Chapter 17
Dani's POV
Ich wusste gerade wirklich nicht, was ich getan habe. Der Kuss von Ragetti war schön gewesen, das muss ich zugeben. Aber die Sache mit Jack ... konnte ich nicht einfach so vergessen. Dieser Pirat ging mir nicht aus dem Kopf. Und mit jedem Kuss wurde das noch verstärkt. Jetzt lag ich in den Armen von Ragetti, der offensichtlich Gefühle für mich hat. Ich wollte diesen armen Kerl nicht verletzten. Auf eine Art war er ja mein Freund, genauso wie Pintel. Und vielleicht mag ich Ragetti sehr gerne, aber anscheinend ... fühlte ich nicht genau dasselbe. Ich fühlte mich so furchtbar, aber was hätte ich tun sollen? Ihn wegzustoßen wäre eine Möglichkeit gewesen, aber das hätte er nicht verdient. Im Grunde hat er mich allgemein nicht verdient. Ich werde ihn tot unglücklich machen, wenn er die Sache zwischen mir und Jack erfährt. Und so wie ich den Captain kannte, würde er keine Hemmungen zeigen es auf offenem Deck zutun. Hat er schon bei seiner eigenen Crew nicht getan. Was bin ich für ein Unmensch? Lasse mich von Ragetti trösten, der Gefühle für mich hat und denke dabei an Jack. Der außerdem ein kleines Arschloch ist was Frauen angeht. Und so eine Sorte von Mann geht mir nicht mehr aus dem Kopf, während Ragetti das komplette Gegenteil ist und ich in keinster Weise an eine Beziehung mit ihm gedacht hätte.
" Ich weiß, das vorhin war nicht angebracht gewesen, aber ... du bist so bildhübsch ".
" Ist schon okay ... und danke ".
' Nein, gar nichts ist okay!'. Alle bringen mich auf diesem Schiff durcheinander. Erst Jack mit seinen nicht ernst gemeinten Küssen, dann Barbossa - ein Mann mit bösen Blick und ohne Worte, und jetzt Ragetti mit seinen nicht erwiderten Gefühlen. Auch wenn es furchtbar klang, ich muss es ihm eines Tages sagen. Und ich will gar nicht wissen, wie es dann für mich als auch für Jack aussieht.
Ragetti hatte mich nach kurzer Zeit alleine gelassen. Ich brauchte erstmal Ruhe, um mich zu sammeln und nachzudenken. An Deck wollte ich erstmal nicht. Es würden nur komische Blicke von den anderen kommen und die wollte ich mir gerne ersparen. Wenig später kam Pintel vorbei und fragte nach meiner Lage.
" Es geht schon wieder, danke ".
" Der Captain hat mitgeteilt, dass wir gerade ohne Kurs sind. Anscheinend haben sie Probleme mit der Karte ".
" Wie lange werden wir auf offener See treiben müssen?".
" Ich weiß es nicht. Aber sowie ich Barbossa kenne, wird er zuerst eine ihm bekannte Stadt ansteuern, um Vorräte auffüllen zu lassen. Währenddessen horcht er sich etwas um, damit er des Rätsels Lösung findet ".
" Das Jack ihm nicht helfen kann, habe ich mir schon gedacht ".
" Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, wie er die Karte entschlüsseln könnte ".
" Und die wäre?".
" Tia Dalma ".
Das war doch diese Wahrsagerin. Von ihr habe ich schon einiges gehört. Sie soll wohl auch Calipso genannt werden. Wäre eigentlich nicht schlecht, sie mal kennenzulernen. Piraten scheinen vor ihr Respekt zu haben. Würde es gerne einmal miterleben, wie Jack vor einer Frau kuscht.
Pintel blieb noch etwas bei mir, bis er sich verabschieden musste. Er durfte nicht zu lange unter Deck bleiben, sonst würde es auffallen. Ich kam zu dem Entschluss, nicht länger untätig rumsitzen zu wollen. Hier unten konnte bestimmt einiges gemacht werden. Den Crew Raum sauber zu machen, wäre allerdings schier unmöglich. Also entschied ich mich zum Kochen. Vielleicht könnte man es auch als kleine Wiedergutmachung sehen. Ich versuchte mich an die Schritte zu erinnern, die Elizabeth mir gezeigt hat. Elizabeth ... ich vermisse sie. Ob sie schon auf der Schiffbruchinsel angekommen sind?
