
• 58 •
Louis
»Du weißt, dass es nur noch drei Tage sind, oder?« Niall wackelte fragend mit den Augenbrauen.
»Ja.« Ich wandte den Blick aus dem Fenster. Die letzten Tage waren ungewöhnlich warm gewesen. Es war ziemlich beeindruckend, wie schnell so riesige Schneemassen schmelzen konnten. Der See hatte an einer Menge Wasser zugenommen. Einige Frühblüher steckten ihre Köpfe aus der Erde und schienen sich der untypischen Wärme in die Arme fallen zu lassen.
»Ich sag's ja nur.«, erwiderte Niall und folgte meinem Blick. »Sieht ganz so aus, als hätte die Natur für ihn den Frühling vorbereitet.«
»So poetisch diese Vorstellung auch sein mag, Harrys Geburtstag lässt nicht die Sonne um die Erde drehen, Niall. Du weißt, dass ich es nicht vergessen habe und es auch nicht vergessen werde. Bitte hör auf, darüber zu reden. Man weiß nie, wo die Leute ihre Wanzen angebracht haben.«
Er sah mich wenig beeindruckt an. »Also willst du mir sagen, dass Harry vielleicht den Gemeinschaftsraum verwanzt hat und jedes unserer Worte mithört, um auch ja das allerkleinste Geburtstagsgeheimnis drei Tage vorher zu erfahren?« Er zuckte mit den Schultern. »Ich würd's ihm zutrauen.«
Ich lachte über Nialls Niall-Sein. Er war zu liebenswürdig, um ihn nicht zu mögen. Er war einer dieser Menschen, die man ins Herz schloss, ohne es zu merken oder es zu wollen. Es passierte über längere Zeit hinweg, aber letztendlich hatte man ihn gern. Es war einfach seine Art.
Und um die positiven Seiten auszugleichen, hatte er seine verrückte Nervigkeit, die auch nicht selten zu Tage kam.
»Ich denke, es wird nochmal schneien.«, versuchte ich, von dem Geburtstagsthema abzulenken. »Es ist zu früh. Ende Januar ist noch lange kein Frühling. Es sind fast zehn Grad draußen, von Minus Fünf auf Plus Zehn ist nicht, wie ein normaler Frühling sich ankündigt.«
Niall zuckte gleichgültig über meine Wetterinterpretationen die Schultern. »Wenn Sie das so sehen, Dr. Tomlinson. Es ist mir egal, ob wir jetzt einen Rückfall in den Winter oder einen explosiven Start in den Hochsommer bekommen. Ich habe Hunger.«
»Das ist ja mal ganz was Neues.«
»Ja und? Lass mich doch Hunger haben. Komm. Wir besorgen uns was zu essen.« Er stand von der gepolsterten Couch auf und ich tat es ihm gleich. Sofort wurden unsere Plätze von neuen Schülern eingenommen.
Schweigend machten wir uns auf den Weg zum Speisesaal. Ohne wirklichen Zusammenhang musste ich an das belauschte Gespräch von Niall und Harry denken.
Sollte ich Niall danach fragen? Jetzt war ein günstiger Zeitpunkt.
Doch ich schüttelte den Kopf, bevor ich eine Frage aussprechen konnte. Ich würde Harry hintergehen, wenn ich Niall jetzt danach fragen würde, nicht wahr?
»Hey, sieh mal, wer da die gleiche Idee hatte!« Niall zeigte mit ausgestrecktem Finger auf Harry und Liam, die, jeder einen Apfel in der Hand, an den Buffettischen lehnten, auf denen jetzt nur ein paar Kekse und Obst standen.
Wir gesellten uns zu ihnen.
»Ni. Lou.«, lächelte Harry zur Begrüßung und biss in seinen Apfel. Ich griff um Liam herum in eine der Obstschalen und angelte mir einige Weintrauben.
»Was habt ihr Zwei gemacht?«, fragte Niall und sah Harry und Liam interessiert an, während er sich einen halben Haferkeks in den Mund schob.
Liam und Harry begannen über ihren eingeteilten Gartendienst zu erzählen und welche Probleme das plötzliche Tauwetter auslöste. Ich konnte meine Aufmerksamkeit nicht lange binden, mein Blick fiel auf Harry. Er war abwechselnd damit beschäftigt, zu Liams Erzählungen beizusteuern und seinen Apfel zu essen. Seine Lippen glänzten von dem klaren Saft der Frucht.
Ich wollte mit ihm alleine sein.
Ich lehnte mich ein Stück zu ihm rüber, schlang ihm einen Arm um die Taille und zog ihn von Liams Seite an meine. Zufrieden steckte ich mir eine weitere Weintraube in den Mund. Ich massierte sanft Harrys Hüftknochen, während ich Liam jetzt überhaupt nicht mehr zuhörte. Meine Hand ließ sich nicht durch Harrys Pullover aufhalten, seine Haut darunter war warm und weich.
Meine Liebkosungen schienen ihn nicht zu stören, nur die letzten Bissen seines Apfels aß er ein wenig zaghafter. Gott, ja, ich wollte mit ihm alleine sein. Ein Nachmittag mit Niall war nett, aber es gab Dinge, die man nicht vergleichen konnte – und sollte.
