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• 27 •

Harry

Mit angewinkelten Beinen und der Wand im Rücken saß ich auf meinem Bett. Einer meiner Skizzenblöcke lag auf meinen Beinen.
Es war nur eine simple Übungszeichnung für perspektivische Räumlichkeit und kleine Detailvertiefungen. Ich hatte dieses Zimmer schon so oft von hier aus gezeichnet, aber kein einziges Mal seit Louis hier war.

Das Zimmer sah erstaunlich anders aus. Das zweite Bett war bezogen und die Decke lag unordentlich auf der Matratze. Auf dem runden Tisch waren nicht nur wie früher meine Malsachen und Bücher verstreut, sondern auch Louis' zerknitterte Kleidungsstücke und einige leere Tassen. Über einer der Stuhllehnen hing sein Paar Turnschuhe, an den Schnürsenkeln zusammenknotet.
Louis hatte eine bestimmte Unordnung mit sich gebracht, die mir gar nicht so schlecht gefiel.

Ich wusste nicht mal, wo er gerade war. In einer halben Stunde würde es Mittag geben – auch wenn die Essenszeiten jetzt in den Ferien viel flexibler waren. Sicher würden wir uns dann im Speisesaal sehen. Ich musste kurz überlegen, welcher Tag heute war. Montag. Die anderen Schüler (und Lehrer) würden erst am Samstag wiederkommen, was noch einige Tage hin war. Außer Niall, der kam am Freitag schon, weil er mit seinen Flügen aus Irland nicht so variabel anpassungsfähig war.

»Hey Harry« Louis kam mit gesenkten Schultern ins Zimmer.

»Nicht hinsetzen!«, rief ich panisch, als er sich gerade auf sein Bett fallen lassen wollte, an dem ich gerade zeichnete. Jede kleine Stofffalte der unordentlichen Decke würde sich verändern und das wäre alles andere als hilfreich. Louis sah mich erschrocken an.

»Was?! Wieso nicht? Züchtest du jetzt Skorpione in meinem Bett?«

Ich schüttelte den Kopf. »Ich zeichne.«
Louis verdrehte übertrieben die Augen.

»Immer diese Künstler!« Theatralisch fuhr er sich durch Gesicht und Haare, als wäre er komplett am Ende seiner Nerven. Ich musste grinsen und setzte mich gerade hin.

Ich schnalzte genervt mit der Zunge. »So ein nichtswissender Primitivling! Schätzt die Kunst so wenig, wie er sie versteht.« Ich bemühte mich, die angewiderte Grimasse aufrecht zu erhalten, aber dann musste ich wieder grinsen. Auch Louis grinste.

»Wo darf ich mich denn gefahrenfrei hinsetzen, Monsieur Künstler?«, erkundigte Louis sich und schaute sich fragend im Raum um. »Ich will schließlich kein Motiv zerstören.«

Ich dachte kurz darüber nach, dann klopfte ich neben mich auf die Matratze meines Bettes. Hier konnte Louis die Stofffalten zerstören so viel er wollte. Er nickte und setzte sich neben mir aufs Bett. Ich versuchte ihn nicht zu beachten und einfach weiter zu zeichnen, aber ich spürte seinen interessierten Blick auf mir und meinen Fingern. Das machte mich unruhig.

Aber wirklich nervig wurde es erst, als er begann mit seinen Fingern auf dem Rücken eines Buches, das ich noch nicht bemerkt hatte, herumzuklopfen.
Ich seufzte und setzte den Stift ab.

»Lou, ich kann mich so nicht konzentrieren.«, jammerte ich beklagend und er hob die Augenbrauen.

»Tut mir leid, aber ich bin deprimiert.«

»Wieso?«, fragte ich aus ehrlichem Interesse und er lachte verzweifelt.

»Wieso? Weil ich heillos überfordert mit dem Chemieaufsatz bin! Ich habe den ganzen Vormittag in der Bibliothek gesessen und weiß immer noch nicht mehr als vorher. Ich verstehe nichts
Ich nickte verständnisvoll.

»Weißt du, ich könnte dir helfen, wenn du willst.«, bot ich an und zeichnete wieder weiter.

»Würdest du das tun?«

»Nein.«, sagte ich mit trockenem Sarkasmus. »Natürlich nicht, das war nur ein Spaß.«

Er sah beeindruckt aus. »Wow, sehr gut! Klein-Harry lernt vom großen Meister!« So ein Trottel. Nur weil er sarkastisch sein konnte, hieß das nicht, dass alle anderen das nicht konnten.

