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"Das ist echt gut" brummte ich und schob mir die nächste Gabel in den Mund, was mir ein himmlisches Seufzen entlockte.
Wie versprochen, hatten Luisa und ich am folgenden Abend gemeinsam gekocht und ich hätte vieles erwartet, aber dass die Lasagne tatsächlich so gut wurde grenzte an ein Wunder.
"Hat dir denn schon jemand geantwortet?" fragte Luisa, zwischen zwei Kau Bewegungen.
Ich schüttelte enttäuscht den Kopf.
Heute Morgen hatte ich sofort die Mails gecheckt, jedoch war mein Postfach wie leer gefegt.
"Ach, die melden sich bestimmt noch, spätestens wenn sie deine wunderbare Bewerbung lesen, werden sie begeistert sein." sie lächelte mich beruhigend an.
Ein wenig unsicher murmelte ich ein "Hoffentlich" vor mich hin, das in der nächsten Gabel der Lasagne versank.
"Und hat dir der Anwalt nochmal geschrieben?" hakte die Blondine weiter nach. Als Luisa heute morgen in der Uni war hatte ich nämlich versucht Papas Anwalt zu erreichen, um zu fragen wie der Gerichtstermin morgen ablaufen würde. Ich war jetzt schon echt nervös davor.
"Jap-" nickte ich "Wir haben eine weile telefoniert und er hat gesagt, dass er mich morgen Mittag abholen wird. Er aber schon ziemlich früh hin muss, weil er mit Papa ja noch mal alles durchgehen muss." erzählte ich.
Lu runzelte die Stirn "Heißt das dann, dass du deinen Vater auch nochmal sehen kannst?"
Enttäuscht verneinte ich dies "Es ist ihm untersagt privaten Kontakt zu haben, weil das ja seine Aussagen beeinflussen könnte. Ich muss also im Anhörungssaal warten."
Ein Seufzen verließ meinen Mund. Bei dem Gedanken, Papa bald nur noch durch eine fette Panzer Glas Scheibe sprechen zu können, schnürte es mir die Kehle zu.
Ich hatte zwar nie eine super besondere Bindung zu meinem Vater, aber trotz allem war er mir wichtig, auch wenn es in letzter Zeit schwierig zwischen uns war. Er war da, als meine Mutter es nicht mehr war. Und das war der ausschlaggebende Punkt.
"Ich wäre echt gerne dabei um dich zu unterstützen, aber du weißt-" setzte Luisa an und legte eine Hand auf meinen Rücken.
Ihre Augen blickten mir schuldbewusst entgegen.
Bevor sie jedoch weiter sprechen konnte, unterbrach ich sie.
"Lu, ist schon gut. Die Uni geht eben vor, mein blöder Vater soll nicht der Grund sein, dir deine Zukunft zu verbauen." meinte ich spielerisch und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln.
"Okay-" nickte sie "Aber schreib mir sofort, wenn es neues gibt." verlangte sie, während wir schon wieder unsere Teller in die Spülmaschine stellten.
°°°
"Sie können hier warten." Papas Anwalt hatte mich in einen großräumigen Saal geschoben.
Ich war zuvor noch nie in einem Gericht gewesen, wobei das ja eigentlich etwas gutes hieß.
Der Raum war noch ganz leer, also setzte ich mich auf eine Bank in der Mitte. Nicht zu weit vorne, aber auch nicht zu weit hinten.
Ungeduldig zupfte ich an Luisas weißer Bluse herum, die ich zu einer schwarzen Jeans trug.
Noch eine Weile betrachtete ich die erstaunliche weitläufigkeit des Raumes, bis endlich die Türen aufgingen und sich einige Menschen auf die Reihen verteilten.
So wie der Anwalt es mir erzählt hatte, war die Anhörung öffentlich, dass hieß, dass jeder x-beliebige zuhören konnte, inklusive der über-neugierigen Reporter und Journalisten. Die wohl alles direkt auf die Titelseite der nächsten Bild- Zeitung klatschen würden.
Es dauerte eine Weile, bis alles voll besetzt war, allerdings standen die Menschen sogar schon hinten vor der Tür in zwei Reihen.
Scheinbar wurde das hier alles wohl doch sehr hoch angesehen.
