
XIX
Willow Duncan - Gegenwart
Das Funkeln der kleinen hellblauen Strasssteine ließ ihre Augen wie tiefe, schwere Diamanten schimmern. Augen, die schon viel erlebt hatten und in deren Tiefe verborgenes Wissen lag.
Sie trug einen seidigen, hellblauen Stoff, der sich an ihren Körper schmiegte und wie ein Wasserfall zu Boden fiel.
»Willow? Hast du ein Kleid gefunden? Komm raus, ich will es sehen!« Rose ungeduldige Stimme riss sie in die Gegenwart zurück.
Mit einem Seufzer zog sie den Vorhang zurück, wobei die Scharniere quietschten. Rose umarmte sie begeistert.
»Du siehst umwerfend aus, Willow«, hauchte sie ihr ins Ohr. »Die perfekte Erscheinung neben Tom Riddle.«
Willow starrte das Kleid an, ihre Finger strichen ehrfürchtig über den eisblauen Stoff. Sie zwang sich zu einem Lächeln. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, als ihr bewusst wurde, dass dies nun ihre Realität war.
Eine Erscheinung an der Seite von Tom Riddle, und sie hatte dieses Schicksal selbst gewählt.
Sie war nicht so naiv zu glauben, dass sie ihn ändern konnte; niemand konnte ihn ändern. Als Rose weiter plapperte, nahm Willow die Worte kaum wahr, sie war in ihren eigenen Gedanken versunken.
Langsam zog sie sich in die Umkleidekabine zurück, zog sich um und kaufte das Kleid. Rose hatte recht, es war wunderschön, sogar atemberaubend.
Als sie auf die Straßen von Hogsmeade traten, umhüllte sie die Sommerwärme. Die Sonne tauchte alles in goldene Farben und warf lange Schatten auf die Kopfsteinpflasterstraßen.
Rose ging voran und redete unaufhörlich, als sie sich auf den Weg zu den Drei Besen machten. Das charmante alte Gebäude empfing sie mit seiner gemütlichen Atmosphäre und dem Duft von Butterbier, der durch die Luft wehte. Sie fanden einen Tisch am Fenster, und Rose bestellte ihre Getränke.
Im Pub herrschte reges Treiben, Schüler und Einheimische mischten sich unter die Gäste. Willow nippte an ihrem Butterbier, die süße Wärme breitete sich in ihr aus, während sie die vorbeiziehende Welt draußen betrachtete.
Sie wandte sich wieder Rose zu und hörte ihr zu, als sie über Dean sprach und erwähnte, dass sie beschlossen hatten, doch nicht gemeinsam zum Abschlussball zu gehen.
»Er scheint einfach nicht zu verstehen, dass die Sache mit Ryan nur ein Ausrutscher war«, bemerkte Rose, deren Tonfall von Frustration geprägt war. »Manchmal kann er so verklemmt sein, so stur.«
Willow sah sie an und spürte einen Anflug von Mitleid für Dean. Ja, sie mochte Rose, und Rose war eine gute Freundin.
Aber Willow kannte Dean, sie wusste, dass er Rose von ganzem Herzen liebte und dass er ihr und seinem besten Freund niemals verzeihen würde.
»Nun, ich nehme an, ich werde jetzt mit Malfoy gehen«, sagte Rose beiläufig und zwirbelte eine Haarsträhne um ihren Finger, wobei der rote Nagellack im Sonnenlicht funkelte.
Willow konnte nicht anders, als eine Augenbraue hochzuziehen. »Ich dachte, du kannst ihn nicht ausstehen.«
Rose lachte und zuckte mit ihren schmalen Schultern. »Nun, er sieht gut aus, ist charmant, und ich denke, ich kann ihn für einen Abend ertragen«, erwiderte sie, und ihre Augen funkelten schelmisch, während sie sprach.
Willow schüttelte grinsend den Kopf. Rose war wirklich unverbesserlich. »Ich weiß nicht, wie du das machst, Rose«, sagte Willow, »jeder scheint dir zu verfallen.«
Rose zwinkerte ihr nur verschmitzt zu und nahm einen weiteren Schluck von ihrem Butterbier, ihre Zuversicht strahlte aus jeder ihrer Bewegungen.
Willow bewunderte Rose für ihr Selbstbewusstsein. Sie war im wahrsten Sinne des Wortes eine echte Slytherin, unverschämt selbstbewusst und kühn.
Ihr rotes Sommerkleid schmiegte sich perfekt an ihre Kurven, die silberne Halskette um ihren Hals glitzerte im schummrigen Licht des Pubs.
Sie saßen noch eine Weile dort, während die Sonne draußen langsam unterging. Die warmen Farben des Sonnenuntergangs färbten den Himmel in Orange- und Rosatönen und warfen ein sanftes Licht auf den Pub.
Willow spürte, wie sie ein Gefühl der Zufriedenheit überkam, die Wärme der Freundschaft und des Lachens, die sie wie eine tröstliche Decke umgaben. Als der Abend langsam ausklang, beschlossen sie schließlich, dass es Zeit war, nach Hogwarts zurückzukehren.
Gerade als sie die Kopfsteinpflasterstraße betreten wollten, hörte sie eine ihr bekannte Stimme. Willows Herz setzte einen Schlag aus, als sie aufblickte und Malfoy auf sie zu schlendern sah, die Hände lässig in den Hosentaschen vergraben.
