28
Kurze Info:
Kapitel 26 wurde wegen eines Missverständnisses privat veröffentlicht. Jetzt ist es öffentlich und für jeden zugänglich, ich bitte darum, es zu lesen, da sonst die folgenden Kapitel möglicherweise keinen Sinner ergeben könnten.
"Schau mal, der ist schön!"
Kiki zeigte auf einen Schal, der von einem Holzgestell baumelte.
"Nur zwei Euro. Zwei Euro. Drei Schal nur fünf Euro." Der tschechisch klingende Händler erklärte uns noch weitere tolle Angebote.
Kiki nickte die ganze Zeit, doch ich hörte dem Mann gar nicht zu. Ich schaute mich auf dem Weihnachtsmarkt um. Ich liebe dieses Gefühl. All die Lichter, all die glücklichen Menschen.
So schlecht die Welt auch manchmal erschien, das hier war der beste Beweis, dass sie auch ihre guten Seiten hatte.
"Alles in Ordung, Elisa?", fragte meine beste Freundin, als sie bemerkte, dass ich dem Händer nicht zuhörte.
"Ja, ja. Alles okay", antwortete ich gedankenverloren.
Kiki schüttelte lachend den Kopf. Sie wusste, dass ich, wenn ich von jemandem oder von etwas fasziniert oder angetan war, konnte man nicht normal mit mir sprechen, man musste warten, bis ich über die Fase der Abwesenheit hinweggekommen war.
Als wir weitergingen, erblickte ich einen hölzernen Kerzenständer. Er war wunderschön.
Ich mochte Holz, die Ungleichmäßigkeit, die Raue. Doch auch das Aussehen ansich.
Dieser Kerzenständer war aus feinstem Holz. Daruf waren ein paar Engel, Sterne und eine kleine Krippe eingraviert, doch was am meisten hervorstach, war ein großes faziertes Herz.
Die Vorstellung, so etwas von jemandem geschenkt zu bekommen, der einen wirklich liebt und den man selbst genauso liebt, war herzerwärmend.
"Elisa, es ist nur ein Kerzenständer", lachte Kiki, als sie bemerkte, welchen Gefallen ich an dem Ding gefunden hatte.
"Nein, es ist nur ein Kerzenständer, wenn du nur einen Kerzenständer darin siehst. Doch, wenn du die Liebe, die hatintersteckt siehst, dann, ist es mehr, als nur ein Kerzenständer."
"Was redest du da?"
"Wenn dich ein Fremder sieht, dann sieht er in dir auch nur einen Menschen. Aber wenn ich dich sehe, sehe ich soviel mehr."
Kiki begann herzhaft zu lachen. Als ich bemerkte, wie dumm sich meine kleine Rede gerade angehört haben musste, stimmte ich mit ein.
Als wir uns beruhigt hatten, meinte meine beste Freundin: "Dann kauf dir diesen magischen Liebes-Kerzenständer doch."
Ich schüttelte den Kopf. "Nein. Der muss einem geschenkt werden, von einem Menschen, der einen wirlklich liebt."
Kiki seufzte. "Dann ist dir aber auch nicht mehr zu helfen. Komm mit!"
Sie zog mich weg von dem Stand, hin zu einem Käsestand. Dort begann sie zu essen. Sie aß die Hälfte der Kostproben alleine auf.
Ich versuchte, mich so gut wie möglich zu verstecken, so, dass niemand auf die Idee kam, sie könnte zu mir gehören.
"Komm Elisa, der Käse hier ist gut!" Sie zeigte auf ein Brett, auf dem sich nur noch ein Käsewürfel befand, da sie alle anderen aufgegessen hatte.
Seuzend griff ich mir das letzte Stück Käse. Die Verkäuferin schaute und leicht grimmig an.
"Kann ich Ihnen helfen?", fragte sie mit leichtem Nachdruck in ihrer Stimme.
"Ja, wir nehmen 200 Gramm von diesem köstlichen Käse hier", sagte ich mit zuckersüßer Stimme.
Als sich die Frau umdrehte schaute ich Kiki böse an. "Das ist peinlich." Sie verdrehte nur die Augen.
"Was ist eigentlich mit Franziska? Läuft sie schon?", fragte ich, als wir weitergingen.
"Man kann es nicht direkt laufen nennen, aber sie steht hin und wieder auf, beziehungsweise, sie zeiht sich am Tisch auf und steht dann."
"Das ist toll, sie ist ein wunderbares Kind. Wo ist sie eigntlich heute?", fragte ich, als mir auffiel, dass Kiki heute noch kein Wort über ihre Tocher verloren hatte.
"Sie ist zu Hause bei meinem Göttergatten", antwortete sie lächelnd.
"Du kannst so froh sein, du hast einen Göttergatten, eine Göttertochter..."
"Gibt's das Wort überhaupt?", lachte Kiki.
"Das ist doch jetzt egal. Lass mich meinen melancholischen Vortrag über mein traurisches, einsames Leben fortsetzen."
Kiki nickte lachend. "Ich höre."
"Du hast so ein gutes Leben, und ich...ich habe Martin."
"Was ist schlecht an Martin?"
"Nichts. Es ist alles in Ordung, es ist nur..."
"Was?"
"Ach nichts."
"Hör mir gut zu! Du kannst mir nicht irgendwas von deinen Beziehungsproblemen vorjammern, dich aber weigern, mir zu sagen, worum es überhaupt geht, Fräulein Weiners!"