»Bilde dir nichts drauf ein, großer Meister. Und ja, ich kann dir gerne helfen.«

»Das wäre wirklich super, danke Harry. Könnten wir uns vielleicht nach dem Essen zusammen in die Bibliothek setzen und anfangen?«

Ich nickte, während ich mit feinen Linien einen auf dem Tisch liegenden Pullover skizzierte. »Du solltest dich wirklich beeilen mit Chemie, wir fangen nach den Ferien in Englisch mit Romeo und Julia an und da musst du aufpassen, dass du mitkommst.«

»Mache ich. Danke Harry.«, sagte er wieder und ich antwortete nicht mehr.
Jetzt lenkte Louis mich nicht mehr ab. Er klopfte nicht mehr mit den Fingern. Er sah mich zwar noch an, aber es störte mich nicht wirklich.
Minuten verstrichen. Ich versank in meinem Abbild des Zimmers und der Bleistift wurde immer leichter in meiner Hand.

»Du kannst das wirklich gut, Harry. Zeichnen.«
Überrascht sah ich auf. Louis' Anwesenheit hatte ich schon fast vergessen.

»Danke..?«, sagte ich mit schwachem Lächeln und bemerkte, wie er die vielen Blätter an den Wänden betrachtete. Die Bleistiftzeichnungen und Bilder mit Wasserfarbe.

»Ich meine das ernst, Harry. Was malst du alles? Natur offensichtlich.« Mein Blick blieb an der Zeichnung einer Hyazinthe hängen, die nach der Skizzierung noch etwas rosa Färbung abbekommen hatte.

»Ich zeichne einfach Dinge, die ich schön finde. Und die Natur ist eben wunderschön, also zeichne ich viel davon. Wenn ich etwas so schön finde, dass ich es festhalten möchte, dann bringe ich es auf Papier.«

»Du zeichnest unser Zimmer. Ist mein nicht gemachtes Bett so schön, dass du es festhalten möchtest?«

Lächelnd winkte ich ab. »Das ist ja nur zur Übung. Richtige Bilder datiere ich.« Ich zeigte auf die kleinen Daten in den Ecken jedes einzelnen an der Wand hängenden Bildes. Wahrscheinlich hörte Louis mir nicht mal richtig zu, was ich ihm aber auch nicht vorwerfen würde.

»Erzähl mir etwas, Louis. Erzähl von deinem Leben in London. Deine Freunde, deine Eltern.«, forderte ich ihn ohne Nachdruck auf. Nur aus reinem Interesse.

Louis schien kurz zu überlegen, womit er anfangen sollte. Dann rutschte er erst zum Kopfende des Bettes und legte sich mit leicht angewinkelten Beinen hin. Seine Füße streiften meine Hüfte ganz leicht.
Er schwieg noch kurz, ich zeichnete einfach weiter, wartete auf ihn.

»Warst du schon mal in London, Haz?«, fragte er und bei dem Kosenamen sah ich lächelnd auf. Er hatte die Arme hinter seinem Kopf verschrenkt und die Augen geschlossen. Die zarten Lippen waren zu einem sanften, nostalgischen Lächeln geformt.

»Ja« Ich setzte den Stift wieder aufs Papier. »Aber es ist schon ewig her, ich kann mich nicht mehr richtig erinnern. Ich war vielleicht vier.«

Wieder schwieg er kurz, dann begann er zu erzählen. Ich hörte him zu, während das Abbild unseres Zimmers auf meinem Skizzenblock immer weiter Gestalt annahm.

»London ist eine Stadt für sich. Es ist groß, so viele Leute sind dort und es kann sehr schnell anstrengend werden. Aber London ist trotzdem die schönste Stadt, die ich kenne. Die Stadt selbst war schon immer mehr mein Zuhause als das Haus meiner Eltern. Ich wurde in Bristol geboren, aber wir sind bevor ich ein Jahr alt war nach London gezogen, weil mein Vater dort businessmäßig besser platziert war. Ich habe praktisch schon immer in der Hauptstadt gelebt.

Wir wohnen in einer weißen Villa, etwas pompös, wenn du mich fragst. Aber ich habe den Wohlstand schon immer genossen. Ich bin nicht in die Grundschule gegangen, sondern hatte Privatunterricht. Allerdings war ich nicht der fleißigste und höflichste Junge und meine Eltern dachten, das läge an der Abstinenz von Gleichaltrigen. Dabei zogen sie nicht in Erwägung, dass ihr Sohn entweder einfach ein kleiner Draufgänger war oder sie selbst daran Schuld waren, weil sie mir nie viel Liebe entgegengebracht haben. Wahrscheinlich war es von beidem ein bisschen.

