
28
" Carlo." Don Andolini steht neben Marico und legt seinem jüngeren Sohn eine Hand auf die Schulter. " Wir müssen noch etwas mit Vancuzzo und Vito besprechen." Ich ziehe überrascht die Augenbrauen hoch. "Vito?"
"Waren unsere Väter nicht bis gerade eben noch bis aufs Blut verfeindet?" Wispere ich. Sonnys Miene verdunkelt sich. "Die Umstände haben sich geändert." Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn. "Ich hasse es, dass ich dich nochmal allein lassen muß. "Bitte bleib diesmal hier ja? Geh auf keinen Fall nach draussen. Versprich es."
Zwischen seinen Augen ist die altbekannte Falte zu sehen. Das Grau ist verschleiert vor Sorge. Irgendwie wirkt der Ausdruck gehetzt, als ob er etwas ahnt von dem Unheil,das sich über unseren Köpfen zusammenbraut.
Ich frage mich, was sich im Teehaus abgespielt hat. Warum ist Raffael früher herausgekommen als die anderen? Und wieso ist Sonny ihm nicht direkt gefolgt?
Jetzt wo ich vor ihm stehe, seinen Duft atme und mich in dem Grau seiner Augen verliere , habe ich das Gefühl, unbesiegbar zu sein. Das Gefühl, ihm alles sagen zu können. Egal was es ist, er wird es mit mir zusammen überwinden. Allein der Gedanke an seine Kraft, seine Stärke, lässt auch mich stark sein. Als wäre er ein Teil von mir, ein mutiger kraftvoller Teil, der zugleich meine größte Schwachstelle ist.
"Sonny...ich muß dir etwas sagen." Beginne ich. Das Stirnrunzeln vertieft sich. "Ja? Was denn, Kleines?"
Abwartend mustern mich die grauen Augen. Die Sorge darin ist nun von Misstrauen verdrängt worden. Es versetzt mir einen Stich.
Nicht nur ich will ihn tot sehen, wenn er mit dir zusammen bleibt...der arrogante Hitzkopf ist mir nicht gewachsen, hallt Raffaels Stimme in meinem Kopf. Was, wenn er irgendein Ass im Ärmel hat, irgendeinen Triumph, den er erst ausspielt, wenn Sonny versucht, mich vor ihm zu beschützen? Ich kann nicht verhindern, das die Hand, die ich an Sonnys Brust lege, verräterisch zu zittern beginnt. "Apollonia", er legt den Kopf schräg und nimmt mein Kinn sanft zwischen Daumen und Zeigefinger. "Was ist los?"
"Nichts... es ist nur...ich liebe dich so sehr," höre ich mich sagen.
Ein warmes Lächeln erhellt sein Gesicht. "Ich liebe dich so viel mehr, Kleines." Er schliesst mich fest in seine Arme.
"Hey ihr Turtelbtäubchen!" Ich drehe mich um. Marcio beobachtet uns amüsiert. "Schafft ihr es, euch ein paar Minuten zu trennen? Das hier ist sowas wie ein historischer Abend. Zwei tödlich verfeindete Bosse machen einen Schritt aufeinander zu. Und ihr zwei seid ja inzwischen auch unzertrennlich." Er senkt verschwörerisch die Stimme. "Da sieht man man mal wieder ...am Ende siegt eben immer die Liebe, auch wenn man am Anfang aus Hass gehandelt hat.Oder Carlo?"
" Sei stupido?"(Bist du bescheuert?) Santino fährt herum. "Stai zitto Idiota!"(Halt gefälligst die Schnauze du Idiot).
"Sonny?! Was ist denn los?" Erschrocken weiche ich einen Schritt zurück. Wie kann er seinen Bruder so anfahren?
"Marcio wollte doch nur nett sein."
"Lass die Vergangenheit gefälligst ruhen , du Vollidiot!" Ignoriert Sonny mich und baut sich vor seinem Bruder auf, dessen Grinsen nun zu Eis gefroren ist.
