43. The Morning After
Eine Tür wurde geöffnet und holte mich aus meinem völlig unbequemen Schlaf. Mein Rücken schmerzte und ich hatte es schwer, mich aufzusetzen. Die Person, die im Raum war, hatte mich gar nicht bemerkt. Als ich hörte, wie der Toilettendeckel hochgehoben wurde, öffnete ich verschlafen die Augen. Ich konnte nur eine Sillouette ausmachen, die sich gerade den Hosenstall öffnete. Erschrocken schrie ich kurz auf, was die Person hochspringen ließ. Unsere Blicke trafen sich und ich konnte in zwei große Kulleraugen schauen, die mich verstörend anstarrten.
" Dani, w-w-was machst du hier im Badezimmer?".
" Ich habe mich über Nacht hier reingelegt. Hatte Angst, John würde sich im Bett übergeben ".
" Achso, hehe. I-ich gehe dann mal ".
Mit hochrotem Kopf verließ Paul schleunigst das Bad, was mich kichern ließ. Ich habe nichts gesehen, falls ihr das jetzt denkt. Unter Schmerzen verließ ich meinen Schlafplatz und nahm die Sachen mit ins Wohnzimmer. Pete und Stuart waren schon auf und saßen versteinert auf der Couch. Beide hielten ihre Köpfe und hatten ihren Blick nach unten gerichtet. Ich legte die Decke zusammen und auf Petes Platz.
" Jetzt weiß du, wo deine Decke gewesen ist ", murrte Stuart und lehnte sich zurück. Pete antwortete erst gar nicht und ließ sich mit einem dumpfen Aufprall auf die Matratze plumpsen. Ich schüttelte einfach nur den Kopf bei ihrem Anblick. Meiner Familie schien es nicht wirklich zu stören. Meine Mutter war wie immer in der Küche zugange, während Thomas ungestört die Morgenzeitung las. Ich beschloss, oben nach den anderen drei Grazien zu schauen. Die Tür zu meinem Zimmer war nur angelehnt und somit ging ich einfach hinein. Paul saß mit verkreuzten Beinen auf dem Boden und stimmte an seiner Gitarre herum. Als er mich erblickte, lief sein Kopf erneut rot an und er erhob sich schüchtern. Murmelnd ging er an mir vorbei aus dem Zimmer. Vermutlich will er seinen Toilettengang fortsetzten. Die beiden Jungs schliefen noch. Georges Mund war leicht geöffnet und seine Arme waren weit ausgebreitet. Es sah fast so aus, als würde er jemandem entgegenlaufen. Johns Gesicht war zu mir gedreht. Seine Tolle war völlig zerfranzt und aus seinem Mund lief etwas Speichel, direkt neben ihm aufs Kissen. Innerlich dankte ich Gott dafür, dass ich unten geschlafen habe. Ich machte mich daran, John aufzuwecken bevor er mein komplettes Kissen durchnässt. Mit meinen Fingern fuhr ich seine Augenbrauen nach und gab ihm einen Kuss auf die Nasenspitze. Seine Augenlider flatterten, aber öffneten sich nicht. Ich flüsterte ein paar Mal seinen Namen und gab ihm einen erneuten Kuss, bis seine dunklen Pupilen zu sehen waren und mich anschauten.
" Morgen, Johnny ".
" Dani ... was ist passiert?".
" Ihr habt gestern mal wieder zuviel getrunken, Mister ".
" Wirklich? Aua, mein Kopf ".
Er wollte sich aufsetzten, was aber kläglich scheiterte. Hinter mir kam ein kleiner George zu sich und streckte seine Arme nach oben. Seine Frisur hang auf halb acht und er guckte mich mit einem verschlafenden Lächeln an.
" Guten Morgen, Dani ".
" Morgen, Georgie. Gut geschlafen?".
" Mir ging es nie besser ".
" Wenigstens zwei von euch ".
