
15 ༄
In jenem Moment, in dem die Worte meine Lippen verließen, schien das Eis zwischen uns feine Risse zu bekommen. Ich überwand die leichte Unsicherheit und auch er schien nicht mehr ganz so abgeneigt mir gegenüber zu sein. Zwar gab er nur verschwommen und immer noch ungern, all zu viele Informationen über sich preis aber es fühlte sich nicht mehr ganz so einseitig an, wie zuvor. Nun, da ich auch seinen Namen wusste, fiel mir das Gespräch weitaus leichter.
Ich stellte fest, dass er schon viel von der Welt gesehen hatte und sein Wissen über Politik auch nicht gerade gering war. Manches verstand ich zwar nicht oder konnte nur bedingt dran teilnehmen, jedoch mochte ich es ihm zu zu hören, seiner Stimme zu lauschen und einfach nur mit jemandem reden zu können. Dies erwies sich viel erfrischender, als ich mir zu Anfang je erträumt hatte.
Gerade als ich überlegte, ob ich ihn Dinge fragen sollte die persönlicher waren als welche über die die Allgemeinheit beim wöchentlichen Kaffeeklatsch sprach, fing auf einmal mein Handy an zu klingeln und ließ mich in einem kurzen Schock verweilen. Der laute Ton schien auch meinen Gesprächspartner zu verwirren, denn er passte ganz und gar nicht in die ruhige Situation des Wellenspiels. Genauso wenig wie der Gedanke, den ich mit diesem Gerät verband, denn es konnten nur meine Eltern sein.
"Willst du nicht dran gehen?"
Taehyungs plötzliche Stimme holte mich wieder in die Realität zurück und so griff ich beinahe sofort nervös in meine Hosentasche, klappte mein Handy auf und nahm ab. Die Tatsache, dass er nun wahrscheinlich verwirrt schauen würde, da ich anstatt eines neuen Smartphones ein Tastenhandy mein Eigen nennen durfte, blendete ich gekonnt aus.
"Alles in Ordnung bei dir mein Schatz? Du hast so spät abgenommen." Die besorgte Stimme meiner Mutter meldete sich zu Wort und die angebaute Spannung in mir ließ sogleich nach. Sie konnten also noch nicht wieder zu Hause sein und hatten wahrscheinlich nur 'aus Sorge mir gegenüber' angerufen. Ich drehte mich etwas von meinem Sitznachbarn weg, obwohl ich genau wusste, dass er jedes Wort verstehen würde, und antwortete ihr sogleich: "Mein Handy lag auf dem Küchentisch. Ich war oben."
Neben mir hörte ich, wie Taehyung einen spitzen Luftzug ausstieß. Wahrscheinlich schmunzelte er. Wohl angemerkt war das sein erster fröhlicher Laut, den ich mitbekam. Aufgrund dessen war ich auch vergleichsweise verwirrt und antwortete erst verspätet, als meine Mutter erneut etwas sagte. "Ah.. ja Mum, alles in bester Ordnung. Ich gehe jetzt wahrscheinlich schlafen, also mach dir keine Sorgen." Wieder dieses Geräusch. Verwirrt wie ich war, von gerade diesem, versuchte ich sie so schnell es ginge abzuschütteln. "Ja, lasst euch Zeit. Gute Nacht."
Schneller als sie nochmal hätte etwas sagen können, legte ich auf und stopfte das kleine Gerät in meine Jackentasche. Die Augen des jeweils anderen lagen, wie die ganze Zeit über schon, auf mir, was mich schlussendlich seufzen und antworten ließ: "Meine Mutter hätte in wenigen Sekunden am Strand gestanden, hätte sie gewusst, dass ich hier anstatt zu Hause bin."
"Ist sie so streng?", fragte er einige Augenblicke danach und ließ in seiner Stimme etwas zurück, was mir schirr fremd schien. "Man könnte es so sagen, ja."
Mein Gesprächspartner wendete sich daraufhin allem Anschein nach wieder der Sonne zu, ehe er leise sprach, als würden seine Worte vom Wind getragen werden: "Wenn du heimlich hier bist, sei dir bewusst, dass Lügen zwar den Sprint gewinnen, jedoch siegt die Wahrheit beim Marathon."
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