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"Ich werde noch verrückt!", seufzte Tony neben mir. Das ganze Jahr schon redete man von nichts anderem mehr als den bevorstehenden Jahrtausendwechsel. Besonders in den letzten Wochen waren die Gespräche noch sorgenvoller geworden, da das Ereignis nur noch wenige Tage entfernt war. Viele hatten sämtliches Geld von den Banken abgehoben und sich mit Lebensmitteln für ein Jahr eingedeckt, denn die Angst vor einem bevorstehenden Weltuntergang war groß. Auch in der Schule wurde viel über das Thema diskutiert und so auch heute wieder. Doch noch bevor Tony die Nerven verlieren konnte, klingelte es zur Pause und der Unterricht war vorbei.
Sobald wir aus dem Raum raus waren, nahm er mich beiseite. Ich kannte das schon, er regte sich nun schon seit Wochen immer wieder auf. "Als ob die Welt untergehen würde! Es ist beim letzten Jahrtausendwechsel nicht passiert und noch lange bevor die Zeitrechnung überhaupt erfunden worden ist nicht. Außerdem ist der richtige Jahrtausendwechsel eh erst nächstes Jahr! Schließlich gibt es kein Jahr Null und somit geht ein Jahrtausend von 1-1001 und von 1001 bis 2001! Einmal abgesehen davon wird der Weltuntergang nicht von einem Typen abhängen, der vermutlich eh nur einem Märchen entsprungen ist, dass zu ernst genommen wird!", sprach Anthony. Ich musste Schmunzeln, denn es war schon amüsant, aber auch unglaublich süß, wie er sich immerwieder reinsteigerte. "Nicht alle können so schlau sein, wie du!", lachte ich und zog ihn mit mir mit zu unseren Spinden. Schließlich würde die Schule nicht pausieren bis Tony mit seinem Monolog fertig war. "Außerdem kann man es uns Normalsterblichen nicht verübeln, dass wir Angst haben, schließlich wird diese wie ein riesiges Martinsfeuer geschürt!", versuchte ich ein weiteres Mal ihm eine andere Sicht der Dinge zu vermitteln, doch es war zwecklos. "Man kann doch wohl von einem Menschen erwarten, dass er sein Gehirn wenigstens ein bisschen einsetzt!", beschwerte Tony sich weiter. "Es heißt nicht umsonst Massenpanik! Wenn es ersteinmal angefangen hat, ist es schwer wieder abzuschütteln!", wand ich ein. "Naja wenigstens hast du dich davon nicht anstecken lassen!", sprach Anthony ein wenig aufgemuntert. Als ich ihm jedoch nicht antwortete, sondern weiter in meinem Sprint herum kramte, sah er mich eindringlich an. "Josie?" Weiter tat ich geschäftig, denn wenn ich ehrlich war, so war ich nicht so immun gegen Angst, wie Tony es vielleicht von mir dachte. "Ich muss los, wir sehen uns dann später!", informierte ich ihn und wollte gehen, doch ganz der gute Freund sorgte er Mal wieder dafür, dass ich wohl zu spät zum nächsten Unterricht kommen würde, denn er stellte sich mir in den Weg. "Josephine? Sei bitte ehrlich: Hast du Angst?", fragte er mich sanft. Stur sah ich auf den Boden. "Tony bitte, ich muss los!" "Nein, rede mit mir!", flehte er mich an. Schweigend wartete ich darauf, dass er aufgab, doch er war leider wirklich der schlauste Mensch, den ich kannte, weshalb er auch leider die Situation richtig deutete. Obwohl das vermutlich selbst Hammer hinbekommen könnten, wobei ich mir bei ihm doch nicht ganz so sicher war. "Josie? Hey, komm schon, rede mit mir!", versuchte er es erneut. "Wozu denn? Damit du mir nun schon zum tausendsten Mal erklären kannst, wie dumm ich bin und der Weltuntergang totaler Schwachsinn ist? Ich kann mich nun einmal nicht soweit ausklinken, dass mir die Massenpanik nichts ausmacht. Selbst meine Eltern rennen jeden Tag zur Bank oder in den Supermarkt!", erklärte ich ihm mit Tränen in den Augen. Betroffen sah er mich an und ich erkannte meine Chance und wollte mich an ihm vorbei drängen, doch er reagierte schnell und schloss mich fest in seine erstaunlich starken Arme. "Es tut mir leid, ich wollte dich nie persönlich angreifen! Ich hätte vorsichtiger sein sollen! Ich halte mich zwar gerne für schlau, aber ich bin ein Idiot!", entschuldigte er sich während ich mich an ihn klammerte und Trost in seiner Wärme suchte. "Schon gut und es ist nicht schwer ein schlauer Idiot zu sein!", nuschelte ich.