»Ladies«, murmelte Malfoy, als er sich näherte, sein silberblondes Haar perfekt frisiert, seine aristokratischen Züge scharf und klar.
Rose hob eine Augenbraue. »Sieh an, sieh an, wenn das nicht der charmante Mr. Malfoy ist, der uns mit seiner Anwesenheit beehrt«, erwiderte Rose, ihr Tonfall triefte vor Sarkasmus. »Was führt dich hierher? Suchst du ein neues Publikum zur Unterhaltung?«
Malfoy gluckste und sein Grinsen wurde breiter. »Ich dachte, ich käme vorbei, um die beiden schönsten Damen in ganz Hogwarts zu sehen.«
Rose verdrehte die Augen, aber es lag ein spielerisches Glitzern in ihnen. Willow beobachtete die beiden mit einer Mischung aus Belustigung und Vorsicht.
»Schmeicheleien bringen dich nicht weiter, Malfoy«, schoss Rose zurück.
»Oh, ich hatte nur gehofft, euch auf einen Drink einzuladen«, erwiderte Malfoy lächelnd und ließ seine Augen zwischen Rose und Willow hin und her huschen.
Roses Lippen kräuselten sich. »Tut mir leid, Malfoy, aber wir nehmen keine Drinks von Slytherins mit fragwürdigen Absichten an.«
Malfoys grinsen wurde breiter. »Wie schade. Nun, das Angebot steht noch, falls ihre eure Meinung ändern solltet.«
Gerade als Willow etwas sagen wollte, wurde ihre Aufmerksamkeit auf zwei Gestalten gelenkt, die sich näherten.
Nott machte sich auf den Weg zu der Gruppe, während Avery in einigem Abstand hinterherlief. Willows Blut gefror beim Anblick von Nott, dessen dürrer Körper in eine dunkle Robe gehüllt war und der von Dunkelheit umgeben zu sein schien.
Ein Gefühl der Panik überkam Willow, ihr Herz pochte schnell in ihrer Brust. Nott's dunkle Augen fixierten sie, ein bösartiges Glitzern flackerte in ihnen.
»Wen haben wir denn hier?« Notts Lippen verzogen sich zu einem hässlichen Grinsen, seine Stimme triefte vor Bosheit, während er Willow von oben bis unten musterte. »Die Gryffindor Prinzessin und ihre Slytherin Freundin.«
Rose, die die Spannung spürte, nahm Willows Hand und drückte sie beruhigend. Sie warf Nott einen Blick zu, der die Hölle zum Gefrieren bringen konnte.
Avery, der weiter hinten stand, sah blass aus, seine Hände zitterten. Als er Willows Blick bemerkte, verbarg er sie schnell in seinen Hosentaschen und senkte seinen Kopf.
»Was willst du, Nott? Wenn ihr Ärger sucht, seid ihr hier am falschen Ort.«
Notts verzerrtes Lächeln wurde breiter, als er näher kam. »Oh, ich bin nur auf ein freundliches Gespräch aus, Rose. Kein Grund, so feindselig zu sein.«
Rose trat einen Schritt vor, ihre Augen loderten vor Wut. »Freundlich? Du weißt verdammt gut, was du Willow angetan hast. Wenn du ihr auch nur ein Haar krümmst...«
»Ganz ruhig, Rose«, warf Malfoy ein und hob beschwichtigend die Hände, als er die neugierigen Blicke der anderen Gäste bemerkte. »Wir sollten uns alle beruhigen. Wir sind nur für einen Drink hier, sonst nichts.«
Rose warf Malfoy einen vernichtenden Blick zu, bevor sie sich wieder an Nott wandte, ihre Stimme triefte vor Gift. »Wenn du sie anrührst, werde ich persönlich...«
»Rose«, unterbrach Malfoy erneut, diesmal mit mehr Nachdruck. »Lasst uns die Dinge hier nicht eskalieren.«
Doch Rose ließ sich nicht beirren und machte einen weiteren Schritt auf Nott zu, ihre Augen glühten vor Trotz. »Wenn du irgendetwas versuchst, werde ich persönlich dafür sorgen, dass du es bereust«, drohte sie, »ich schneide dir deine kostbaren kleinen Juwelen ab und verfüttere sie an die Thestrale.«
Nott lachte laut auf, sein Blick huschte zwischen Rose und Willow hin und her. »Oh, das würdest du nicht wagen.«
Roses funkelte ihn an, ihre Fäuste ballten sich an ihren Seiten. »Du kennst mich nicht, Nott. Und jetzt geh, bevor die Dinge hässlich werden.«
Nott kicherte, seine Augen funkelten hämisch. »Ich freue mich schon auf unsere nächste Begegnung, Rose. Bis dahin.«
Mit einem Grinsen machte er auf dem Absatz kehrt und verschwand mit Malfoy an seiner Seite in den Schatten. Avery dicht hinter ihnen, folgte ihnen wie ferngesteuert.
Rose atmete tief aus und ihre Schultern entspannten sich leicht. »Verdammte Slytherins«, murmelte sie leise vor sich hin, den Blick immer noch auf die Stelle gerichtet, an der Nott gestanden hatte.
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