Kapitel neunzehn
Ich startete den Motor und schaute zurück auf Nele die mich zur Tür hinaus begleitet hatte. Komisches Mädchen, dachte ich mir und schüttelte leicht den Kopf. Sie hatte sich nicht verabschiedet, sondern mir einen kleinen Zettel in die Hand gedrückt, auf den hastig etwas geschrieben wurde. „Lies ihn erst wenn du aus der Stadt raus bist!" hatte sie mir nachgerufen. Ich habe genickt und bin eingestiegen. Jetzt blickte ich auf ihre immer kleiner werdende Gestalt, als ich davon fuhr. Als das Ortsausgangsschild kam, stellte ich den Wagen am Straßenrand ab. Jetzt bin ich nicht mehr in der Stadt. Ich faltete das Papier auseinander und stutzte. Was war das?
Luca,
du musst etwas für mich machen. Sag, Nele schickt dich.
Lacknersraße 25, Berlin
PS: Ich weiß dass du's machen wirst.
N.
Was sollte das? Ich hatte keine Ahnung was oder wen ich bei dieser Adresse begegnen werde. Oder was ich dort sollte. Aber Nele hatte Recht. Ich werde nach Berlin fahren. Liegt ja sowieso auf dem Weg und ich war gespannt was mich dort erwarten würde.
Ich drehte den Zündschlüssel, trat aufs Gas und brauste los.
„Da vorne links und dann die zweite rechts." Ich nickte der alten Dame zu und kurbelte das Fenster hoch. Nach sechs Stunden Fahrt, hatte ich Berlin endlich erreicht. Und in ungefähr zwei Minuten würde ich den Ort erreichen an den Nele mich geschickt hatte. Ich trommelte zum Takt der Musik auf das Lenkrad. Ich wurde allmählich nervös. Um mich ein wenig abzulenken summte ich den Song mit, der im Radio lief. Ich erkannte eines meiner Lieblingslieder ....
But I would walk 500 miles
And I would walk 500 more
Just to be the man who walks a thousand miles
To fall down at your door.
The Proclaimers schmetterten mir das Ende des Songs entgegen, als ich an meinem Ziel angekommen war. Vor mir befand sich eine Reihenhaushälfte. Licht brannte in einem der Fenster und ich seufzte. Ich hatte Angst, vor dem was mich erwartete, aber ich war mindestens genauso neugierig. Entschlossen schloss ich den Wagen ab und hielt auf die Tür zu. Kurz bevor ich auf die Klingel drücken konnte, schwang die Tür schwungvoll auf. Ich blinzelte und sah mich einem Jungen – etwa in meinem Alter – gegenüber, der mich irritiert ansah. „Hallo." Sagte dieser. „Hey. Nele schickt mich, aber –„ er brachte mich mit einer Handbewegung zum schweigen und zog mich mit sich ins Haus. „Nele also." Murmelte er als er die Tür hinter mir geschlossen hatte. „War mir doch klar, dass sie nicht selbst kommen würde, dieses Miststück." Ich schluckte. Was hatte Nele getan? Oder besser; in was hat sie mich hier reingeritten? „Es tut mir echt leid. Es ist nur ... Ich habe keine Ahnung warum sie mich hierher geschickt hat." Der Typ lachte laut auf. „Das sieht ihr ähnlich. Schickt immer jemanden um ihre Schulden zu begleichen." Ich runzelte die Stirn. Schulden? Na super...
„Was für Schulden?" fragte ich vorsichtig. Er tätschelte mir die Schulter und seufzte. „Das erklär ich dir bei einem Kaffee. Den brauche ich nämlich jetzt."
„Nele ist meine Schwester." Fing er mit seiner Erklärung an. Erst jetzt viel mir die Ähnlichkeit auf. „Sie leiht sich of Geld bei mir ... das ich jedoch niemals wiedergesehen habe. Vor zwei Monaten stand ein anderer Kerl vor meiner Tür und kam mit demselben Spruch. Statt ihre Schulden abzubezahlen schickt sie arme Schweine – wie dich - um ihre Schulden zu begleichen.... Aber keine Angst. Ich bin kein Unmensch. Ich erwarte von dir nicht, ihre Schulden abzubezahlen. Habe ich von deinem Vorgänger übrigens auch nicht." Sie hatte mich also in eine Falle gelockt. Eigentlich hätte ich so etwas erwarten können... meine Menschenkenntnis ist leider keinen Deut besser geworden. „Als Entschädigung lade ich dich auf einen Drink ein, abgemacht?" Fragend sah ich ihn an. „Warum als Entschädigung? Du hast mich doch nicht hierhergelockt." Er lächelt milde. „Nein, das stimm wohl. Aber sie ist meine Schwester und ich fühle mich für diesen Mist hier ein wenig verantwortlich." Na wenn das so war ... „Okay." Er stellte die Kaffeebecher in die Spüle und bedeutete mir aufzustehen.
Schweigend liefen wir nebeneinander her. Neles Bruder wollte in eine Bar hier in der Nähe. Ich hatte nichts einzuwenden. Fasziniert lies ich meinen Blick durch die Großstadt schweifen. Alles war so – Laut. Laut und Bunt. Ganz anders als in meiner Heimat... Entsetzt hielt ich inne, als mein Blick auf ein Flugblatt fiel. „Was ist los?" fragte mein Begleiter, der ebenfalls stehen geblieben war. Ich ging in die Hocke und hob den zerknitterten Zettel auf. Ein Foto war in die Mitte gedruckt und ich erkannte sie sofort. Ihre Augen hätte ich überall erkannt.
Sam ...
„Das ist meine Ex." Kam es von hinter mir. Vorsichtig drehte ich mich um. „Malik?" fragte ich irritiert. Perplex schaute dieser mich an. „Woher kennst du meinen Namen?"
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Das Kapitel ist leider wieder sehr kurz, aber ich wollte unbedingt heute schon updaten!
Ich habe keine Ahnung ob auf der Lacknerstraße 25 wirklich reihenhäuser stehen.... also wenn das hier ein Berliner liest: Bitte korrigiere mich! :D
Habt ihr Lucas Sicht langsam satt und wollte lieber wieder was aus Sams Sicht lesen, oder wollt ihr mehr Luca? Bitte gebt mir ne Rückmeldung :)
Liebe Grüße <3
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