8. I Miss You, Dani
Paul? Was wollte er jetzt hier? Dann hatte ich mich doch nicht getäuscht, als ich durch die Menschenmasse geblickt hatte. Ich gab keine Antwort zurück und schaute mich im Spiegel an. Hinter dieser Tür stand er und wollte mit Sicherheit eintreten. Das konnte er aber schnell vergessen. Bestimmt kommen wieder diese flehenden Worte des Vergebens, und allein dieses Wort machte mich gerade total krank nach dieser Aktion mit John. Es klopfte erneut an der Tür und ich spürte, wie sich Paul dagegen lehnte. " Komm bitte raus, Dani. Alle Schüler sind zurück in ihren Klassen. Wir müssen jetzt auch los ". Seit wann hatte er es so eilig in den Unterricht zu kommen? Bestimmt nur eine grantige Masche, um mich zum Rauskommen zu bewegen.
" Ich will aber nicht, Paul. Verschwinde einfach ".
" Nicht, bevor ich weiß, dass es dir gut geht ".
" Als ob dich das interessiert".
" Mich interessiert es sogar sehr. Ich mache mir Sorgen um dich Dani, sonst würde ich kaum hier stehen. Also komm bitte raus und lass dich anschauen!".
Vielleicht machte Paul sich wirklich um mich Sorgen? Aber wieso sollte er? Es war schließlich eine Angelegenheit zwischen mir und John. Der sollte sich eigentlich Sorgen um mich machen. Aber was machte ich mir selber vor... Er ist mit Sicherheit bei dieser Lilly und lästert über mich. Wenn er schon mit seiner Affäre abhängen kann, kann ich es auch mit meinem Exfreund. Also stand ich auf und öffnete die Tür zum Schulflur. Paul hatte seine Schuluniform an und die typische Elvislocke. Mit einem besorgten Gesichtsausdruck musterte er mich. An seinem Blick sah ich auch, dass er sehr nervös war.
" Ist alles in Ordnung? ".
" Ja .. es geht schon wieder ".
" Hat er dich geschlagen, oder geschubst? ".
" Nein, nein Paul. Nichts davon ... Danke, dass du nach mir gesehen hast ".
" Mach ich doch gerne und das weißt du auch. Weißt du was, vergiss den langweiligen Unterricht. Lass uns zum Record Store gehen. Hab gehört, die neue Buddy Holly Platte ist rausgekommen ".
Sollte ich wirklich annehmen? Ich meine, die letzten Tage habe ich Paul nur von mir geschubst und ihm klar gemacht, dass er mich in Ruhe lassen soll. Doch er hat es immer wieder versucht mit seinen flehenden Worten. Doch jetzt erschien er mir anders. Als wolle er wirklich ganz von vorne anfangen, als Buddys und nicht als Lovers. Vielleicht könnte ich mich darauf einlassen. Jedenfalls brauchte ich erstmal eine Ablenkung, und ich war schon lange nicht mehr im Record Store.
" Na gut, dann lass uns losgehen. Ich muss hier sowieso weg ".
[Time Flys]
Nie hätte ich mir erträumen lassen, dass man mit seinem Exfreund soviel Spaß haben kann. Zuerst sind wir mit dem Bus zu Penny Lane gefahren und in den Record Store gegangen. Paul konnte sich am Ende nicht zwischen der Platte von Elvis und der Platte von Buddy Holly entscheiden. Ich stand einfach nur daneben und habe gelacht. " So wie ich dich kenne, stehen wir noch bis morgen hier wenn du dich nicht langsam entscheidest ", hatte ich gesagt und daraufhin musste auch Paul lachen. Der Kassierer war schon sichtlich genervt von uns, doch davon ließen wir uns natürlich nicht beirren. Danach gingen wir zum Kiosk, wo wir uns haufenweise Süßkram kauften. Eigentlich ein No-Go für mich, aber ich hatte Kummer. Und Schokolade macht glücklich, oder nicht. Schließlich aßen wir bei unserem Spaziergang die Süßigkeiten und schwiegen ein wenig. Ich wusste nicht recht, was ich für ein Thema auf den Tisch bringen sollte. Ich war mir ziemlich sicher, dass es Paul nicht anders ging. Meine Augen huschten immer zu ihm und ich hatte das Gefühl, er käme mir näher. Bevor es irgendwie noch peinlicher zwischen uns wurde, räusperte ich mich und schaute mich um. Niemand außer Paul und mir war gerade im Park.
" Lass uns doch vorne am Springbrunnen sitzen. Dann müssen wir nicht die ganzen Packungen mit uns schleppen ".
" Okay, gute Idee ".
Um den Springbrunnen herum war eine große Sitzfläche eingemeißelt, auf der man sich wunderbar hinsetzten konnte. Ich sah mich ein wenig um und knabberte dabei an meiner Tafel Schokolade. Ich wusste auch nicht, was mit mir los war. Erst habe ich um Ruhe vor Paul gefleht, und jetzt hänge ich mit ihm während der Unterrichtszeit im Park ab und nasche Schokolade. Also bei mir sind nun echt ein paar Schrauben locker.
" Weißt du ... ich weiß, dass ist jetzt ein ungünstiger Zeitpunkt .. aber du fehlst mir, Dani. So wie John dich heute behandelt hat. Es war einfach total falsch von ihm. Du hattest das Recht, sauer auf Lilly zu sein. Ich hätte dich niemals so angeschrien ".
" Paul ... du weißt doch, dass es nichts mehr zwischen uns werden kann. Und das mit John ... Ich glaube, ich bin einfach zu weit gegangen. Ich meine, diese ganzen Sprüche gegen Lilly hätte ich mir auch sparen können. Sie war ja ganz friedlich alleine an ihrem Tisch. Und ich habe nur alles wieder aufgezogen, weil ich nicht nachgedacht habe. Ich sollte mich besser bei John entschuldigen ".
" Halt, warte. Wieso solltest du dich entschuldigen? Er sollte sich gefälligst bei dir entschuldigen! Immerhin hat er dich angeschrien und zum Weinen gebracht. Dani, ich lass es nicht zu, dass er dir wehtut. Bleib hier!".
" Ich weiß, dass du nur helfen möchtest, Paul. Und ich bin dir auch dankbar dafür. Aber das mit John habe ich selber ausgelöst, also bin ich auch dafür verantwortlich. Ich sollte besser zu ihm nach Hause gehen und da warten ".
Ich erhob mich von meinem Sitzplatz und wollte losgehen, als Paul mich an die Hand nahm und zurückhielt. Mit seinen großen Kulleraugen sah er auf mich herab und musterte mein erschrockenes Gesicht. Warum hielt er mich zurück? Fing alles wieder von vorne an? Ich dachte, er wollte auf Freundschaft machen. Und jetzt schien er mich wieder festzuhalten. Mein Atem stockte, als seine Hand den Weg hochfand und drauf und dran war, meine Wange zu berühren, als plötzlich:
" Hey, lass die Finger von meiner Freundin!".
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