Kapitel 160
(Roman)
Ich fühl mich wie der letzte Dreck und Michèle geht es ähnlich. Tagsüber reden wir nicht viel miteinander, sie will immer ein Gespräch anfangen, aber traut sich dann doch nicht. Ich schweige sie an, um nicht die Kontrolle zu verlieren, sollte es zu einem Gespräch kommen. Meine Tabletten habe ich nach etwas Suchen wieder gefunden und nehme sie auch regelmäßig. Seitdem ist auch diese angespannte Stimmung. Das geht jetzt seit zwei Tagen und morgen muss sie sich entscheiden ob sie mit nach Spanien fliegt. Vielleicht ist es besser wenn sie fliegt, aber wenn ich ihr das sage, wie nimmt sie das auf? Denkt sie dann, ich möchte sie nicht mehr? Oder denkt sie dann, ich will dass Schluss ist? Das will ich auf keinen Fall. Nur weil es aktuell etwas schwierig ist mache ich nicht einfach Schluss. Ich spüre es doch, dass wir beide das wieder hinbekommen wollen. Jede Nacht kuschelt sie sich enger als sonst an mich und ich halte sie noch fester als sonst. Wenn wir dann wach werden lachen wir uns an, es kann also nicht so kaputt sein, oder?
Ich komme vom Training nach Hause und finde Michèle nicht im Wohnzimmer. In der Küche ist sie auch nicht. Langsam gehe ich nach oben, wo ich sie im Schlafzimmer finde. "Packst du für Spanien?", frage ich genervt nach. Sie schaut mich überrascht an. "Ich sortiere deine frisch gewaschene Wäsche. Was soll ich auch mit deinen Unterhosen in Spanien?", sagt sie und versucht leicht zu lächeln. Doch dann ändert sich ihr Gesichtsausdruck gleich wieder und sie unterdrückt sich ein Schluchzen. "Was ist denn los?", frage ich nach. "Roman, ich muss dir was sagen.", sagt sie leise und nimmt meine Hände, "Ich...ich weiß, dass du das Zeug wieder genommen hast!" Geschockt schaue ich sie an und versuche mich los zureißen, aber sie hält mich mit all ihrer Kraft fest. "Roman bitte, hör mir zu. Auch wenn du jetzt wahrscheinlich ausrasten wirst, mich anbrüllen wirst oder gleich Schluss machst....ich werde nach Spanien fliegen.", sagt sie leise und muss pausieren, bevor sie weiter redet, "Ich würde es dir gerne erklären, aber wenn ich dir das jetzt sage, breche ich weinend vor dir zusammen. Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen und so wirklich überzeugt bin ich immer noch nicht. Ich hab alles aufgeschrieben. Ich weiß, dass du jetzt sauer bist, also lies es vielleicht, wenn du dich etwas beruhigt hast." Sie ist völlig fertig mit der Welt. Sie gibt mir einen Brief und schaut mich lange an. Ich muss mich ein paar Augenblicke lang sammeln, bevor ich etwas sage. "Geh ins Wohnzimmer. Ich komme gleich nach.", sage ich leise. Michèle nickt leicht und geht dann. Ich setze mich auf das Bett, öffne den Brief und fange an zu lesen.
Lieber Roman,
wir beide wissen, dass es aktuell nicht einfach ist. Und meine Entscheidung nach Spanien zu gehen dient auf keinen Fall zum Weglaufen vor den Problemen. Ich möchte dir versuchen meine Entscheidung zu erklären. Ich habe vor drei Tagen heraus gefunden, dass du das Zeug wieder genommen hast. Sergio hat es zu spüren bekommen. Damit ich es nicht auch zu spüren bekomme und unser Baby schütze, ist der Abstand vielleicht besser. Versteh mich nicht falsch, du weißt genau, dass ich dir wie damals verzeihen werde. Schließlich bin ich nicht unschuldig daran, dass du wieder dazu gegriffen hast.
Roman, auch wenn du das jetzt nicht glauben wirst, ich liebe dich! Und ich werde nie einen anderen lieben. Ich weiß selbst, dass ich nicht die perfekte Freundin bin, dass ich dir viel Kummer bereitet habe und es wieder tue. Ich weiß auch, dass ich schon viele Fehler gemacht habe und wahrscheinlich ist das hier jetzt auch der Nächste.
Ich habe es dir schon oft gesagt und sage es dir jetzt wieder. Es gibt nur einen Mann in meinem Herzen, und der warst du, der bist du und der wirst du auch immer bleiben. Egal ob da ein Sergio Ramos oder jemand ganz anderes kommt. Der Mann in meinem Herzen, meine große Liebe und Vater meines Babys heißt Roman Bürki!!
Spanien wird für mich eine harte Zeit, ich werde jeden Tag an dich denken müssen, meine Entscheidung bereuen und mir am Ende doch eingestehen, dass es die richtige Entscheidung war. Ich weiß nicht, was das dann zwischen uns ist, aber ich hoffe es ist kein Ende.
Das zwischen uns ist auf keinen Fall der einzige Grund. Auch Łukasz spielt in der Entscheidung mit rein. Er hat sich seitdem er die Nachricht geschrieben hat kein einziges Mal bei mir gemeldet. Das belastet mich genauso. Vielleicht fällt wenigstens diese Last in Spanien von mir ab.
Abschalten, den Kopf frei kriegen, egal wie du es formulierst, es ändert nichts daran, dass ich dich alleine lasse und das obwohl ich dir damals gesagt habe, dass ich dich nie alleine lassen werde. Ich weiß, dass du dir das sehr zu Herzen nehmen wirst und dich zurückziehen wirst. Lass dir bitte von Emilia helfen, nicht in ein Loch oder ähnliches zu fallen. Sie hat mir versprochen auf dich "aufzupassen", gib ihr also die Chance, dass sie dieses Versprechen halten kann. Für mich wird es auch nicht einfach.
In meinem Zimmer liegt meine Gitarre auf meinem Bett. Drauf liegt eine CD. Hör sie dir doch einfach mal an, wenn ich weg bin.
Ich hoffe du kannst mich etwas verstehen, ich nehme es dir nicht übel, wenn nicht.
Egal was du dazu jetzt sagst, ich möchte dir noch sagen, dass es mir unglaublich leid tut und ich dich immer lieben werde.
Michèle
Wirklich gelesen habe ich ihn nicht, eher überflogen. Ich glaub das einfach nicht. Das sie sich das traut, ist einfach unglaublich. Wütend laufe ich ins Wohnzimmer und stelle mich vor sie. Michèle schaut mich ängstlich an. Ich halte ihr den Brief vor das Gesicht und zerreiße ihn vor ihren Augen. Dann will ich gehen, doch sie hält mich zurück. "Roman, versuch doch...", fängt sie an, doch weiter kommt sie nicht, da ich ihr schon eine Ohrfeige verpasst habe. Sie schaut mich geschockt an. "Genau das meine ich!", sagt sie dann und rennt in ihr Zimmer, wo sie die Tür zu schließt. Ich bleibe im Wohnzimmer stehen und frage mich was gerade passiert ist. Einzig der Schmerz in meiner Hand lässt mich wissen, dass ich sie wieder geschlagen habe. Erst mache ich mir Hoffnung, dass es wieder wird, sie versucht es mir zu erklären, warum sie wie handelt und dann schlage ich sie.
Klasse Roman...nicht!
Ich hoffe das Kapitel gefällt euch!
Lasst gerne Feedback da :)
~M💛
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