
zehn.
Harry || Eine Büschel Haare in meinem Mund ist das erste, was ich nach dem Aufwachen wahrnehme.
Das Zweite ist ein energisches Klingeln an meiner Haustür, das mich kurz befürchten lässt, dass jemand versucht, es zu stürmen.
„Was bitte ist da so laut?", murmelt jemand, der sich gefährlich nah neben mir befindet.
Sofort ist jeder Gedanke an eine mögliche Belagerung durch Paparazzi vergessen und ich merke, wie mein Herz kurz stockt und dann hektisch anfängt zu schlagen.
Auf einen Schlag erinnere ich mich an den gestrigen Abend. Und an einige Entscheidungen, die ich schon jetzt anfange zu bereuen.
„Ich hoffe, es ist kein Einbrecher", merke ich langsam an.
Als hätte Liz nicht erwartet, dass ihr überhaupt jemand antworten würde, setzt sie sich ruckartig auf.
„Morgen", sage ich und versuche, möglichst cool zu klingen. Als würde ich mich nicht innerlich für jede Entscheidung umbringen, die ich gestern Nacht getroffen habe.
„Sternchen! Was machst du in meinem Bett?", kreischt sie.
„Genau genommen liegen wir in meinem Bett", entgegne ich.
Dann zwinge ich mich, nicht auf ihre völlig entblößten Brüste zu starren. Elizabeth folgt meinem Blick und reißt sich die Bettdecke bis zum Kinn hoch.
„In meinem Schlafzimmer. In meinem Haus", füge ich hinzu, denn ihr Gesichtsausdruck lässt mich befürchten, dass sie nicht die Hälfte von dem mitbekommen hat, was ich gerade gesagt habe.
Sie atmet tief ein und aus. „In deinem Schlafzimmer", stellt sie dann mit zittriger Stimme fest. „Wie bitte bin ich in dein Schlafzimmer gekommen?"
„Ich schätze, ich habe dich hereingetragen. Es könnte aber sein, dass du etwas von meinen Lippen abgelenkt gewesen bist", erwidere ich.
„Wir waren in diesem Club. Wir haben getrunken. Wir haben getanzt. Dann haben wir angefangen, uns zu küssen, sind mit dem Taxi zu dir gefahren und sind schließlich in deinem Schlafzimmer gelandet. Richtig?", murmelt Liz langsam und zählt die Ereignisse an ihren Fingern ab.
„Richtig", bestätige ich.
Ich bin überrascht, dass sie sich noch so gut an alles erinnert. Wir waren ziemlich betrunken und einige meiner Erinnerungen sind nur noch wage vorhanden.
„Scheiße! Scheiße! Scheiße!", flucht Liz plötzlich. „Haben wir – du weißt schon?"
Ihr unschuldiger, entsetzter Gesichtsausdruck passt so gar nicht zu dem Mädchen, das sie noch vor einigen Stunden gewesen ist. Ich kann ein Grinsen nur schwer unterdrücken.
„Sex gehabt?", ergänze ich ihren Satz und zucke mit den Achseln. „Ich denke schon."
Sie lässt sich rückwärts zurück ins Bett fallen, wobei sie darauf achtet, so viel Abstand wie möglich zwischen uns zu bringen.
„Bitte sag mir, dass wir wenigstens ein Kondom benutzt haben." Flehend sieht sie mich an.
„Nimmst du etwa nicht die Pille?", erkundige ich mich rein Interessenshalber.
„Nein! Nehme ich nicht." Sie hört an, als würde sie gleich anfangen, zu hyperventilieren. „Oh Gott! Bitte lass mich nicht schwanger sein. Nicht von dir! Bitte, bitte, bitte nicht!"
Ich fahre mir durch die Haare. „Wäre es so viel schlimmer von mir schwanger zu sein, als von jemand anderem?"
„Ich meine, immerhin würde dir das einiges an Geld bringen. Und meine Gene sind sicherlich auch nicht die schlechtesten", merke ich an.
„Ich will überhaupt nicht schwanger sein!", schreit sie mich an. „Weder von dir noch von irgendjemand anderem!"
„Dann ist es ja gut, dass wir ein Kondom benutzt haben", merke ich an. Anscheinend ist jetzt nicht der beste Moment, um mich über sie lustig zu machen.
„Wie kannst du dir da so sicher sein?" Zweifelnd sieht sie mich an.