"Schon gut, immer cool bleiben, Carlo." Ich dachte nur du hättest es ihr..."
"Du sollst das Maul halten!" Unterbricht Sonny ihn. Er packt Marico am Kragen.
"Sonny! Hör auf!" Rufe ich, woraufhin sich einige Blicke im Saal auf uns richten. Doch schnell wenden die Anwesenden sich wieder von uns ab. Jeder in diesem Raum weiß, dass plötzliche Wutausbrüche sich schnell in ein Spiel auf Leben und Tod verwandeln, wenn man sich unnötig einmischt.
"Fuck!" Sonny lässt seinen Bruder los und sieht zerknirscht zu Boden. Der Ausbruch erinnert mich an den Moment auf dem Krankenhausparkplatz, kurz bevor wir Lilly besucht haben.
Gestresst fährt er sich mit einer Hand durch das Haar und legt seine Hände auf meine Unterarme.
"Lonia. Hör zu. Nunizo ist hier." Er deutet auf den einäugigen Leibwächter , der sich gerade mit einem der anderen Bodyguards unterhält.
"Wie gesagt. Bitte geh nicht nach draussen, sondern bleibe in seiner Nähe , ja?"
Ich nicke, immer noch erschrocken über seinen Wutausbruch.
"Okay."
"Gut. Ich bin gleich wieder da." Er senkt seine warmen Lippen auf Meine. Verdammt, er schmeckt so unfassbar gut. In Sekundenschnelle ist der Schreck jenem Gefühl gewichen, dass ich nicht anders als Verlangen bezeichnen kann. Zärtlich knabbere ich an seiner Oberlippe. "Mmh....das schmeckt nach mehr," wispert er und kneift mir ein Auge zu. "Ich liebe dich." Mit diesen Worten dreht er sich um. Vorher sehe ich noch, wie er einen Blick mit Nunzio austauscht , bevor er ,eine Hand in der Hosentasche versenkt, neben Andolini, Papa und Marcio den Saal verlässt.
In meinen Augen sammeln sich Tränen, wenn ich daran denke, wie sehr ich ihn verletzen muß um sein Leben zu retten. Wenn es doch nur einen Weg geben würde, Raffaels Fängen zu entgehen, ohne Sonny in Gefahr zu bringen.
Ich stehe ein bisschen verloren herum, und wünschte einmal mehr, nicht so allein zu sein. Wenn ich doch nur Ria oder Ylvi von der Sache erzählen könnte. Aber allein der Gedanke an den Vorfall heute Mittag droht mich um den Verstand zu bringen. Doch ich will meine letzten Tage mit Sonny um jeden Preis geniessen, bevor ich die Hölle betreten muss. Und dazu gehört auch, dass ich mir ein bisschen Mut antrinken werde. Zusammen mit ihm. Sicherlich lässt sich in der Speisekammer ein Grauburgunder finden, jener Wein, den wir bei unserem ersten gemeinsamen Abendessen getrunken haben.
Nunzio kommt auf mich zu. Hoffentlich wird er mich jetzt nicht mit Fragen zu heute Nachmittag nerven. Doch irgendetwas lenkt seine Aufmerksamkeit von mir ab.Ich drehe mich um und folge seinem irritiertem Blick.
" Scheißkatzen!"Der Leibwächter meines Vaters grinst mir halb verärgert, halb freudig entgegen. "Mir hing die ganze Zeit son nacktes Vieh mit Juwelenhalsband an den Fersen, bis Alina das aufdringliche Biest weggetragen hat."
"Big Tom." Bevor ich ein Wort sagen kann schliesst er mich in eine innige Umarmung. "Apollonia, Dio Mio! Ich hatte ein verdammt komisches Gefühl, gestern. Frag mich nicht wieso. Und heute habe ich den ganzen Tag gedacht, das mich eine schreckliche Nachricht erwartet, wenn ich hier ankomme."
