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Kapitel 40

Ich erstarre.

Die Atmosphäre ändert sich mit einem Mal. Die eine Art der Spannung wird durch eine ganz andere ausgetauscht.

Plötzlich wird mir schlecht. Ich schlucke.

Meine Mutter holt tief Luft. Ihre Gesichtsfarbe schimmert leicht grünlich. Sie kneift die Augen zusammen und massiert sich die Nasenwurzel. Was zur Hölle...

So kenne ich sie gar nicht. Sie scheint einen inneren Kampf mit sich auszufechten. Schließlich nickt sie vor sich hin.

Sie hebt den Blick, hält meinen fest, und sagt: »Hast du gewusst, dass ich eine Schwester hatte?«

Mein Atem stockt so abrupt, dass ich husten muss. »Bitte was?!«, krächze ich. Meine Mutter beginnt, energisch mit dem Kopf zu schütteln. Sie murmelt etwas auf Italienisch vor sich hin und in diesem Moment ärgere ich mich so sehr wie noch nie, die Sprache kaum verstehen zu können.

Sie seufzt. Schließlich flüstert sie: »Ich hätte das nicht ausgraben dürfen.«

Ihre Aussage übergehend, frage ich: »Du... hattest eine Schwester?« Sie nickt schwach. Ich hatte eine Tante?

»Giovanna. So hieß sie.«

Von einem Bruder – Federico, mein Onkel mit dem Restaurant – wusste ich. Aber eine Schwester?!

Ich habe so viele Fragen. Aber ich fürchte mich, sie zu stellen. Ich habe Angst, mit einer falschen Formulierung, einem zu lauten Atemzug die Erzählung meiner Mutter zu unterbrechen. Ich will auf gar keinen Fall, dass sie wieder dicht macht.

»Ist sie...?«

»Ja. Sie ist tot.«

Der weiche, geschwungene Mund meiner Mutter ist zu einer harten Linie zusammengepresst. Sie wirkt uralt, als hätten all die Jahre der Trauer sie auf einen Schlag eingeholt.

»Möchtest du mir erzählen, was passiert ist?«, frage ich sie zaghaft. Ich habe das Gefühl, wir stehen vor etwas bahnbrechendem, alles veränderndem. Ich bin mittlerweile so nervös, dass ich mich übergeben könnte.

Sie nickt. »Ich möchte nicht, aber es ist Zeit. Du sollst alles wissen.«

»Wieso hat keiner...? Niemand hat je irgendwas gesagt!«, bricht es aus mir hervor.

»Ja«, stimmt sie schlicht zu. Ein Teil von mir möchte meine Mutter schütteln. Ein anderer will sie fest umarmen.

Als sie mich wieder ansieht, hat sie Tränen in den Augen. Kurz hält sie meinen Blick, dann kramt sie in ihrer Tasche nach ihrem Geldbeutel. Sie klappt ihn auf und fördert ein kleines Foto zutage. Mit versteinerten Gesichtszügen betrachtet sie es. Dann dreht sie das Bild zu mir.

»Das war Giovanna. Meine kleine Schwester.«

Ich kann förmlich spüren, wie mir das Blut aus dem Gesicht läuft. Mein Hals fühlt sich plötzlich trocken an und es fällt mir schwer, normal zu atmen.

Denn dieses Foto anzusehen ist wie in einen Spiegel zu schauen. Ich sehe genau so aus wie sie.

Meine Mutter errät meine Gedanken. »Du bist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten. Sie... war wie du. Nicht nur von außen. Rebellisch, stur, hitzköpfig... aber ein sehr großes Herz. Mir kam es manchmal so vor, als wäre sie durch dich zurückgekommen.«

Ich kann meinen Blick nicht von dem Foto lösen. Giovanna hat die gleichen dunklen, großen Augen wie ich, diesen starken Schwung der Augenbrauen, den ich auch habe. Sie hat das gleiche störrische, schwarze Haar, die gleiche helle, mit Sommersprossen gesprenkelte Haut, die gleichen Gesichtszüge... es ist erschreckend.

