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It's not easy to be me #35

"Mick", Ann kam in mein Zimmer gestürmt, "Was soll ich anziehen?"

Sie hob zwei, für mich 1:1 gleich aussende, Kleider hoch. Eines mit grünen Blumen und eines mit gelben Blumen.

Ich setzte mich auf. "Bin ich dein Modeberater?"

"Aber ich kenne diese Familie doch nicht. Wie sind diese Leute so? Eher edel oder lecher?"

Ich zuckte mit den Schultern. "Ich habe Steves Eltern auch noch nie persönlich kennengelernt."

"Aber was denkst du?" Sie hielt mir die beiden Kleidungsstückte genau unter die Nase, so nah, dass ich sogar den Geruch der Zirbenholzblöcke, die überall in ihrem Kleiderkasten herumlagen, wahrnehmen konnte.

"Was weiß ich", ich schob die Kleider wieder von mir weg, "was ist da überhaupt der Unterschied? Bis auf die Farbe schauen die Dinger genau gleich aus."

Die Augen meiner Tante weiteten sich und ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, müsste gerade die Welt untergehen.
"Mick, sieh her. Dieses Kleid hat einen Rundausschnitt, dieses hat einen V-Ausschnitt und schau dir mal den Saum an. Und dann die Knopfleisten...". Sie redete gefühlte Stunden über den, in meinen Augen nicht vorhandenen Unterscheid zwischen den beiden Kleidern.

"Ann", unterbrach ist die nach unbestimmter Zeit, "ich denke, das Grüne ist perfekt."

"Meinst du?"

"Ja, ich bin mir ganz sicher." Ich schenkte meiner Tante ein gezwungenes Lächeln, als sie mir einen fragenden Blick zuwarf.

Dann nickte sie, schaute das Kleid in ihrer Hand an, dann wanderte ihr Blick wieder zu mir. Ihre Augen leuchteten. "Ach, ich habe da noch ein Kleid..." Sie drehte sich um und wollte aus meinem Zimmer gehen.

"Nein, das grüne Kleid ist perfekt", sagte ich schnell.

Lachend drehte sie sich wieder zu mir um. "Du weißt, dass ich weiß, dass du das nur sagst, dass du mich los bist?"

Ich grinste meine Tante an. "Das Kleid ist aber wirklich schön."

Sie nickte mir nur halbherzig zu, dann ergriff sie wieder das Wort: "Und was ziehst du an?"

Ich zuckte mit den Schultern. "Weiß ich noch nicht."

"Dann solltest du dich aber bald entscheiden."

Ich warf einen Blick auf die Uhr. "Ann", lachte ich, "Wir sind in vier Stunden eingeladen."

Angesprochene hob eine Augenbraue. "Wir müssen trotzdem damit rechnen, dass die Straßen heute voll sind." Dann ging sie ohne ein weiteres Wort aus meinem Zimmer, die Kleider über ihren linken Unterarm gelegt. 

Ich schaute meiner Tante nach, wie sie da so aus meinem Zimmer tänzelte. Sie war wirklich eine starke Frau. Das war mir nie so sehr bewusst geworden, wie in dieser Sekunde. 
Sie hatte so viel in ihrem Leben verkraften müssen, und war trotzdem noch fähig, glücklich zu sein.

Eine Weile starrte ich noch den leeren Türrahmen an, dann riss ich mich aus meiner Trance, rappelte mich auf und ging zu meinem Kleiderkasten. Sobald ich die Türen öffnete sprang mich sofort ein bunter Haufen Kleider an. 
Ich schnappte mir einen grünen Pullover und eine schwarze Hose. 

Nachdem ich mich umgezogen hatte, begutachtete ich mich im Spiegel. Ich sah normal aus, mehr oder weniger. Wenn mir vor zwei Monaten jemand gesagt hätte, dass ich das einmal als normal bezeichnen würde, hätte ich demjenigen in die Fresse geschlagen. 
Doch ich musste es mir eingestehen. Ich hatte mich verändert. Und ich bereute nichts davon.

Ich schaute auf die Uhr und konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Ann hatte es tatsächlich geschafft, mich mit ihrem Stress anzustecken. Ich hatte immer noch über drei Stunden Zeit. In dieser Zeit könnte ich locker noch einen Film schauen, jedoch verzichtete ich, denn ich hatte schon so ziemlich alle guten Filme gesehen, wobei ich kein Maßstab war, da man die Filme, die ich gut fand, an einer Hand abzählen konnte.

Stattdessen setzte ich mich wieder auf mein Bett und begann, die Wand anzustarren, die mit bunten Stofffetzen überhäuft war. Ann sagte, ich sollte mich in den nächsten Tagen für eine Farbe entscheiden.