„Weil ich immer eins benutze. Egal wie betrunken ich bin. Daran denke ich immer. Denn ich habe weder vor, ein verrücktes Fan Girl zu schwängern, noch mir irgendwelche Krankheiten einzufangen", beruhige ich sie.
„Versprochen?", fragt Liz nach. Ganz so überzeugt scheint sie immer noch nicht zu sein.
„Versprochen. Sieh im Mülleimer nach, wenn du mir nicht glaubst. Da wirst du zu tausend Prozent ein benutztes Kondom finden."
Ich verdrehe die Augen, als sie sich in die Bettdecke einwickelt und wirklich ins Bad geht, um dies zu überprüfen.
Als sie zurückkommt, reißt sie die Vorhänge auf und ich werde von der plötzlichen Helligkeit geblendet.
„Und? Hast du eins gefunden?", frage ich mit halbgeschlossen Augen.
„Ja, ich schätze schon", murmelt sie und eine nicht zu übersehende Röte zieht sich über ihr ganzes Gesicht.
„Wie konntest du mir das bitte antun?", schreit sie mich dann an. „Ich war völlig betrunken! Es hätte wer weiß was passieren können!"
„Ich war genauso voll wie du", merke ich an. „Und es war nicht so, als wärst du der Idee irgendwie abgeneigt gewesen."
Das nerv tönende Klingeln tönt erneut durch mein Eigenheim.
„Können wir uns darauf einigen, die Nacht gestern einfach zu vergessen?", bittet sie mich.
„Mit Vergnügen", bestätige ich und strecke ihr die Hand zum Handschlag entgegen.
Lachend sehe ich dabei zu, wie sie meine Hand schüttelt und es dabei irgendwie immer noch schafft, die Bettdecke beim Kinn festzuhalten.
„Ich schätze, ich sollte mal die Tür aufmachen", meine ich dann und ziehe mir ein T-Shirt und eine Jogginghose an.
„Deine Kleidung befindet sich glaube ich irgendwo unter dem Bett", rufe ich Elizabeth noch zu, dann gehe ich zur Haustür, schaue kurz durch den Türspäher, um sicherzustellen, dass es sich nicht um einen ungebetenen Gast handelt und öffne.
„Guten Morgen, Tommo", begrüße ich meinen besten Freund.
Dieser stapft wortlos an mir vorbei und ich folge ihm ins Wohnzimmer, wo er sich auf meine Couch fallen lässt.
„Ignorierst du mich?", frage ich ihn und setze mich neben ihn.
Statt einer Antwort drückt er mir einen Stapel Zeitschriften in die Hand, wobei er fester vorgeht, als nötig gewesen wäre.
„Autsch!", beschwere ich mich und nehme eine der Zeitungen in die Hand.
Elizabeth Summer und ich selbst starren mir vom Titelbild entgegen. Hand in Hand waren wir zu sehen, wie wir den Club verließen und sie mich anstrahlt, während ich gerade über irgendetwas lache.
Hätte ich vorher noch gedacht, dass ich Mist gebaut hatte, bin ich mir nun sehr sicher, dass es schlimmer ist, als ich gedacht hatte.
„Alles, was du tun solltest, war, dich zu benehmen und nicht wieder schlechte Schlagzeilen zu machen!", herrscht Louis mich an. „Lernst du eigentlich nie aus deinen Fehlern! Es ist keine zwei Wochen her und schon wieder lässt du dich besoffen mit irgendeinem Flittchen ablichten!"
„Sie ist kein Flittchen. Das ist...", setze ich zu einer Erklärung an, doch ich komme nicht dazu, sie auszuführen, denn in diesem Moment kommt Liz zu uns ins Wohnzimmer.
Erleichtert stelle ich fest, dass sie wenigstens wieder etwas anhat, auch wenn ihre Haare aussehen, als hätte eine ganze Vogelfamilie mit ihnen ein Nest gebaut. Die tiefen Augenringe und das verschwommene Make Up tragen auch nicht gerade zu einem besseren Erscheinungsbild ihrerseits bei.
„Immerhin hast du das Mädchen dieses Mal nicht direkt nach dem Akt rausgeworfen", merkt Louis an.
„Elizabeth Summers", stellt sie sich vor und schüttelt Louis Hand, bevor sie sich gegenüber von uns auf den Sessel setzt, der schon einmal bessere Jahre gesehen hat.
Aber er gehörte meiner Mum schon seit dem ich ein kleines Kind gewesen bin und ich kann mich einfach nicht von ihm trennen. Er erinnert mich an zuhause.