Endlich lässt er mich los. "Schreckliche Nachricht?" bringe ich um Atem ringend hervor, und lege die Stirn in Falten, als hätte ich keine Ahnung, wovon er spricht. Offenbar verfügt dieser menschliche Fels über eine hervorragende Intuition.
"Du solltest mal wieder was Vernünftiges essen," weicht er aus und deutet auf das kalte Büfett das am Rande des Saals aufgebaut ist. " Du hast deine Kurven verloren, Principessa." Voller Bedauern gleitet sein Blick an meinem Körper herab. Ich zucke nur die Schultern. Okay, er hat nicht ganz Unrecht. Meine Kleider sitzen lockerer und gleichen wahrscheinlich nun erst Recht den Kartoffelsäcken als die Amo sie immer bezeichnet. Aber ich habe andere Probleme als meine Figur. Was das Thema angeht, bin ich es gewohnt ein Musterbeispiel an Imperfektion zu sein. Offenbar hat sich dabei lediglich die Richtung geändert. Erst war ich zu pummelig , nun bin ich zu dünn.
"Wie geht es Lilly?" Erkundige ich mich. Tom winkt ab. "Sie hat sich selbst aus dem Krankenhaus entlassen. Wurde von ihren Eltern abgeholt. Ich kann verstehen, dass sie mit uns allen abschliessen will."
" Und Amo? Weißt du etwas Neues?" Tom beugt sich zu mir herunter. "Ihr seht euch schon sehr bald wieder." Ich schlucke ein paarmal um den fetten Klos in meinem Hals loszuwerden. Wenn er wüßte, das ich bald wahrscheinlich niemanden aus meine Familie mehr zu Gesicht bekommen werde.
Mir kommt ein Gedanke. " Kennst du eigentlich Nunzio?" Irritiert sieht Big Tom mich an. Seine Dackelaugen schweifen hinüber zu dem einäugigen Bodyguard, der ihm zuprostet wie einem alten Freund. "Klar kenne ich den blöden Sack." Er erhebt sein Glas ebenfalls in Nunzios Richtung.
" Na, du alter Fettsack. Weilst immer noch unter den Lebenden wie ich sehe," stichelt Nunzio und wendet sich ohne eine Antwort abzuwarten an mich.
" Was war denn vorhin mit Carlo los?"
" Keine Ahnung," erkläre ich wahrheitsgemäss.
" Wie war die Zusammenkunft?" Erkundigt sich Big Tom. " Nunzio senkt die Stimme . " Die Bosse haben sich untereinander arrangiert. Er wechselt einen Blick mit Tom, der mich daraufhin mustert. Als er meinen Blick bemerkt setzt er ein falsches Lächeln auf. " Verstehe."
"Ich muß mal kurz für kleine Mädchen." Flunkere ich mit klopfendem Herzen.
Nunzio leert sein Sektglas in einem Zug " Ich begleite dich."
" Ähh.. Nunzio. Ich kann das alleine, okay?"
Er seufzt genervt. " Aber du gehst nicht nach draußen, kapiert? Ich habe keine Lust heute Abend noch mit Betonfüssen baden zu gehen."
" Versprochen, erkläre ich und beeile mich aus dem Saal zu kommen."
Vorher schnappe ich mir noch ganz unauffällig ein Glas Rotwein von einem der Tabletts, die von zwei platinblonden Kellnerinnen in knappen Kostümen und High Heels getragen werden. Mir ist nicht entgangen, was für Blicke eine der beiden vorhin Sonny zugeworfen hat. Nun sieht sie mich an, als wäre ich der Erfinder des Kunststoffes und sie der Ozean. Aber mit dem Ozean kann man sie nicht vergleichen. Es ist unverkennbar, dass es ihr an jeglicher Tiefe mangelt. "Dumme Kuh," murmele ich vor mich hin und nippe an meinem Weinglas.
