Chapter 22
Jack setzte sich nach einer gefühlten Ewigkeit neben mich. Ich hatte meinen Kopf gesenkt und versuchte den Schmerz an meinen Handgelenken auszublenden. Meine Gedanken kreisten die ganze Zeit um meine Eltern. Meine Mutter wird eine Herzattacke bekommen, wenn sie jetzt wüsste wo ich bin. Dabei war es mein Ziel, diesen verdammten Kelch zu finden. Und wenn Barbossa ihn als Erstes in die Hände bekommt, dann war alles umsonst. Es muss doch einen Weg geben hier rauszukommen. Warum unternahm Jack nichts? Jetzt bevorzugte ich lieber die einsame Insel als dieses verfluchte Rattenloch.
" Jack ... ich will hier raus ".
" Wir kommen schon irgendwie von hier weg ".
" Das Gleiche hast du bei der Insel auch gesagt. Und schau doch, wo wir jetzt sind!".
" Glaubst du, mir ist diese Situation egal?! Ich war schon in vielen Zellen eingeschlossen und bin immer entkommen. Warum sollte ich jetzt daran zweifeln?!".
Seine Stimme war mit einem mal so laut geworden, dass ich zusammenzuckte. Seine Augen waren wütend auf mich gerichtet. Ich konnte seinen Blick nicht standhalten, und drehte mich von ihm weg. Natürlich wusste ich, dass dies nicht sein erster Aufenthalt auf einem fremden Schiff ist. Aber bei mir war es genau das Gegenteil. Und ich hatte verdammt nochmal Angst vor den Folgen und das ich hier elendig sterben muss.
Jack bemerkte meine Anspannung und das er wohl etwas zu weit gegangen ist. Mit seinen Armen konnte er gerade wenig ausrichten, dafür lehnte er sich gegen mich - bis ich seinen Atem an meinem Ohr spürte.
" Ich wollte dich nicht anschreien. Mach dir keine Sorgen, okay ".
" Ich habe einfach Angst ".
" Du brauchst keine Angst haben, Liebes. Ich bin ja da ".
Als Jack sein typisches Grinsen aufsetzte, konnte ich nicht länger ernst bleiben und musste lächeln. Es war wieder seine süße Art, die mich zum Schmelzen brachte. Wir starrten uns in die Augen und ich merkte ganz leicht, wie er mir näher kam. Unser Moment wurde jedoch zerstört, da die Holztür aufgerissen wurde und zwei Matrosen reinstiefelten. Sie sahen uns mit einem abfälligen Blick an, bevor einer die Zellentür aufschloss und Jack und ich gepackt wurden. Wir fragten nicht, was los sei. Sie würden uns eh nicht antworten. Grob wurden wir an Deck geschubst, wo der Captain mit seiner Crew stand. Er fühlte sich wohl wie der König von England sowie er da stand.
" Kommen wir gleich zur Sache, Sparrow. Ich will deinen Kompass ".
" Ehm .. darf ich fragen, wofür?".
" Der Kelch des Reichtums ".
Mein Körper spannte sich an, als er die Worte über seine Lippen gleiten ließ. Dieser Typ war also auch hinter diesem Kelch her. Und er wollte Jack's Kompass dafür benutzen. Wofür war ich dann da?
" Wenn du ihn mir nicht freiwillig gibst, dann müssen wir eine andere Methode finden ".
Der Captain zog seine Pistole und hielt sie mir an den Kopf. Ich wollte fliehen, doch die Matrosen hielten mich nur fester - was ziemlich wehtat. Meine nervösen Augen glitten zu Jack, der unschlüssig dastand und auf seiner Unterlippe kaute. Die Crew kicherte böse und wartete gespannt auf eine Reaktion von ihm.
" Du hast die Wahl, Jack. Willst du dein Flittchen retten oder sterben sehen?".
Der Captain lud den Schuss. Er brauchte nur einmal abdrücken und es wäre aus mit mir. Mit einem flehenden Blick schaute ich zu Jack, der mich mitleidig ansah. Er fasste sich jedoch und sprach daraufhin gelassen.
" Glaubt Ihr wirklich, dass Ihnen mein Kompass etwas bringt?".
" Natürlich ".
" Dann liegt Ihr falsch. Was meint Ihr, warum ich auf dieser Insel gelandet bin? Allerdings weiß ich, wie Ihr den Kelch bekommen könnt ".
" Dann sag es mir ".
Er drückte mir die Pistole fester an den Schädel. Es wird danach bestimmt ein fetter Abdruck zu sehen sein. 'Man, Jack. Lass mich nicht zappeln'. Doch dieser grinste nur frech und ging ein Stück auf den Captain zu.
" Segelt nach Frankreich. Dort befindet sich die Karte für den Kelch. Ich werde Ihnen auch zeigen, wo sie steckt ".
" Warum sollte ich euch vertrauen?".
" Weil wir Eure einzige Hoffnung sind. Was nützt Euch unser Tod, wenn Ihr weiterhin mit leeren Händen dasteht?".
