27. As I Write This Letter
Als die Schulglocke das letzte Mal zum Ende klingelte, war Stephan mit seiner Gang einer der Ersten, die den Raum im Galopp verließen. Ich schüttelte nur genervt den Kopf, während ich meinen Stuhl hochstellte und zu Julia und Martin ging. Beide lächelten mich an, als wir schließlich gemeinsam das Gebäude verließen.
" Wer genau ist eigentlich dieser Stephan?".
" Sein Name ist Stephan Kingston. Da seine Familie ursprünglich aus England kommt, ist sein Nachname so komisch. Er wurde hier in Hamburg geboren und ist ein richtiger Macho. Denkt, er wäre der King of the Reeperbahn und erzählt jedes mal von den vielen Strippern, die er schon dran gekriegt hat ".
Ich schaute zur linken Seite und erhaschte einen Blick auf diesen Idioten Kingston, der zu seinem eigenen Vorteil einem Mädchen den Rock runterzog. Ist ja widerlich, dachte ich mir und schüttelte mich leicht vor Ekel. Martin folgte meinem Blick und schüttelte nur den Kopf.
" Ich frage mich auch schon, wieso diese Schule ihn aufgenommen hat. Er macht nichts als Ärger. Seine Kumpels machen alles mit, gehen mit ihm feiern, klauen, rauchen ...".
" Und dabei hat seine Familie selber nicht viel ".
" Ach komm, Julia. Das weißt du doch gar nicht ".
" Ich habe es auf dem Mädchenklo mitbekommen. Dort haben sie gemunkelt, dass die Firma seines Vaters pleite gegangen sei. Und jetzt stehen sie in den Ruinen ".
Während Julia und Martin sich über Stephans Existenz stritten, hing ich meinen Gedanken nach. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass John auch mal so gewesen ist. Noch nie habe ich jegliche Auseinandersetzungen zwischen ihm und anderen Leuten mitbekommen. Und das er Mädchen die Röcke runterzog, schien mir als absurd. Hoffentlich vermisste er mich nicht allzusehr.
" Erde an Dani..jemand zuhause?"
" Was? ehm ja ".
" Hast du deinem John schon einen Brief geschrieben?".
Darauf bin ich wirklich noch nie gekommen. Er kannte meine Adresse nicht, aber ich seine. Und so könnte ich mit ihm wenigstens in Kontakt bleiben. Ich hätte ihm jetzt schon so vieles zu erzählen. Mit einem Lächeln schüttelte ich den Kopf, versprach Julia aber es heute noch zu machen. Als wir uns an der Hauptstraße trennten, hupte ein Auto in der Nähe und Thomas kam mit seinem Mercedes an den Bürgersteig angefahren.
" Steig ein!".
Ich stieg neben ihm ein, bevor Thomas ein halbe Kurve machte und den Rückweg antrat. Gespannt fragte er mich, wie der Schultag gelaufen war. Mit ein klein wenig Begeisterung erzählte ich ihm von Julia und Martin, die mich herzlich aufgenommen hatten. Als ich von Stephan Kingston berichtete, war meine Laune sofort im Keller. Thomas merkte dies, und fing an zu lachen.
" Ich kenne die Kingston Familie. Sie sind recht harmlos und haben nicht viel Geld, nachdem das Unternehmen pleite gegangen ist. Stephan ist eigentlich ein netter Kerl. Du musst ihn nur besser kennenlernen ".
" Netter Kerl? Mädchen den Rock runterzuziehen findest du nett?".
" Also deine Mutter würde es bestimmt lustig finden, wenn ich es bei ihr täte ".
Er lachte über seinen eigenen Witz, während ich ihm eine Kopfnuss verpasste. Thomas war schon ziemlich bescheuert, aber dafür nett und lustig. Bei ihm zuhause angekommen, begrüßte mich ein aufgeregter Teddy und eine kochende Mum, die ebenfalls nach meinem ersten Schultag fragte. Noch einmal erzählte ich alles von vorne, was ich auch schon Thomas berichtet hatte.
" Er würde es übrigens auch bei dir tun ".
" Was?".
" Dani!".
Noch nie habe ich meine Mutter und Thomas so rot anlaufen sehen vor Scham. Mit einem krampfhaften Lachen ging ich schnell hinauf in mein Zimmer und ließ mich seufzend in das Bett fallen. Ich musste zugeben, etwas Spaß hatte ich hier schon. Aber ich darf nicht vergessen, John wartet auf mich. Und ich warte auch auf ihn. Da fiel mir wieder ein, dass ich ihm einen Brief schreiben wollte. Ich holte aus meinem Schulrucksack ein Blatt Papier und einen Stift aus meinem Federmäppchen hervor und fing sogleich an zu schreiben.
Lieber John,
ich bin gut in Hamburg angekommen und es vergeht keine Stunde, wo ich nicht an dich denke. Meinen ersten Schultag habe ich gut überstanden, auch wenn ich neben einem Vollidioten sitzen muss. Sein Name ist Stephan Kingston. Er denkt, er ist der Tollste und der Coolste. Hoffentlich bist du nicht so während meiner Abwesenheit. Bleib einfach so, wie du bist Johnny!
Dafür habe ich zwei nette Klassenkameraden kennengelernt, Julia und Martin. Sie halten mich relativ von diesem Jungen fern und ich habe echt ein gutes Gefühl in ihrer Gegenwart. Meine Mutter hat einen neuen Mann kennegelernt, sein Name ist Thomas. Er ist ein wirklich lieber Mensch und lustig dazu. Sein Schäferhund heißt Teddy und der folgt mir überall mit hin. (:
Wie läuft es mit der Band? Ich hoffe, ihr habt neue Auftritte bekommen und seit fleißig am Üben. Ich vermisse dich, John. Jede Minute muss ich an dich denken. Ich wünschte, du wärst bei mir und könntest mit mir gemeinsam Hamburg entdecken. Ich liebe dich vom ganzen Herzen. Vergiss das bitte niemals...und vergiss mich nicht. Schreib mir schnell zurück, ja. Und grüße bitte alle von mir <3
In Liebe,
Dani ♥
PS: Ich weiß, es klingt absurd. Aber könntest du etwas auf meinem Vater aufpassen. Ich möchte nicht, dass ihm etwas passiert. Danke, ich liebe dich dafür!
Seufzend legte ich den Stift aus der Hand und las mir alles nochmal durch. Hoffentlich wird John dieser Brief gefallen. Ich bin mir sicher, er wird zurückschreiben. Unten im Flur suchte ich nach einem Briefumschlag. Die Briefmarke draufgeklebt, suchte ich draußen den nächstegelegenden Postkasten. Am Ende der Seitenstraße fand ich schließlich einen und warf den Brief mit einem letzten Kuss rein. Mit einem leichten Lächeln ging ich den Weg zurück. Bald wird John diesen Brief erhalten. Ich würde zu gerne sein Gesicht sehen, wenn er den Umschlag öffnet.
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