Mein Daumen verhakte sich in seinem Hosenbund direkt auf dem markanten Hüftknochen. Das schien jetzt Auslöser genug zu sein, um ihn mich endlich ansehen zu lassen. Sein Mund formte vorwurfsvoll und ermahnend meinen Namen, ohne ein hörbares Geräusch zu machen. Ich grinste und fand nun den Gummizug seiner Boxershorts. Seine Augen wurden groß, als auch er das begriff.
Ich beugte mich hinunter zu seinem Ohr. »Vielleicht wollen wir lieber-«
»-hochgehen?«, beendete er die Frage für mich und nickte noch im selben Atemzug. »Ja.« Ich drückte einen Kuss auf eine der Schokoladenlocken und erwiderte sein Nicken.
»Wir müssen noch Physik lernen.«, sagte ich nun wieder in einer Lautstärke, die auch für Liam und Niall bestimmt war. Das eigentliche Gespräch hatte sich nur zwischen ihnen weiterentwickelt. Ich sah Harrys vorwurfsvollen Blick. Ich zuckte mit den Schultern. Das war eben die erstbeste Ausrede, die mir eingefallen war.
Niall und Liam wandten uns skeptisch ihre Blicke zu. »Es gibt keinen Grund, Physik zu-«, begann Niall, wurde aber von Liam unterbrochen.
»Ach, Niall, lass die beiden ruhig Physik lernen, wenn sie das wollen.« Er zog fast lasziv die Augenbrauen in die Höhe. Aber ich hatte garantiert bessere Dinge zu tun, als mich von meinen Freunden aufziehen zu lassen, also zog ich Harry wortlos mit mir zurück zu den großen Türen des Speisesaals, den Daumen noch immer in seiner Hose.
Die Treppen nach oben bestiegen wir ohne ein Wort zu wechseln. Meine Finger kribbelten wie die Blase, die uns zu umgeben schien.
Sobald unsere Zimmertür hinter uns geschlossen war, löste Harry sich von mir. »Also.«, er strich sich eine Locke aus der Stirn hinters Ohr, aber sie war zu kurz und fiel ihm wieder in die Stirn. »Dann wären wir Liam und Niall jetzt-«
Ich zog ihn an der Hüfte zu mir, bevor er ausreden konnte und legte meine Lippen zu einem leidenschaftlichen Kuss auf seine. Der süßsaure Geschmack des Apfels benetzte seine Lippen wie ein dünner Film. Ich nahm seine Unterlippe zwischen meine Zähne und saugte an dem süßen Teil Harrys Körpers. Unser ebenbürtig stockhafter Atem schien einander ausstechen zu wollen.
Doch dann drückte Harry sich von mir. Atemlos und überrascht sah er mich an. »Was war das?« Seine Stimme klang anders als ich sie gewohnt war – aber um ehrlich zu sein wollte ich sie nie wieder anders hören. Hilfe.
Als er zu begreifen schien, dass ich nicht vorhatte, ihm zu antworten, spezialisierte er seine Frage. »Wofür war das?«
Man ist nur einmal sechzehn, dachte ich, sprach die Worte aber nicht aus. Stattdessen grinste ich nur. »Darf ich dich nicht küssen?«
»Du darfst mich küssen.« Die Worte schienen ein wenig zu stocken. »Ich habe bloß nicht erwartet, dass du mich so küsst.«
»Darf ich dich denn nicht so küssen?«, fragte ich mit demselben Grinsen weiter.
»Doch, das darfst du, aber...« Er sprach nicht weiter. Sein Blick schien Erklärungen auf seinen Körper in meinem Gesicht zu suchen. Das Grün seiner Augen stand in sündhaftem Kontrast zu den rosigen Lippen.
»Aber was?«, fragte ich und trat wieder einen Schritt auf ihn zu. »Was ist das Aber?«
Er sah mich noch für einen Moment an, dann schüttelte er den Kopf. »Nichts. Es gibt kein Aber. Nicht mit dir. Ich will«, seine Lippen streiften meine, »deine Küsse.« Und damit küssten wir uns wieder.
Es war schwer zu beschreiben, wie anders es sich anfühlte, meinem Körper mit Harry freien Lauf zu lassen. Ich hatte schon so viele Menschen geküsst, hatte so viel mehr mit ihnen getan. Aber trotzdem stand ich in elektrisierenden Flammen, wenn es Harry war. Jede Faser meines Körpers wusste, dass die Gefühle dabei die Brandstifter waren.
Das Verlangen machte sich schnell wie ein Steppenbrand in mir breit. Süße Lust, deren Herd ganz eindeutig in meinen Lenden kochte. Immer wieder trennten unsere Lippen sich voneinander, küssten, leckten und saugten Kiefer, Wangenknochen und Hals, doch sie kehrten immer wieder zueinander zurück.
