Kapitel 22: -Der Mann im Anzug-
Sie hatte nicht erwartet, dass es so viel Material von dem 'Mann im Anzug' gab. Olec hatte einiges auf sich genommen um die Neugierde von Alex zu befriedigen. Als sie mit ihrem Stick durch war und sich alle Videos des letzten Einsatzes angesehen hatte, machte sie sich daran Olec's USB-Stick anzusehen. Es waren unglaublich viele Videos, die sich nun auf dem Bildschirm auftaten. Alex klickte einfach auf eine Datei und sofort spielten sich Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln ab, die IHN zeigten. Doch obwohl die Qualität Aller Videos gut war, konnte Alex beim besten Willen nie das Gesicht des Mannes klar und deutlich sehen. Als wenn er ein blinder Fleck für die Kameras war, jede Aufnahme zeigte sein Gesicht verzerrt, zu dunkel oder verschwommen. Alex klickte sich weiter durch, jedes Video das sie sich ansah frustrierte sie mehr und mehr. Sie verbrachte den halben Nachmittag damit sich jede Datei genau anzusehen, spulte mal vor, hielt das Video an oder spulte wieder zurück. Olec stellte ihr irgendwann etwas zu Trinken und zu Essen hin. Ab und an nahm sie sich einen Bissen oder einen Schluck ohne vom Bildschirm weg zu sehen. Die Zeit hatte sie längst nicht mehr im Blick. Irgendwann am frühen Abend lehnte sich Alex frustriert zurück und fuhr sich durch die kurzen Haare. „Das ist alles was wir über ihn haben?" fragte sie und konnte nicht fassen, dass wirklich jede Aufnahme von dem mysteriösen Mann unbrauchbar war. Ihr schmerzten die Augen und der Kopf und sie massierte sich die Schläfen. Olec tauchte hinter ihr auf und blickte über ihre Schulter: „Das ist alles was Sentinal über den Typen hat, wieso?" fragte er und Alex hielt das Video, das sie sich gerade angesehen hatte an: „Weil keine Aufnahme von seinem Gesicht wirklich brauchbar ist." beschwerte sie sich und deutete auf verschiedene offene Fenster wo der Mann im Anzug zu sehen war: „Sieh Dir das an..." Alex deutete auf den Bildschirm und Olec beugte sich vor. „Jede verdammte Aufnahme ist verschwommen, zu dunkel oder verzerrt." Alex wischte sich über das Gesicht und stand auf. Die Hände an die Taille gelegt ging sie auf und ab, knabberte an ihrer Unterlippe und dachte nach. „Es ist... als wenn jemand verhindern wollte, dass jemand seine wahre Identität herausfindet." begann sie und blieb stehen.
„Als ob jemand die Aufnahmen bearbeitet hätte." flüsterte sie und ging eilig zu dem Platz zurück. Olec hatte sich auf ihren Platz gesetzt und sah sich die Aufnahmen an: „Denkst Du das The Sentinal etwas damit zu tun hat?" wollte er wissen und sah zu ihr hoch, als Alex hinter ihm stand. „Wäre möglich..." meinte sie, jedoch verzog sie zweifelnd das Gesicht: „Es ist nicht das erste Mal, das Sentinal Videos bearbeitet." murmelte Alex und ihr Gesichtsausdruck verdüsterte sich. Olec sah sie fragend an: „Was meinst Du damit, Saschka?" hakte er nach und Alex sah zu ihm runter: „Was weisst Du über mich, Olec?" antwortete sie ihm und er zog eine Augenbraue hoch. „Was ich über Dich weiss?" wiederholte er und zuckte dann mit den Schultern: „Deine Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen und Du hast überlebt. Du bist vor 11 Jahren in das Sentinal Programm aufgenommen