
Epilog
2 Jahre später
Finlay
Mein Herzschlag kann mit dem Geräusch des Windes und des Meeres mithalten, so laut dröhnt er in meinen Ohren, mein Haar wirbelt mir um den Kopf herum, ruiniert vollkommen meine Frisur. Nicht dass überhaupt jemand auf meine Frisur schauen würde, außer Ella. Dafür ist mein Kilt viel zu auffällig.
Der kalte Wind dringt durch mein Jackett, bis durch den dünnen Stoff meines Anzughemdes. Ich nehme es nur am Rande wahr, meine Sinne sind damit viel zu beschäftigt auf ein Zeichen zu hören, dass es losging. Dass es endlich passierte, worauf ich jahrelang gewartet hatte. Doch das Einzige was meine Ohren wahrnehmen ist das Geräusch des Windes und das der Wellen, vermischt mit den Gesprächen der Gäste.
„Dieser Ort ist unreal, Fin. Wirklich.", höre ich plötzlich die Stimme meines Schwiegervaters an mein Ohr dringen. Ich lache leise auf. „ Aye. Die Isle of Skye ist nicht umsonst die größte Insel der inneren Hebriden.", mein Kilt kratzt an meinem Oberschenkel und so langsam werde ich ungeduldig.
„Ich glaub ich kauf mir auch einen Kilt. Diese Dinger scheinen ein echter Frauenmagnet zu sein und Zoe und ich...", „West!", unterbreche ich ihn hastig. „Ich schätze dich echt als Schwiegervater und ich versteh mich echt gut mit dir, aber um Gotteswillen ich will nichts mehr über das Sexleben zwischen dir und deiner Frau und der Mutter meiner zukünftigen Frau und somit auch Schwiegermutter wissen!", rufe ich etwas lauter aus. Meine Schuhe knirschen im Gras unter mir. Eine Brise vom Meer weht zu mir herüber, lässt Meeresluft in meine Nase steigen. Talisker Bay war schon immer einer meiner Lieblingsorte in ganz Schottland gewesen. Ich war froh, dass ich diesen Ort vor meiner Blindheit bereits gesehen hatte.
Ein lautes, tiefes Lachen ertönt plötzlich neben mir und plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter. „Ich hab nur einen Witz gemacht, alles gut.", dringt West's Stimme an mein Ohr, dann wird seine Stimme plötzlich ein ernster. „Fin, du weißt ich liebe dich wie einen zweiten Sohn. Ich könnte mir niemanden Besseren für meine Tochter vorstellen als dich. Deshalb bin ich froh, dass du sie heute endlich zu deiner Frau machst", er tätschelt mir anerkennend auf die Schulter und verschwindet schließlich wieder zurück zu seiner Position.
Unruhe breitet sich immer mehr in meinem Inneren aus. Ich würde nicht mehr lange warten. Wenn sie nicht in den nächsten fünf Minuten erschien, würde ich sie eigenhändig zum Altar schleppen. Oder zumindest zu dem improvisierten Altar, an dem nun ihr Dad stand, der uns trauen würde. Die meisten Schotten würden die Hände über ihren Kopf zusammenschlagen, denn unser Völkchen war sehr religiös. Zwar nicht mehr so schlimm wie früher, aber Jesus war immer noch ein stetiger Begleiter für viele von uns und so jemanden wie West Taylor als den Priester für seine Hochzeit zu bestimmen war vermutlich eine Todessünde.
Ein plötzliches Geräusch ein paar Meter neben mir, reißt mich aus meinen Gedanken. Mein Atem bleibt vor Aufregung in meiner Kehle stecken, denn das Geräusch was ich neben mir höre ist das leise Schniefen von Zoe. FUCK!
Ich hebe meinen Kopf, mein Herz springt mir fast aus meiner Brust. Eine liebliche schottische Musik erklingt neben uns und obwohl ich nur die Umrisse von ihr sehe und ein paar unscharfe Züge ihres Gesichtes und Körpers, ist es als ob die Sonne plötzlich über dem Meer aufgehen würde. Ich komme mir vor wie ein Arschloch, weil ich ihr vermutlich wunderschönes Kleid nicht erkennen kann, aber dann erinnere ich mich wieder daran, dass es nicht wichtig war, dass ich Ella sah. Das einzige was wichtig war, dass ich ihren Herzschlag an meinem spürte. Dass sie jeden Abend in meinen Armen einschlief und jeden Morgen neben mir aufwachte. Ich liebte Ella Taylor mit jedem verdammten Atemzug, den ich tat und heute würde sie endlich Ella Macaulay werden. Meine Frau.