Ich halte es meinem besten Freund zu Gute, dass er sich innerhalb von Sekunden gefangen hat.
„Ich würde ja sagen, dass es mich freut, dich kennenzulernen, aber ehrlich gesagt, hätte ich lieber darauf verzichtet", meint Louis. „Nicht falschverstehen. Nur wäre es mir lieber, wenn Harry erst gar nicht in diesen Schwierigkeiten stecken würde und ich dich nie zu Gesicht bekommen hätte."
„Das beruht auf Gegenseitigkeit", erwidert Summer und schenkt ihm ein entschuldigendes Lächeln.
Ich weiß nicht, ob ich sauer darauf sein sollte, dass ich für den Zeitungsartikel von Louis angeschrien werde, während er Liz behandelt, als wäre sie das liebe Mädchen von nebenan.
Aber wahrscheinlich nicht.
Denn ich hatte großen Mist gebaut.
Und Liz war nun einmal das liebe Mädchen von nebenan.
„Was hast du getan, Sternchen?", erkundigt Elizabeth sich bei mir.
„Wie kommst du darauf, dass ich etwas angestellt habe?", stelle ich eine Gegenfrage.
„Dein bester Freund starrt dich an, als hättest du sein Haus abgebrannt", merkt sie an.
Mit ihrer Beschreibung hatte sie gar nicht so Unrecht.
Ich weiche ihrem Blick aus.
„Hast du schon einen Blick auf dein Handy geworfen?", frage ich sie vorsichtig.
Sie schüttelt den Kopf und ich sehe den Schock in ihrem Blick, als sie meiner Aufforderung folgt.
„37 verpasste Anrufe. Und mindestens genauso viele Aufforderungen, mich bitte direkt zu melden", stellt sie fest. „Was ist passiert?"
Ihr Blick bohrt sich in meinen und wortlos reiche ich ihr eine der Zeitschriften.
„Harry Styles neue Flamme", liest sie murmelt die Headline vor. Es dauert nur einen Blitzteil einer Sekunde, bis sie das Mädchen erkennt, das neben mir auf der Titelseite abgebildet ist.
Sie wird blass und einen Moment lang befürchte ich, dass ihr schlecht wird.
„Alles okay?", frage ich vorsichtig und hebe eine Hand, weiß jedoch nicht wirklich, was ich damit anfangen soll und lasse sie wieder sinken.
„Das bin ich. Da neben dir", stellt Liz das Offensichtliche fest. „Und natürlich muss ich meine hässlichsten Klamotten tragen, wenn ich landesweit auf jeder Zeitung zu sehen sein werde."
Louis neben mir fängt an zu lachen, doch mir ist so gar nicht danach zu Mute.
Stattdessen sinke ich unmerklich zusammen, als mich ihr bohrender Blick trifft.
„Warum kannst du nicht einmal in deinem Leben unsichtbar bleiben? Dich einmal nicht fotografieren lassen? Und warum schleppst du immer direkt jedes Mädchen zu dir nach Hause?", schreit Elizabeth mich an.
Ihre Stimme zittert vor Wut und sie richtet anklagend ihren Finger auf mich. „Warum musst du immer alles versauen, Harry Styles? Kannst du dich nicht ein einziges Mal benehmen? Ist das wirklich zu viel verlangt?"
„Bist du jetzt auf einmal irgendein Mädchen?", schreie ich zurück. „Außerdem hast du genauso viel Anteil an dem Ganzen! Du bist dafür verantwortlich, dass genau so etwas hier nicht passiert! Das ist dein verdammter Job! Der ist sowieso beschissen! Also könntest du ihn wenigstens richtig machen!"
„Ich weiß! Aber du machst es mir alles andere als leicht! Und versuch jetzt nicht die Schuld auf mich zu schieben!" Sie schließt die Augen und atmet einmal tief durch.
„Okay, beruhigen wir uns. Uns gegenseitig anzuschreien bringt uns auch nicht weiter", meint sie schließlich, als sie sich wieder gefangen hat.
„Sie hat ihre Wut deutlich besser im Griff als du", murmelt Louis neben mir und ich sehe ihn wütend an.
Er hebt abwehrend die Hände und ich beschließe, ihn einfach zu ignorieren.
Stattdessen konzentriere ich mich auf Elizabeth, die nun ihre Beine geschäftsmäßig überschlägt und mich ansieht. „Es floss zu viel Alkohol und wir haben einen Fehler gemacht. Es wird garantiert nicht wieder vorkommen, richtig?"