und ausgebildet worden. Miss F hat Dich aufgenommen und sozusagen adoptiert, Dir ein neues zu Hause und eine Arbeit gegeben." antwortete er ihr und man sah ihm an, das er nicht wusste worauf sie genau hinaus wollte. Sie schloss kurz die Augen und als sie diese wieder öffnete sah sie auf einen Punkt in der Ferne: „Ich habe versucht herauszufinden was vor dem Unfall gewesen ist. Ich habe versucht heraus zu finden wer ich gewesen bin, ehe ich zu The Sentinal kam, bevor ich mein Gedächtnis verloren hab. Doch ich fand nichts. Es war..." sie verstummte. Schüttelte kurz den Kopf, als wenn sie ihre Antwort revidieren wollte. „Es war seltsam, das von dem Unfall kaum Aufzeichnungen von mir existierten. Es gibt Bilder... Einträge an Schulen – an die ich mich jedoch nicht erinnern kann, dass ich dort gewesen bin. Als wenn jemand nicht wollte..." sie liess den Satz unvollständig im Raum hängen. Es war klar worauf sie hinaus wollte. Olec runzelte die Stirn: „Aber... wieso sollte das Miss F machen?" fragte er vorsichtig nach und Alex zuckte mit den Schultern: „Ich weiss auch nicht. Es ist nur so ein... Gedanke... Ein Bauchgefühl..." seufzte sie und schloss wieder die Augen, begann sich die linke Schläfe zu massieren und kniff schmerzerfüllt die Augen zusammen.
Olec erhob sich und ging durch den Raum. Alex hörte wie er etwas öffnete und dann Wasserrauschen. Als sie aufsah, stand Olec mit einem Glas Wasser und zwei weissen Tabletten in seiner Hand vor ihr: „Hier, das sind Schmerztabletten." sagte er und hielt ihr beides auffordernd hin. Alex lächelte und griff gleichzeitig nach den Tabletten und dem Glas: „Danke." murmelte sie, warf die Tabletten ein und nahm einen Schluck Wasser zum nachspülen. „Vielleicht solltest Du für Heute Schluss machen, mh?" schlug Olec ihr vor und legte ihr seine Hand auf die Schulter. Er drückte kurz zu und tätschelte sie dann, ehe er seine Hand wieder weg nahm. Alex blickte kurz zu dem Laptop zurück. Auf dem Bildschirm war das Standbild eines Mannes im Anzug, dessen Gesicht jedoch nicht erkennbar war. „Ja, vielleicht hast Du recht..." murmelte sie und reichte ihm das Glas, das er entgegen nahm und zurück in die Küche brachte. Alex starrte auf das Bild und hätte schwören können – trotz der schlechten Aufnahmen von dem Mann – dass er dem Mann ähnelte, den sie vor nicht allzu langer Zeit in der JPMorgan Chase & Co. Bank begegnet war. Doch sie konnte sich natürlich auch täuschen, vielleicht spielte ihr Kopf ihr einen Streich? Doch der Gedanke, dass der Mann aus ihren Erinnerungen, der Mann auf ihrer Zeichnung und der Mann da auf dem Bildschirm ein und dieselbe Person waren... Dieser Gedanke liess sie einfach nicht los. Je mehr sie versuchte sich zu erinnern, desto stärker wurde der pochende Schmerz und sie torkelte halbwegs zu der grossen Couch. Sie musste sich setzen und zur Ruhe kommen, wenn sie einen Anfall vermeiden wollte. Sie musste nun aufhören damit nachzudenken und darauf drängen, dass ihre Erinnerungen zurück kehrten, das wusste sie. Aber das war leichter gesagt als getan. Sie konnte nichts erzwingen. Das hatte Alex schon mehr als ein Mal erfahren müssen – auf schmerzhafte Weise. Und die Anfälle waren kein Zuckerschlecken gewesen.