Erneut glitt mein Blick zu John, der seine Augen wieder geschlossen hat. Ich legte meine Hand auf seine Stirn und massierte seine Schläfen. John brummte und lehnte seinen Kopf etwas zu mir rüber. Er genoss es, was mich zum Lächeln brachte. Paul kam von seinem Toilettengang zurück und setzte sich wieder zu seiner Gitarre, als wäre nichts passiert. Die Röte in seinem Gesicht blieb mir dabei nicht verborgen. John murmelte etwas Unverständliches und setzte sich erneut auf, schaffte es diesmal. Wackelig stand er auf und ging die Treppen runter. Ich beobachtete ihn, bis er heil unten angekommen war und im Bad verschwand. Dann wandte ich mich Paul zu, der aufgehört hat seine Gitarre zu spielen. Körperlich schien es ihm genauso gut zu gehen wie George, der sich wieder hingelgt hatte und anfing zu schnarchen. Ich setzte mich vor Paul auf den Boden und schauten ihn mit einem schiefen Blick an. Er musste bei meinem Gesichtsausdruck lächeln und schaffte es endlich, mir in die Augen zu schauen.
" Keine Sorge, ich habe nichts gesehen ".
" O-Okay. Tut mir leid, ich habe dich nicht wahrgenommen ".
" Ich nehm es dir nicht übel. Niemand kann damit rechnen, dass ein Mädchen in der Wanne pennt ".
" Da hast du allerdings recht ".
Wir lachten beide auf und schauten uns an. Unser Lächeln verschwindete nicht, bis Pauls Blick auf meine Lippen glitt. Ich biss mir auf die Unterlippe und musterte ihn. Paul schob sich mit beiden Armen etwas vor und legte sie sanft auf meine Oberschenkel ab. Mein Herz schlug schneller, dass ich am Liebsten aufgeschrien hätte. Bevor etwas zwischen uns passieren konnte, wurde die Tür aufgeschlagen, was uns beide auseinander brachte. John sah uns mit kleinen Augen an, sagte aber nichts. In seinem dösigen Zustand schien er gar nichts wirklich wahrzunehmen. Er wankte mehr oder weniger ins Bett zurück und schlug die Decke über seinen Kopf.
" Mach dieses schreckliche Sonnenlicht weg. Es bereitet mir Kopfschmerzen ".
" Jetzt reg dich nicht auf, Johnny. Du hast gestern einfach übertrieben. Gut, das Ringo geholfen hat ".
" Ringo?".
" Na, der Drummer von Rory. Er hat uns doch besucht ".
" Gott, ich weiß gar nichts mehr ".
Er schlug sich die Hände vors Gesicht und atmete hörbar aus. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. John sah mich mit einem strafenden Blick an. Mit einem süßen Lächeln gesellte ich mich zu ihm aufs Bett und strich durch sein zerstruppeltes Haar. Zuerst schien es ihm nicht zu gefallen, bis er sich schließlich beruhigte und seine Gesichtszüge sich entspannten. Als meine Mutter uns zum Essen rief, mussten wir alle missmutig aufstehen. Während ich John aufhalf, weckte Paul George auf.
Am Esstisch war es relativ schweigsam. Die Jungs würgten mehr oder weniger das Essen runter. Zumindest drei von ihnen. Ihr Anblick tat mir schon fast leid. Als es überraschend an der Tür klopfte, machte meine Mutter auf und ließ eine fröhliche Julia eintreten.
" Guten Morgen!".
" Gehts noch lauter?".
" Bleib locker, John. Dani, rate mal, welche Schule heute frei bekommen hat?".
" Unsere?".
" Richtig!".
John grummelte unzufrieden und schenkte Julia einen reichlich giftigen Blick, was sie mit einem provozierenden Lächeln konterte. Bevor es zwischen den Beiden noch ausartet, packte ich Julia bei der Hand und schob sie ins Wohnzimmer.
" Hast du Lust, heute Shoppen zu gehen? Martin wird auch dabei sein ".
" Ich weiß nicht. Die Jungs ..".
" Du kannst doch wohl einen Tag ohne John auskommen. Mir scheint es jedenfalls so, als wäre er heute zu gar nichts in der Lage. War es denn noch schön gestern?".
" Allerdings. Du hättest wirklich dabei sein müssen. Aber wer konnte ahnen, das ausgerechnet heute die Schule ausfällt ".