Ich ging in die Kombüse und musste feststellen, dass niemand da war. Aus dem Vorratsraum hörte ich ein dumpfes Schnarchen. Der Koch muss wirklich ein aufregendes Leben haben. Nichts desto trotz machte ich mich ans Werk. Das Kartoffelschälen dauerte zwar lange, aber es waren größere Klumpen als vorher. Beim Würzen stellte ich mich wieder besser an und schon standen die ersten Crewmitglieder vor der Tür. Der Geruch von Essen muss wohl an Deck geflogen sein. Ich nickte ihnen zu und bald war der Esstisch voller Piraten. Das war der Zeitpunkt, wo die beiden Kapitäne reinstürmten. Ich wurde von Beiden schief gemustert, bevor sie sich setzten. Ein Platz blieb frei, also ging ich davon aus, dass jemand das Schiff steuerte. Ich selber wollte allerdings nichts essen, also hielt ich mich im Hintergrund und schaute den Piraten beim Schlemmen zu. Barbossa und Jack schwiegen, während sich der Rest angeregt übers Essen unterhielt und mir Komplimente zuwarf. Dabei schenkte mir Ragetti ein warmes Lächeln, was ich erwiderte. Schuldgefühle trafen mich und kurze Zeit später musste ich an Deck, um frische Luft zu schnappen. Den anderen fiel es allerdings nicht auf.
Der Steuermann musterte mich kurz, bevor sein Blick wieder gen Horizont fiel. Ich entschied mich, dies ebenfalls zutun und kletterte die Takelage hinauf, um mich ins Krähennest zu setzten. Die Farbe war von der Sonne getrocknet, die langsam unterging. Heute war wirklich ein anstrengender Tag gewesen. Ungefähr vier Mal wäre ich fast gestorben, Barbossa hat einen Hass auf mich, weil er meinetwegen Jack mitnehmen musste, Genannter weiß nicht, was er will und küsst mich ohne bestimmte Gründe, und Ragetti hat mir indirekt seine Liebe gestanden. Niemals hätte ich gedacht, dass alles so enden würde. Und das Schlimmste dabei war - Ich wusste nicht, wie ich all diese Probleme lösen sollte. Vorallen das mit Barbossa wollte ich mir wirklich nicht verscherzen. Wenn es hart auf hart kommt, würde er mich garantiert über die Planke gehen lassen und aussetzten. Ich musste mir das mit ihm wieder gerade biegen, bevor Jack noch mehr zerstört oder irgendein Blödsinn über mich erzählt, was Barbossa noch mehr verärgern könnte.
Völlig in meinen Gedanken versunken, erschrak ich, als Jack sich auf meine Schulter setzte und fröhlich keckerte - also der Affe Jack. Er hielt eine Nuss in seinen Händen und kaute daran herum. Mit einem Lächeln lehnte ich mich wieder entspannt zurück und schaute zu den inzwischen leuchtenden Sternen und dem hellen Mond, der das Meer in eine Geisterwelt tauchte. Der Schatten der Black Shark spiegelte sich im Licht wieder. Von unten hörte ich, wie jemand übers Deck polterte und nach Jack rief.
" Ja, Hector?".
" Nicht du. Ich meine meinen Affen ".
" Oh ".
Es ließ mich fast auflachen, doch Barbossa sollte mich hier oben nicht finden. Hoffentlich spielt er Affe auch mit.
" Jack, komm sofort hierher! ".
" Ich bin doch schon hier ".
" Nicht.Du!".