Sie versank in der weichen Polsterung der Couch, legte ihren Kopf auf die Rückenlehne und schloss die Augen. Kurze Zeit später spürte sie, wie sich ein Gewicht mit auf die Couch platzierte. Sie hörte wie Olec das Spiel wieder aufnahm. Er nahm jedoch Rücksicht auf sie und sie hörte nur sehr leise den Spielverlauf. Als sie ihren Kopf leicht zur Seite drehte und die Augen halb öffnete sah sie, dass er Kopfhörer aufhatte und hochkonzentriert auf den Bildschirm starrte. Sie schmunzelte kurz, brachte ihren Kopf wieder in die Ausgangsposition zurück und schloss wieder die Augen. Das schmerzende Pochen in ihrem Kopf nahm nur langsam ab, die Tabletten wirkten also. Sie schlummerte ein und als sie nach einer gefühlten Ewigkeit einen leckeren Duft in der Luft ausmachte, knurrte ihr Magen so laut, dass sie vollends aus ihrem Schlummerzustand erwachte. „Ich dachte mir ich koch uns etwas Schönes zum Abendessen." eröffnete Olec ihr, als sie sich umsah und den Russen an einem Tisch stehen sah. Er hatte eine Schüssel in den Händen, die er gerade auf den Tisch abstellte. Der dampf stieg in die Luft und verflüchtigte sich. Alex fuhr sich mehrmals mit den Händen durch ihr Gesicht um den Schlaf vollends abzuschütteln. „Das riecht lecker." meinte sie und lächelte verschlafen. Ihre Stimme klang ebenso verschlafen und sie streckte sich kurz ehe sie aufstand und zu dem Esstisch rüber ging. Olec schenkte eine goldbraune Flüssigkeit in ihr Glas und Alex setzte sich, während sie gleichzeitig nach dem Glas griff. Sofort nahm sie den Geruch von Pfirsich wahr. Der kühle Eistee war erfrischend und ihre trockene Kehle dankte ihr für die Flüssigkeitsaufnahme. Neugierig sah Alex in die Schüssel und runzelte die Stirn: „Was ist das?" fragte sie und stellte das Glas wieder ab. Olec füllte ihr etwas auf den Teller und grinste: „Das ist Soljanka, eine sehr köstliche russische Suppe, die heute mehr mit Fleisch als Fisch gemacht wird." Erklärte er und reichte ihr dann das Brot. Alex griff sich zwei dicke Scheiben und roch erneut an der Suppe vor ihr. Das Wasser lief ihr im Mund zusammen. „Also, bitte hau rein." Lachte der Mann und das liess sich Alex nicht zwei Mal sagen.
Irgendwo blinkte ein kleines Licht und die Maschine verarbeitete die Daten und speicherte sie ab. Ob sie richtig gehandelt hatte? Im letzen Moment hatte sie sich dazu entschieden sämtliche Dateien zu verändern um damit John Reese Identität zu schützen. Ihre Berechnungen und Szenarien hatten sich vorwiegend für diese Option als 'Sicher' herauskristallisiert. Alexandra Summer war noch nicht soweit. Jedenfalls war dies die Ansicht der Maschine. Sie musste erst noch mehr Daten über diese Frau sammeln um vollkommen sicher zu gehen, dass Alexandra keine Gefahr für das Team darstellen würde. Erst wenn sie sich vollkommen sicher war, würde sie die Dateien wieder frei geben und Alex vielleicht sogar auf die Spur von John Reese bringen. Für den Moment jedoch, musste die Maschine jedoch die junge Frau weiter im Dunkeln tappen lassen. Das 'Team Maschine' musste mit allem geschützt werden, was sie zur Verfügung hatte. Doch es barg auch ein Risiko, denn auf der anderen Seite suchte Reese nach dieser Frau. Die Maschine konnte nicht verhindern, dass sich früher oder später ihre Wege sich erneut kreuzen würden. Doch mit diesen Berechnungen musste sie sich später befassen, denn es kam eine neue Irrelevante Nummer rein. Sie ordnete den Anruf bei Harold an...
'RING... RING... '
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A/N: Ich weiss. Es ist recht... Alltäglich und Banal. Ich hoffe es gefällt Euch trotzdem.
Nächstes Update: Ungewiss
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