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8 | Im Gefängnis (S)

Sander betrat das Gefängnis von Nightvale gegen Mittag und unterzog sich routiniert den Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen. „Zelle 57484," forderte er, als man ihn nach dem Grund seines Besuchs fragte. „Welche Berechtigung haben Sie?" erkundigte sich der Wachmann emotionslos.

„Überprüfung des allgemeinen Gesundheitszustands, angeordnet von höchster Stelle." Sander legte ein von Nexor unterzeichnetes Dokument vor. Der Wachmann nickte und öffnete die Tür zum Zellentrakt, in dem Insassin 57484 untergebracht war.

Sander überlegte bereits, was er nach diesem voraussichtlich kurzen Besuch als Nächstes tun könnte, als ihn das Räuspern des Wachmanns aufhorchen ließ. „Was ist los? Stimmt etwas nicht?"

Der Wachmann wies auf die leere Zelle. „Insassin 57484 ist nicht hier. Ich muss erst im Computer nachsehen, wohin sie verlegt wurde. Einen Moment, Mr. Darkwood."

Sander verwarf gedanklich seine locker geschmiedeten Pläne für den Abend und wartete geduldig auf die Rückkehr des Wachmanns. „Mr. Darkwood, sie ist im Krankenflügel. Kommen Sie, es ist nicht weit", sagte der Wachmann, als er zurückkehrte. Sander folgte ihm neugierig durch den Gang bis zu einer Stahltür. Während sie den Flur entlanggingen, vermied er es bewusst, einen Blick auf die anderen Insassen zu werfen, die müde und fast ausgehungert in ihren Zellen saßen. Hatte Nexor nicht immer darauf bestanden, dass die Gefangenen gut behandelt werden? Sander versuchte, diese Gedanken an die Ungerechtigkeit zu verdrängen. Sein Interesse galt heute einzig der jungen Frau, die Nexor gestern für seine Vorführung genutzt hatte.

Ein Piepen signalisiert die Sicherheitsfreigabe, gefolgt vom lauten Knarren eines mechanischen Schlosses, bevor Darkwood den Krankenflügel betreten durfte. Ein stechender Geruch nach Desinfektionsmittel und Reinigungsbenzin lag in der Luft. Doch als sie sich einem Zimmer mit vergittertem Fenster in der Tür näherten, mischte sich ein unangenehmer Duft von Erbrochenem in das Geruchsensemble. Sander hielt reflexartig die Luft an und spähte vorsichtig in das Zimmer. Der Anblick, der sich ihm bot, ließ ihn zurückschrecken. „Himmel, was ist mit ihr passiert?"

„Es gibt Menschen, die weniger aushalten als andere", hörte Sander den Arzt von der Seite sagen. „Wenn Sie mich fragen, wird sie das nicht überleben. Sie hat die ganze Nacht erbrochen. Unsere Schwestern haben aufgegeben, die Schweinerei aufzuwischen. Wir warten eigentlich nur noch darauf, dass es vorbei ist. Wer hätte mit so etwas gerechnet?" Der Arzt schüttelte fast schon mitleidig den Kopf.

Sander konnte kaum fassen, was er gerade gehört hatte. „Ihnen ist doch wohl klar, dass Nexor es nicht dulden wird, wenn die Versuchsperson stirbt?! Sie ist Teil eines geheimen und äußerst wichtigen Experiments, dessen Ausgang über unsere gesellschaftliche Zukunft entscheiden könnte! Also bewegen Sie gefälligst Ihren sauberen Hintern in dieses Zimmer und retten Sie Ihrer Patientin das Leben, Dr.", er sah auf das Namensschild des Mannes, „Fletcher!"

Sander hatte sich nun in seiner vollen Größe vor dem selbstgefälligen Arzt aufgebaut und ließ ihn seine Autorität spüren. Der Arzt verstand den Wink sofort und schickte eilig einige Reinigungskräfte ins Zimmer, bevor er sich selbst um die Frau kümmerte, die erschöpft und leichenblass in dem durchnässten Bett lag.

Sander schüttelte fassungslos den Kopf. „Wie konnte es nur so weit kommen?", fragte er in die Stille des Flurs hinein.

„Wie sagte schon Charles Darwin? Nur die Stärksten überleben," antwortete der Wachmann, der die Situation bislang schweigend beobachtet hatte. Sander hatte fast vergessen, dass er noch da war.