Nach einiger Zeit lösten wir uns wieder aus unserer Umarmung. Sobald Tony wieder mein Gesicht sehen konnte, strich er mir eine Haarsträhne hinters Ohr und sah mir fest in die Augen. "Dir wird nichts geschehen!" Die Art, wie er es sagte, brachte mich sogar dazu, ihm zu glauben, denn obwohl ich wusste, dass selbst er einen Weltuntergang nicht verhindern könnte, reichte dieser eine simple Satz um mich zu überzeugen, solange er von ihm stammte. Leicht lächelte ich ihn an. "Ich muss jetzt aber wirklich los!", drängte ich. "Wieso, wenn die Welt noch diese Woche untergeht, warum sollten wir dann noch in die Schule? Das, was wir versuchen zu lernen, werden wir dann eh nie einsetzten können!", erwiederte er mit einem frechen Funkeln in den Augen und brachte mich zum Lachen. "Du sagtest doch aber, dass es sobald keinen Weltuntergang geben wird und ich persönlich kann es mir nicht leisten zu schwänzen!", errinerte ich ihn. "Na gut, das war ein Eigentor meinerseits, aber Silvester feiern wir bei mir!", bestimmte er. Zweifelnd sah ich ihn an. "Tony, meine Eltern we..." "Keine Widerrede!", unterbrach er mich. Ergeben lächelte ich ihn an. Ich würde das schon irgendwie hinbekommen, doch vorher musste ich noch den letzten Schultag überstehen.
(Nachrichten am Nachmittag)
Josie Tony
Unglaublich, meine Eltern
haben es mir sogar erlaubt,
dass ich Silvester bei dir sein
kann!
Super! Dann sehen wir uns
spätestens am 31.12 um 12 Uhr!
Geht klar! Soll ich irgendetwas mitbringen?
Josephine, ich bin ein brillianter Milliardär!
Und bescheiden XD
Ich muss meine Talente eben nicht verstecken! XD
Ja, das stimmt auch
wieder...
Ich bin über Weihnachten
bei Verwandten und ich
weiß nicht, ob ich dort
schreiben kann. Ich wünsche
dir schonmal schöne (und
hoffentlich nicht letzte)
Feiertage und ein wunderschönes Weihnachtsfest!
Schöne Feiertage? Ohne dich?
Wird schwer, aber dir zuliebe
gebe ich mein bestes! ;)
Ich wünsche dir auch ein tolles Weihnachtsfest! Ich denke an dich!
(^^) Ich auch an dich! Bis dann!
Zwei Tage später war Weihnachten und entgegen vieler Erwartungen, dass der Jahrtausendwechsel die Feierlichkeiten trüben würde, wurde es das größte Weihnachtsfest aller Zeiten, denn wenn die Welt schon untergehen würde, dann würden wir wenigstens dieses letzte Weihnachten gebührend feiern! Das einzige, was meine Laune jedoch trübte, war die Tatsache, dass Tony mehrere Kilometer weit entfernt war, denn obwohl wir nicht zusammen waren, vermisste ich ihn, als würden wir eine Fernbeziehung führen.