Ich wünschte ich wäre unsichtbar, als ich mich auf den Weg zur Speisekammer mache und ignoriere so gut es geht die Bodyguards die diesmal nicht zu Boden blicken, als ich an ihnen vorbeigehe. Im Gegenteil, ich spüre wie ihre neugierigen Blicke meinen Rücken förmlich durchbohren.
In der Speisekammer angekommen leere ich als erstes mein Weinglas und husche danach zum Weinschrank. Die gesuchte Flasche Grauburgunder ist schnell gefunden. Dazu zwei frische Gläser und die Sache ist geritzt. Während ich die Flasche von Spinnweben befreie und die Weingläser vorsichtshalber nochmal durchspüle muß ich die ganze Zeit an Sonnys Worte denken: Das schmeckt nach mehr. Vielleicht wird es heute Abend passieren? Ein warmes Kribbeln rauscht durch meinen Körper beim Gedanken daran, das Sonny mit seinen Worten wirklich auf mein erstes Mal angespielt haben könnte.
Als ich mich umdrehe fahre ich erschrocken zusammen. Da steht ein Mann in der Tür. Als erstes fallen mir die dunkelblonden Haare auf, die nicht recht zu dem dunklen Bartschatten passen. Irritiert runzle ich die Augenbrauen. Ist das einer der Bodyguards?
Seine Hände sind lässig in den Taschen seiner schwarzen Anzughose versenkt. Mein Blick wandert zurück zu dem amüsiert dreinblickenden Gesicht, aus dem mich ein dunkelbraunes Augenpaar voller Neugierde mustert.
"Sind sie ein Bodyguard?" Bringe ich hervor. Er macht einen Schritt in meine Richtung.
"Arbeitest du hier?" Stellt er die Gegenfrage.
Der Wein entfaltet bereits seine Wirkung und ich muss plötzlich grinsen. Wieso ihn nicht einfach verarschen? Das Leben ist kurz wenn einem nur noch drei Tage übrig bleiben und man den Rest als leblose Hülle verbringen muß.
"Ja," lüge ich. Er wiegt skeptisch den Kopf.
"Normalerweise arbeiten hier nur alte Schabrackken. Da freut es einen, wenn man mal ein junges Gesicht darunter erblickt."
"Haha lache ich. Alte Säcke gibts hier aber auch ganz schön viele." Insgeheim freut es mich, dass er die beiden Blondinen offenbar ebenfalls als alte Schabracken betrachtet.
"Wohl wahr. " Lenkt er ein.
"Ich muß dann mal los." Entschuldigend halte ich die Weingläser samt Flasche in die Höhe. "Ein Mafioso wartet nicht gern".
"Warte." Er kommt noch einen Schritt näher.
Okay, ich könnte ihm notfalls die Weinflasche über den Schädel ziehen. In Sekundenschnelle lote ich sämtliche weitere Möglichkeiten aus. Eine davon ist, urplötzlich das Knie zu heben um es in seine Eier zu rammen.
Das hättest du mit Mancuso tun sollen, wirft mein Unterbewusstsein mir jammernd vor.
"Das Engelsgesicht hat mich zu Boden gedrückt" versetze ich. "Da ging das schlecht."
Der Fremde legt stirnrunzelnd den Kopf schräg.
"Was?"
"Nichts," erkläre ich knapp, und verfluche innerlich meinen Hang zu Selbstgesprächen.
"Du arbeitest gar nicht hier, stimmt's?". Er steht jetzt so nah vor mir, das ich sein Parfum riechen kann.
"Doch, doch!" hochnäsig hebe ich das Kinn an, als wäre es ein Privileg, Don Andolinis Fußabtreter zu sein.
Der Blick des Fremden weitet sich. "Du bist die kleine Greco. Apollonia.Benannt nach Apollon, dem gerichischen Gott des Lichtes und der Künste."
"Du hast die Weissagung vergessen," erkläre ich und wir lachen beide im selben Augenblick los.
