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Zufrieden betrachtete ich mich im Spiegel. Meine welligen Haare fielen elegant über mein glitzerndes Shirt. Ich sah okay aus, nicht sehr außergewöhnlich oder aufgetakelt, einfach nur okay. Aber für eine selbst veranstaltete Schüler-Disco musste man ja schließlich auch nicht besonders hübsch aussehen.
Es sei denn, Simon kam ebenfalls. Auch nein. Er war weder mein Freund, noch sonst irgendwer, für den ich mich hätte hübsch machen müssen, schließlich hatte er mich schon in allen möglichen Outfits gesehen. Elisa! Kommst du?", rief Lene von draußen. "Ja", antwortete ich sofort und verließ unser Bungalow.
Die Abschlussdisco fand in einem großen Raum statt, wo wir auch schon von den Schülern erwartet wurden. Ich liebte diese Abschlüsse von Schi- oder Projektwochen, auf denen man mal richtig tanzen konnte. Da aber schließlich Schüler zusahen, konnte man sich nicht so benehmen, wie man es tat, wenn man alleine ausging, aber trotzdem machte es jedes Mal unheimlichen Spaß. Da wir alleine waren, konnten auch wir über die Musik entscheiden. Ich setzte mich ans Mischpult und wartete auf Liederwünsche der Schüler.
Während ich einen Song nach dem anderen auswählte und abspielte, warf ich Simon immer wieder Blicke zu. Was das für Blicke waren, konnte ich nicht zuordnen.
Warum hatte ich ihn gestern geküsst? Ich liebte ihn nicht. Ich hatte vorher nie etwas für ihn empfunden, nur plötzlich wurde ich das Verlangen ihn zu küssen eingenommen. Was war bloß in mich gefahren? Ich hatte einen Freund, den ich von ganzem Herzen liebte und auch Simon war glücklich liiert.
Ich erwischte mich wieder, als ich ihm einen undefinierbaren Blick zuwarf. Was tat ich da nur? Energisch schüttelte ich den Kopf und konzentrierte mich wieder auf die Musik.
Trotzdem konnte ich den Kuss nicht vergessen. Es war passiert. Ich hatte meine Lippen auf seine gedrückt, weil... Naja, eigentlich wusste ich das gar nicht.
Ich nahm einen Liedwunsch der Schüler nach dem anderen an, doch konzentrierte mich nicht darauf. Mit eisernem Blick starrte auf den Bildschirm. Ich durfte ihn nicht anschauen. Ich durfte nicht. "Wollen Sie nicht tanzen Frau Weiners?", riss mich eine Schülerin aus meinen Gedanken. "Doch", antwortete ich kurz und stand auf, schließlich durfte ich nicht zu deprimiert deprimiert aussehen. Meine Fassade musste stets fröhlich wirken.
Ich bewegte mich weg vom Mischpult und begann zu tanzen. Ich war abwesend, ich hoffe nur, dass man mir das nicht zu sehr ansah. Ständig spitzelte ich zu Simon hinüber, der sich gerade mit Jonas unterteilt. Die nie dagewesene Lust am Tanzen verging schnell. Ich drehte mich um, um dich wieder ans Pult zu setzen. Doch da schaute ich in seine brauen Augen. Es lag etwas Liebevolles in seinem Blick, etwas das mich ein wenig zum Schmelzen brachte. Was war los mit mir?
Nun wollte ich. Ich wollte tanzen. Wir gingen schnell auf die Tanzfläche zu. Jedes Mal, wenn ich an seiner Haut streifte, spürte ich ein leichtes Kribbeln. Ich hatte keine Ahnung, ob er ebenso empfand. Ich wusste nicht, wie viel ich ihm bedeutete.
"Gut! Es ist schon spät!", ertönte Valentinas Stimme. Schnell lief ich zum Mischpult und schaltete die Musik endgültig ab.
Ein wenig enttäuscht verließ ich den zur Disco umfunktionierten Raum. Morgen würden wir wieder nach Hause fahren. Ich hatte ein wenig Angst.
Wenn wir uns von hier entfernen würden, würden sich Simon und ich uns auch wieder voneinander entfernen?
Schließlich hatten wir nichts, worauf wir aufbauen konnten. Wir hatten zuvor tiefgreifende Gefühle füreinander empfunden, geschweige denn eine Beziehung geführt. Seit ich ihn kannte, hatte ich ihn als guten Freund angesehen. Er hatte eine Beziehung, ich hatte eine Beziehung. Was war gestern passiert?
Mit dieser Frage legte ich mich ins Bett, jedoch konnte ich nicht schlafen. Diese Ungewissheit durchbohrte mich, zerfraß mich, ich verzweifelte förmlich daran.
Nach stundenlangem hin- und herdrehen schnappte ich mir mein Handy. Das Leuchten des Displays stach mir ins Gesicht. Ich verengte meine Augen auf schmale Schlitze und tippte eine Nachricht.
Simon, wir müssen reden.
Gefühlte Stunden drehte ich mich noch von einer Seite auf die andere, mit den Gedanken bei den Geschehnissen der letzten Tage.
Erschrocken schreckte ich auf. Ich hasste es. Ich hasste das Geräusch meines Weckers. Müde schaltete ich das nervige Ding ab. Da fiel es mir wieder ein.
Schnell räumte ich mein restliches Zeug in meinen Koffer, den ich nach meiner morgendlichen Schüler-aufweck-Tour zum Bus brachte.
Beim Frühstück fiel mein Blick sofort auf Simon. Auch er sah mich mit einem undefinierbaren Blick an. Wir mussten reden. Und das dringend.
"Simon..." "Werden wir", antwortete er, als könnte er meine Gedanken lesen. Nach diesem Worten trennten sich unsere Wege.
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