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Kapitel 72

Der Abendwind fegte mir die Haare aus dem Gesicht und sein Bruder blies sie mir wieder hinein. Ich achtete nicht darauf, beäugte einfach Nialls Reaktion. Und die war wie folgt: Anfangs verknotete er seine Hände, presste sie genauso fest an einander wie seine Lippen. Man sah schon die Knochen heraustreten. Dann öffnete und schloss er die Augen im Sekundentakt, vermutlich weil er gegen die Tränen ankämpfte. Schließlich gab er es auf und ließ sie fließen. Es war ein wunderschönes Schauspiel. Seine Tränen glitzerten im Licht der untergehenden Abendsonne und das Gold in seinen Augen wirkte noch majestätischer als sowieso schon. Die roten Ränder um seine Augen verschwanden und an ihre Stelle trat das atemberaubendste Gelb-Gold, das ich je in meinem kurzen Leben gesehen hatte. Seine Augen leuchteten.

In seinen Augen standen die unbeschreiblichsten Gefühle beschrieben. Trauer, Wut, Enttäuschung, Erniedrigung und dann, als er eine halbe Ewigkeit geweint und ich ihn dabei angestarrt hatte, Schmerz. Nach allen Gefühlen, die sich in seinen Augen wiedergespiegelt hatten, zeigte sich der Schmerz als letztes. Ein Gefühl, das Niall - so viel wusste ich jetzt - sehr gut kannte. Man brauchte einem Menschen nur beim Weinen zuzusehen und schon kannte man einen Aspekt seiner Geschichte. Ich wusste, dass Schmerz nichts Neues für ihn war. Den Bruchteil einer Sekunde später nahm er den Zettel wieder in die Hand, riss ihn in klitzekleine Fetzen. Oh oh. Ich hatte Angst, dass er meine Hand nahm und ihr dasselbe antat. Doch als er sie packte, passierte nichts dergleichen. Er legte sie sich in die eigene Hand, fuhr über meinen Handballen, über meinen Handrücken, als sei es das erstaunlichste, das er je berührt hatte. Und er tat etwas Unglaubliches. Er führte sie zu seinem Mund und küsste sie leicht, an die Stelle, die von den Worten seines Vaters verunstaltet worden war. Das überstieg all meine Erwartungen. Ich war in Vorraussicht hergekommen, er würde mir Dinge an den Kopf knallen, die mich beleidigten, schlimmer noch, er würde anfangen, mich für einen Freak zu halten. Nicht, dass er meine Hand küsste.

Sofort stellten sich meine Nackenhaare, die sich eben eine Pause gegönnt hatten, wieder auf. Mein Herz schlug einen Salto und ich spürte, wie ein Teil, der herausgerissen worden war, zurück an seinen Platz flog und sich dort einnistete. Ich wagte es kaum zu atmen. Niall war wie hypnotisiert, stierte meine Hand an. Seine Tränen versiegten langsam. Stunden, so kam es mir vor, vergingen, bevor er meine Hand los ließ und sich die Tränen weg wischte. Diese Situation war intim gewesen. Intimer als jeder Kuss, den wir hätten teilen können. Und dieses Mal hatte sich zwischen uns wirklich etwas geändert. Unser Verhältnis hatte sich verändert. Plötzlich fühlte ich keinen riesigen Hass mehr auf ihn. Niall war auch nur ein Mensch, der Schmerz über sich ergehen lassen musste. Er fühlte wie ich. Vielleicht versteckte er diese Gefühle oft, aber sie waren beständig. "Danke", brach er die Stille. Die Geräusche der Umgebung drangen wie eine Wucht auf mich ein. Ich war mindestens so hypnotisiert gewesen wie er. "Wofür?" Meine Stimme hörte sich heiser an. Dabei ging es meinem Hals inzwischen wieder blendend. "Dafür, dass du mir die Pistole weggenommen hast und, dass du mich aus dem Weg geschubst hast." Wow. Er musste in einem echten Emotionstief sein, dass er sich auch noch bei mir bedankte. "Kein Problem", sagte ich ausweichend. "Sie war ja gar nicht geladen." Er schüttelte den Kopf, ehe er ihn gen Himmel hob. Wieder einmal folgte ich seinem Beispiel. Der Himmel färbte sich rosa-rot. Gleichermaßen schön wie seine Augen, dachte ich. Irgendwie gab es so viele schöne Dinge, die unscheinbar wirkten, aber trotzdem einen großen Unterschied in meiner Gefühlswelt auslösten. Ich fühlte mich geborgen, trotz der Kälte und dem Wind. Denn ich saß hier neben Niall, der auch menschlich sein konnte, wenn er nur wollte, und zwar unter dem wunderschönen Himmel in einem wunderschönen Park mit einem schrecklichen Spitznamen. Wahrscheinlich hatte ich voreilig gehandelt, als ich ihm diesen Namen gab. Heute gefiel es mir, hier zu sein.