Sie sieht mich abwartend an und ich nicke bestätigend.
„Jetzt müssen wir uns einfach darum kümmern, alles wieder in Ordnung zu bringen", fügt sie hinzu.
„Und wie genau stellen wir dies an?", frage ich sie.
„Als erste werde ich Modes zurückrufen. Danach kümmern wir uns um den Rest", erwidert Liz und wählt eine Nummer auf ihrem Handy, bevor sie es sich ans Ohr hält.
Schweigend sehen Louis und ich ihr dabei zu, wie sie ihren Gegenüber knapp begrüßt, dann kaum noch etwas sagt und ab und an so aussieht, als würde sie am liebsten flüchten.
Ich bekomme nur einzelne Gesprächsfetzen mit und das ist nicht genug, um mir den Hintergrund selbst zusammenzudenken. Allerdings hört sich das meiste alles andere als gut an und Liz Gesichtsausdruck verrät das Übrige.
Achtzehneinhalb Minuten später beendet Elizabeth das Gespräch mit gerunzelter Stirn, wobei sie es schafft, ihre Stimme trotzdem freundlich klingen zu lassen. Sie ist eine bessere Schauspielerin als ich gedacht hätte.
„Und?", erkundige ich mich bei ihr, sobald sie aufgelegt hat.
„Modest ist furchtbar sauer auf uns beide und möchte, dass du noch heute Abend ein nächstes Date hast", teilt sie mir mit.
Was ist, wenn ich er sich weigert?", fragt Louis, bevor ich überhaupt die Möglichkeit habe, etwas zu sagen. „Sie haben Harry sechs Monate gegeben. Das ist vertraglich festgehalten. Sie können nichts gegen diesen Vertrag tun, solange er gegen keine der Regeln verstößt und dies hat er theoretisch nicht getan. Denn er ist weder in irgendeiner Art negativ aufgefallen, noch ist auf dem Bild zusehen, wie er irgendwelche Drogen nimmt. Er tut auch ansonsten nichts Verbotenes."
Ich spüre, wie ich ruhiger werde, denn Louis hat Recht.
„Ihr beide wirkt auf den Bildern einfach, wie ein angeblich verliebtes und glückliches Paar. Auch wenn wir und Modest alle wissen, dass dies nicht die Wahrheit ist. Aber für die Öffentlichkeit ist dies nicht ersichtlich. Sie haben genau das, was sie wollen. Ein Foto, dass es so aussehen lässt, als hätte Harry ein schönes Date mit einem Mädchen gehabt. Dagegen können sie nichts sagen. Also was passiert, wenn er sich weigert?", führt mein bester Freund seinen Gedankengang weiter aus.
„Das ist richtig", meint Elizabeth zustimmend. „Harry könnte das Date heute Abend einfach verweigern und es hätte keine Konsequenzen für ihn."
Louis strahlt mich triumphierend an. Doch ich kenne Liz inzwischen gut genug, um zu wissen, dass es noch mehr zu wissen gibt.
„Aber?", hake ich also nach.
„Was soll sonst noch sein?", erwidert sie und weicht meinem Blick aus.
„Ich sehe, dass du lügst. Sag es mir einfach. Ansonsten werde ich wohl Modest anrufen müssen", entgegne ich und hasse mich selbst dafür, dass ich ihr dies androhe.
„Wenn du dich weigerst, verliere ich meinen Job." Sie klingt so nüchtern, als sie dies feststellt, dass ich einige Sekunden brauche, bis ich den Sinn gänzlich verstanden habe.
Louis ist schneller von Begriff als ich es bin. „Sie können dich nicht einfach kündigen.Du hast einen Arbeitsvertrag."
„Gegen den ich verstoßen habe", erwidert Liz. „In meinem Vertrag steht eindeutig, dass körperliche Beziehungen jeder Art zu den Klienten des Unternehmens untersagt sind."
„So etwas steht in deinem Arbeitsvertrag?", frage ich sie entsetzt.
„Nicht nur in meinem. Das ist eine Standardklausel von Modest", erklärt sie mir.
Wieder einmal kommt mir der Gedanke, wie grausam Modest sein kann.
„Also haben wir keine Wahl", stellt Louis fest.
„Wo finden wir ein Date für mein heutiges Date?" Fragend sehe ich Elizabeth an.