Der Fremde lässt seinen Blick kopfschüttelnd an mir auf und ab schweifen."Scheiße, ich wußte nicht, dass die Tochter von Il Greco so hübsch ist. Andererseits hat mein Alter früher immer die Schönheit deiner Mutter gepriesen. Meine Mama hat ihm dann immer ganz klassisch eins mit dem Nudelholz übergezogen."
"Aääh, ja..." stammle ich und eine verlegene Röte steigt mir in die Wangen. Sekundenlang sehen wir uns schweigend an. Selbst in dem schummrigen Licht kann ich die karamellfarbenen Sprenkel in seinen Augen erkennen.
"Ich bin übrigens Tomasso," durchbricht er schliesslich die Stille.
"Aha. Wie ich heiße weißt du ja schon."
Er hebt einen Mundwinkel an. "Sagst du es mir trotzdem nochmal? sonst fühlt es sich nicht komplett an."
"Komplett?" Ich lege die Stirn in Falten.
"Man muss sich immer gegenseitig vorstellen, andernfalls ist es kein richtiges Kennenlernen."
"Ist es sowieso nicht", entgegne ich. "Ich will dich nämlich gar nicht kennenlernen. Aber trotzdem , ich bin Apollonia."
"Schön dich kennen zu lernen, Apollonia. Auch wenn du das eigentlich gar nicht wolltest. Es freut mich.Sehr sogar."
"Okay. Also dann." Erkläre ich das Gespräch für beendet. Aber Tomasso bleibt ungerührt stehen. Wortlos sehen wir uns einfach nur an. "Darf ich?" Ohne eine Antwort abzuwarten, berührt er mit einer Hand meine Haarspitzen. Mit ernster Miene hält er ein Bündel Spinnweben in die Höhe. "Sicher das du nicht eher die Göttin der Untoten bist?"
"Im Schloss des Katzenmenschen ist alles möglich," flüsterte ich verschwörerisch. Mann, warum ist meine Stimme auf einmal so heiser?
"Apollonia, Kleines?" Mein Herz macht einen schmerzhaften Satz. Ich sollte doch im Saal bleiben, verdammt. Dieser blöde Tomasso ist Schuld, dass ich es nicht rechtzeitig mit dem Grauburgunder dorthin zurück geschafft habe.
"Merda!"zische ich zwischen zusammengebissenen Zähnen. Gerade will ich Tomasso auffordern mir nun endlich aus dem Weg zu gehen, da wird er so heftig nach hinten gerissen, das er rücklings zu Boden geht.
Ein spitzer Schrei entfährt meiner Kehle, bevor ich mich auf die beiden Männer stürze, die da auf dem Steinfussboden ringen .
"Hört auf!"
Ich zerre an Santinos Schulter der seinen Ellbogen in Tomassos Brust bohrt, um ihn am Boden zu halten. "Wenn ich dich noch einmal in ihrer Nähe sehe mach ich dich kalt," presst er hervor.
Tomasso bleibt von diesen Worten unbeeindruckt und hebt die Faust um Sonny ins Gesicht zu schlagen, doch dieser weicht geschickt aus und platziert nun seinerseits eine Faust unterhalb von Tomassos Kinn. Blut quellt zwischen seinen Lippen hervor .
"Hört auf!" wiederhole ich, und klammere mich so fest an Sonnys Schultern, dass er seine Arme nicht mehr bewegen kann.
"Komm runter von ihm!" Fordere ich , um Sanftheit in meiner Stimme bemüht, denn das Blut noch mehr zu erhitzen, kann in solchen Momenten tödlich sein. Sekundenlang sieht Sonny mich irritiert an. Das Grau seiner Augen ist verschleiert von Wut und Hass. Doch ganz langsam hebt er eine Hand an meine Wange.
"Geh runter von mir maledetto stronzo!" Presst Tomasso mühevoll hervor.
"Halts Maul. " Knurrt Sonny. Steigt aber von seiner Brust herunter.