Wir kicherten und Julia entschuldigte sich kurz, um zur Toilette zu gehen. Ich ging ich zurück in die Küche und bat meine Mutter um Erlaubnis fürs Shoppen. Sie willigte ein, hatte aber einen strengen Blick aufgesetzt. Ich wusste, woran sie dachte und selbst mir wurde bei dem Gedanken leicht übel. John hatte gar keine Nerven dafür, über Kingston nachzudenken. Er stand mit einem schmerzhaften Stöhnen auf, gab mir einen Kuss und wünschte mir viel Spaß, bevor er sich in mein Zimmer verpieselte. Meine Mutter sah ihm verwirrt hinterher und als ihr Blick auf mir fiel, zuckte ich nur lächelnd mit den Schultern.
Als Julia zurückkam, verabschiedete ich mich von den anderen und ging mit ihr zur nächsten U-Bahn Station. Wir stiegen in die Nächste ein, die uns in die Mönckebergstraße fuhr. Als wir diese betraten, trafen wir auch schon auf Martin, der mich mit einer dicken Umarmung begrüßte. Schließlich hatten wir uns eine zeitlang nicht gesehen. Wir hatten nicht einmal Zeit, uns zu unterhalten als Julia uns schon in den ersten Klamottenladen reinzog. In wirklich jeder Ecke fand sie was zum Anprobieren, was nicht nur Martin auf die Nerven ging. Während ich mir vielleicht drei Teile bei unserer Shoppingtour gekauft hatte, sind bei Julia fast vier Einkaufstaschen zusammengekommen. Ich fragte mich dabei ernsthaft, wo sie das ganze Geld her hatte.
" Lasst uns noch da vorne reingehen ".
" Och ne, Julia. Ich kann nicht mehr laufen, und deine Taschen sind nicht gerade leicht ".
" Sei ein Mann, Martin. Dani, sag du doch etwas ".
" Ich muss Martin leider rechtgeben. Findest du nicht, dass wir in genug Geschäften gewesen sind?".
" Na schön. Dann lasst uns wenigstens noch in den kleinen Imbiss da vorne rein ".
Solange es dort etwas zum Sitzen gibt, waren wir damit einverstanden. Kaum hatten wir den Laden betreten, wollte ich wieder Rückwärts rausgehen. Eingefroren blieb ich stehen und starrte auf die kleine Jungsgruppe, die in der hintersten Ecke saß und rauchte. Meine Augen hatten sich auf eine Person fixiert, die ich am Liebsten nie wieder sehen wollte.
" Was ist los?", fragte Martin verwundert und packte mich an der Schulter. Er wusste anscheinend noch gar nichts von dem Zwischenfall mit mir und Stephan. Julia hatte Stephan nicht bemerkt und zog uns in die nächstbeste Sitzecke. Steif wie ein Brett setzte ich mich langsam an den Tisch und blickte auf die Holzplatte vor mir. Ein Kellner kam und trug die Bestellung ein. Julia musste mich zuerst anstupsen, damit ich mich äußerte. Als der Mann verschwunden war, drehten sich meine Freunde zu mir.
" Was'n los mit dir?".
" Da hinten sitzt ER!".
Julia drehte sich in die von mir gezeigte Richtung, und ich konnte erkennen, dass sie nervös schluckte. Martin sah verwirrt zwischen uns hin und her. Ich würde ihm gerne den Fall erklären, aber nicht hier. Als der Kellner unser Essen brachte, blickte ich verloren auf meinen Teller und aß keinen Bissen. Mir war der Appetit reichlich vergangen. Martin fragte erneut, was los war.
" Das kann ich dir nicht hier erklären. Komm später zu mir nach Hause ".
" Okay ".
[ 1 Stunde später]
Julia hatte sich von uns verabschiedet, bevor Martin und ich zu mir nach Hause gingen. Ich erklärte ihm kurz und knapp, dass Freunde aus England bei mir wohnen und er sich nicht wundern sollte. Thomas empfing uns an der Haustür, als er mit Teddy spazieren gehen wollte. Martin stellte sich ihm kurz vor, bevor ich mit ihm nach oben verschwand. Als ich die Tür zu meinem Zimmer öffnete, saßen alle Jungs versammelt auf dem Boden mit ihren Instrumenten und starrten uns an. Johns ernste Stimme ließ mich zusammenzucken.
" Dani .. wer ist das?".
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PS: So stelle ich mir Julia und Martin vor, also vom Aussehen her in meiner Story.
[ Gab es leider nur in Pärchenform :D ]
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