„Du musst das nicht tun, Harry. Du hast du Wahl", entgegnet sie.
Ich bohre meinen Blick in meinen, sodass sie keine andere Wahl hat, als mich anzuschauen. „Ich werde auf keinen Fall zulassen, dass du meinetwegen deinen Job verlierst. Das steht überhaupt nicht zur Debatte."
„Danke vielmals", flüstert sie und schenkt mir ein ehrliches Lächeln.
„Aber du solltest dringend darüber nachdenken, ob du den Vertrag bei diesem Scheißunternehmen nicht einfach kündigen solltest", merkt Louis an und ich nicke zustimmend. „An deiner Stelle hätte ich dies nämlich schon vor langer Zeit getan."
„Hätte ich die Wahl, dann würde ich dies auch tun. Aber die habe ich nun einmal nicht." Ihre Worte sollten als Erklärung dienen, aber stattdessen werfen sie für mich nur noch mehr Fragen auf.
Doch ich weiß, dass ich auf diese Fragen keine Antworten bekommen werde. Heute jedenfalls nicht.
„Wie sieht nun unser Plan aus?", frage ich also stattdessen.
„Du musst dies nicht tun, Harry. Ich würde es mehr als verstehen", erwidert sie. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass sie mich bei meinem richtigen Namen nennt, ohne dass sie ihn ausspeit, als wäre ich ein Monster.
Es gefällt mir. Irgendwie.
„Du hast mich gestern Abend gerettet. Nun bin ich dran", entgegne ich überzeugend und schenke ihr ein kleines, aber echtes Lächeln.
Liz wirkt beinahe überrascht, dass ich das Thema so leicht fallen lasse. Doch genauso schnell hat sie sich wieder gefangen und fängt an, in ihrem Handy zu scrollen.
„Ich könnte versuchen, noch ein Mädchen von dieser Dating-App ‚Dating-a-Celebrity' einzuladen. Allerdings bezweifele ich, dass sich irgendjemand so kurzfristig finden lassen wird." Sie wirft einen schnellen Blick auf ihre Armbanduhr und ich frage mich kurz, ob sie die gestern im Bett überhaupt ausgezogen hat. „Immerhin haben wir schon fast drei Uhr."
„Nun, die Dating-App werden wir sowieso nie wieder benutzen", lehne ich ihren Plan kategorisch ab.
Bei aller Güte, nie wieder würde ich erneut eines dieser oberflächlichen Mädchen treffen. Wer weiß, ob diejenige von gestern Abend schon die schlimmste Option gewesen ist.
„Wieso nicht?", erkundigt sich Louis neugierig und beugt sich weiter vor, um mir ins Gesicht sehen zu können.
Ich schüttele vehement den Kopf. „Glaub mir, Lou, du willst es erst gar nicht wissen."
„Will ich nicht?" Er wackelt mit den Augenbrauen, was mich trotz unserer Situation zum Lachen bringt. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass sich Liz ebenfalls ein Grinsen nicht verkneifen kann.
„Nein, willst du nicht", erwidere ich.
Geschlagen lässt er sich wieder ins Sofa zurücksinken und holt sein Handy aus seiner Hosentasche.
Dann fängt er an, irgendetwas darauf herum zu tippen.
„Könntest du wenigstens so tun, als würdest du versuchen, uns zu helfen?", bitte ich ihn und stupse ihn an.
„Was denkst du, was ich hier gerade versuche, Harold?" Empört sieht mein bester Freund mich an. „Ich google gerade, wie man noch am gleichen Tag ein passendes Date finden kann."
Das ist wieder eine der Ideen, auf die nur Louis kommen kann. Aber vielleicht ist wenigstens eine seiner Ideen ausnahmsweise einmal nützlich.
„Also? Was schlägst du vor?", erkundigt sich Elizabeth, die glücklicherweise noch keine Erfahrung mit seinen Ideen gemacht hat.
„Ich habe eine Liste gefunden! Hier gibt es so einige Vorschläge", meint Louis enthusiastisch. „Harry könnte jemanden anfahren und sie dann aus lauter Schuldbewusstsein zum Abendessen einladen."
„Auf keinen Fall!", protestiere ich und bin dankbar, dass auch Liz entschieden mit dem Kopf schüttelt.
„Dadurch hätten wir im schlimmsten Fall eine weitere Klage auf Schadensersatz am Hals", entgegnet das Mädchen und streicht sich eine ihrer Haarsträhnen aus dem Gesicht.
