XXXXIII: carousel
Mit einem genüsslichen Gähnen, streckte sich Rob, der gerade wach geworden war. Er freute sich schon auf einen eigenartigen Schlafrhythmus, der wohl diese Woche herrschen würde, die er hier verbrachte.
Trotz der etwas zu weichen Schlafunterlage, für seinen Geschmack, konnte er nicht von Rückenschmerzen klagen, die ihn sonst immer beschlichen, als er die Decke von seinem Körper warf.
Er setzte sich auf und rieb seine immer noch müden Augen, bevor er den Mondschein, der durch das Fenster in das Zimmer fiel, betrachtete. Helle Linien auf dem Parkett malte.
Er linste kurz auf sein Smartphone und bekam nur wieder die kalifornische Zeit zu Gesicht, anstatt die, die er wollte. So trottete er in die Küche und schaltete dort das Licht an, um die Uhrzeit an der Wanduhr ablesen zu können, die leise vor sich hin klackte. Es war kurz vor elf Uhr.
Sally hatte versprochen, um zehn wieder zuhause zu sein, was ihn nun wunderte.
Er konnte verstehen, wenn es lustig war und sie nicht wirklich nachhause gehen wollte, doch dann hätte sie ihm sicherlich eine Nachricht geschickt und ihm Bescheid gegeben. Ein wenig Angst beschlich ihn gerade.
Dennoch versuchte er sich selbst zu beruhigen. Er kannte sie zwei Tage in der Wirklichkeit und das war wirklich keine Rekordsumme. Er wusste nicht, wie sehr sie Ausgehzeiten, wenn man sie in ihrem und seinem Altersrahmen noch so nennen durfte, einhielt.
Sie war erwachsen und so nichts und niemanden verpflichtet, Rechenschaft abzulegen, wann sie nachhause kam.
Doch es ging Rob gar nicht warum und wieso, sondern eher darum, ob ihr etwas passiert war oder nicht. Das war es, was ihm Angst bereitete.
Langsam wandelte er zur Tür, die noch nicht verschlossen war und öffnete sie. Er wollte den Mond betrachten und auch etwas frische Luft schnappen gehen. Betonung auf wollte.
Als sein Hand die Türklinke nun losgelassen hat, fiel auch schon eine kleine Person in seine Arme, worauf er kurz erschrocken zusammenzuckte. Sich aber auf das Kichern entspannte.
"Sally", atmete er erleichtert auf, "hast du mich erschreckt."
"Hey Gregory", lachte sie wieder kurz und zog Kreise mit einem Finger auf seiner Brust, "was machst du denn noch um diese Zeit?"
Der leicht lallende Unterton in ihrer Stimme und die Duftfahne, die sie mitzog ließ ihn auf eine starke Erkrankung von Betrunkenheit aufmerksam werden.
"Warten", lächelte er, "auf dich."
Erneut konnte sie nur kichern und drohte nach hinter zu kippen, worauf Rob nur eine Hand um ihre Taille schlang und sie etwas an sich zog.
"Alles dreht sich", zog sie mit ihrem linken Zeigefinger Kreise über ihren Kopf in die Luft, "wie in einem Karussell. Ist das normal?"
"Jup", tippte er ihr nun auf die Nase und konnte mitansehen, wie sie daran scheiterte, sich mit dem Handrücken über die Nasenspitze streichen zu wollen. Landete sie doch immer wieder bei den Wangenknochen.
Er musste sich wirklich auf die Unterlippe beißen, um nicht loszulachen. Es war nicht fair, weder war er dazu berechtigt über ihre Unfähigkeit zu lachen.
"Wenn man betrunken ist, auf alle Fälle normal."
"Ich bin nicht betrunken", stämmte sie nun ihre Hände in die Hüfte und versucht etwas grimmig ihn anzusehen, was aber nicht wirklich gelang.
"Dann zeig' es mir", ließ er sie los und verschränkte die Arme vor der Brust, bevor sie der Haustür, wenig Schritte vor ihnen nun entgegen törkelte und beim Umdrehen schon fast Bekanntschaft mit dem Fußboden gemacht hätte.