"Na schön. Er will keine Kinder."
"Was heißt, er will keine Kinder? Er ist Lehrer!"
"Ja, trotzdem hasst er Kinder."
"Ich sag es dir ja immer wieder, er ist und bleibt ein Trottel."
"Hör auf damit!"
Kiki zuckte mit den Schultern. "Naja, ist doch so."
Ich seufzte. Warum konnte sie ihn nicht einfach repektieren?
"Da ist noch was anderes. Ich habe Jonas beim Engerl-Bengerl gezogen. Was schenkt ma so einem Arsch?"
"Keine Ahung. Eine Nacht mit dir?" Kiki grinste.
"Ich bin doch keine Nutte!"
"Ja, schon klar."
"Außerdem hatte ich schon genug Nächte mit ihm", fügte ich leise hinzu. Zu meinem Glück ignorierte meine Freundin diese Wortmeldung aber.
"Schenk ihm doch irgendeinen Fußball oder so. Viele Männer spielen gerne Fußball."
"Mir wird schon noch was einfallen, und wenn nicht, kriegt er eine heftige Nackenschelle zu Weihnachten."
"Du kleines Luder", lachte Kiki.
"Er hat nichts besseres verdient. Nicht mal einen Fußball." Tortzig verschränkte ich die Arme.
Daheim überlegte ich, ob ich Martin fragen sollte, was man einem Mann so schenkte, doch dann wäre es nicht mehr geheim.
Aus irgendeinem Grund nahm ich dieses Spiel nämlich ziemlich ernst. Ich fand es ein schönes Gefühl, zu wissen, dass es auch jemanden gab, der sich darüber Gedanken machte, was er einem schenken würde.
Studenlang versuchte ich, einzuschlafen, doch ich konnte nicht. Neben mir hörte ich Martin schnarchen.
Leise stand ich auf und schaute aus dem Fenster. Es schneite. Wäre ich jetzt in einem Film, so dachte ich, würde ich jetzt auf den Dachboden steigen und beginnen das Haus zu dekorieren.
Wenn ich so darüber nachdachte, war es gar keine so schlechte Idee.
Also holte ich einenn großen Karton mit Weihnachtsdekoration aus der Abstellkammer und turg sie die Stufen hinunter. Ich wusste, dass Marti nichts davon mitbekommen würde, da er einen sehr tiefen Schlaf hatte. Um ehlich zu sein, war es der Mensch mit dem tiefsten Schlaf überhaupt, wenn ich so an alle Menschen dachte, die ich kannte.
Unten angekommen stellte ich die Schachtel auf den Boden und holte einige glitzernde Girlanden heraus.
Und da war sie. Die Weihnachtsstimmung.
Ich legte eine CD mit Weihanchsliedern ein und plötzlich erfüllte John Lennons wunderschöne Stimme den ganzen Raum.
So this is Christmas
And what have you done
Another year over
And a new one just begun
Dieses Lied brachte mich zum Nachdenken. Er hatte recht. Was hatte ich seit letztem Weihnachten getan?
Ja, ich hatte eine Menge getan, für meine Verhältnisse. Ich hatte eine Beziehung angefangen. Und ich war sehr glücklich damit. Meine beste Freundin hatte ein Kind bekommen und auch mein bester Freund würde bald Vater werden.
Aber hatte ich auch irgendetwas Größeres bewirkt?
Hatte ich die Welt in irgendeiner Hinsicht besser gemacht?
And so this is Christmas
I hope you have fun
The near and the dear one
The old and the young
So war Weihnachten.
Ich hoffte inständig, Spaß haben zu können. Denn irgendetwas bedrückte mich immer noch. Irgendetwas lag mir auf der Seele. Ich wusste nur nicht was.
A very Merry Christmas
And a happy new year
Let's hope it's a good one
Without any fear
Ich liebte dieses Lied. Es gab Kraft.
Und es drückte all die Gedanken aus, die jeder Mensch hatte. Welcher Mensch wünschte sich denn kein Leben in Frieden? Welcher Mensch wünschte sich nicht, ohne jegliche Befürchtungen in neue Jahr starten zu können?
John Lennon hatte so sehr für den Frieden gekämpft und letztendlich wurde er von dem Unfrieden der Welt weggenommen.
And so this is Christmas
For weak and for strong
For rich and the poor ones
The world is so wrong
And so happy Christmas
For black and for white
For yellow and red one
Let's stop all the fight
Er hatte mit allem recht, was er sang. Die Welt war so falsch.
Doch ich machte mir einen Neujahrsvorsatz, obwohl ich das eigentlich sonst nie machte.
Ich würde mich auf das Richtige der Welt konzentrieren, und versuchen, so das Falsche zu bekämpfen.
A very Merry Christmas
And a happy new year
Let's hope it's a good one
Without any fear
And so this is Christmas
And what have we done
Another year over
A new one just begun
And so happy Christmas
We hope you have fun
The near and the dear one
The old and the young
Ich summte zur Musik, während ich Girlanden um die Türrahmen schlang und weitere Dekoration auf die Kommoden stellte.
A very Merry Christmas
And a happy new year
Let's hope it's a good one
Without any fear
War is over, if you want it
War is over now
la, la, ah, ah
Happy Christmas
Happy Christmas
Happy Christmas
Wie recht es hatte. Der Krieg wird vorbei sein, wenn wir es wollen.
Ein Lächeln zeichnete sich auf meinen Lippen ab. Das war Weihnachten.
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