Kapitel 13: - Letzte Begegnung -
Finch hängte seinen Mantel an den Garderobenständer und setzte sich an den Computer. John hatte ihm schon einiges an Arbeit abgenommen, wie Finch sehen musste und er schüttelte kurz seufzend den Kopf. Anscheinend nagte es an Reese und so begann Finch alles in Ruhe durchzusehen. Dabei erfuhr er, dass Private First Class Alexandra Myles damals in John's Einheit gewesen war und sie unter ihm gedient hatte. Doch in welcher Beziehung John Reese genau zu ihr stand, konnte Finch nicht erfahren. Solche Daten wurden nicht elektronisch abgespeichert, ausser man führte ein Onlinetagebuch. Finch grub weiter. Doch viel fand er nicht raus und das meiste hatte Reese schon ausgedruckt oder ihm erzählt. Finch seufzte und tippte auf die Tastatur. Die Maschine weigerte sich jedoch Alexandra Myles als lebendig anzuzeigen. Finch musste zugeben, das sich da jemand wirklich sehr viel Mühe gegeben hatte das System auszutricksen und dass er diese Programmierung nicht umgehen konnte wurmte ihn. Vielleicht würde er Miss Grooves fragen ob sie sich das mal ansehen könnte. Denn Harold kam nicht weiter. Die Maschine schien sich regelrecht zu weigern diese Programmierung aus dem System zu nehmen. Finch seufzte und lehnte sich zurück. Er blickte kurz zu der Wand rüber. Was mochte dahinter stecken? War Alexandra Myles eine Agentin? War sie von der Regierung angeworben worden, so wie Reese damals auch? Finch konnte nur spekulieren, aber all diese Identitäten deuteten darauf hin, dass jemand oder eine Organisation, sich die Mühe gemacht hatte, das Alexandra Myles tot war und hatte ihr verschiedene neue Identitäten gegeben. Plötzlich hielt das Suchraster inne, ein kurzer Ping ertönte und ein neues Bild tauchte auf. Finch blickte zum Bildschirm und öffnete die Datei. Und da war sie. Die Hauptidentität. Alexandra Myles war nun Alexandra Summer. Finch öffnete alles und druckte es aus. Er fand ihre gefälschte Geburtsurkunde, Schulunterlagen und einen gefälschten Zeitungsartikel von einem Autounfall, bei dem die Eltern von Miss Myles nicht überlebt hatten. Er fand sogar die Sterbeurkunden. Finch zog die Brauen hoch. Da hatte jemand nicht nur dafür gesorgt, dass die angeblich Tote eine neue Identität bekam, man hatte ihr ein komplett neues und vor allem anderes Leben erstellt. Finch fragte sich so langsam was dahinter steckte und verbrachte den restlichen Tag damit alles zu suchen, was mit der Identität Alexandra Summer in Verbindung stand.
Und so machen wir einen kurzen Schlenker zu John Reese, der sich - zu Hause angekommen - eine Dusche genehmigt hatte, etwas zu Essen gekocht und dann ins Bett gegangen war um den Schlaf aufzuholen. Doch er konnte nicht schlafen. Viel zu sehr beschäftigte ihn die Tatsache, dass Myles am Leben war. Sie war 11 Jahre von der Bildfläche verschwunden gewesen und nun tauchte sie auf ein Mal wieder auf. Und dann auch noch vor Reese Augen mitten in New York. Wo war sie die ganzen Jahre über gewesen? Was war passiert? Reese drehte sich wieder um und kniff die Augen zu. Er brauchte verdammt noch mal Schlaf. Doch sein Kopf dachte gar nicht daran ihn zur Ruhe kommen zu lassen. Vielmehr kamen nun immer mehr Bilder aus seiner Zeit in der Armee vor seinem inneren Auge zum Vorschein. Erinnerungsfetzen aus einer längst vergangenen Zeit. John seufzte und setzte sich auf. Er fuhr sich mit den Händen durch das Gesicht und strich dann über die Haare. Sein Blick wandte sich auf einen unbestimmten Punkt in seinem Schlafzimmer und fixierte ihn. Ja, er konnte Myles bildlich vor sich sehen. Sie war eine der wenigen Frauen in seiner Gruppe gewesen. Er hatte sie zu schätzen gewusst und irgendwie hatte er sie auch gemocht. Myles hatte Ehrgeiz bewiesen und war nie unter zu kriegen. John war ehrlich beeindruckt von der zähen jungen Frau damals gewesen und sie war eine der wenigen, mit denen er sich auch nach den Übungen traf. Er war eigentlich nie jemand gewesen, der sonderlich gerne in Ausgang ging und Myles war ebenfalls eine einsame Wölfin. Sie stand meist am Rand der Gruppe, schwieg sich aus und beteiligte sich nur selten an den Gesprächen. Ebenso wie John.