"Sie war geladen, Ruby. Das habe ich...dumm daher geredet." Sogar diese Information, die mich hätte in den Wahnsinn treiben sollen, erfasste mich nicht mit einer Welle der Panik. "So wie meinen Namen", sagte ich und lachte leise auf. "So wie deinen Namen", bestätigte er. Ich beschloss, es zu riskieren. Was konnte schon schief gehen. "Darf ich..", meine Stimme broch ab. Nein, so konnte ich doch nicht- "Klar, darfst du mir eine Frage stellen." Niall wusste, was ich sagen wollte, bevor ich es sagte. Das war auch irgendwie...schön. "Willst du überhaupt nicht wissen, woher der Zettel kommt?" Er schüttelte gleichzeitig den Kopf und nickte. Was denn nun? "Von meinem Dad", meinte er. "Ja, schon. Aber wundert es dich nicht, dass ich eine Nachricht von deinem Dad habe?" Ich verkniff mir 'von deinem toten Dad', zu sagen. Das schien dann doch reichlich respektlos. "Du dachtest, ich würde dir diese Nachricht nicht abkaufen." Es war keine Frage seinerseits, sondern eine Feststellung. "Dein Dad...immerhin ist er...", stammelte ich, unfähig einen vollständigen Satz auf die Reihe zu kriegen. "Tot. Sag es einfach. Mein Dad ist tot. Gestorben. Vor drei Wochen. Und weißt du, was das schlimmste daran ist?" Keine Ahnung. Er ließ mir keine Zeit, darüber nachzudenken. "Das schlimmste ist, dass mich das einen Dreck schert."

"Aber, fragst du dich denn gar nicht, woher ausgerechnet ich - das neue Mädchen, das deinen Vater nie kennengelernt hat - eine Nachricht von ihm für dich hat?" Faszinierend. Anscheinend juckte ihn sein Dad null die Bohne. Da hatte jemand Freitag Abend auf dem hohen Ross gesessen. Mist. Wie hatte ich nur auf ihn reinfallen können? "Nein. Soll er sich Boten aus dem Jenseits beschaffen. Mir geht das am Arsch vorbei." Einen Moment lang saß ich wie versteinert neben ihm. Allein die Vorstellung, dass er seinen Vater verabscheute, ließ mich innerlich krepieren. Ich kannte meine Eltern nicht, aber wünschte mich nichts sehnlicher, sie zu sehen. Weil ich sie liebte, obwohl sie mich weggegeben hatten, obwohl sie mich in dieses verbotene Leben geboren hatten. Er hasste seinen Vater, vermutlich aus genau diesem Grund. "Ich weiß nur, dass mein Vater gerne manipuliert. Er selbst steht ganz oben auf der Liste, von Menschen, die ihm am Herzen liegen. Er geht das Risiko nicht oft ein, bei etwas zu schaden zu kommen", meinte Niall plötzlich. Eine Ente dackelte auf uns zu. Niall gab ihr einen Brotkrumen.

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