Am 30. Dezember fuhren wir wieder nach Hause. Die Fahrt dauerte höchstens vier Stunden, aber mir kam es so vor, als wären es vier Jahre. Als wir endlich ankamen, war es schon dunkel, sodass wir nur noch schnell etwas aßen und ich dann ins Bett sprintete. Obwohl ich die ganze Zeit an Anthony denken musste und ein starkes Kribbeln im Bauch verspürte, konnte ich zum Glück sehr schnell einschlafen, weil der Tag sehr anstrengend gewesen war.
Endlich war es so weit und ich stand mit einer großen Tasche mit Übernachtungszeug vor Tonys Haus. Als ich klingelte, öffnete mir ein alter Mann mit lebhaften Augen. "Guten Tag junge Dame! Mein Name ist Edwin Jarvis. Ich bin der Butler von Mr. Stark. Sie müssen wohl Josephine sein?" Ich nickte. Mir war noch nie aufgefallen, dass ich Tony noch nie besucht hatte. Mr. Jarvis trat beiseite um mich eintreten zu lassen. Noch bevor er die Tür geschlossen hatte, preschte schon der Junge auf mich zu, der mein einziger Weihnachtswunsch gewesen war. "Hi Josie!", begrüßte er mich überschwenglich und umarmte mich. Überrascht, aber mit einem breiten Grinsen erwiederte ich die Umarmung. "Hi Tony!" "Und, wie schwer waren die letzten Tage ohne mich auszuhalten?", wollte der Gastgeber wissen. "Ach, es war der reinste Urlaub!", scherzte ich, was auch Tony zum lachen brachte. "Jarvis, Sie können nun gerne nach Hause fahren! Wir werden alleine zu Recht kommen, sie müssen sich keine Sorgen machen!", sprach er nun an den Butler gewandt. "Sind sie sicher Sir?", erkundigte sich der Mann. Mit einem Lächeln bejahte Tony und verabschiedete Jarvis. Nun waren wir alleine in diesem riesigen Haus. Grinsend sah Anthony mich an. "Und, was stellen wir als erstes an?"
Elfeinhalb Stunden später saßen wir immernoch auf den Sofa, während gerade der letzte Abspann für heute lief. Wir hatten nicht sehr viel angestellt, denn unser gesamte Tag hatte aus ein paar Runden Billiard, Pizza und dutzenden von Filmen bestanden. "Und, wie überbrücken wir die letzte halbe Stunde unseres Lebens?", scherzte Tony. Ich lachte, doch langsam würde mir mulmig zumute. Was, wenn es wirklich die letzten Minuten waren, die uns noch blieben? Ich hob meinen Kopf ein wenig um Tony in die Augen sehen zu können und sofort verschwand das schlechte Gefühl wieder. Wenn heute wirklich die Welt untergehen würde, dann wäre ich genau da, wo ich sein sollte: bei Tony oder viel mehr in seinen Armen, denn wir hatten uns beim Filme schauen aneinander gekuschelt. Mein Kopf hatte an seiner Brust gelehnt, bis ich ihn gehoben hatte, doch Tonys Arm lag immer noch um mich gechlungen. "Hast du Angst?", fragte er mich plötzlich. "Wieso sollte ich, du beschützt mich doch!", antwortete ich grinsend. "Stimmt. Und egal, was heute Nacht passiert, das wird auch ewig so bleiben!", versprach er mir. Darauf wusste ich nichts mehr zu erwiedern und sah ihn einfach nur schweigend, aber lächelnd, an.
