.
"Der war voll gechillt.", erinnert Jacob sich an den Abend zurück, durch den sie fast am nächsten Morgen ihren Flug verpasst hätten, "Wir sind dem einfach durch Zufall über'n Weg gelaufen, und seiner Freundin. War voll witzig."
Er zuckt mit den Schultern, während sich seine Finger noch immer beherzt in deine Wade drücken. "Der is halt auch echt entspannt so, null abgehoben."
"Krass", schmunzelst du, als du zu ihm runter lächelst und dich trotzdem für seine Erzählung begeistern kannst.
"Ross Butler und Madelyn Cline ham wir auch wieder getroffen.", fällt es ihm wieder ein, als hätte er es noch gar nicht wirklich realisiert, und er kratzt sich mit der freien Hand an der Schläfe, als er schmunzelt, "War'n mit denen noch feiern wieder."
"Alter, ja.", erinnerst du dich auch wieder an die Instagram Storys von Jacob und Tim zurück und die paar Eindrücke, die du davon mitbekommen hast, "Mit denen wart ihr ja in Mailand auch schon unterwegs, oder?"
"Ja, da ham wir sie kennengelernt.", nickt er und sein Blick hebt sich amüsiert zu dir, während seine Hand wieder über deinen Unterschenkel streichelt, nur diesmal etwas weiter aufwärts bis zu deiner Kniekehle, "Die Story hab ich dir auch noch gar nich' erzählt, oder?"
Du grinst und kannst nicht anders, als dir auf die Unterlippe zu beißen, als du den Kopf schüttelst und dich an das unanständige Facetime Telefonat mit ihm erinnerst.
"Nee, als du in Mailand warst, hatten wir andere Prioritäten."
Du merkst direkt, wie auch seine Fantasie wieder davon angeheizt wird, als er, nachdem es kurz in ihm rattert, ertappt das Gesicht verzieht und die röte in seine Wangen steigt.
Er hat immer noch diesen Spitzenslip von dir und er hat auch ehrlich gesagt nicht vor, ihn dir zurück zu geben.
"Aber jetz kannst du's mir erzählen", forderst du Jacob verspielt auf, legst die leere Schüssel von deinem Schoß beiseite und beugst dich etwas zu ihm vor, während du deine letzte Erdbeere isst, "Ich will alle Details."
Während eures Kroatien Urlaubs kam die zweite Staffel Outerbanks raus, die du direkt nach deiner Heimkehr nach Frankfurt innerhalb drei Tagen durch geschaut hast, während Jacob schon in Berlin war.
Du liebst die Serie und ihre Charaktere, und umso krasser ist für dich der Gedanke, dass Jacob jetzt schon zum zweiten Mal mit der Schauspielerin von Sarah Cameron feiern war.
In dem Fall bist du tatsächlich weniger besorgt darüber, dass die hübsche Blondine mit Jacob unterwegs war.
Viel mehr bist du neidisch auf Jacob, dass er sie kennenlernen und mit ihr Zeit verbringen durfte.
Sie wirkt wie so eine coole Person und, als wüsste sie, wie man Spaß hat.
Jacob, der sich von dir schon wieder minimal provoziert fühlt, und von der Art und Weise, wie du dich ihm entgegen lehnst und diese verdammte Erdbeere isst, spricht dagegen ein Machtwort und steht von seinem Stuhl auf.
"Die Details bekommst du nachher", drückt sich seine Hand noch mal kurz beherzt in deinen Oberschenkel, bevor er der Situation entflieht und seinen leeren Teller mitnimmt,
"Ich ruf jetz erst mal meine Mam an."
Nicht, dass du ihn wieder eine Stunde lang von den Dingen ablenkst, die er eigentlich zu tun hat.
Wortcount: 4362 Wörter
_____________________
Authors Note:
Hello Friends 😍
Ein ganzes Kapitel unbeschwerte Zweisamkeit und Jacob auf der Erkundungstour durch D/Ns Wohnung und Vergangenheit 🤭
Irgendwie fand ich das total schön zum schreiben und es fiel mir relativ leicht, weshalb das Update schon relativ schnell kam 😁
Auch, wenn nicht direkt viel spannendes passiert ist, war mir das Kapitel wichtig, um ein paar Kleinigkeiten schon mal langsam einzufädeln, wie das Thema mit D/Ns Eltern.
Wie schon im Vorwort erwähnt, werden die Charaktere ihrer Eltern einen kleinen Auftritt haben und ich versteh voll und ganz, dass sich nicht jeder mit den Familiendynamiken identifizieren können wird, die ich für D/N beschreibe.
Allgemein wird jetzt auch D/Ns Charakter / Wohnsituation / Vergangenheit noch mal mehr ausgeschmückt werden, jetzt, wo Jacob sie auch immer mehr kennenlernt.
Seht es dann einfach noch mehr als eine Rolle, in die ihr eintaucht, auch, falls sie mal weniger eurer Realität entsprechen sollte.
Aber ich denk, das versteht sich eh von selbst 😊
Auch das Thema mit Los Angeles wird noch mal greifbarer und rückt langsam aber sicher näher. 🤭
Das wird ne spannende Ära in dem Buch, auf die ich mich auch schon besonders freue. 🤩
Da wird so viel passieren, yall ain't ready. 🤯😭🔥
Aktuell sind wir in der Story aber noch in der Frankfurt - Ära.
Fast wie so eine zweite, tiefere Kennenlern - Phase.
Im nächsten Kapitel wird dann wohl der Spieß umgedreht und D/N lernt mehr über Jacobs Elternhaus und Herkunft, als sie seine Mutter besuchen. 🤭
Und es wird eventuell ein bisschen Stress geben und nicht mehr ganz so unbeschwert sein. 😥🤫
Stay tuned, it's gonna get personal. 🥹🫶
Bis dahin, lasst mich gerne wieder wissen, wie ihr dieses Kapitel fandet 🥰
Freu mich schon wieder sehr auf eure Kommentare & Votes 😍
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