Ich frage mich, warum sie sich überhaupt die Mühe macht. In spätestens fünfzehn Sekunden wird sie sich wieder dorthin verirren.
„Vorschlag Nummer 2 wäre, dass du die Schwester deines besten Freundes datest", liest Louis vor.
„Niemals!", sagen wir beide gleichzeitig, sobald die Worte in unserem Gehirn Sinn ergeben haben.
„Okay, dann fällt dies auch raus", meint Elizabeth und ich sehe, wie ihre Gedanken anfangen, schneller und schneller zu werden.
Auch Louis nächsten fünf Ideen sind nicht weiter hilfreich. Bevor ich jemandem vorm Ertrinken retten oder einfach an einer Haustür klingeln und betteln werde, werde ich eher dafür sorgen, dass Liz Vertrag anfängt, Feuer zu fangen.
„Ich weiß, dass du nie Louis Schwester daten würdest", meint Liz schließlich.
„Schwestern. Es sind mehrere", wirft Louis ein.
„Ja, wie auch immer." Sie winkt ab und sieht mich an. „Louis Schwestern sind raus aus dem Plan, das habe ich verstanden. Aber wie sieht es mit deiner eigenen Schwester aus?"
Ich starre sie an und bin mir sicher, dass ich sie nicht richtig verstanden habe. „Ich soll meine Schwester daten?"
Auch Louis sieht so aus, als hätte er sich verhört.
Eilig schüttelt Liz mit dem Kopf. „Nein. Natürlich nicht! Aber wie wäre es, wenn wir sie zum Teil des Planes machen? Wie wäre es, wenn Gemma einfach eine ihre Freundinnen bittet, mit dir auszugehen?"
Ich schüttele den Kopf. „Die sind alle älter als ich! Du meisten sogar älter als Gem!"
„Als hättest du damit jemals ein Problem gehabt", flüstert Louis mir zu und räuspert sich dann so laut, dass Liz ihn fragt, ob alles in Ordnung ist oder sie ihm ein Glas Wasser holen sollte.
Ich verdrehe die Augen.
„Ich werde keine Freundin meiner Schwester daten! Das wäre einfach merkwürdig!", protestiere ich erneut.
„Du sollst sie ja auch nicht wirklich daten", erwidert Liz. „Wir wissen alle, dass daraus nichts werden wird. Alle Beteiligten werden wissen, dass es kein wirkliches Date ist. Wir brauchen nur eine Lösung für heute Abend. Damit Modest überzeugt ist, dass wir das Ganze ernst nehmen. Danach kannst du dich wieder auf die Suche nach deinem Mädchen machen."
Als wäre ich bei dieser Suche überhaupt annähernd erfolgreich gewesen. Ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen sollte.
Seufzend stimme ich zu. „In Ordnung. Ich werde Gemma anrufen und sie bitten, uns zu helfen. Es gibt nur ein Problem."
„Und das wäre?" Fragend sieht Liz mich an.
„Ich werde nicht umhin kommen, ihr von dem Vertrag zu erzählen. Und sie wird alles andere als begeistert sein", entgegne ich. Ich kenne meine Schwester. Sie wird wissen wollen, wieso ich auf einmal ein Fake-Date brauchen werde. Und sie ist alles andere als nachgiebig.
Elizabeth sieht aus, als wäre ihr jedes andere Problem lieber gewesen. Aber schließlich nickt sie. „Okay, erzähl es ihr. Aber lass sie schwören, dass sie es niemand anderem sagen wird."
„Bitte lass uns das nicht bereuen", meint sie dann deutlich leiser und ich streiche ihr sanft über das Knie, bevor ich die Nummer meiner Schwester wähle und mich auf ein Gespräch einstelle, dass ich am liebsten nie in meinem Leben geführt hätte.
*~*~*
Hallo ihr Lieben!
Ich bin seit gestern (mehr oder weniger) erholt aus dem Urlaub zurückgekommen und habe das neue Kapitel für euch mit dabei. Es ist eines der längeren und mich würde es sehr freuen, zu hören, wie es euch gefällt. Aber vor allem über allgemeine Meinungen und Kritiken zu den Charakteren wäre ich euch sehr dankbar!
Ich habe nur noch ein paar wenige Wochen und noch gar keine Lust auf das neue Semester :D
Ich hoffe, ihr genießt die restlichen Ferien und lernt nicht allzu viel!
Einen schönen Donnerstag wünsche ich euch! <3
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