Dann bin ich richtig zur Schule gegangen, aber das hat mein Verhalten nicht verbessert. Ich hatte einen Haufen Freunde, halb London ehrlich gesagt. Ich hatte nie etwas wie einen besten Freund – oder eine beste Freundin. Viele der Freundschaften waren mehr als oberflächlich. Ich hatte Geld, das machte mich in allen erdenklichen Wegen attraktiv. Aber ich wusste immer, dass ich deswegen so viele ›Freunde‹ hatte, es störte mich nie. In London braucht man in unserem Alter eine gewisse Beliebtheit, um zu überleben. Und ich war sehr beliebt.

Fürs Lernen und Hausaufgaben war ich mir zu gut, ich bin sowieso selten zuhause gewesen. Meine Schulnoten sind immer ziemlich schlecht gewesen, was meine Eltern ganz und gar nicht erfreut hat. Dann irgendwann kam die Sache mit den Drogen, ja, Drogen, sieh mich nicht so an, Bambi.

Ich bin da in etwas reingeraten, das wahrscheinlich alles gar nicht so schlimm gewesen wäre, wäre ich ein normaler Teenager gewesen. Gedealt habe ich nie wirklich offiziell. Und ich habe auch nicht tief im Drogenkonsum gesteckt, das war alles nicht so wild. Aber meine Eltern sahen das ganz anders. ›Louis, du bist unser einziger Sohn und weißt, dass du in in gewisser Zukunft in unsere geschäftlichen Fußstapfen treten wirst, um unseren Familiennamen abzusichern.‹«, säuselte er die Stimmen seines Vaters nach. »›Und diesem Namen schadest du erheblich mit diesem Umgang mit Drogen.‹

Also, sie verbaten mir jeglichen Kontakt zu Drogen, ich hatte viel Hausarrest und manche von meinen sogenannten Freunden verbaten sie mir ganz und gar zu sehen. Ich habe mich an das wenigste davon gehalten, nur von den Drogen habe ich mich distanziert, weil ich selbst nicht wirklich zufrieden damit war.

Neben den Drogen kamen zu der ganzen Sache immer mal ein paar kleinere kriminelle Vorfälle dazu und anscheinend war es meinen Eltern irgendwann alles zu viel und sie haben mich kurzerhand in ein Internat abgeschoben. Den Rest kennst du.

Und wenn Louis nicht gestorben ist, dann unterhält er sich gerade mit dem Jungen, den seine Eltern sich eigentlich als ihren Sohn gewünscht hätten. Ende.«

Ich hatte den Stift abgesetzt. Ich dachte über alles nach, was Louis gesagt hatte. Jedes einzelne Wort schien den Jungen vor mir endlich klarer werden zu lassen. Ich wusste so wenig über ihn. Und doch wirkte der Louis, den ich kannte, nicht wie ein Drogendealer oder Krimineller. Nicht mal die schlechten Noten ergaben einen Sinn für mich. Ich war fest davon überzeugt, dass Louis sehr intelligent war.

Und dann gab es noch diese eine Sache, die ich unbedingt wissen wollte. Mir war bewusst, dass ich wahrscheinlich nicht fragen sollte, aber natürlich tat ich es trotzdem.

»Und die Homophobie? Woher kommt die? Wenn in London so viele verschiedene Menschen leben, dann müsste man doch quasi zur Toleranz gezwungen werden.«
Louis runzelte die Stirn, als wäre das Wort Homophobie ein zu hartes Wort. Aber ich wusste, dass es ein unschönes Wort für die nackte Wahrheit war. Louis hatte mir bereits an seinem zweiten Tag hier bewiesen, dass er sehr wohl homophob war.

»Ja«, setzte Louis zur Antwort an. »Irgendwie wird man zu Toleranz gezwungen. Aber in einem Umfeld wie meinem war alles, wozu einen die Gesellschaft zwang, absolut tabu. Ich schätze, homophob zu sein war...cool.«

Ich nickte, als würde ich verstehen, was er sagte. Aber in Wahrheit verstand ich es überhaupt nicht. Hass, egal in welcher Form, sollte man niemals annehmen, ohne das Gehasste zu hinterfragen und zu versuchen, die Perspektive zu wechseln. Wenn ich Eines wusste, dann das.
Vielleicht klang es wie eine klischeehafte Phrase, aber man würde sich wundern, wie viele dieser Phrasen wirklich zutrafen, wenn man sich selbst in ihnen wiederfand.

»Lass uns nicht über solche Dinge reden, Harry. Komm mit, wir gehen runter und schauen, was es zum Essen gibt, okay?«

Erst wollte ich noch widersprechen, denn ich fand es wirklich gut, dass Louis sich mir gerade so öffnete und mir gegenüber so ehrlich war, aber manchmal sollte man mit seinem Glück nicht spielen. Also nickte ich, klappte mein Skizzenbuch zu und ließ mich von Louis vom Bett auf meine Beine ziehen.

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