Mein Atem hatte schon lange keinen gleichmäßigen Rhythmus mehr, als ich Harry leicht gegen die Wand in seinem Rücken drückte und mein rechtes Bein zwischen seine Beine schob. Ein Stöhnen, das ich beinahe überhört hätte, öffnete seine Lippen gegen meine. Mein Unterleib zog sich stichelnd zusammen und ich spürte, wie ich langsam hart wurde. Harry machte mich fertig.
Sein halb unterdrücktes, aber noch immer schwebendes Keuchen war wahrscheinlich eines der besten Geräusche, die ich jemals gehört hatte. Es begleitete meine Hände und Lippen auf ihren Wegen über seinen Körper und wies mir ganz genau, was ich ich wo tun musste. Harry versuchte, mit mir mitzuhalten und mir so viel Genuss zu verschaffen, wie ich es bei ihm tat, aber immer wieder fiel er widerstandslos zurück gegen die Wand und überließ mir alle Kontrolle. Ich spürte, wie es ihn überwältigte.
Doch nicht nur sein Keuchen und das Flattern seiner Lider verriet mir den Effekt meiner Berührungen. Seine Erektion war an diesem Punkt schon lange nicht mehr zu leugnen und sorgte dafür, dass alles in meinem Kopf einem kompletten Kurzschluss zu unterliegen schien. Federleicht strich ich über den dunklen, ausgebeulten Stoff seiner Jeans, während meine Lippen daran arbeiteten, die empfindliche Haut an seinen Schlüsselbeinen zu verfärben. Ein Geräusch tief aus seiner Brust entwich Harry und fast wäre mir die Luft weggeblieben.
Also ließ ich auch meine zweite Hand nach unten wandern und zog neckend an dem Hosenbund. Mein Bein in seinem Schritt entlockte Harry ein weiteres Stöhnen. Verdammt, sein Stöhnen würde mir ganz sicher noch den Verstand rauben.
Meine Lippen kehrten zu seinen zurück, um die Mischung aus Apfel und Sensation aus seinem Mund zu schmecken. Zur gleichen Zeit bewegte sich mein Bein sanft weiter und meine Hände fanden ihre Bestimmung an dem Knopf seiner Jeans.
»Louis«, mein Name stolperte über seine vollen Lippen, als hätte er ihn noch nie ausgesprochen – aber gleichzeitig, als wäre es das einzige Wort, das er noch kannte. Er drückte mich sanft von sich.
Das Grün seiner Augen brannte ebenso wie es träge wirkte. Er schien ein paar Sekunden zu brauchen, um seine Zunge wieder unter Kontrolle zu bekommen. »Das ist nicht... Ich bin- Wir sind zu schnell.«
Auch ich brauchte meine Zeit, um das Konzept von Sprache, Hören und Verständnis der Worte wieder in meinen Kopf zu bekommen, bis ich verstand, was er gesagt hatte.
Sein Blick suchte seine Füße, dann wieder meine Augen. »Es tut mir leid.«
Aber dieses Mal hatte ich ihn sofort verstanden. Hektisch schüttelte ich den Kopf. »Nein. Nein, es ist okay.« Ich hörte den rauen Klang meiner eigenen Stimme, der Harry nur eine noch schuldbewusstere Miene aufs Gesicht legte. »Nein, Harry, alles ist gut. Das ist deine Entscheidung. Wir sind dir zu schnell, also gehen wir es langsamer an. Alles okay?«
Er nickte nach kurzem Zögern, auch wenn die Schuld noch immer auf sein Gesicht geschrieben stand. Aber dann fiel sein Blick erst auf meinen, dann auf seinen Schritt. Wir wussten beide, dass es zu spät war, als dass sich die Erektionen von alleine regeln würden.
»Ich werde duschen gehen.«, murmelte Harry und entschlüpfte meinen Armen, um sich ein Handtuch zu schnappen.
»Ich kann dich begleiten.«, bot ich vorsichtig an, denn mein Unterleib schmerzte danach. Ich griff nach seinem Handgelenk und küsste seine Lippen kurz und süß.
Aber er schüttelte den Kopf. »Nein, Lou.« Er lächelte schwach und entwand sich meinem Griff. Dann verließ er das Zimmer mit dem Handtuch fest zwischen seinen Fingern.
Ich rührte mich nicht vom Fleck. Denn es gab genau eine Sache, die ich noch mehr wollte, als ihm zu folgen, und das war, Harry zu respektieren und ihn niemals zu irgendetwas zu nötigen, das er nicht wollte.
Also schloss ich mit leisem Seufzen die Tür und ließ mich auf mein Bett fallen. Ich brauchte keine große Vorstellungskraft für Harry unter der warmen Dusche, deren Wasserrauschen gleich so gut es ging seine Geräusche vor den potentiellen anderen Jungen im Waschraum verbergen würde. Ich öffnete meine Hose und musste meinen Mund kontrollieren, als ich mich endlich berühren konnte.
Ich schloss die Augen und hatte nur einen einzigen Jungen in meinen Gedanken, während ich stetig meinen Orgasmus aufbaute.
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Süß. Ein Kapitel, das mit Niall beginnt und einem masturbierenden Louis endet.
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