Grün. Ich mochte grün. Es war ein frisches Frühlingsgrün, bei dem man das Gefühl hatte, die Freude würde niemals enden. Aber ich mochte auch Blau. Es war ein ozeanisches Blau, man hatte das Bedürfnis, einfach hineinzuspringen und frei zu sein.

Ich dachte an Allys Zimmer zurück. Es hatte so freundlich ausgesehen. Es hatte so einladend gewirkt.

Ich schaute mich wieder um. Hier sah es im Moment noch aus, wie es immer schon ausgesehen hatte. Grau. Die grauen Wände wiesen immer noch die gleichen Risse im Verputz auf, wie sie es immer schon getan hatten.

Doch das würde sich ändern.

"Mick!", riss die Stimme meiner Tante mich aus meinen Überlegungen, "Kommst du mal?"

Widerwillig stand ich auf und ging zu ihr hinunter. "Was ist denn, Ann?"

"Hilfst du mir mal kurz?" Sie hielt mir eine Rolle Cellophan hin.

"Was soll ich damit?" Ich fuchtelte mit dem Plastik in der Luft herum.

"Hilf mir einpacken." Sie nickte auf einen Korb mit allerhand Zeug darin.

"Meinst du nicht, dass du es ein bisschen übertreibst?" Ich zog eine Augenbraue hoch.

"Ist doch nur ein kleines Gastgeschenk. Wir wollen ja nicht gleich einen schlechten Eindruck machen, oder?" 

Ich gab ihr keine Antwort.

"Ich hebe an und du legst das darunter, dann binde ich es oben fest."

Ich ging zu einer Besteckschublade und nahm mir ein großes Küchenmesser heraus. Mum hatte damit immer das Geschenkpapier geschnitten, wenn ich auf einer Geburtstagparty eingeladen gewesen war. 'Dann wird der Schnitt sauberer', hatte sie immer gesagt.

Sobald Ann den Korb angehoben hatte, legte ich also das viereckige Stück Cellophan darunter, damit sie es oben zusammenschnüren konnte.

"Was hast du denn da überhaupt an?" Sie musterte mich von oben bis unten.

"Einen Pullover und eine Hose?" Ich schüttelte verwirrt den Kopf.

"Zieh das an." Wie aus dem Nichts nahm Ann ein gestreiftes Hemd und warf es mir zu.

"Wozu? Wir gehen nicht auf einen Ball."

Sie nickte mir nur auffordernd zu.

"Du bist aber groß geworden." 

Ich schaute von meinen Hemdknöpfen auf, meiner Tante in die Augen. Diese glitzerten, als würden sich Tränen darin sammeln.

"Eben warst du noch der kleine Junge, der hier eingezogen ist, gebrochen und traurig. Du bist ein Mann geworden, und ich habe das Gefühl, als hätte ich nichts davon mitbekommen. Ich habe das Gefühl, dass wir aneinander vorbeigelebt haben, Mick." 

Eine einzelne Träne fand den Weg ihre Wange hinunter. Ich trat einen Schritt auf sie zu und wischte diese weg. "Hey, Ann. Du hattest mich immer, ich war nur nicht der, den du gerne gehabt hättest. Aber der will ich jetzt werden. Jetzt hast du mich, den Neffen, den du dir immer gewünscht hast."

Sie schloss mich in ihre Arme. "Ich habe dich immer geliebt, egal, was für ein Neffe zu warst. Du warst immer mein Mick." 

"Wollen wir dann los?" Ich löste mich von ihr.

"Wozu nimmst du den Pullover mit", fragte sie, als ich den grünen Pullover von vorhin unter meinem Arm zum Auto trug.

"Nur falls es kalt wird... Man weiß ja nie, wie bei den anderen Leuten die Heizung so ist." 

Ann schmunzelte. "Na dann."

"Wohin müssen wir nochmal?" Meine Tante schaute sich panisch auf den vollen Straßen um. Mit der Aussage, die sie vor Stunden getätigt hatte, hatte sie recht behalten und kein bisschen übertreiben. Sie Autos stauten sich in jeder Kreuzung, die Polizeikontrollen waren mindestens doppelt so streng wie sonst. Ich wollte gar nicht wissen, wie der Verkehr zu Weihnachten aussehen würde.

Ich las ihr Steves Adresse zum fünfzigsten Mal vor, in der Hoffnung, dass sie das Haus nun endlich finden würde, denn ich war mir nicht sicher, wie sehr ich in solch einer Stresssituation auf Anns Fahrkünste vertrauen konnte.

Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde Autofahren, in der wir mindestens fünf mal am Central Park vorbeigefahren waren, erreichten wir, zu meiner Erleichterung, nun endlich das Haus von Steves Eltern.

Ann stieg aus und ging langsam die drei Stufen, die zur Eingangstür führten, hinauf. Ich folgte ihr. 
"Soll ich?", fragte sie leise und fixierte mit ihrem Blick die Türglocke. Erst jetzt bemerkte ich, wie nervös meine Tante war. Sie war seit Ewigkeiten nirgends mehr eingeladen gewesen. Beruhigend legte ich meine Hand auf ihre Schulter. "Ja", antwortete ich.

Sofort schwang die Tür auf. Eine Frau stand mit weit ausgebreiteten Armen mitten im Türrahmen. Sie hatte lange, blonde und ein wenig kaputt aussehende Haare, die ihr bis zur Brust reichten, außerdem hatte sie ein knielanges Cocktailkleid an, das ich eher als Sommerkleid eingeschätzt hätte und Schuhe, die aussahen, als wären sie noch vom letzten Jahrhundert. Doch ihr Lächeln war breit und einladend.

"Kimberly! Mach die Tür zu! Es zieht!" Hinter der Frau kam ein Mann zum Vorschein. Er sah ein wenig grimmig drein. 
Die blonde Frau bat uns herein und schloss sofort hinter uns die Tür. "Kommt mit." Lächelnd führte sie uns ins Esszimmer. Steve und Ryan saßen nebeneinander auf einer blauen Couch und starrten auf ihre Handys.

"Jungs." Kimberlys Ton war mahnend. Die beiden blickten auf, sobald sie mich sahen, sprangen sie auf. Steve schloss mich in die Arme. "Schön, dass du da bist."

"Jetzt, wo alle eingetroffen sind, können wir ja beginnen, oder?" Die blonde Dame schaute in die Runde.

"Bist du alleine da, Ryan?", fragte ich den Schwarzhaarigen.

Er nickte. "Meine Eltern konnten nicht."

"Kommt zu Tisch!", rief die Hausherrin fröhlich.

Wir drei setzten uns nebeneinander, Steve in der Mitte. Vor uns befanden sich drei Gabeln, drei Messer und noch eine kleine Nachspeisengabel mit einem dazugehörigen Löffel. Neben den gold eingerahmten Tellern, befand sich jeweils eine Stoffserviette, ein Wein - und ein Wasserglas.

"Meine Familie nimmt Thanksgiving sehr ernst", flüsterte Steve mir zu, als ich mit einem fragenden Blick das ganze Zeug, das sich vor mir befand, begutachtete. Ich nickte nur, da sich schon alle um den Tisch versammelt hatten.

Wenige Minuten später war jeder Zentimeter der Holzplatte mit Speisen bedeckt, in der Mitte der Truthahn, besser gesagt zwei Truthähne, weil Ann den, den sie gekauft hatte, auch noch mitgebracht hatte. Rund herum befanden sich Zuspeisen noch und nöcher.
Gerade als ich jedoch zugreifen wollte, kam Kimberly mit einem großen Topf Suppe aus der Küche. Sie schöpfte jedem ihrer Gäste einen großen Schöpfer grüne Pampe in den Teller.

"Was ist das?", flüsterte ich Steve suspekt zu.

"Gemüsecremesuppe, soweit ich das mitbekommen habe, schmeckt erträglich."

Ich nahm einen Löffel von der Pampe und berührte damit vorsichtig meine Lippen. Ich hatte schon ewig keine Gemüsesuppe mehr gegessen, immer wenn Ann so etwas kochte, ließ ich die Suppe aus. Ich musste mich immer daran erinnern, dass ich mich als kleines Kind einmal wegen so einer Pampe übergeben hatte.

Aber diese Suppe schmeckte wirklich ausgezeichnet. Gierig und schneller als alle anderen löffelte ich den ganzen Teller leer. Als ich fragte, ob ich noch etwas haben könnte, lachte Kimberly. "Schau doch, was es sonst noch alles gibt." Sie wies mich mit einer Handbewegung auf all die Speisen hin, die sich vor mit auf dem Tisch befanden. Ich musste auch lachen. Es war schon lange her, dass ich mich in so einer Gesellschaft befunden hatte.

"Hier, das schmeckt gut." Ryan drückte mir eine mit Erdäpfel gefüllte Schüssel in die Hand. Ich nahm mir etwas heraus, obwohl ich schon mehr als voll war. Ich wollte alles kosten, denn alles schmeckte einfach perfekt. 