„Scheiß auf Darwin!", entgegnete Sander verärgert. „In dieser Zeit überleben längst nicht mehr nur die Stärksten, sondern auch diejenigen mit dem besten Spielzeug!" Unwillkürlich musste er an seine eigene Behinderung denken – und daran, wie Nexon Industries seine Loyalität mit deren Beseitigung erkauft hatte.

Vor 39 Jahren

Bäm! Ein heftiger Schlag ließ Lysander taumeln. Er verlor das Gleichgewicht und schlug beinahe ungebremst auf dem harten Fliesenboden der Küche auf. Ein stechender Schmerz durchzuckte die Schulter des Fünfjährigen, und er schrie auf. „Halt die Klappe und nimm es wie ein Mann!" Die Worte seines Vaters drangen nur gedämpft in sein Ohr, auf das er den Jungen zuvor wegen eines banalen Streits geschlagen hatte. Instinktiv legte Lysander eine Hand an sein schmerzendes Ohr.

„Steh auf und geh in dein Zimmer! Ich will dich bis zum Abendessen nicht mehr sehen!"

Wie ein geschlagener Hund schlich Lysander den Flur entlang bis zu dem Zimmer am Ende des Ganges. Er drückte die Klinke hinunter und schob die Tür in den dunklen Raum, den er sich mit seinen beiden Brüdern teilte. Als er sich auf das schmale Bett setzte und die Hand von seinem schmerzenden Ohr nahm, bemerkte er das Blut, das sich auf seiner Handfläche gesammelt hatte.

Auf dem Schulhof fiel es Lysander schwer, Freunde zu finden. Da er auf dem linken Ohr fast taub war, verstand er die anderen Kinder nur schlecht und verpasste oft ihre Witze und Gespräche. Meist stand er während der ganzen Pause am Rand des Schulhofs und beobachtete die anderen dabei, wie sie fröhlich spielten, sich unterhielten und Freundschaften schlossen. Der Einzige, der manchmal zu ihm kam, war sein älterer Bruder Nicolaj. Auch er hatte jahrelang unter der Tyrannei des Vaters gelitten und kümmerte sich um seinen schwächeren Bruder.

Als Lysander neun war, nahm Nicolaj ihn deshalb mit in den Boxclub, in dem er trainierte. Überrascht stellte er bald fest, dass Lysander durch sein eingeschränktes Hörvermögen viel aufmerksamer war, als Nicolaj erwartet hatte. Zudem war Lysander klein und flink, hatte eine gute Deckung und fand mit zunehmendem Training immer zielgenauer die Schwachstellen seiner Gegner. Mit elf Jahren erlebte Lysander einen Wachstumsschub, und als er dreizehn war, war er nicht nur groß, sondern auch durchtrainiert und fit.

Eines Tages betrat ein Mann den Boxclub, auf der Suche nach jungen Männern mit Kampferfahrung. Er beobachtete Sander im Ring und war sofort begeistert. Genau so jemanden hatte er für seine Soldatenausbildung gesucht: einen jungen, gesunden Mann, der noch formbar war und den er in der Neuen Welt zum Sicherheitsagenten ausbilden konnte. Er sprach mit dem Trainer des Jungen, der sich als sein großer Bruder vorstellte, und schlug einen Deal vor: „Lysander wird in unserer neuen Welt eine Zukunft haben, die er hier niemals bekommen würde," erklärte der ältere Mann.

„Ich sehe die Chance, die sich ihm bietet," gab Nicolaj zu. Auch er hatte in den letzten Monaten mit Sorge die Entwicklungen in der Welt verfolgt. Er ahnte, dass diese Kuppelstadt, über die sogar im Fernsehen berichtet wurde, eine Möglichkeit für Sander wäre, sich ein neues, besseres Leben aufzubauen. „Aber er hört schlecht. Er braucht ein Hörgerät, das ist meine Bedingung!"

Der Fremde nickte lächelnd. „Wir haben in dieser Stadt ganz andere Möglichkeiten, mein Freund. Ihr Bruder wird etwas viel Besseres als ein Hörgerät bekommen, das verspreche ich Ihnen."

Damit war der Deal besiegelt, und Sander kam ein paar Wochen später in die Klinik. Dort wurde sein Trommelfell mit einer Tympanoplastik chirurgisch repariert, und das Loch im Trommelfell wurde mit einem Eigenhautimplantat verschlossen.