Neben mir saß eine junge Frau in einem tod schicken Hosenanzug. Nervös drehte ich meine Daumen im Kreis umher. Der Frau schien das wohl aufgefallen zu sein, denn sie warf mir einen mitleidigen Blick zu. "Arbeiten sie auch bei Daimler?" fragte sie leise, woraufhin ich den Kopf schüttelte.
"Ich weiß nicht, wie ich das überstehen soll, ohne meinen Thomas." seufzte sie nun und reckte ihr Kinn aufmüpfig in die Höhe.
Die Worte hallten in meinem Kopf wieder, als ich realisierte, was sie gerade gesagt hatte.
"Entschuldigung, aber wer sind sie?" stieß ich empört hervor.
Die Frau zuckte zusammen "Ich bin Thomas Freundin und wer sind sie, wenn ich fragen darf." zischte sie eingeschnappt.
Meine Kinnlade klappte nach unten.
"Bitte was" kreischte ich etwas lauter, als gedacht, auf und sprang von meinem Sitz hoch.
Einige Leute warfen uns neugierige Blicke zu, weshalb ich mich versuchte zu zügeln und mich wieder hinsetzte. Wenn auch ein wenig widerwillig.
"Wie führen sie sich denn auf, sie sind bestimmt eine heimliche Verehrerin" gab sie hochnäsig von sich.
Ich musste mir ein würgen unterdrücken. Zum einen, weil ich noch nie jemanden so großspurigen wie sie kennengelernt hatte und zum anderen, weil ich niemals meinen Vater anschmachten würde.
Und dann war da noch die Tatsache, dass er noch nie, jemals, auch nur mit einem Wort, eine Freundin erwähnt hatte.
"Ich bin seine Tochter." sagte ich so ruhig wie möglich und versuchte meine Stimme unter Kontrolle zu behalten. Daraufhin fiel der Tussi nichts mehr ein zu sagen. War ja klar. Hauptsache aufspielen und angeben, aber den Tatsachen dann aus dem Weg gehen.
Schnaubend verschränkte ich meine Arme.
Ich wurde jedoch endlich abgelenkt, als der Richter das Gericht betrat.
Im Anschluss Papas Anwalt, sowie Herr Jarisch und Papa höchstpersönlich, in Handschellen.
Sofort wurde mir wieder mulmig zu Mute.
Nachdem das Verfahren eröffnet wurde wanderte Papas Blick durch die Reihen. Ich sah Erleichterung in seinen Augen, als er mich dort sitzen sah. Er versteifte sich jedoch direkt, als er die Frau neben mir sitzen sah.
Wissend sah ich ihn an, woraufhin er tatsächlich seine Lippen zu einem entschuldigenden Lächeln verzog.
Das gab mir nun den Rest und ich war schneller aufgesprungen, als ich denken konnte.
Schnellen Schrittes eilte ich durch den Gang, gefolgt von einigen skeptischen Blicken.
Das war mir jetzt jedoch egal. Ich musste hier raus, das würde ich keine Sekunde länger aushalten.
Als die schwere Tür hinter mir zu fiel, überkam mich einen Schwall Erleichterung, der allerdings nur kurz anhielt.
Wie lange hatte mich mein Vater wohl angelogen?
Meine Beine führten mich aus dem Gebäude hinaus, bis zu der großen Steintreppe, auf der ich zusammen sackte.
Mit dem Kopf in den Händen vergraben merkte ich, wie mir langsam die Tränen kamen.
Das hatte mir grade noch gefehlt.
Ehe ich es mir versah verließ ein bitterliches Schluchzen meine Kehle.
Und es wurde immer schlimmer, während ich daran dachte, worin mein Vater mich die ganze Zeit noch belogen hatte.
Bei dem Gedanken daran, dass ihn jetzt vielleicht eine gerechte Strafe traf, verkrampfte ich mich.
Ich erkannte mich in meinen Gedanken selbst nicht mehr wieder.
Jämmerlich wischte ich mir über mein Gesicht und verschmierte dabei meine Mascara. Langsam hob ich meinen Kopf an und atmete stotternd ein.
Der kalte Wind peitschte in mein Gesicht und wirbelte meine Haare umher.
"Alles okay?" ich zuckte zusammen und spürte dann eine warme Hand auf meiner Schulter liegen.
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