Es wurde geredet, gelacht und sich gut unterhalten. 

Nach dem Essen verschwand Kimberly in der Küche. Ann eilte ihr zur Hilfe. Ich wollte auch helfen, doch Steve hielt mich zurück. "In die Küche passen nicht mehr als zwei Personen", sagte er, nahm mich am Ärmel und zog mich mit.

Wenige Minuten später befanden wir sich in seinem Zimmer. Es war schwarz ausgemalt, wirkte aber trotzdem nicht deprimierend. An den Wänden befanden sich zwischen den großen Fenstern massenweise Poster von Superhelden, in einem hölzernen Regal lagen tausende Comics und auf einem Regal waren alle Marvel-Filme nacheinander aufgereiht.

"Wollen wir einen Film anschauen?", fragte der Blonde, den Blick schon sehnsüchtig auf die gerade erwähnten DVDs gerichtet. Ich hatte in meinem ganzen Leben genau einen dieser Filme gesehen - Captain America - und das auch nur, weil Steve ihn mit in die Therapie genommen hatte.

Ich seufzte.

"Welcher ist denn der beste?", fragte Ryan mit hochgezogenen Augenbrauen.

"Alle sind perfekt!", antwortete Steve mit einem vorwurfsvollen Unterton. 

Ryan ging auf das Regal zu und zog einen Film heraus. "Was ist mit dem?"

"Ausgezeichnete Wahl." Der Junge nahm ihm die Verpackung aus der Hand und schob sie in den DVD-Player. 

"Was schauen wir jetzt?", fragte ich die beiden.

"Black Panther", antworteten sie wie im Chor, die Blicke an den Bildschirm geheftet. 

Die 135 Minuten, die der Film dauerte, waren mit epischen Kämpfen und anderem Kram gefüllt. Ich musste zugeben, der Film war nicht schlecht, aber ein Marvel-Fan, wie Steve es war, würde ich nie werden.

Er nahm die DVD aus dem Player und legte sie zurück in ihre Hülle.

"Jungs, kommt ihr runter?", hörte ich eine Stimme von unten.

"Mir ist immer noch schlecht", stöhnte ich.

"Komm schon Mick, Mums Nachspeisen sind die besten", drängelte mich Steve.

"Das kann ich mir vorstellen", murmelte ich.

"Jetzt krieg ich wirklich nichts mehr runter." Ich ließ mich auf den Rücken fallen.

"Was hast du da überhaupt an?", lachte Ryan.

"Ann hat mich gezwungen."

"Die Frau hat dich ja ganz schön im Griff, was?" 

Ich krabbelte zu Steve hinüber und verpasste ihm einen Schlag auf die Schulter. Wir saßen in einem Dreieck auf dem Boden des schwarz ausgemalten Zimmers. Die beiden anderen tranken Wein, den Steve irgendwo abgezweigt hatte. Aber wenn ich noch einen Schluck von irgendetwas nahm, drohte mir das Rückwärtsessen. Und ich hatte kein Lust, Steves Teppichboden vollzukotzen.

"Also, jetzt erzählt mal", sagte Steve mit seiner tiefen jetzt-wird's-privat-Stimme, "Seit ihr noch Jungfrau?" Er wackelte mit seinen Augenbrauen, während er letzteres aussprach. "Ryan, du zuerst."

"Nein. Ich hab's mit Kylie getan. Kurz bevor wir uns getrennt haben."

"Mick...?" 

"Was?" Ich wollte ungern über mein nicht vorhandenes Sexleben sprechen.

"Ob du schon mal mit jemandem geschlafen hast? Und zieh endlich diesen Fummel aus, das sieht ja schrecklich aus!"

Ich knöpfte mir also mein Hemd auf und zog mir meinen grünen Pullover über, den ich genau für diesen Fall mitgenommen hatte. Dabei versuchte ich, möglichst viel Zeit zu schinden.

"Mick?" Steve lachte.

"Ja, na schön, ich bin noch Jungfrau. Du?"

Der Blonde schüttelte den Kopf. "Nein."

"Wie oft?", fragte Ryan sichtlich interessiert.

Steve schien im Kopf zu zählen. "Sieben oder acht." Er zuckte mit den Schultern.

"Sex oder Menschen?" Ich legte den Kopf schief.

"Beides. Ich hatte erst eine Beziehung - mit 14 und sie hat drei Wochen gedauert- aber mit ihr habe ich nicht geschlafen. Sonst waren es immer nur schnelle Nummern. Wer will denn schon mit so einem Psycho wie mir zusammen sein? Aber ich brauche sowieso nichts Festes."