"Halt dich von ihr fern!" Droht er, als Tomasso sich aufrichtet. Mit einer Hand hält er sich das blutige Kinn.
Ich ziehe ein Taschentuch aus meinem Kleid hervor und reiche es ihm.
"Grazie Apollonia." Er hält das Tuch an sein Kinn und bringt trotz allem noch ein Lächeln zustande.
"Verpiss dich endlich," zischt Sonny und will sich schon wieder auf ihn stürzen.
"Ich sollte dich einfach abknallen, aber ich will die Kleine nicht traurig machen," erklärt Tomasso. Dann wendet er sich zum Gehen. Vereinzelte Verwünschungen dringen zu uns, bevor alles still wird.
"Mußte das sein?" Ich weiche zurück als Sonny mir seine Arme auf die Schultern legt.
" Warum kannst du nicht einmal tun was ich dir sage?" Erkundigt er sich vorwurfsvoll.
" Ich wollte dich mit einer Flasche Grauburgunder überraschen." Ich deute auf die Flasche und die Weingläser auf der Anrichte.
"Musstest du ihn so zurichten? Wir haben nur ein paar Worte gewechselt. Nichts weiter." Meine Brust zieht sich schmerzhaft zusammen, als ich die Reue in Sonnys Augen erkennen kann.
" Ich wollte dich nicht erschrecken. Aber der Typ ist ein Wichser. Wer weiß passiert wäre, wenn ich nicht dazugekommen wäre.Und ich habe ihn nicht zugerichtet. Wenn ich ihn zugerichtet hätte , könnte er seine verdammte Fresse jetzt vom Boden aufkratzen."
Ich schlucke. Unwillkürlich muß ich an Caparrico denken. " Ja, ich weiß, schliesslich habe ich ja bereits die ein oder andere Kostprobe davon zu Gesicht bekommen."
"Tut mir Leid." Sonny verzieht das Gesicht. "Ich wollte keine unangenehmen Erinnerungen wecken, aber der Kerl ist dir einfach zu nahe gekommen. Viel zu nahe für den Geschmack eines verliebten Sizilianers, der seine Freundin vor gierigen Hunden schützen will."
Ich unterdrücke nur mit Mühe ein verächtliches Schnauben. "Du glaubst allen Ernstes er wollte mich vergewaltigen, oder ?"
"Zumindest sah es für mich aus, als wäre er gerade dabei dich irgendwie in die Enge zu treiben."
Ein bisschen muß ich Sonny recht gegen. Tomasso stand schon sehr dicht vor mir. Trotzdem glaube ich nicht, das er mir etwas getan hätte. Er war einfach nur nett.
Aber davon werde ich den Sizilianer heute nicht mehr überzeugen können. In Anbetracht der geringen Zeit, die uns noch bleibt , beschliesse ich das Thema zu wechseln.
" Danke für das Buch übrigens."
"Gern Geschehen, Kleines. Auch wenn es ein Geschenk war, schuldest du mir noch einen Kuss dafür."
" Für Geschenke schuldet man dem Anderen nichts..."protestiere ich.
" Okay. Wie du willst. Keine Küsse mehr." Sonny lässt mich los und hebt die Hände.
"Blödmann!" Maule ich.
Sonnys Miene vedunkelt sich in gespieltem Ernst. " Wie hast du mich eben genannt?"
"Du redest zu viel, Cretino!"
Ich stelle mich auf die Zehnspitzen und öffne meine Lippen, bevor wir in einem innigen Kuss versinken.
"Lass uns hoch gehen," wir können den Wein auf deinem Zimmer trinken." Schlage ich vor.
"Ich habe eine bessere Idee," seine Lippen streifen meine Wange hinab zu meinem Hals und meine Knie werden weich.
"Es gibt einen Ort, der perfekt ist, um dort unvergessliche Momente zu erschaffen. Den möchte ich dir heute Abend gerne zeigen."
Mit diesen Worten hebt er mich auf seine Arme.
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