Chapter 5
Am nächsten Morgen wurde ich auf die unsanfteste Art überhaupt geweckt. Die Tür wurde aufgerissen und eine laute Stimme riss mich aus meinen Träumen.
" Aufstehen, du Landratte. Auf meinem Schiff wird nicht bis in die Puppen gepennt!".
Mit einem genervten Brummen stand ich auf und wollte gerade etwas auf seine Ansage erwidern, doch Jack war schon wieder verschwunden. Ich rollte die Augen und ging aufs Deck, während ich mir dabei einen Zopf machte. Der Himmel war mit grauen Wolken übersehen und die Wellen schlugen gegen die Black Pearl. Es sah so aus, als könnte es jeden Moment anfangen zu regnen. Und so sollte mein erster Tag auf der Pearl beginnen.
Elizabeth kam auf mich zu und begrüßte mich mit einer kurzen Umarmung. Ich lächelte sie schief an und blickte zu Jack, der am Steuerrad etwas mit Gibbs besprach.
" Habt ihr euch ausgesprochen?".
Mein Blick fiel wieder auf Elizabeth, die mich aufmerksam musterte. Ich nickte und stemmte dabei beide Hände in die Hüften.
" Ich darf jetzt auf seinem Schiff bleiben, natürlich mit Vorrausetzungen und so weiter ".
" Ja, das ist typisch Jack. Und hast du es schon bemerkt?".
" Was bemerkt?".
" Na, dass er dich mag ".
" Also wie der mich eben geweckt hat, kann man nicht davon ausgehen, dass er mich mag ".
Elizabeth lachte und ich musste mit einstimmen. Doch innerlich glaubte ich schon etwas an ihre Theorie. Jack hat mich nicht ohne Grund mitgenommen. Auch wenn das mit Barbossa etwas überflüssig war. Apropos Hector. Ob der mich wohl suchte? Wahrscheinlich war ich ihm wohl doch nur ein Klotz am Bein gewesen und er hätte mich Davy Jones Kraken ausgeliefert. Ein Schauer lief mir über den Rücken bei diesem Gedanken.
" Meine Damen, ich störe nur ungern euer Cafekränzchen, aber ihr seit hier auf meinem Schiff und unter meinem Kommando. Und der gute Captain Jack Sparrow hat der Crew gerade ein Befehl gegeben ".
" Jetzt sei mal nicht so eingeschnappt, Jack. Wir machen uns schon an die Arbeit ".
" Danke, sehr reizend ".
Elizabeth zog mich unter Deck und ließ einen reichlich verwirrten Jack zurück. Erst in der Kombüse blieb sie stehen und lächelte mich verschmitzt an.
" Dann lass uns anfangen ".
" Du, ich glaube Jack hat etwas anderes gemeint als .. ".
" Egal, was Jack gesagt hat. Los, kochen wir was ".
Ich hatte nicht wirklich viel Ahnung von Kochen. Als Kind habe ich mich mehr draußen herumgetrieben als drinnen und das gab ich Elizabeth gleich zu verstehen, als von der geschälten Kartoffel nur noch ein kleines Stück übrig blieb. Doch so leicht gab sie mich nicht auf und zeigte mir genau, wie es funktionierte. Ich stand bestimmt mehr als eine halbe Stunde an einem Topf Kartoffeln. Am Ende hat Elizabeth mir die Arbeit abgenommen und ich durfte das Fleisch würzen. Da ging ich diesmal bedachter vor und es klappte dementsprechend auch besser. So hatte die Crew wenig später etwas zu essen.
Zusammen saßen wir an dem großen Tisch, der Captain blieb draußen und steuerte das Schiff. Gibbs teilte mir mit, dass er später zum Essen erscheinen würde. Also beließen wir es dabei, auch wenn ich ein klein wenig enttäuscht war. Ich konnte mir selbst nicht erklären, warum. Elizabeth ertappte mich, als ich einen traurigen Blick aufsetzte und zwinkerte mir zu. Sofort schmollte ich und aß schweigend meinen Teller leer.
Da Jack immer noch nicht zurückkam und alle schon aufgegessen haben, kam mir die Idee ihm das Essen einfach zu bringen. Also nahm ich einen neuen Teller und befüllte diesen mit verschiedensten Leckereien. Die anderen Crewmitglieder schienen es nicht wirklich mitzukriegen. Sie waren zu sehr in ihren Rumspielchen verwickelt. Langsam schienen sie mich auch anzunehmen, zumindest wurden mir keine doofen Blicke mehr zugeworfen. Ich ignorierte Elizabeths stechenden Blick und entfernte mich von den anderen, ging aufs Deck zu Jack. Dieser hielt seinen Blick auf den Horizont gerichtet, beachtete mich nicht einmal, als ich zu ihm hinaufkam.
