XXXXXIII: wretches and kings
"Also das war", stand Chester auf und klopfte auf seine Oberschenkel.
"Peinlich?", versuchte Joe das Satzende seines Freundes zu erraten, während er ein paar tröstende Küsse auf die Wange bekam.
"Ich würde eher sagen, ein Reinfall", rieb Bennington sich über das Gesicht.
Trotz, dass Linkin Park in jegliche Kategorien bis zu sechs Mal nominiert gewesen war, hat immer die Konkurrenz abgestaubt. Eine bittere Pille, doch die Jungs scheint es eher wenig zu stören. Sie nahmen es gelassener als von Sally erwartet.
"Es wäre natürlich schön gewesen, irgendeinen Preis in den Händen zu halten", seufzte Mike, während sie gemeinsam langsam den Saal verließen, "aber es war eigentlich schon klar."
"Jetzt hör' endlich einmal auf, immer die Nachrichten zu lesen", schlug Brad Shinoda kräftig auf den Rücken, worauf dieser nur etwas Husten hervorbrachte.
"Ich will schon wissen, wie das ganze ankommt", versuchte der Japaner sich zu verteidigen und scheiterte kläglich daran, da durch den Schlafmangel es ihm an Überzeugungskraft fehlte.
"Das spült aber dein Hirn taub", tippte ihm Delson auf die Stirn und Brad wurde nun von seiner Ehefrau an sich gezogen. Unwillkürlich in einen Kuss verwickelt, obwohl er mit seiner großen Ansprache nicht fertig gewesen war.
"Aber eines bleibt uns noch", lächelte Dave teuflisch und während Rob, Mike, Chester und Joe wortlos blieben, drückte Brad sich von den Lippen seiner Ehefrau, um Luft holen zu können.
"Lasst uns was trinken gehen!"
Sally kicherte kurz und sah zu Rob auf, der gerade wie sie an das Ereignis der letzten Tage dachte. Nur unterstreichend den Kopf schüttelte.
"Nicht mit uns", schmunzelte Bourdon Farrell entgegen, der nun den Kopf leicht schief legte, als sie in die kühle Abendluft von Kalifornien traten, "einmal und nicht wieder."
"Was einmal und nicht wieder", war nun die Neugier von Delson zur Stelle, wenn es nach Futter für Scherze und Sticheleien roch.
"Sally war einmal leicht betrunken", schmunzelte er in sich hinein und drückte sie etwas an sich, den Arm um ihr Schultern gelegt, "dann habe ich nichts mehr verstanden."
"Ich hab ihn wohl mit meinem Deutsch etwas verwirrt", schlang sie ihre Arme um ihn und versteckte ihr Gesicht in seinem Sakkostoff.
"Aber ihr geht schon ein wenig feiern", flehte Linsey nun, an Sally geklammert, "bitte bitte."
"Nach jeder Preisverleihung muss man zur Afterparty gehen", lachte Joe kurz und fuhr Heidi durch ihre Haare, "sonst war man nie dort. Glaub mir."
"Und dann hast du Zuhause was zu erzählen", zwinkerte ihr Talinda noch zu, bevor sie nun einheitlich bestimmten, sich noch einen netten Abend zu machen.
Es war der Rummel, unter so viel bedeutenden Menschen zu sein, was Sally faszinierte. Sie durfte so etwas nie erleben und hatte die Person wahrscheinlich ausgelacht, die ihr so eine Beziehung vor einem Jahr vorausgesagt hätte.
Dass sie nun hier mit ihrem edlen Ritter Hand in Hand stand, ihre Ohren betäubt von dem dumpfen Schlägen der Musik, die aus den Boxen dröhnte. In ein Gespräch mit einem seiner besten Freunde verwickelt, der ihm immer noch unterstellte, unsittliche Dinge getrieben zu haben, an dem Abend, als er nach dem Kapellenkonzert einfach abgehauen war. Es war ein eigenartiger Gesprächsstoff.
