It's not easy to be me #13
"Nadja, lass mich!"
Allmählich wurde ich wütend.
"Mick, komm schon. Wir wissen es doch alle."
"Ihr wisst gar nichts über mich, gar nichts! Und jetzt lass mich in Ruhe du verdammte Mistkuh!" Wäre sie kein zartes, hilfloses Mädchen, hätte ich ohne Zögern zugeschlagen, doch ich wollte nicht noch einen Besuch bei der Polizei riskieren.
Ich ging mit schnellen Schritten den Gang entlang, in der Hoffnung, sie abhängen zu können. Doch sie lief ungeduldig und immer noch dumm grinsend neben mir her.
"Mick...", ihre Stimme klang zuckersüß, vergleichbar mit dieser Zuckerglasur, bei der man das Gefühl hatte, der Magen wurde sich in der nächsten Minute zusammenkleben, wenn man zu viel davon aß. Ihre Stimme klang, als hätte man mit der Masse an Zuckerglasur sieben Mägen zusammenkleben können.
"Wag es ja nicht", sagte ich mit einem schroffen und warnendem Unterton.
Sie zuckte mit den Schultern. "Irgendwann werde ich mein Interview bekommen, wirst schon sehen."
Sie warf ihre rot-orangen, offensichtlich gefärbten, Haare zurück und stolzierte davon.
Ich betrat, immer noch fuchsteufelswild, das Klassenzimmer und setzte mich auf meinen Platz, der sich bedauerlicherweise in der Mitte der Klasse befand.
Wie immer würdigte mir keiner einen Blick. Ich war der unsichtbare Junge. Ich wurde nur dann sichtbar, wenn sie einen 'Psycho' suchten, auf den sie herumhacken konnten.
Der Schultag verging langsam, wie jeder Schultag. Eine Stunde, eine Pause, eine Stunde, eine Pause.
In den Stunden schrieb ich alles von der Tafel ab, was der Lehrer aufschrieb, auch, wenn ich nicht einmal wusste, um welches Fach es sich handelte.
In den Pausen saß ich allein auf meinem Platz und starrte auf die Tischplatte. Ich kannte jeden Kratzer, jeden Bleistiftstrich, der sich darauf befand. Das musste wirklich gestört aussehen, doch das war mir egal.
Mich hielt sowieso schon jeder für einen psychisch Gestörten und Freunde hatte ich auch keine. Ich brauchte auch keine, ich hatte so lange ohne Freunde ausgehalten.
In der letzten Stunde hatten wir Persönlichkeitsbildung, meiner Meinung nach, das unnötigste Fach überhaupt. Doch in dieser blöden Sozialschule, in der mich Ann einfach angemeldet hatte, ohne mich vorher zu fragen, stand auch solch ein unnötiger Kram auf dem Stundenplan.
Persönlichkeitsbildung hatte ich schon oft geschwänzt, doch, da ich heute sowieso nichts Besseres vorhatte, bleib ich eben.
Die neue Lehrerin betrat die Klasse. Die, die wir davor gehabt hatten, war in Mutterschutz gegangen. Die Neue, deren Namen ich mir nicht merkte, war ganz besessen von Irrsinn.
Liebe, Vertrauen, solch einen Scheiß.
"Wer kann mir erklären, was Liebe ist? Was erwartet ihr von eurer großen Liebe?"
"Sie soll gut im Bett sein!", schrie James sofort durch die ganze Klasse.
Darauf lachten alle, alle außer ich.
"Jemand anderes?" Ich hasste ihre schrille Stimme, sie tat in den Ohren weh. Doch noch mehr hasste ich es, wie sie das Wort Liebe aussprach, so gespielte schwärmerisch. So, dass man das Gefühl hatte, das Frühstück würde einem gleich hochkommen.
Die namenlose Lehrerin blickte fragend in die Klasse. Isabelle reckte die Hand. Ich verdrehte die Augen. Streberin.
"Ich finde, Liebe ist etwas Besonderes, etwas, das man beschützen sollte. Etwas, das unbeschreiblich ist, es ist ein Gefühl der Vollkommenheit."
Isabelle klang genauso schwärmerisch, wenn sie von der ach so tollen Liebe sprach.