Ich wusste nicht, wie lange das so ging, aber plötzlich ertönte ein lauter Knall. Ich zuckte zusammen, doch Tony zog mich schnell enger an sich und sah mit wachsamen Blick zur Terrassentür. Wir hörten beide ein Lachen und danach eine stark betrunkene Entschuldigen. Ich atmete erleichtert aus und auch Tony entspannte sich wieder. Mit einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass wir nur noch zehn Minuten hatten. Auch dem Mann neben mir war das aufgefallen. Er stand auf und hielt mir seine Hand hin. "Mylady, wenn ich bitten darf." Lächelnd ergriff ich seine ausgestreckte Hand und erhob mich ebenfalls vom Sofa. Er zog mich immernoch Hand in Hand zu einer Treppe, die aufs Dach führte. Bevor wir mit dem Anstieg begannen, gab er mir noch schnell seine Jacke. "Hier, es ist bestimmt kalt draußen!" Lächelnd nahm ich sie entgegen. "Danke"
Oben angekommen konnte ich, obwohl es Nacht war, einen wunderschönen Garten erkennen, denn hier und da waren kleine Kugeln auf dem Boden, die sanftes Licht ausstrahlten. Überall wuchsen die exotischsten Blumen in den verschiedensten Farben. "Ich dachte mir, unten sind zu viele betrunkene und oder dumme Menschen, die nur nerven, da ist es schöner, wenn wir hier oben sind. Ich habe nie verstanden, warum meine Mutter sich so intensiv um den Garten hier oben gekümmert hat und nicht den Gärtner geschickt hat, aber jetzt verstehe ich wieso", flüsterte Tony. "Es ist wirklich wunderschön!", staunte ich und drehte mich zu ihm um. "Fast so schön wie du!", raunte er. "Ich habe zwar gesagt, dass die Welt nicht untergehen wird, aber falls doch..." "Das wird sie nicht!", unterbrach ich ihn. "Aber falls doch, dann möchte ich eine Sache vorher noch tun!", setzte er seinen Satz fort. "Du weißt schon, dass wir weniger als fünf Minuten haben?", wieß ich ihn auf die Uhrzeit hin. "In fünf Minuten kann man noch viel machen! Man könnte der Liebe seines Lebens zum Beispiel sagen, dass man sie liebt. Dass ich dich liebe", erklärte er. Das hatte ich jetzt nicht kommen sehen und war völlig überrumpelt. Doch als Tony seine Lippen sanft auf meine legte, erwachte ich aus meiner Trance und realisierte, dass das gerade wirklich geschah. Schnell legte ich meine Hände in seinen Nacken, bevor er aufhören konnte und erwiederte den Kuss. Ich spürte ihn lächeln und bald darauf schlang er seine Arme auch schon um meine Hüfte und zog mich enger an ihn heran. "Denkst du, es bleibt noch genug Zeit dafür, dass ich dir sagen kann, dass ich der Liebe meines Lebens das selbe sagen kann?", fragte ich ihn. "Bestimmt!", antwortete er mit einem Lächeln auf seinen wunderbar weichen Lippen. Jedoch verschwand dieses sofort wieder, als ich sagte: "Gut, dann bleib Mal kurz hier, ich bin gleich wieder da!" Lange konnte ich ihn jedoch nicht völlig entsetzt da stehen lassen. Also lächelte ich ihn liebevoll an und sprach: "Ich liebe dich doch auch, Dummerchen!" Das Entsetzen in seinem Blick wich Erstaunen und bald legte sich ein breites Grinsen auf sein Gesicht, bevor er mich wieder an sich zog und zum ersten Mal in diesem Jahrtausend küsste.
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"Ich werde noch verrückt!" Der erste Satz dieser Oneshot beschreibt so ziehmlich meine Gedanken. Ich kann nicht glauben, dass tatsächlich schon über 2000 Leute diese Oneshots gelesen haben! Weder heute und noch weniger als ich angefangen habe überhaupt auf Wattpad zu schreiben. Eigentlich konnte ich einfach nur nicht einschlafen und hatte eine Idee. Also hab ich sie aufgeschrieben und hätte nie gedacht, dass ich Mal so gerne so viel schreiben würde und ich hätte erst Recht niemals gedacht, dass es dann auch noch so viele lesen. Also danke an alle Leser da draußen, denn ich grinsend jedesmal wie verrückt, wenn sich Mal wieder jemand in diese Oneshotsammlung verirrt. Es ist einfach unbeschreiblich.
Vielen vielen vielen Dank!!!
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