"Siehst du", murmelte sie und begann aus dem Nichts mit ihren Armen zu rudern, da sie wieder nach hinten kippte. Diesmal direkt in seine Arme fiel und er sie nach ihrem überraschten Huh auf seinen Armen trug.
"Ich wusste gar nicht, dass du so ein Romantiker bist", wuschelte sie ihm durch die Haare und er schnaubte kurz amüsiert, bevor er seine glühenden Wangen zu ignorieren versuchte. Ein Glück, war Sally zu sehr benebelt von dem Alkohol, um dies nicht zu bemerken.
"Genug Romantik für heute", warf sie etwas in die Luft und fing sie unmittelbar darauf wieder, "ab ins Bett mit dir."
"Stopp Stopp Stopp", trommelte sie leicht gegen seine Brust, als er mit einem Fuß schon auf der ersten Treppe gestanden war und ihre Worte nicht mehr wirklich Englisch geklungen hatte. So zeigte sie mit dem Finger in die Küche und er folgte dem stummen Befehl.
Er ließ sie sanft auf ihre eigenen Füße und versuchte als Stützte ihre Wackelei etwas auszugleichen, bis nun das schlimmste in Kraft trat, für welche Alarmstufe Rot Einstufung ihn viele auslachen würden.
"Megscht ma nid a Wossa gebn?"
Rob fiel nur mehr die Kinnlade hinunter. Er hat noch weniger als nichts verstanden und nun war für ihn die Aufgabe mehr als laut, sie ins Bett zu befördern.
Sally zog nur einen Becher aus dem Kasten vor ihr und drückte ihn diesen in die Hand, worauf er etwas Wasser hineinfüllte und sie sich eine weiße Kapsel auf die Zunge legte.
"Sust stirb i, mea oda weniga", murmelte sie und leerte das Glas in einem Zug, bevor sie zusammenzubrechen drohte und Rob sie wieder auffing.
"Auf ins Zimma", deutete sie zur Treppe und Rob glaubte richtig verstanden zu haben, dass sie nun schlafen gehen wollte. So wirbelte er herum, schaltete das Licht aus, gefolgt von Lachen und verschloss noch die Tür, während sie ihre Hände um seinen Hals geschlungen hatte.
Bei jeder Stufe gab die alte Treppe ein anderes Knarzen von sich, bis Sally dies mit ihrer Frage übertönte. Rob natürlich nichts in ihrem Gemurmel und der anderen Sprache verstand. Er nur anhand ihrer Mimik und Gestik raten konnte, was die Worte bedeuteten, die sie von sich gegeben hat.
"I bin so fett, dass die Treppn scho knachst?", zupfte sie an der goldenfarbenen Schürze herum, worauf es Bourdon noch schon etwas schwerer fiel, ihre Aussage zu erraten.
"Du bist wunderschön."
"Des sogst doch nua so", sah sie zu ihm hinauf und verzog den Mund leicht zur Seite, "oda?"
Rob schüttelte nur den Kopf und stieß nun ihre Zimmertür auf, die er von ihrem ersten Besuch noch in Erinnerung hatte. Sofort hat Rob sie in das Bett katapultiert und dort zerrte sie sich die Wollstutzen von den Füßen.
Beide nun auf den Boden warf und Rob am Handgelenk packte, der eigentlich aus dem Zimmer gehen wollte.
"Du bleibst do", sah sie mit großen Augen zu ihm auf und er wusste nicht recht, wie er darauf reagieren sollte. Anscheinend wollte sie nicht, dass er ging.
Mit einer kräftigen Handbewegung, zog sie ihn auf die Kante nieder und sah ihn mit flehenden Augen an, bevor sie sich wie ein Gewicht an seinen Arm klammerte und leicht zu schluchzen begann, als er sich in das Bett gelegt hatte.
Rob war dies nun mehr als nur ein wenig unangenehm. Am liebsten würde er sich nun von ihr trennen und wieder ins Wohnzimmer auf das Sofa begeben, da er doch nicht wusste, welches Zimmer er beziehen dürfte. War das Bett doch ein wenig klein für zwei. Doch Sally ließ ihn nicht mehr los, das wurde ihm klar.
Mit einer Hand strich er ihr über die Hand, um sie zu beruhigen und warf nun die Decke über beide.
"Alles gut, ich bleibe hier."
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