Doch auch die Müdigkeit hatte nun langsam sie im Würgegriff, worauf sie sich das kurze Gähnen nicht verkneifen konnte.
"Der kleine Löwe wird langsam müde", bemerkte Brad lässig, schon hörbar ein paar Spirituosen hinuntergekippt in den zwei Stunden, die sie hier waren.
"Dann werde wir wohl langsam den Heimweg antreten", lächelte Bourdon zu Sally hinab, deren Kopf schon seit geraumer Zeit an seiner Schulter lehnte, "bis morgen Brad."
"Bis morgen", hob dieser nur kurz sein Glas und knuffte Elisa in die Wange, worauf sich auch diese von den zweien verabschiedete.
Weiter kamen sie zu den Shinodas und den Benningtons, die sich gerade in einem gemeinsamen Lachkrampf befanden und sich ermahnen mussten, bei der Verabschiedung der beiden zusammenzureißen.
"Du bist bei Robs Eltern einquartiert oder?", erkundigte sich Talinda in gleichzeitigem Interesse mit Anna, "dann werden wir dich vielleicht mal abholen."
Mehr als ein kurzes Lächeln brachte Sally nicht auf, da sie doch das Jetlag nun etwas mehr in Händen hielt, als vorhin angenommen.
Bei Dave wandelten sie nur vorbei, der mit einem anscheinend alten Bekannten redete und dazwischen kaum Luft zum Atmen hatte.
"Warum sagt du denn nicht schon früher etwas?", hielt er ihr nun die Tür auf, damit sie in das Haus treten konnte. Erneut hatte sie nur ein Gähnen parat und rieb sich die Augen. Sie fühlte sich wie ein kleines Kind, welches sich den Eltern und seiner Schlafenszeiten widersetzt hat. Nun rebellierte, doch kaum mehr die Augen im Stehen offenhalten konnte.
So schnell sie es auch nicht realisieren konnte, hatte Rob sie auf seine Arme gehoben und trug sie über die Treppe nach oben in sein altes Kinderzimmer, welche Einrichtung sich seit Xero nicht wirklich verändert hatte. Verstaubte Comics neben alten Actionfiguren und ungebrauchten Schlagzeugtrommeln.
Märchenhaft ließ er sie auf die Bettkante nieder und betrachtete ihr Gähnen nun mit Rekordlänge, bevor er zum Schrank ging. Diesen nach etwas Brauchbares durchsuchte und ihr nun ein Shirt zuwarf.
"Umdrehen", murmelte sie von sich und er drehte sich wieder dem Schrank entgegen, um sich auch etwas zum Schlafen rauszusuchen. Wenn er es genau betrachtete, hätte sie eigentlich nichts von ihm gebraucht, hatte sie doch selbst einen Koffer mitgeführt, doch als er nun Schritte auf dem Boden hörte, die langsam auf sein Schlagzeug zuwandelte, in seine Richtung, sah er über die Schulter.
Sie hatte sich nun wirklich in sein schwarzes Matix Shirt geworfen und hing das Kleid fein säuberlich über den Stuhl seines Schreibtisches, der mit einer Ecke an der tiefen TomTom kitzelte. Die Schuhe waren daneben gestellt und sich der Strumpfhose auch entledigt. Danach ließ sie sich auf die Matratze am Boden nieder und griff nach hinten auf das Nachtkästchen. Tastete mit einer Hand nach etwas, bis sie sich schlussendlich umdrehte.
Rob konnte alles mitansehen, wie sie nun auch in Panik geriet und aufsprang.
"Hast Du eine Kette gesehen, mit einem Kreuz aus Rosegold? Ganz klein?", machte sie mit Daumen und Zeigefinger die Größe des Anhängers deutlich, doch Rob konnte nur den Kopf schütteln. Er warf die zwei Kleidungsstücke auf das Bett und legte nun sanft seine Hände auf ihre Schultern, um sie zu beruhigen.