Plötzlich war die Welt um Sander herum wieder vollständig präsent. Obwohl er nun alle Möglichkeiten hatte, am sozialen Leben teilzunehmen, zog er es vor, weiterhin im Hintergrund zu bleiben und zu beobachten. Er hörte zu. So erfuhr er allmählich von den großen und kleinen Geheimnissen der mächtigen Bewohner seines neuen Zuhauses.

Mit Anfang zwanzig erhielt Sander den Auftrag, den Firmenchef von Nexor Industries bei einer Veranstaltung zu begleiten und zu beschützen. Zusammen mit drei weiteren Bodyguards begab er sich zur Eröffnung eines exklusiven Restaurants in einem der oberen Stockwerke eines der imposanten Kuppelkratzer, wie er die hohen Gebäude in Nightvale scherzhaft nannte. Der Herrscher war gut gelaunt, lachte, unterhielt sich und knüpfte Kontakte. Sander stand mit ein paar Schritten Abstand hinter ihm und beobachtete die Menge. Während seine Kollegen sich von den opulenten Tellern mit delikaten Speisen und den hübschen Damen ablenken ließen, war es der junge Boxer, dem als Einzigem die dunkle Gestalt auffiel, die sich langsam und zielstrebig auf das Oberhaupt der Stadt zubewegte.

Sofort waren Sanders Sinne geschärft, seine Muskeln angespannt, und sein Blick fokussierte sich auf die potenzielle Bedrohung. Als das Messer unter dem Umhang der Gestalt kurz aufblitzte, griff Sander blitzschnell ein: Mit drei großen Schritten war er bei dem Angreifer, entwendete ihm die Waffe und überwältigte ihn.

Seit dem Tag, an dem er Nexor praktisch das Leben gerettet hatte, begann dieser, Lysander immer häufiger für seinen persönlichen Schutz einzusetzen. Bald war der dunkelhaarige Mr. Darkwood nicht mehr nur ein Bodyguard für Mr. Nocturne, sondern wurde zu einem engen Vertrauten. Nexor erkannte schnell, wie viele Geheimnisse Lysander im Laufe der Jahre angesammelt hatte und wie geschickt er weiterhin Informationen beschaffen konnte. Er sah das Potenzial des jungen Mannes und machte ihn zu seinem Informationsagenten. Nexor stellte ihm ein Team zur Verfügung und setzte ihn auf seine Gehaltsliste. Aus dem einst ausgeschlossenen Boxer, der jahrelang unter der Gewalt seines Vaters gelitten hatte und den der große Bruder für eine Operation fortgeschickt hatte, wurde ein mächtiger Mann mit ungeahnten Möglichkeiten.

Heute

Das Einzige, was Lysander all die Jahre verwehrt geblieben war, war eine echte und aufrichtige Freundschaft. Bis er vor wenigen Wochen Eli begegnet war. Mit Eli fand er nicht nur einen Freund, sondern auch seinen moralischen Kompass. Sander wollte nicht länger das Opfer sein, aber auch nicht mehr der Handlanger. Er wollte das tun, was er für richtig hielt. Und jetzt hatte er endlich die Macht, dafür einzustehen.

„Bringen Sie die Frau in ein richtiges Krankenhaus, sobald sie stabil ist. Sie muss überleben und wieder auf die Beine kommen. Wir brauchen sie, um herauszufinden, was schiefgelaufen ist. Haben Sie mich verstanden, Doktor?" Sanders Blick lag fest auf dem Arzt und ließ keine Widerrede zu.

„Selbstverständlich, Mr. Darkwood. Ich werde die Verlegung persönlich veranlassen! Entschuldigen Sie unser Zögern, die Situation war nicht eindeutig. Bitte richten Sie Nexor aus, dass wir unser Bestes tun werden, um den Grund für den Zustand der Patientin herauszufinden." Der Doktor blickte beinahe demütig zu Sander auf.

Sander sah ihn ein letztes Mal warnend an. „Ich verlasse mich auf Ihr Wort, Dr. Fletcher. Ich werde morgen wieder hier sein, um nach ihr zu sehen. Und wehe Ihnen, wenn Sie versagen!"

Mit diesen Worten drehte sich Sander um und verließ das Gefängnis mit einer inneren Genugtuung, begleitet vom Wachmann.

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