" Was bringt mir das Flittchen?".
" Sie ist der Schlüssel zur Karte ".
Beim Klabautermann, was tat Jack denn? Ist er völlig übergeschnappt? Er hat mich allen Ernstes in Gefahr gebracht. Jetzt werde ich wirklich von Nutzen sein. Der Captain musterte mich, er schien zu überlegen. Jack war sich seiner Sache allerdings ziemlich sicher und stand lässig da, während mein Körper von der Pistole immer noch angespannt war. Langsam ließ der Kapitän seine Pistole sinken. Ich atmete erst aus, als er sie zurück in seinen Waffengürtel steckte. Mit einer Handbewegung von ihm wurde ich von Deck gezogen, während Jack die Handfesseln abgenommen wurden. Sie brachten mich zurück in die Zelle. Diesmal war ich alleine in diesem Gestank. Eine Träne lief meine Wange hinab, als ich auf dem feuchten, alten Holzboden saß. Jetzt bin ich wirklich das Druckmittel für den Kelch? Warum hat Jack mir das angetan?
Ich wusste nicht, wie lange ich dasaß. Eine Tür wurde schließlich geöffnet und Schritte näherten sich meiner Zelle. Ich rührte mich kein Bisschen und ließ den Kopf gesenkt. Ein "Psst" kam von der anderen Seite der Gitter, was mich aufschauen ließ. Dort stand Jack, seine Hände griffen um die Stangen und er lehnte seinen Kopf dagegen.
" Vertrau mir, okay ".
" Wie kannst du nur? Du weißt nicht, was dieser Typ mit mir anstellen will ".
" Es wird dir nichts passieren. Das verspreche ich ".
" Wieso sollte ich dir glauben?".
" Komm her ".
Mit seiner rechten Hand winkte er mich zu sich. Widerwillig drückte ich mich gegen die Wand und zog mich so nach oben, bis ich mit beiden Beinen aufrichtig stand. Ich ging zu Jack rüber, bis wir uns genau gegenüberstanden - zwischen uns die Gitter. Seine beiden Hände griffen durch die Spalten hindurch und nahmen mein Gesicht. Sanft zog er mich dichter, bis unsere Nasen sich berührten. Ich schloss einfach die Augen und wartete ab. Seine Lippen küssten zärtlich meine. Es war nur ein kurzer Kuss, aber ausreichend, um mir komplett den Verstand zu rauben. Dieser Pirat machte mich verrückt.
" Ich habe den Typen nur aus einem bestimmten Grund nach Frankreich gelotzt. Er hat ein gutes Schiff. Wenn wir es rechtzeitig schaffen, holen wir uns von Barbossa die Karte und machen den Plan genauso weiter, wie wir ihn angefangen haben. Du schmuggelst dich rein, holst dir die Informationen und dann hauen wir beide ab ".
" Okay ... Glaubst du, dass alles gut gehen wird, Jack?".
" Ich weiß es. Denn ich hab ja dich, aye ".
Ich konnte nur ein Nicken zustande bringen, da mein Gehirn auf Leerlauf war. So lange habe ich mir selbst nicht geglaubt, doch ich liebe diesen Piraten einfach. Und der Kuss war so echt. Als würde Jack mir sagen wollen, dass er das Gleiche empfindet wie ich. Dieser grinste mich an, nahm seine Hände von mir und wollte den Raum verlassen.
" Jack!".
" Ja, Liebes?".
" Könntest du mir etwas zu Essen und zu Trinken bringen? Ich sterbe vor Hunger und Durst ".
" Mal schauen, was sich machen lässt ".
Er zwinkerte mir ein letztes Mal zu, bevor er aus der Tür ging und mich alleine ließ. Perplex stand ich am Gitter und ließ nochmal alles revùe passieren. Hat er mich gerade wirklich geküsst? Ich mein, natürlich hat er es vorher auch schon getan - aber war dies ein ernstgemeinter Kuss gewesen? Diese ganzen Fragen schwirrten durch meinen Kopf und ich stand bestimmt noch zehn Minuten so da, merkte wie meine Wangen anfingen zu glühen. Am Liebsten würde ich Jack alles beichten, damit wir beide endlich Klarheit hatten.
Die ganze Nacht konnte ich kaum schlafen. Jack hatte mir ein Stück Brot und Wasser gebracht. Das Brot war schon etwas hart, aber noch genießbar. Eine Weile unterhielt er sich noch mit mir und erzählte mehr vom Plan, da wir beide völlig ungestört hier unten waren. Wer würde schon freiwillig hier runterkommen? Dann musste Jack wieder nach oben, damit kein Verdacht geschöpft wurde. Ich wollte ihn ungern gehen lassen, da diese Einsamkeit mir stinkte. Aber wie Jack bereits sagte - Ich soll ihm vertrauen. Und das tat ich auf eine blinde Art und Weise - blind vor Liebe.
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