"Mister Dawson, was sagen Sie du dazu?"
Ich schreckte auf. Das war das erste Mal heute, dass ich drangenommen wurde.
"Ich finde, Liebe ist unnötig", gab ich als desinteressierte Wortmeldung ab.
Die Lehrerin benahm sich, als hätte ich ihr damit einen Dolch ins Herz gerammt.
Zuerst suchte sie nach den richtigen Worten, um, keine Ahnung was, zu sagen, doch dann begann sie zu schreien: "Dawson! Zum Direktor! Sofort!"
Ich zuckte mit den Achseln, doch stand auf und ging zur Tür.
"Begleite ihn", forderte sie Nicolle auf. Diese erhob sich und kam zu mir.
Nicolle war ein etwas seltsames Emo - Girl. Die hatte in der Schule nicht besonders viele Freunde. Die Pausen verbrachte sie damit, Selfies zu machen und irgendwelchen Leuten zu schreiben.
In der Freizeit hing sie immerzu mit ihren Emo - Freunden in irgendwelchen Bars herum und machte Emo - Zeugs. Doch sie war mir alle mal sympathischer als Streber, wie Isabelle.
"Rein da", murmelte Nicolle, als wir vor der Tür der Kanzlei standen. Ohne ein Wort zu sagen, klopfte ich an, trat jedoch dann sofort ein.
"Micheal Prince Dawson", stöhnte der Direktor, doch er konnte das kleine Lächeln auf seinen Lippen nicht verbergen.
"Mister Elleman." Ich setzte mich auf den Sessel gegenüber von ihm.
"Was ist es denn heute?"
Ich hob die Schultern. "Keine Ahnung."
"Sie müssen doch irgendwas getan haben."
"Ich habe meine Meinung zur ach so herrlichen Liebe geäußert."
"Und was ist ihre Meinung?"
"Liebe ist eine Vorstellung, die hilflos verzweifelten Menschen hilft, sich einen Sinn des Lebens einreden zu können. Reine Zeitverschwendung."
"Waren Sie denn noch nie verliebt?"
Als er bemerkte, was er gerade gesagt hatte, räusperte er sich sofort, sah mich jedoch trotzdem erwartungsvoll an.
Diese Frage kam mir etwas seltsam vor. "Mister Elleman, bestrafen Sie mich doch einfach und lassen Sie bitte mein Privatleben aus dem Spiel."
"Ja, sicher, tut mir leid. Schreiben Sie einen Aufsatz über..."
Ich zog die Augenbrauchen hoch.
"...über... die Irrsinnigkeit der Liebe."
"Von mir aus..."
Ich war leicht verwirrt, doch wenn es ihm etwas gab.
"Auf Wieder sehen", sagte ich schnell und verließ die Kanzlei. Kurzerhand beschloss ich, nicht wieder in den Unterricht zurückzukehren.
In meinem Zimmer setzte ich mich hin und begann zu schreiben.
Eigentlich hielt ich nicht viel vom Schreiben, von Hausaufgaben und schon gar nicht von Strafaufgaben, doch das war die Gelegenheit, jemandem klar zu machen, dass die Liebe ein Hirngespinst war.
Alle Menschen schwärmen von der Liebe, davon, dass sie so wunderbar ist. Als ob Liebe Kriege beenden oder Menschen retten könne, als ob man mit Liebe alleine alle Katastrophen verhindern könnte.
Liebe ist eine Vorstellung von verzweifelten Menschen, die einen Sinn in ihrem armseeligen Leben suchen, die sich einbilden, dass, wenn der Typ oder das Girl, dass sie gerade bumsen die Liebe ihres Lebens sein würde, sich einreden, dass sie glücklich werden, wenn sie jeden Tag mit einem verdammten "Ich liebe dich" beginnen.
Mir wird bei dem Gedanken allein schon schlecht.
Es gibt nur eine Art der Liebe, die Liebe zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Wenn diese Liebe zerstört ist, ist sowieso schon alles verloren.
Dieser Text gab meine Meinung der Liebe preis. Der, ach so wichtigen Liebe.
Nadja stelle ich mir ein bisschen wie Jane Asher vor. Ihr könnt sie auch googlen, wenn ihr wollt.
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