Es kam sogar mal soweit, das Myles nach einer erfolgreichen Übung mit einem guten Talisker Whiskey zu ihm in sein damaliges Büro kam und sie schweigend den Whiskey genossen oder sich über die Einsätze unterhielten. Sie war immer ein angenehmer Zeitgenosse gewesen und John hatte sie zu schätzen gelernt. Wenn Jessica nicht gewesen wäre und Myles nicht eine seiner Untergebenen gewesen, wer weiss... dann wäre vielleicht etwas zwischen ihnen entstanden. John konnte sich noch genau an den Tag erinnern, wo sie zum Private First Class befördert worden war. Die Feier war voll im vollen Gange gewesen. Neben Myles waren noch 4 weitere in den Rang erhoben worden. Da er der Leitende Führungsoffizier damals gewesen war, musste er dabei anwesend sein. Doch er hatte sich nach den offiziellen Ehrungen zurück gezogen und fand Myles einsam in einer Ecke, wo sie eine flasche und ein Glas vor sich hatte und nachdenklich auf diese starrte. „So ganz alleine Myles?" fragte er sie und die junge Frau schreckte leicht zusammen ehe sie milde lächelte und das Glas erhob: „Bis eben schon, Sir." Antwortete sie ihm während ihr Blick hinter John ging, wo die restlichen Teamkameraden lachten und feierten. John blickte ebenfalls zurück, ehe er sich wieder an Myles wandte. Sie hielt ihm ein Glas gefüllt mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit hin und lächelte: „Leisten Sie mir Gesellschaft Sir?" fragte sie und John hörte aus ihrer Stimmlage, das es nicht das erste Glas war, das sie getrunken hatte. Er nickte und setzte sich zu ihr. Dankend nahm er das Glas und Myles drehte die Flasche so, dass er nun sehen konnte was sie ihm da eingeschenkt hatte. Seine Augen wurden gross: „Wie kommen Sie zu 21 Jahre altem Glenfiddich?" fragte er erstaunt und seine Augenbrauen hoben sich überrascht. Ein geheimnisvolles Schmunzeln bildete sich auf ihren Lippen, an das sie das Glas gesetzt hatte und einen Schluck genehmigte. „Mein Vater hat sie mir zur Beförderung geschickt." Antwortete sie und winkelte den Arm mit dem Glas an. Sie sah ihn an und lächelte als John das Glas ansetzte und einen Schluck nahm. Sofort nahmen seine Sinne die verschiedenen Eindrücke des Whiskeys auf. Seine Geschmacksknospen den intensiv süsslichen Geruch, der weiche aber dennoch trockene Geschmack nach Gewürzen und die Wärme, die sich in seinem Körper ausbreitete.
Schweigend genossen sie den teuren Whiskey und schienen abgekapselt von der Feier zu sein. Myles streckte sich nach einer Weile und öffnete den strengen Knoten in ihrem Nacken. John betrachtete sie einen Augenblick. Er hatte sie noch nie mit offenen Haaren gesehen, wie ihm nun auffiel. Das rabenschwarze Haar viel ihr in Wellen auf und über die Schulter hinweg. Ihre grünen Augen wirkten in dem schummrigen Licht wie zwei dunkle Smaragde und nicht zum ersten Mal musste John sich eingestehen, dass Myles eine durchaus attraktive Frau war. „Ich habe gesehen, dass Sie nach den Feierlichkeiten nach Hause auf Heimaturlaub gehen." Meinte er um sich abzulenken, der Whiskey wärmte ihn und stieg ihm langsam nach dem gefühlten fünften Glas zu Kopf. „Freuen Sie sich schon darauf Ihre Familie wieder zu sehen?" Was für eine dümmliche Frage, aber etwas besseres viel ihm nicht ein. „Ja, Sir. Den Heimaturlaub hab ich seit langem beantragt und ich freue mich darauf meine Eltern wieder zu sehen und meinem Vater für diesen aussergewöhnlichen Whiskey zu danken. Und da wir gerade davon reden, es ist schon spät und der Flug geht um 0800 morgen Früh. Ich sollte in meine Unterkunft gehen." Und damit nahm sie die Flasche, prostete ihm noch ein Mal zu, verabschiedete sich und ging hinaus. John blickte ihr noch kurz nach. Das war das letzte Mal, dass er sie gesehen hatte. Und nun, 11 Jahre später sass er in seinem Bett und verglich die Soldatin von damals mit der Frau, die er vor einiger Zeit getroffen hatte. Er konnte es kaum glauben, dass sie noch lebte... Und erneut kamen die Fragen in seinem Kopf auf: Was war passiert und wo war Myles die ganzen Jahre über gewesen? War sie wie er damals beim CIA, FBI oder einer anderen Geheimen Institution gelandet? Sein Kopf begann wieder zu schmerzen und der Schlaf siegte über seinen ausgelaugten Körper. Noch eh er die Augen schloss, sah er zwei smaragdgrüne Augen, die ihn verschmitzt ansahen...
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A/N: Ich weiss, es geht nur schleichend vorran. Danke für Eure Geduld. Ich bin dran. Doch irgendwie mögen mich Finch & Co. gerade nicht...
Das nächste Kapitelupdate kommt vorraussichtlich am 05.12.2018
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