Die Musik hört auf, als sie vor mir zum Stehen kommt. Meine Hände zittern als ich ihre umfasse.
„Du weißt dieser Sixpence in meinem Schuh ist echt nicht lustig! Was ist das überhaupt für eine komische Tradition ein Geldstück bei der Braut in den Schuh zu stecken?!", stöhnt Ella auf. „Diese Schuhe sind schon so schlimm genug, aber noch schlimmer, wenn man hochschwanger mit Zwillingen ist. Ich schwöre es dir Finlay Macaulay, wenn meine Fruchtblase bei meiner Hochzeit wegen diesem dämlichen Sixpence in meinem Schuh platzt ..."
„Ella mo ghraidh du bist noch nicht mal im siebten Monat, die Babies sind noch längst nicht fertig."
„Hör auf von deinen Töchtern zu reden, als ob sie ein Gebäck im Ofen wären !", schreit sie mich schließlich schrill an und fängt plötzlich an zu weinen.
Ich rolle innerlich mit den Augen, den Ella war die emotionalste Schwangere auf diesem Planeten.
„Schwangerschaftshormone...was für eine Freude...", höre ich ihren Dad leise neben mir aufseufzen.
„Es tut mir leid Finlay, ich bin einfach nur so emotional, weil heute einfach der schönste Tag in meinem Leben ist Und dann dieser Ort hier...", schnieft sie.
Ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus, als ich ihre Stimme nun voller Liebe zu mir dringen höre.
„Ich weiß mo ghraidh, ich weiß.", meine Finger fahren sanft über ihr Gesicht und ich drücke ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Wie wäre es wenn wir anfangen, Ella Prinzessin?", höre ich plötzlich West's Stimme sanft zu uns dringen.
Sie sagt nichts, sondern muss stattdessen nicke, denn plötzlich fängt ihr Dad an zu sprechen. Er hält die Zeremonie fast wie ein wirklicher Priester und als wir an der Stelle angekommen sind, an der wir die Ringe eigentlich austauschen sollen, höre ich plötzlich leise mir bekannte Schritte neben mir. Ein stolzes Gefühl durchdringt mich, als Cailean vor uns zum Stehen kommt. In den letzten zwei Jahren war ich mehr und mehr ein Vater für ihn geworden. Er nannte mich sogar manchmal „Dad".
„Perfektes Timing Cai", sage ich mit weicher Stimme und umfasse Ella's Hände. Cailean legt das vorbereitete Band über unsere Hände und macht einen leichten Knoten.
„Danke.", sage ich zu Cailean und wende mich schließlich Ella wieder mit pochendem Herzen zu.
„Ella, du bist mein Sonnenschein, meine Liebe. Der Mensch, der mich zu einem besseren Ich macht. Du hast mir gezeigt, dass ich nicht nur Wut in mir trage, sondern auch Liebe. Für dich, für Cailean, für Boyd...", ich hebe meinen Kopf kurz und wende meinen Blick rechts hinter mich, wo sich meine zwei Trauzeugen, Logan und Boyd befinden. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass Boyd wirklich auf meiner Hochzeit war. Es sagte verdammt viel über ihn als Menschen aus, dass er heute so hier stand und seinem besten Freund dabei zusah, wie der seine Ex Frau heiratete. „Und für unsere Töchter.", sage ich schließlich und lege meine Hand auf ihren Bauch. „Ich liebe dich Ella Macaulay. Für jetzt und für immer."
Ella schnieft leise vor sich hin. „Finlay...", fängt sie an zu schluchzen. „Mein dunkler Krieger. Mein bester Freund, mein Seelenverwandter, meine Liebe. Der Mann, der mir nicht einmal, sondern dreimal Babies geschenkt hat. Der mich trauriger aber auch gleichzeitig glücklicher gemacht hat, als ein anderer Mann es je getan hat. Ich liebe dich, wie ich noch nie einen Mann geliebt habe und ich werde so lange ich lebe die Welt niederbrennen um mit dir zusammen zu sein."
Ein lautes Schniefen ertönt plötzlich über uns, gefolgt von einem Räuspern und der kratzigen Stimme ihres Vaters.
„Durch das mir verliehene Amt, ernenne ich euch nun zu Mann und Frau. Fin du darfst Ella Prinzessin nun küssen."
Und das tue ich. Mit jeder verdammten Faser meines Herzens.
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