Der Captain der Black Shark zog eine Nuss aus seiner Tasche und warf sie hoch, um sie danach wieder aufzufangen. Dabei rief er wieder Jacks Namen, der Pirat reagierte diesmal nicht. Zu meinem Leidwesen keckerte der Affe und Barbossa sah zum Krähennest hinauf. Das Licht des Mondes schien halbwegs auf mich hinab und somit wurde ich leider entdeckt. Dem Affen machte es aber anscheinend gar nichts. Er hüpfte von meiner Schulter, kletterte den Mast hinab und schnappte sich die Nuss aus Barbossa's Hand. Der Pirat Jack schüttelte sich nur und nahm genügend Abstand von dem Tier. Barbossa schaute wieder zu mir hinauf, sein Blick schien mich nicht zu verlassen. Ich hatte also keine andere Möglichkeit, als hinunterzuklettern.
Barbossa kam mit einem ernsten Blick auf mich zu. Vor mir blieb er stehen und musterte mich. Diesmal wollte ich keine Schwäche zeigen, sondern mit ihm reden. Immerhin war er mein Captain. Egal, ob Jack jetzt weiter weg stand oder nicht.
" Tut mir leid, Captain. Diese ganze Situation hier ... ist alles meine Schuld. Ich wollte nicht, dass Jack aufs Schiff kommt ... Anscheinend muss ich noch viel lernen, damit ich eine Piratin werde ".
" Aye, das muss du allerdings. Du stellst dir das ganze Abenteuer viel zu einfach vor, Kleine. Es gibt so viele Dinge, auf die du achten musst. Pirat sein kannst du nicht von heute auf morgen. Den Status musst du dir erarbeiten ".
" Aye, Captain ".
Ich senkte den Kopf und starrte meine Schuhe an. Es herrschte Stille zwischen uns, nicht mal Jack sagte ein Wort. Er stand etwas abseits und musterte uns verwirrt. Als Barbossa eine Hand auf meine Schulter ablegte, schaute ich automatisch auf und musste in sein grinsendes Gesicht starren.
" Aber bei der Galionsfigur hast du dich echt gut angestellt. Ich war schwer beeindruckt. Gute Arbeit, Matrose ".
Ich nickte zufrieden. Dass der Captain einen lobte, war wirklich Gold wert. Und es gab mir gleichzeitig Motivation, dass ich es doch zu etwas drauf hatte. Frauen und Kreativität. Vom Augenwinkel bemerkte ich Jack, wie er auf uns zugeschlendert kam - mit seiner komischen Gangart.
" Falls es mit deinem Piratendasein nicht klappen sollte, kannst du immer noch Köchin werden, Aye ".
Ich schaute ihn verwirrt, aber gleichzeitig lächelnd an. Das war also ein indirektes Kompliment zu meinen Kochkünsten gewesen. Der verrückte Captain zwinkerte mir flüchtig zu, bevor er sich von uns entfernte und zum Bug ging. Barbossa ging zurück unter Deck, nachdem er mir nochmal zugenickt hatte. Neugierig folgte ich Jack zum vorderen Teil des Schiffes. Er stand nachdenklich dort, eine Hand auf die Rehling abgelegt. Langsam näherte ich mich ihm und stellte mich daneben. Zuerst folgte ich seinem Beispiel und schaute aufs Meer hinaus, bevor mein Blick auf ihn glitt.
" Danke, Jack ".
" Für was?".
" Ich weiß auch nicht ".
Der Captain lächelte und entblößte seine Goldzähne. Seine Hand wanderte von der Rehling zu meiner Rechten. Mir wurde erst etwas unwohl, obwohl mir dieses Gefühl gefiel. Sanft hob er meinen Arm und drehte ihn leicht wie bei einer Tanzdrehung. Ich spielte einfach mit und drehte mich drei Mal um mich selbst. Dabei kicherte ich verlegen, was Jack nur mehr grinsen ließ. Dann gab er mir einen flüchtigen Kuss auf den Handrücken, bevor er zurückging und unter Deck verschwand. Ich schaute auf meine Hand, die Jack eben noch gehalten hat. Seine Berührungen verspürte ich immer noch. Mein Herz klopfte wild und mein Kopf ist bestimmt tomatenrot geworden. Der Mann brachte mich um den Verstand, aber es gefiel mir.
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