Er lachte, während er das sagte, doch trotzdem schwang ein Funke von Trauer in seiner Stimme mit. 

"Hast du schon einmal jemanden gehabt, Mick?", unterbrach er schließlich die peinliche Stille.

Ich schüttelte den Kopf. "Nein. Wozu?"

"Na zum Lieben", antwortete Ryan.

"Zum Ficken", sagte Steve.

"Beides nicht." Ich schaute zu Boden. Ich brauchte niemanden, schon gar nicht zum Lieben. Die andere Sache konnte ich nicht beurteilen, da ich keinerlei Erfahrung in diesem Bereich mitbrachte.

"Hast du denn schon einmal jemanden geküsst?", erkundigte sich der blonde Junge.

Ich dachte nach. Konnte man die Sache mit Ally einen Kuss nennen? Nein, eher nicht. Schließlich war es ein Versehen gewesen, ohne jegliches Gefühl. 
"Nein."

"Was läuft denn das zwischen Ally und dir?" Ryan grinste mich schelmisch an, doch ich merkte, dass er die Frage tot ernst meinte. Trotzdem war ich verwirrt. Was sollte da laufen?

"Was soll da laufen? Nichts läuft da", sprach ich meine Gedanken aus.

"Aber da ist doch was zwischen euch", schaltete sich Steve ein.

"Ja, Freundschaft." Ich zog eine Braue hoch.

"Sicher nicht Freundschaft Plus, oder sowas?" Steve grinste breit.

"Halt doch den Mund", lachte ich und schlug ihm zum zweiten Mal gegen die Schulter.

Ryan reichte mir die Weinflasche. Zuerst zögerte ich, weil ich nicht wusste, ob mein Magen das bereits vertragen würde, doch dann entschied ich mich dazu, einen großen zu nehmen. Der Wein schmeckte, wie alles andere in diesem Haus, ausgezeichnet. 

"Soll ich noch was holen?" Steve hielt die leere Flasche hoch.

Ryan und ich nickten eifrig und ich stieß ein schrilles Kichern aus. 

Als Steve den Raum erneut betrat, hatte die Flaschen schon an seine Lippen gesetzt. "Schmeckt super", kicherte er, man konnte hören, dass seine Zunge ihm bereites schwer war.
Ryan nahm ihm das Gefäß aus der Hand und nahm ebenfalls einen kräftigen Schluck. Dann reichte er die Flasche widerwillig an mich weiter.

Wenige Stunden später lagen wir kichernd nebeneinander auf dem Boden. "Happy Thanksgiving", gluckste Ryan und ließ sich auf meinen Bauch fallen. Meine Reaktion bestand aus einem langen, schrillen Lachen.

"Habt ihr noch Wein?", lallte Steve.

Ich schüttelte den Kopf. "Neeeeeeein", gab ich zurück.

"Hahahahahahha", meldete sich Ryan wieder von meinem Bauch und rollte sich dann wieder zurück auf den Boden.

Mit Mühe rappelte ich mich auf, meine Sicht war verschwommen, meine Reaktionsfähigkeit verzögert.

Auf einmal spürte ich fremde Lippen auf meinen eigenen. Steve keuchte in meinen Mund und leckte mehrmals über meinen Mund.

"Du schmeckst gut...", lallte er, "nach Wein..." Er ließ sich nach hinten fallen und fuhr sich nun mit seinem Finger über die knallroten Lippen.

"Jetzt hattest du auch deinen ersten Kuss", kicherte Ryan ebenfalls auf dem Boden liegend.

Auf einmal stand Steve auf, ging zu seinem Kleiderkasten und nahm etwas heraus. Doch ich konnte dank meiner verschwommen Sicht nicht erkennen, was es war. 

Er drückte Ryan und mir jeweils ein kleines, gläsernes Fläschchen in die Hand. Vergäblich versuchte ich die Inschrift zu lesen, doch egal, wie weit oder nah ich das Ding zu meinem Auge hielt, ich sah nur einen langen schwarzen Strich anstatt von Buchstaben.

Die beiden andern schütten das Zeug jedoch einfach in den Mund, also tat ich es ihnen gleich. Die Flüssigkeit brannte in meinem Hals, doch das änderte nichts daran, dass ich mehr davon wollte.

"Meine Eltern konnten nicht kommen, weil meine Mum betrunken war", murmelte Ryan.

Ich konnte nicht einschätzen, wie lange wir auf dem Boden lagen, lachten und kicherten. Es könnten Stunden, aber auch Minuten gewesen sein.

Das letzte, woran es mein Gehirn schaffte, sich zu erinnern, war, dass mir Schwarz vor Augen wurde.

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