17. Crying, Hoping
" Mum?".
" Dani, wie geht es dir? Ich habe ewig nichts von dir gehört".
" Vielleicht liegt es daran, dass du abgehauen bist ".
" Liebes ... bitte mach es mir nicht schwerer, als es eigentlich ist ".
" Das Gleiche könnte ich auch zu dir sagen ".
Es war Schweigen am anderen Ende der Leitung. Paul gesellte sich neugierig zu mir, während ich nervös mit den Kabel spielte. Zuerst wollte ich auflegen, als ich erneut die Stimme meiner Mutter hörte.
" Hör zu. Ich weiß, wie sehr ich dich verletzte habe und es tut mir leid. Aber dein Vater und ich, wir haben uns auseinandergelebt, verstehst du? Ich konnte diese Streitereien nicht länger mitmachen, auch wegen dir nicht. Ich hoffe, dir gefällt es immer noch in Liverpool. Wie geht es Paul, und John?".
" Den Beiden geht es gut. Sie haben heute ihren großen Auftritt im Cavern Club ".
Paul lächelte breit und senkte seinen Blick nach unten. Ich schaute aus dem Fenster und dachte über die gemeinsame Familienzeit nach. Mum und Dad verstehen sich nicht mehr ... es ist irgendwie kaum vorstellbar.
" Dani, bist du noch dran?".
" Was? Ehm ja, ich bin noch da ".
" Ich werde morgen früh nach Liverpool kommen und mit deinem Vater einige Sachen klären. Ich würde mich freuen, wenn du auch dabei wärst ".
" O-Okay, Mum. Ich freue mich ".
" Ich mich auch, Liebes. Grüß deinen Freunden von mir ".
" Mach ich, Tschüß!".
Mit einem Seufzen legte ich den Hörer zurück und saß einige Sekunden still da. Was meinte sie mit einige Sachen klären? Paul legte eine Hand auf meine Schulter, weswegen ich mich reflexartig zu ihm drehte. " Ist alles okay?", fragte er mit einer besorgten Stimme. Ich wusste nicht wirklich, was ich antworten sollte. Zur Bestätigung nickte ich nur und versuchte, mich zu entspannen.
" Ich soll grüßen von meiner Mum ".
" Danke. Darf ich fragen, wo sie eigentlich ist?".
In mir machte sich ein Kloß breit, den ich nicht runterschlucken konnte. Mir wurde bewusst, in welch einer Zwickmühle ich mich befand. Wenn meine Eltern sich wirklich trennten .. was wird dann aus mir?
" Dani?".
Ich merkte nicht einmal, wie sich Tränen in meinen Augen bildeten. Erst als Paul mich fest umarmte, kam ich wieder zu mir. Unbewusst krallte ich mich in seine Jacke und schluchzte leise. Ich nahm seinen Geruch wahr und kuschelte mich enger an ihn heran. Paul schien es nichts auszumachen. Er strich vorsichtig mein langes Haar entlang und flüsterte beruhigende Worte in mein Ohr.
Nach gefühlten zehn Minuten löste ich mich von ihm und fuhr mit meinem Handrücken über die Augen. Ich traute mich nicht, Paul anzusehen. Bestimmt sah ich aus wie ein Clown mit der nun komplett verschmierten Schminke. Wäre besser, wenn ich sie vorerst abwasche.
" Ich geh kurz ins Badezimmer. Meine Schminke brennt in den Augen ".
" Ist okay. Ich warte hier, ja ".
Im Badezimmer schloss ich mich ein und spritze warmes Wasser in mein verheultes Gesicht. Blind griff ich nach einer Seife und wusch mein komplettes Gesicht ab. Nachdem ich zumindest etwas frisch aussah, wollte ich zurück zu Paul, als es unerwartet an der Haustür klopfte. Etwas zurückhaltend ging ich die Treppenstufen hinunter, bis ich direkt vor der Tür stand. Zuerst machte ich sie einen kleinen Spalt auf, bis ich erkannte wer vor mir stand.
" John?".
" 'ey ..".
" Hi ..".
Nervös biss ich mir auf die Unterlippe, während John mich eingehend betrachtete. Ich vermied seinen Blick und schaute auf meine Schuhe, die ich immer noch anhatte.
" Ich wollte mich entschuldigen wegen heute morgen. Das war nicht richtig von mir ".
" E-es ist schon okay ..".
"I-ist wieder alles gut, also zwischen uns beiden?".
" Ich .. Ich denke schon ".
John trat einen Schritt auf mich zu, und umarmte mich fest. Ich stand zuerst steif da, bis sich meine Arme vorsichtig um seinen Nacken schlangen. Innerlich hoffte ich, dass Paul nicht runterkommen wird. Und ich hoffte auch, dass John nicht reinkommen wird. Sonst wäre in meinem Leben wahrscheinlich alles aus.
" Ich liebe dich ".
" I-ich dich auch ".
Wir lösten uns leicht voneinander, bevor John mir einen zärtlichen Kuss gab. Es fühlte sich irgendwie so fremd an. Als würden wir uns gar nicht kennen. Vielleicht lag es auch daran, dass wir uns heute kaum gesehen haben. Ich versuchte, diesen Gedanken abzuschütteln.
" Ich wollte fragen, ob ich dich heute Abend abholen kann. Für unseren Gig ".
" Nein ... also ja... also ".
" Alles in Ordnung, luv?".
" Ja, alles gut ",
" Also?".
" Ehm .. ja kannst du ",
" Okay, ich hole dich 18 Uhr ab, ja ".
" Okay ".
John gab mir einen Kuss auf die Wange, bevor er kehrt machte und nach Hause trottete. Langsam schloss ich die Tür und drehte mich Richtung Treppe, als ich gegen jemanden stoß. Erschrocken sah ich hoch und schaute in Pauls große, traurige Augen. " Du gehst also mit ihm ". Sofort wich ich seinem Blick aus, kaute auf meiner Unterlippe herum. Ich wusste wirklich nicht, was ich sagen sollte. Ich wollte doch zuerst Nein sagen, aber ich konnte am Ende nicht. John hätte mit Sicherheit gewusst, dass etwas komisch ist.
" Bitte sei nicht sauer, Paul ".
" Das bin ich nicht ".
Ich schaute zu ihm auf, bevor er eine Hand auf meine Wange legte.
" Ich habe euer Gespräch von oben mitbekommen. Mir war klar, dass du nicht Nein sagen konntest. John wär bestimmt auf komischen Gedanken gekommen. Aber wir sehen uns trotzdem beim Cavern, oder?".
" Natürlich ".
" Gut. Feuer uns an, ja ".
" Das werde ich ".
Wir tauschten lächelnde Blicke aus, bevor Paul die Haustür öffnete. Bevor er zurück nach Hause ging, kam er noch einmal zu mir zurück und beugte sich leicht vor. Seine Lippen trafen meine Wange und gaben mir einen vorsichtigen Kuss, bevor er mich ein letztes Mal ansah.
" Bis heute Abend ".
" Ja .. bis heute Abend ".
Ich schloss die Tür hinter mir und rutschte an dieser hinab. Hoffentlich wird alles gut werden.
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