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Agnes hatte ein Talent mich zu verstören und zu irritieren - andauernd kam sie mir mit so komischen Aussagen, dass Kevin wohl einiges an Kraft und Überwindung aufgewendet haben musste, um ihr diese Verletzungen zuzufügen. Sie stellte dies nicht fassungslos fest, sondern sprach ganz kalt und abgeklärt drüber. Wenn ich sie entgeistert ansah, verzog sie nur genervt das Gesicht. Ich wusste, dass ihre Psyche wohl nach all den streitereien und Machtkämpfen mit Kevin einen ordentlichen Knacks abbekommen hatte, aber in letzter Zeit hatte ich immer öfter das Gefühl, dass sie komplett den Verstand verloren hatte. Es war gruselig und grausam einem Menschen dabei zusehen zu müssen, wie er verbittert, böse und immer kränker wird - und vor allem war es auch gefährlich, für alle ihre nicht grade geliebten Mitmenschen und auch mich. Agnes tendierte dazu nur lächerlich über zu reagieren, wenn ich sie auf ihre fehlende Sensibilität und ihre Pietätlosigkeit ansprach. Ich konnte mich dann oft selbst nicht mehr zusammen reißen, mein Gesicht sprach Bände, auch wenn ich weiterhin versuchte die verständnisvolle Freundin zu spielen. Mittlerweile war ich so weit, dass ich mich mit ihr, wenn möglich nur mehr an belebten Orten traf und mich nicht mal dazu durchringen konnte mit ihr eine kurzreise an das Grab ihrer Mama zu unternehmen - welches durch einen schlimmen Sturm verwüstet worden war, aber leider relativ weit außerhalb unserer kleinen Ortschaft lag. Zu groß war die Angst und die Unsicherheit, ich war zu schwach und vertraute ihr zu wenig. Und immer wieder erinnerte ich mich dran, dass unsere Freundschaft ohnehin schon fast am Ende war, egal, was jetzt bei dieser Sache mit kevins Tod hinaus kommen würde. Wir waren zu unterschiedlich geworden, wie Tag und Nacht. Unsere Werte und lebensvorstellungen wichen so weit voneinander ab, dass es unrealistisch war auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Vielleicht würde Agnes ganz dem Unheil und dem Wahnsinn verfallen, wenn ich sie im Stich ließ, aber dieses Risiko musste ich in Kauf nehmen, wenn ich mich selbst schützen wollte. Selbstschutz geht immer vor Fremdschutz sagen sie in den ganzen erste-Hilfe-Kursen - aber es war so unendlich schwer anderen Leuten nicht alles zu geben, was man hat, zumindest für mich. Ich war immer der Typ Mensch gewesen, der sich für andere aufgeopfert hat, bis zur Erschöpfung. Eine Zeit lang hatte ich sogar schwindelanfälle, weil ich mich so sehr übernommen habe. Und, doch hat es sich immer so gut angefühlt zu wissen, dass ich alles mögliche für meine lieben getan habe. Es war ein harter Weg gewesen zumindest etwas selbstliebe und gesunden Egoismus zurück zu gewinnen. Und jetzt war ich wieder drauf und dran meines Erachtens herzlos zu handeln - ich glaube dieses Denken wird mich noch mal ins Grab bringen. Ich weinte wieder öfter und zerbrach an meinem eigenen Willen zu leben, an meinem Selbsterhaltungstrieb. Im Nachhinein glaube ich, dass es sogar gescheiter gewesen wäre die Pension einfach so schnell wie möglich nach dem Unglück mit Kevin zu verlassen, um mich nicht ständig den schmerzenden Erinnerungen aussetzen zu müssen, aber nachher ist man ja immer gescheiter.
Findet ihr Monikas Art gut od übertrieben fürsorglich?
Über votes und Kommentare würde ich mich wie immer sehr freuen
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