" Ich dachte, du hättest vielleicht Hunger ".
Erst als ich ihn ansprach, drehte er seinen Kopf zu mir und musterte mich. Sein Blick blieb auf dem Teller liegen, bevor er ihn mir aus der Hand nahm und sich auf den Boden setzte. Ich stand etwas verlegen da und wusste nicht wirklich, ob ich gehen oder bleiben sollte. Jack sah zu mir hinauf und nickte Richtung Steuerrad.
" Übernimm das Steuer, während ich esse. Sonst verlieren wir den Kurs ".
" Was? Ich ... kann doch nicht .. ".
" Du kannst nicht, du musst. Das war nämlich ein Befehl, Schätzchen".
Dagegen konnte ich wohl nichts sagen und somit nahm ich das Rad in meine Hände. Es fühlte sich komisch an, so ein großes, dunkles Schiff zu steuern. In mir kam so etwas wie Verantwortung hoch. Verantwortung für die Crew und das ich das Schiff nicht auflaufen lasse. Jetzt weiß ich, wie Jack sich als Captain fühlt. Obwohl diesen Titel zu tragen eine noch größere Herausforderung ist, als nur der Steuermann zu sein.
Irgendwie war es ganz nett hier, zusammen mit Jack zu sein ... allein. 'Nein, was denke ich'. Er saß schließlich essend auf dem Boden, während ich konzentriert und gleichzeitig nervös das Schiff steuerte. Also nichts romantisches. ' Wieso denke ich überhaupt an solch einen Quatsch. Er ist mein Captain und bei jemandem wie Jack brauch ich an nichts romantisches denken'. Ich versuchte, die Stille zwischen uns irgendwie zu brechen.
" Wo soll es denn hingehen, Captain?".
" Das verrate ich dir nicht, Liebes ".
" Warum denn nicht? Ich bin mir sicher, die anderen wissen es bereits ".
" Ich vertraue ihnen auch ".
Das war gerade wie ein Stich ins Herz. Dabei sollte mich das eigentlich nicht kümmern. Aber warum tat es so weh? Ich mein, ich kannte Jack erst einen Tag lang und schon tat ich so, als wären wir auf irgendeiner Beziehungsebene. Was war nur falsch mit mir? Ich beschloss, Jack einfach nichts mehr zu fragen. Dann würde ich mir diese Sprüche wenigstens ersparen. Ich fragte mich ernsthaft, warum ich ihm Essen gebracht habe. Vertraut mir nicht, aber nimmt meine Gesten entgegen, und das ohne ein verdammtes Danke. Gerade wünschte ich mir, dass der Kraken ihn holt.
" Du kannst wieder gehen und den Teller gleich mitnehmen. Steuern kann ich nun selbst ".
" Aber gerne doch, Captain ".
Das Captain spuckte ich ihm förmlich ins Gesicht, bevor ich ihm den Teller aus der Hand riss und unter Deck verschwand. Ich ließ Jack verdattert zurück, aber es war mir gerade ziemlich egal. Er hatte nicht das Recht, mit mir so umzugehen, egal welchen Status ich in seinen Augen habe. Ich bin doch kein Flittchen sowie er mich vor Barbossa genannt hat. Schließlich habe ich eine eigene Meinung, die ich sehr gerne vertrete. Das mit dem Teller war mir eindeutig zu blöd und so schmiss ich ihn in irgendeine Ecke. Er zerbrach zwar nicht, aber es ertönte trotzdem ein lautes Klirren. Sofort waren Schritte zu hören und ein paar Crewmitglieder kamen auf mich zugestürmt, darunter Gibbs, der kleinwüchsige Marty und Elizabeth.
" Ist was passiert?".
" Nein, alles bestens ".
Ich konnte gerade einfach nur sarkastisch reden. Dieser Egoist von Captain ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Und dabei habe ich gestern Nacht noch das Gegenteil behauptet - also das mit dem Egoist. Schnurstraks ging ich an den Leuten vorbei, Richtung Kajüte und knallte die Tür hinter mir zu. Verzweifelt schmiss ich mich aufs Bett. 'Das konnte doch alles nicht wahr sein? Wie konnte ich nur so blöd sein und mich auf Jack einlassen. Sobald wir Barbossa begegnen, werde ich auf sein Schiff zurückkehren. Black Shark hört sich doch gar nicht so schlecht an '.
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