Ihre Nase ist etwas schmaler als meine, aber das ist der einzige Unterschied, den ich erkennen kann. Sogar der Ausdruck in ihren Augen ist der, den ich auch habe. Gänsehaut breitet sich auf meinem gesamten Körper aus und ich schaudere.

»Ich habe dieses Bild immer bei mir, seit sie gestorben ist.«

»Was ist passiert?«, frage ich vorsichtig und schiebe noch hinterher: »War sie krank? Hatte sie einen Unfall?«

»Sie hat sich umgebracht.«

Ich fühle mich, als hätte mir jemand abrupt in den Magen geschlagen. Jegliche Luft wird aus meinen Lungen gesogen. Ich will tausend Fragen stellen, bin aber einfach nicht in der Lage dazu. Ich schaffe es schlicht nicht.

Doch das muss ich auch nicht, denn meine Mutter erzählt von selbst.

»Sie war zwei Jahre jünger als ich. Nicht unbedingt die Welt, aber als wir klein waren, haben wir den Unterschied schon gemerkt. Sie... Giovanna... war sehr... mir fällt das passende Wort nicht ein. Ich denke ›präsent‹ trifft es gut. Ob man wollte oder nicht, man wusste sofort, wenn sie in der Nähe war. Sie war sehr, sehr schön. Groß. Charismatisch. Hatte ein lautes Lachen. Du verstehst.«

Wie betäubt nicke ich. Sie fährt fort: »Ihre Haut sah aus wie vom Mondlicht beschienene Milch. Die Leute waren regelrecht verrückt nach ihr, du hast keine Vorstellung. Ihre Haut bräunte nicht so, wie meine es im Sommer tat. Ständig haben sich die Leute aus der Familie über mich und meine dunkle Haut lustig gemacht.« Humorlos schnaubt sie.

»Das ist sehr... problematisch. Alle Hautfarben sind schön«, sage ich.

»Du hast natürlich vollkommen recht. Leider sahen das die Leute früher anders.« Sie räuspert sich. »Wie auch immer, sie war jedenfalls sehr beliebt. Als wir größer wurden und in ein Alter kamen, in dem von uns erwartet wurde, dass wir uns um unsere Zukunft kümmern – also entweder einen wohlhabenden Mann heiraten oder eine gute Ausbildung beginnen – wurde alles... angespannter.«

Ich runzele die Stirn. »Wie genau meinst du das?«

Meine Mutter antwortet schwach: »Nun... da sie schon immer die beliebtere von uns beiden war, lag auf ihr deutlich mehr Druck. Ich hatte die ein oder andere Freiheit mehr als sie. Man hat sich für mich schlicht nicht so sehr interessiert.«

Ich unterdrücke den Drang, erneut zu fragen, was denn nun passiert ist. Sie muss in ihrem eigenen Tempo erzählen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie aufwühlend es sein muss, diese traumatische Geschichte nach wer weiß wie langer Zeit erneut ans Licht zu holen.

Für einen Moment denke ich, dass sie nun weiter erzählen wird. Doch dann erkenne ich ein Glänzen in den Augen meiner Mutter. Ihre Gesichtsfarbe wechselt von einem kränklichen Grün zu kräftigem Rot und das in Sekundenschnelle. Tränen laufen ihr über die Wangen und stumme Schluchzer schütteln sie.

Ich rutsche zu meiner Mutter und nehme sie in die Arme. Mit langsamen, stetigen Bewegungen streiche ich ihr zuerst über den Kopf, dann den Rücken und beginne anschließend von vorn.

Während ich sie tröste, spüre ich selbst ein Brennen in den Augen, dränge es jedoch energisch zurück. Sobald sie gegangen ist, werde ich mich mit meinen eigenen Gefühlen auseinandersetzen. Jetzt beschäftige ich mich mit ihren.

Das Weinen meiner Mutter scheint gar kein Ende nehmen zu wollen. Ich kann sie verstehen. Ich will mir nicht ausmalen, wie lange sie all das hier zurückgehalten hat. Unwillkürlich frage ich mich, ob mein Vater von all dem weiß.

Ich spende ihr weiter Trost. Als ich meine Arme fester um sie schließe, taucht ein Gedanke in meinem Kopf auf.

Warum erzählt sie mir das gerade jetzt?

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