"Wir werden es schon finden", strich er mit einer Hand ihre Strähnen aus dem Gesicht, welche Augen dumpf schimmerten, "wo hast du es das letzte Mal getragen?"
"Beim Duschen, ich", seufzte sie und klammerte sich nun an ihn. Diese Kette hatte wohl mehr Wert für sie, als Rob bewusst war.
"Dann suchen wir", versuchte er ihr wieder etwas Hoffnung einzuhauchen und sie löste sich mit stummen Nicken von ihm. Ging auf den Flur hinaus, um danach zu suchen und auch Rob die Zeit zu geben, sich umziehen zu können.
Sie wandelte drei Mal den Flur auf und ab, auf leisen Sohlen, um Greg und Pattie nicht aufzuwecken. Danach lugte sie auch noch in das Badezimmer, doch war zu müde, um genauers danach zu suchen. Etwas in ihrem Kopf sagte ihr schon, dass es verloren war. So verloren, wie damals alles gewesen war.
Vorsichtig wurde die Tür einen Spalt zum Zimmer von Rob geöffnet und Sally murmelte ein paar Worte vor sich hin, deren Stimme gezeichnet war.
"Darf ich reinkommen?"
"Klar doch", lachte Rob kurz leise, darauf bedacht seine Eltern nicht aus dem Schlaf zu reißen. So trottete sie nun herein, um ihren Hals immer noch keine Kette baumelnd und ließ sich leicht niedergeschlagen auf die Matratze nieder.
"Kannst du mir die Haarnadel aus der Frisur holen", zog sie Kreise mit einem Finger in der Luft und bezog damit ihre Haare ein, bevor Rob sich hinter ihr niederließ. Seine Arme um sie legte, da ihr gesenkter Blick und die traurige Stimme im zu schlagartig gekommen waren. Es ging ihr nicht gut, das spürte er und es tat ihm weh.
"Du hast es nicht gefunden oder?"
Kopfschütteln kam ihm nur entgegen und sie bekam einen Kuss auf den Hinterkopf, bevor er vorsichtig ihren ganzen Kopf nach Haarnadeln absuchte.
"Wir werden sie schon finden, keine Sorge", strich er ihr aufmuntern über den Rücken und vernahm nur ein Seufzen von ihrer Seite.
Er wusste nicht, wie er diese Situation nun anpacken sollte, weder noch, um sie wieder zum Strahlen zu bringen. So wechselte er das Thema, als die ersten Locken, leicht ausgezogen, ihr wieder in den Nacken fielen und er schon fünf Nadeln in Summe auf dem Nachtkästchen vertreten hatte.
"Wie viele Locken hast du eigentlich da auf deinem Kopf", wuschelte er durch ein paar und hatte fast die ganze Frisur aufgelöst.
"Warum fragst du?", nahm ihre Klangfarbe schon wieder etwas Wärme an und sie sah auf. Der überraschte Unterton war leicht zu hören gewesen.
"Ich würde die Mal gerne zählen", fuhr er nun durch die gesamte Pracht und sie zog nur ihr Smartphone vom Nachttisch und spürte, wie er immer wieder eine der Locken auf seinen Finger fädelte. Immensen Spaß daran hatte.
"Mama hat angerufen", murmelte sie von sich und hielt sich nun das Smartphone an das Ohr, bis sie mit gebrochener Freude ihr Mutter begrüßte. Ab dem Moment, verstand Rob wieder einmal nichts mehr. Konnte sie nur etwas damit ärgern, indem er nun wirklich ihre Locken sortierte und sich etwas beschäftigte.
"53 und eine halbe Locke", präsentierte er mit Stolz sein Ergebnis, als sie aufgelegt hat und schenkte ihm einen etwas verwirrten Blick.
"Warum halb?"
"Die Stirnfranse da vorne ist so kurz, die zählt nur halb", deutete er darauf und nahm sie danach in die Arme, als sie kurz kicherte und ihr ein Gähnen wieder entkam.
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